# Writing Friday 2020 – April, 17. Woche : Schockstarre

 

Letztes Mal habe ich mich beim #Writing Friday (auf dem Blog von elizzy) der Frage gewidmet, was für mich ein gutes Buch ausmacht und festgestellt, dass es zwar einfach ist, Kritik an anderen zu üben – aber wenn es darum geht, selbst etwas zu schreiben, die selbst hoch gelegte Messlatte zu einer unüberwindlichen Hürde werden kann.

Die letzte Übung für den April besteht in einer Aufgabe, die ich bisher immer am liebsten hatte, nämlich eine Geschichte mit bestimmten Wörtern darin zu schreiben. Seltsamerweise ist mir die heutige Aufgabe zu diesem Thema nicht so leicht gefallen wie sonst. Sie lautet

„Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hoffnung, genüsslich, Wind, verletzt, Hindernisse

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Schockstarre

Die Hoffnung stirbt zuletzt, dachte Suzanne, als sie die beiden inmitten der Menge erblickte. Engumschlungen, mit ineinander versunkenen Blicken und nur mit sich selbst beschäftigt. Sie hatte es nicht wahrhaben wollen, die Augen hatte sie verschlossen vor der Wahrheit, und jetzt hatte es sie eiskalt erwischt. Ausgerechnet er. Wie lange hatte sie ihn schon aus der Ferne angehimmelt und doch nicht den Mut gefunden, ihn anzusprechen. Wieder und wieder hatte sie sich ausgemalt, wie sie all ihren Mut zusammen nehmen und lässig auf ihn zugehen würde. Doch die Hindernisse zwischen ihr und ihm schienen unüberwindlich. Stets war er umgeben von seinen Freunden, und wenn Marc dann doch einmal zum Lernen ganz allein in einer Ecke saß, traute sie sich vor lauter Schüchternheit doch nicht.

Ganz bestimmt würden seine Freunde sie auslachen. Der Schlimmste von ihnen war Julian, der in dieser Clique das große Wort führte. Hatte er erst einmal die Schwächen anderer erkannt, waren jene, auf die er es abgesehen hatte, vor Hohn und Spott nicht mehr sicher. Julian gehörte zu denen, die sich genüsslich an der Verlegenheit anderer weideten. Warum sich Marc mit diesem Angeber abgab, verstand Suzanne nicht, wie sie so vieles nicht verstand. Doch am allerwenigsten konnte sie begreifen, was Marc an Alexandra fand, mit der sie ihn jetzt sah. War das Gerücht doch wahr gewesen, und sie einfach nur blind für das doch so Offensichtliche.

Verletzt wandte sie sich ab und suchte nach einer Möglichkeit, sich unerkannt zurückzuziehen. Niemand sollte sehen, wie sehr sie durch den Wind war. Noch stand sie unter Schock, aber die Starre würde nicht lange anhalten, und dann käme der Schmerz. Doch dann war sie schon weit weg. Ihr Zug an die See fuhr morgen; drei Wochen im Norden waren zwar keine Garantie, dass sie über die Schmach hinwegkommen würde, aber die vielen Kilometer zwischen dort und hier würden den Schmerz erträglicher machen.

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Kein Happy-End, diesmal. So, und nun – wie immer an dieser Stelle – die Schreibthemen im April:

1) Was macht für dich ein gutes Buch aus? +++ 2) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hoffnung, genüsslich, Wind, verletzt, Hindernisse +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Klara schmiss das Bild an die Wand, es war nun Zeit für…” beginnt +++ 4) Dein Netflix Konto packt aus – was lief dort die letzten paar Wochen? +++ 5) Versuche “Er war verliebt” in einer Szene zu beschreiben, ohne die Wörter “Liebe” oder “verliebt” zu gebrauchen.

Und hier nochmal die Regeln:

Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.