ABC -Etüden – Wochen 19 & 20 : Gefährliche Brandung

 

Es ist Zeit für neue Etüden – drei neue Begriffe sind auf Christianes Blog erschienen, und aus denen gilt es einen Text mit maximal 300 Wörtern zu schreiben. Sie lauten

Katamaran – großspurig – totschweigen

und wurden gespendet von Olpo Olponator. Ein maritimes Thema – lasst Euch überraschen, welches Seemansgarn ich heute gesponnen habe.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Gefährliche Brandung

Die Planken knarrten – sie hatten ihr Ziel erreicht: Julia, Chris und Tim. Max kam als letzter mit den Tickets hinzu. Vor ihnen war er, der Katamaran – die größte Schiffschaukel weit und breit.

Großspurig hatte Max alle eingeladen und sich gebrüstet, dass dieses Karussell das einzig Wahre sei: nichts gegen den Klabautermann, aber hiermit konnte eine popelige Geisterbahn nicht mithalten. Für Max, den Meister der Achterbahnen, war die große Stunde gekommen; schon, weil er nun endlich seinen Bruder und Julia miteinander verkuppeln konnte. Er musste nur noch sicherstellen, dass Tim ihm nicht dazwischenfunkte.

Kaum hatten sie Platz genommen, läutete es, und der Katamaran setzte sich in Bewegung. Chris erbleichte. Max lächelte in sich hinein; er wusste, gleich griff Julia nach dessen Hand, um ihn zu beruhigen. Der Rest war ein Kinderspiel. Schlecht konnte seinem Bruder nicht werden, er hatte ja nichts gegessen, dafür hatte Max gesorgt. Schade nur, dass Chris nun nicht mehr in den Genuss der Tintenfischringe kommen würde, denn die letzte Portion hatte Max ergattert. Aber vielleicht warteten ganz andere Genüsse auf ihn. Man konnte nie wissen, was der Abend noch brachte. Der Katamaran nahm Fahrt auf.

Die Tintenfischringe rollten… mit jedem Schwung der Schaukel wurde ihm immer sonderbarer. Windstärke 6. Kalter Schweiß auf der Stirn: Julia sah ihn besorgt an. Er gefiel ihr gar nicht, mit jeder Woge wurde er blasser. Windstärke 9 – Sturmtief. Max‘ Gesicht war so grün wie wogendes Seegras. Gleich brach er zusammen – im Auge des Sturms.

Schiffschaukel mit Überschlag.

Nein, doch nicht. Zum Glück ebbte die Brandung ab. Der Tsunami war ausgeblieben, doch nur Chris und Julia waren heil davongekommen. Mit Max war nichts mehr anzufangen. Und Tim? Der war genauso blass, doch wenn er klug war, würde er dieses Erlebnis genauso totschweigen wie sie.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die Illustration zu meiner 295 Wörter kurzen Etüde stammt diesmal von mir.

 

 

 

 

 

 

 

30-Days Song Challenge – Day #8

 

 


 

Nicht dass ich Alkoholexzesse oder hemmungslosen Drogenkonsum gutheißen würde… aber am achten Tag der 30-Days Song Challenge wird nach genau so einem Song gesucht:

 

Day #8 : A song about drugs or alcohol

 

Hier wird gebechert, was das Zeug hält und die Bude verwüstet. Von wegen, Partys kann man nur in großen Villen feiern. Raum ist in der kleinsten Hütte.

 

 

 

Ein schonungsloser Bericht über die unschönen Folgen hemmungslosen Alkoholkonsums, abgeliefert von Metallica mit Whisky in the jarhttps://www.youtube.com/watch?v=wsrvmNtWU4E

„Broken Strings“ : Chapter 13 – Lost in the middle of nowhere

Vorteile schwarzer Kleidung: Auf Schwarz sieht man Rotweinflecken nicht so schnell. Spaghetti mit Tomatensoße sind auch kein Problem, aber galt das auch für Ölflecken? Mitten in der Pampa liegenzubleiben, hatte uns gerade noch gefehlt. Wie hatten wir auch ahnen können, dass aus unserem romantischen Ausflug am Ende doch nichts werden würde? Und dabei war bei unserem Aufbruch noch alles in Ordnung gewesen…

Der Nachmittag war noch jung, die Sonne schien, und die Musik war ganz nach meinem Geschmack. Man musste halt nur mich nach einem vernünftigen Sender suchen lassen. Mit diesem Gedanken hatte ich mich entspannt zurückgelehnt und lauschte den Klängen aus dem Radio, in die sich das Brummen des Wagens mischte. Auf dieser Strecke herrschte zu dieser Zeit erstaunlich wenig Verkehr, und so hatten wir die Straße ganz für uns. Gemütlich rollten wir dahin. Etwas zu gemütlich, für meinen Geschmack.

Der Motor schnurrte wie ein Kätzchen; was sprach also dagegen, das Kätzchen nicht mal ein wenig schneller laufen zu lassen? Aha, Mike schien also den gleichen Gedanken zu haben wie ich und gerne einen heißen Reifen zu fahren. Ordentlich Gas zu geben, war ja gut und schön, aber dazu hätte ich dann auch schon ganz gerne die passende musikalische Untermalung gehabt. Liebesschnulzen der fünfziger und sechziger Jahre mochten zwar zu unserem fahrbaren Untersatz passen, aber nicht zu dessen Fahrstil. Was spielte es schon für eine Rolle, dass wir in einem 1967er Chevrolet saßen statt in einem Shelby GT 500 aus dem gleichen Baujahr, und lässiges Cruisen für mich eher zu diesem Traumauto passte.

Keep the engine running – we’re born to be wild.

Ha, genau so einen Song hätten wir jetzt gebraucht, aber anscheinend waren solche Klassiker zwischen atmosphärischem Rauschen und den aktuellen Hits von heute gerade nicht im Angebot. Drück jetzt bloß nicht zu früh auf die Tube, bat ich innerlich um Beistand, denn bei diesem Geschaukel hatte ich Mühe mit meinem Feintuning am Sendersuchlauf. Hier brauchte es tatsächlich noch echtes Fingerspitzengefühl, denn die Knöpfe an Radio und Armaturenbrett waren so antik wie das Fahrzeug selbst. Warum mussten die verfügbaren Stationen hier oben auch bloß so ein antiquiertes Programm senden. Okay, meine Vorliebe für die achtziger Jahre war im Prinzip auch nicht besser, aber…

Hey, Süße, dreh mal lauter!“ rief Mike mitten in das Rauschen hinein, das ich extra leiser gestellt hatte, weil mir Soundbrei mit gewissen Frequenzen generell Unbehagen bereitete.

Hatte ich mich nicht gerade noch insgeheim darüber mokiert, dass aus den Boxen nur mehr als fünfzig Jahre alte Musik gekommen war? Und jetzt hatte jemand da draußen mein stilles Gebet erhört?

♫ ♪ ♫ I’m standing here on the ground, the sky above won’t fall down ♫ ♪ ♫

Wow! Wer auch immer das bestellt hatte, durfte sich von mir gedrückt fühlen.

Hey, Honey, dreh mal den Motor richtig auf!“ imitierte ich ihn.

Oh ja, dieser Song war absolut perfekt für unsere Zwecke. Unsere Fenster hatten wir beide heruntergekurbelt, die Haare wehten im Wind, und allmählich gewannen wir an Fahrt. Jetzt konnte uns nichts mehr stoppen. Außer vielleicht ein Officer, weil wir längst weit über dem Tempolimit lagen, aber von Polizei war weit und breit nichts zu sehen.

Resolution of happiness, things have been dark for too long“, sang ich laut mit. Meine Lieblingssongs mitzusingen, tat ich leidenschaftlich gerne. Vor allem, wenn ich in der richtigen Stimmung dazu war, und hier passte einfach alles. Wann hatte ich mich zuletzt so wohl gefühlt?

Geiler Song!“ pflichtete Mike mir bei. „Kein Wunder, dass Du den so magst.“

Hatte er jetzt endlich gemerkt, dass mit der richtigen Musik das Fahren erst so richtig Spaß machte? Na, das hatte aber lange gedauert.

„So langsam kann ich verstehen, was Du an dieser Band findest.“

Ach ja?“, lachte ich, „das sagt jetzt aber der Richtige!“

Was soll denn das heißen?!“

Sag jetzt nicht, dass Du Euer eigenes Repertoire nicht mehr kennst…“

Oh je, seine Verwirrung musste ja ganz schön groß sein, wenn er sich an den balladesken Teil seiner letzten Auftritte nicht mehr erinnern konnte. „Und was ist mit ‚By my side‘?“

Nur ein kleiner Augenblick, dann fiel der Groschen auch bei ihm.

Oops. Stimmt. Aber wir spielen so viel Zeug von anderen, dass ich das total vergessen hatte.“

Hä? Wie, um Himmels Willen, hatte ihm das bloß entfallen können? Genau deswegen war ich so von der Rolle gewesen. Ach, was soll’s, wischte ich die grauen Wölkchen, die im Hintergrund aufzogen, weg. Warum sollte ich mir mit Grübeln den schönen Nachmittag verderben.

Andrea McAllister, genieß den Tag, solange er noch frisch ist. Carpe Diem, war das Zauberwort. Warum daran etwas ändern? Don’t change: Was für ein passender Titel.

„Don’t change for you… don’t change a thing for me… Aber was spricht eigentlich dagegen?“

Fragend blickte ich ihn an. Wie war denn das gemeint? Ich hätte am liebsten den Augenblick bis ins Unendliche verlängert, und er sprach von Veränderung?

„Na ja, Süße, alles zu lassen, wie es ist, wenn’s gerade gut läuft – gut und schön…“

Oha! ‚Never Change a Winning Team‘ hatte als Motto ausgedient – die Frage war nur: Was kam als nächstes?

„Ich meine, wir haben jetzt schon so oft an unserem Programm herumgebastelt, bis wir die ideale Mischung gefunden haben. Warum spielen wir nicht mehr davon?“

Er meinte die Songauswahl. Wollte er sie tatsächlich mir zuliebe ein weiteres Mal ändern? Dass das seinen Kollegen gefallen würde, konnte ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen. In einem Text aus dem Jahr 1997 hieß es zwar „Change keeps us moving on“, und dass Veränderung uns weiterbringen würde, bezweifelte ich auch gar nicht, die Frage war nur, wohin.

„Mehr von Deiner Lieblingsband – würde Dir das gefallen?“

Das Repertoire nur allein für sein Sweetheart zu ändern, wem hätte ein solcher Beweis der Zuneigung nicht geschmeichelt? Ob mir das gefallen würde? Da gab es noch ganz andere Dinge, die mir gefallen hätten – doch bei dem Vorsatz einer Andeutung in diese Richtung sollte es bleiben. Aus diesem Flirt würde an dieser Stelle nichts mehr werden, weil die unschöne Wirklichkeit diesen gerade erfolgreich torpedierte, und zwar mit einem Geräusch, das mir gar nicht gefiel. Außer einem Officer konnte uns nichts mehr aufhalten?

Manchmal sieht man das Nächstliegende nicht: nämlich das Auto selbst, das mitten in der Einöde von jetzt auf gleich den Geist aufgeben würde. Und Benzinmangel war daran nicht Schuld. „Halbvoll“ entnahm ich der Tankanzeige, während der Motor mit einem Tuckern und Röcheln erstarb und wir immer langsamer wurden. Dann standen wir. Deep in the middle of nowhere.

Noch mal!“

Das konnte doch nicht wahr sein. Der Versuch, dem Motor durch das Drehen des Schlüssels im Zündschloss eine Reaktion zu entlocken, klappte auch beim x-ten Mal nicht. Na super! Genau so hatte ich mir den Nachmittag vorgestellt: Mike, der Impala und ich. Nur dass sich alles gegen uns verschworen hatte und nun der Wagen die volle Aufmerksamkeit hatte.

So eine zickige Diva. Aber ihr auf diese Weise neues Leben einzuhauchen, würde nicht funktionieren. Dazu musste ich kein Fahrzeugexperte sein, da konnte Mike den Schlüssel noch so oft drehen, wie er wollte. Männer! Wie konnte man bloß so stur sein? Mir reichte es jetzt. Während er noch immer fluchend mit dem Schlüssel sein Glück versuchte, war ich längst ausgestiegen und hatte die Motorhaube entriegelt.

Da half nur noch ein Blick in das Innere des Motorraums. Ratlos kratzte ich mich am Kopf. Zwar hatte ich bei meinem Bruder früher ab und zu in diverse Modelle hineinschauen dürfen, „damit ich mir selbst helfen konnte, falls ich irgendwann eine Panne haben sollte“, so sein Kommentar, aber besonders oft hatte ich das Vergnügen nicht gehabt, und Oldtimer waren ebenfalls nicht unter den von mir inspizierten Modellen gewesen. Richtige Pannen waren mir bisher zum Glück erspart geblieben.

Inzwischen war auch Mike ausgestiegen. Anscheinend hatte er begriffen, dass reflexartiges Betätigen des Zündschlüssels uns keinen Meter von der Stelle fortbewegen würde. Bevor er irgendeinen besserwisserischen Kommentar abgeben konnte, ließ ich ihn erst einmal im Kofferraum nach Werkzeug suchen. Das verschaffte mir genügend Zeit, mir einen Überblick über den Ernst der Lage zu verschaffen.

Gespannt beugte ich mich über das Labyrinth aus Schläuchen, Kabeln und Trommeln, die eine Hitze ausstrahlten, welche mir in kürzester Zeit Schweißperlen auf die Stirn trieb. Wenn ich hier irgendetwas anfassen sollte, würde ich erst einmal warten müssen, bis sich die Teile so weit abgekühlt hatten, dass ich mir nicht gleich die Flossen versengte. Und das konnte dauern! Aus seinem Plan, den Impala heimlich wieder auf dem Hotelparkplatz abzustellen, würde nichts werden.

Verdammt, Mike, du greifst jetzt besser zum Telefon und rufst Mark an, fauchte ich ihn im Stillen an, denn inzwischen wird er gespannt haben, was Sache ist. Dein Kumpel fort, dessen heimlicher Schwarm auch, und mit ihm Dein heißgeliebter Oldtimer, den du als Schrottkiste geerbt und in mühevoller Kleinarbeit aufpoliert hast; den Du so hütest wie Deinen Augapfel. Von deinem Kollegen entwendet, während Du Deinen Rausch ausgeschlafen hast. Wenn Du wüsstest, dass Dein Schätzchen am Straßenrand steht und keinen Mucks mehr von sich gibt…

Nein, ich wollte mir lieber nicht vorstellen, was Mike sich dann anhören durfte, und – ehrlich gesagt – auch völlig zu Recht. Und ich war Teil des Schlamassels. Leider musste ich erkennen, dass mein Partner in Crime, so unwiderstehlich ich ihn auch fand, in diesem Punkt nicht der Intelligenteste war. Und auch in anderer Hinsicht nicht. Er hatte zwar die Werkzeugtasche gefunden, war aber so unvorsichtig, die nur unwesentlich abgekühlte Karosserie zu berühren.

„Autsch! Verdammt nochmal!“

Au ja, das würde eine Brandblase vom Allerfeinsten geben, wenn er die Stelle nicht sofort kühlte. Wenigstens befand sich im Wagen noch Mineralwasser für Unterwegs. Das schraubte ich ihm auf und drückte ihm die Flasche in die Hand.

„Was für eine heiße Kiste!“, erwiderte er trocken. „You can look but better not touch.“

Na toll! Er verbrühte sich die Griffel und ihm fällt nichts besseres ein als das? Wie charmant!

„Hier!“ konterte ich spitz, „am besten du gießt Dir das über die Stelle da.“ Ja, und am besten noch ein paar hinterher. „Und dann kannst Du gleich Mark anrufen und ihm sagen, was passiert ist.“

Dass ich mich ärgerte, konnte er unmöglich überhören. ‚Heiße Kiste. You can look but better not touch?‘ Hättest Du besser die Finger von dem Auto gelassen – und nicht nur gerade erst vor fünf Minuten, sondern schon heute Mittag. Aber da durfte ich mich auch an die eigene Nase fassen. Warum war ich mitgefahren anstatt darauf zu bestehen, irgendwo im Ort zu essen, wo man zu Fuß hingehen konnte? Besser machte es das nicht, so wie die Tatsache, dass ich jetzt auch noch einen Ohrwurm hatte: You can look but better not touch?

Wie gut dieser Titel doch zu meiner Taktik passte, mir vor dem Schrauben jede potenzielle Stelle, die für den Schaden eventuell in Frage kam, erst einmal gründlich anzusehen. Konzentration bitte! Und einen Schluck Wasser. Wie gut, dass Mike mir noch etwas übrig gelassen hatte. Auch wenn das Wasser schon etwas abgestanden schmeckte, so war es genau das, was ich brauchte, um wieder zu neuen Kräften zu kommen.

„Auf geht’s, Mr. Mitchell,“ sagte ich, nachdem ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte „dann lassen Sie mich den Patienten mal genauer ansehen.“

Der Verteiler war’s schon mal nicht. Der Stecker war da, wo er hingehörte, und die Isolierung war auch in Ordnung. Einen Marderschaden konnten wir also ausschließen. Auch der Anlasser und seine Kontakte sahen soweit okay aus. Mark liebte sein Auto wirklich. Alles top in Schuß soweit, und Ruß gab es hier auch nicht mehr als üblich. Nun konnte ich nur noch hoffen, dass wir keinen Motorschaden hatten, denn als wir losgefahren waren, hatten wir die Probleme noch nicht gehabt.

Mit einer Taschenlampe leuchtete ich in jeden noch so kleinen Winkel. Wie war das nochmal gewesen? Was hatte mir Nico beigebracht? ‚Wenn der Wagen trotz ausreichend gefülltem Tank nicht anspringt, lohnt es sich, einen Blick auf die Zündkerzen zu werfen. Oder auf die Zündkabel. Meistens liegt die Ursache hier.‘ Vorsichtig betastete ich die Kabel. Ja, hier war tatsächlich eins, das hin und her wackelte wie ein Entenbürzel. Die Teile waren inzwischen nur noch lauwarm. Gespannt beugte ich mich noch weiter nach vorne; ja, so würde es gehen, jetzt ganz vorsichtig, gleich hatte ich es…

Aber hallo! An den Anblick konnte ich mich wirklich gewöhnen!“

Oh, wie ich das liebte. Während ich hier hochkonzentriert arbeitete und versuchte, den Wagen wieder flott zu bekommen, fiel ihm nichts besseres ein, als zu kommentieren, was für einen Anblick ich ihm bot: ich unter der Motorhaube, und aus seiner Perspektive hatte er einen perfekten Blick auf meine Beine und meinen verlängerten Rücken, während meine obere Hälfte verschwunden war, weil ich an den Kabeln herum fummelte. So, so, dieses Bild ließ ihn nicht kalt.

Komisch, dass mir plötzlich so warm wurde. An der Temperatur, die in meinem Operationsbereich herrschte, lag das bestimmt nicht; und ich spürte förmlich, wie ich anlief wie eine Tomate. Verlegen räusperte ich mich und versuchte, die Situation in unverfänglichere Bahnen zu lenken: „Gib mir mal die Zange, bitte.“ Dr. Meredith Grey at work.

Aber gerne doch,“ sagte er betont höflich, als er langsam näher kam und mir das Werkzeug in meine ausgestreckte Hand drückte. „Ich kann Dir aber auch was anderes geben.“

Ach herrje, meine Strategie war ja voll nach hinten losgegangen; er hatte gar nicht vor, seine Anzüglichkeiten bleiben zu lassen. Und die Finger konnte er auch nicht bei sich behalten; denn er trat noch näher an mich heran, um mir seine Arme um meine Taille zu schlingen und mich unter der Motorhaube hervor und mich an sich zu ziehen. Aber falls er geplant hatte, mich an Ort und Stelle zu verführen, so war seine Taktik nicht von Erfolg gekrönt.

Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrring! Unvermittelt und in höllischer Lautstärke klingelte sein Telefon. Huch! Offenbar genauso erschrocken wie ich, ließ er mich mit einem Ruck los, während ich mir vor Schreck den Kopf an der offenen Motorhaube stieß. Stars are all around you – stars are everywhere.

Ja?!“ Genervt nahm Mike das Gespräch an.

Ich wandte mich ab und schnappte mir die Zange, um ein letztes Mal Hand an das lose sitzende Zündkabel zu legen, während ich mit einem Ohr dem Telefonat folgte. Eine verärgerte, männliche Stimme redete auf ihn ohne Punkt und Komma ein.

„Ja, mir ist klar, dass das Scheiße gelaufen ist. Aber wir können im Moment nichts machen.“

Wieder eine erboste Salve, die auf Mike einprasselte. Mark. War ja klar, dass Mike ihn nicht angerufen hatte und er jetzt dafür die Quittung bekam.

Ja, verdammt. Würde ich liebend gerne. Aber wir sitzen hier fest.“

Für einen Moment herrschte Schweigen. Dann knackte es hörbar, und das Gespräch wurde beendet. Aber das war nicht meine persönliche Auseinandersetzung, sondern die zwischen Sänger und Gitarrist, die vorerst noch warten musste. Jetzt war erst einmal der Fahrzeugcheck an der Reihe, und der sah so aus, dass ich die das reparierte Zündkabel beobachtete, während Mike den Wagen startete. Wenn Funken sprühten, half nur noch der Griff zum Isolierband und die Fahrt in die nächste Werkstatt, um das defekte Teil auszutauschen. Wenn das passierte, würde Mark ihn grillen. Aber beidseitig. Mit Jalapeños.

„Dreh den Schlüssel!“ rief ich.

Für einen Augenblick tat sich nichts, dann erklang das gewohnte Tuckern und anschließende sonore Brummen. Gebannt nahm ich die von mir reparierte Stelle ins Visier: keine bedenkliche Reaktion. Wenigstens das hatte geklappt. Jetzt nur noch schnell volltanken, und dann auf direktem Weg zurück zum Hotel.