30-Days Song Challenge – Day #11

 

 


 

Day #11 : A song you never get tired of

 

Kann sein, dass der hier vermutlich zu den Songs der 80er Jahre zählt, die unzählige Radiosender zu Tode gedudelt haben und es genügend andere Songs, die mir nie langweilig werden – der mp3-Player meines alten Smartphones zeigt als meistgepielten Song diesen an:

 

 

 

Auch wenn er anderen zum Hals raushängt – INXS – Need you tonighthttps://youtu.be/w-rv2BQa2OU

 

„Broken Strings“ : Chapter 14 – In the dark

Warum hast du das getan?

Ja, warum eigentlich… Dass Mike verwirrt und aufgebracht hinter mir herlief, konnte ich ihm nicht verübeln. Nicht nur, dass ich am Steuer von Marks Wagen gesessen hatte, als wir vorm Hotel vorgefahren waren; nein, ich hatte versucht, den noch immer erbosten Mark zu besänftigen, indem ich die Schuld auf mich genommen hatte. In meiner Version war ich es gewesen, die unbedingt in dieses Diner gewollt und Mike dazu überredet hatte, sich den Impala zu „leihen“.

Ich hätte auch die Klappe halten und die beiden ihren Streit untereinander ausfechten lassen können, aber ich hatte das ungute Gefühl, dass diese Art von Spannung der Band und ihrem bevorstehenden Auftritt eher nicht so gut bekam. Außerdem konnte es noch schlimmer für mich ohnehin nicht mehr werden. Wenn ich gedacht hatte, dass mein Auftritt Mark beeindrucken würde, hatte ich mich geschnitten. Er war fest entschlossen, dem Sänger, dessen Eskapaden ihm inzwischen gewaltig auf den Zeiger gingen, eine Standpauke zu halten, und glaubte mir kein Wort. Auch nicht, dass ich ihn dazu angestiftet hatte, die Tachonadel bis zum Anschlag hochzujagen.

Ach, glaub doch, was du willst!“ hatte ich zurück gefaucht und war genervt davon gestürzt, nicht ohne die Tür mit Schwung ins Schloss zu knallen.

Wie hatte ich auch nur glauben können, dass mein dämlicher Plan aufgehen würde. So blöd konnte doch niemand sein. Frustriert und erschöpft riss ich meine Zimmertür sperrangelweit auf. Blöde Idioten! Die konnten mich mal kreuzweise! Ich wollte nur noch eins: die ölverschmierten Klamotten ausziehen und Ruß und Schweiß endlich unter der Dusche loswerden. Von wegen, auf Schwarz sah man die Flecken nicht. Alles sah man. Saubere Arbeit hatte ich da geleistet. Für heute war das Maß voll. Sollten sie ihren Scheiß doch alleine machen. Den Buckel konnten sie mir runter rutschen. Alle, und zwar ausnahmslos.

Na toll, jetzt meldeten sich auch noch meine Nackenmuskeln, die sich bei der ungewohnten Schrauberei verhärtet hatten, und funkten eindeutige Signale an mein Hirn: Der stechende Schmerz ließ mich stöhnend gegen die Tür sinken, die mit einem Plopp! ins Schloss fiel. Nur gut, dass mich Leslie in diesem Zustand nicht sah. Ihre Fragen hätte ich jetzt nicht auch noch ertragen. Endlich alleine! Aber die Ruhe währte nicht lange.

Andie, Süße, bitte mach auf!“ Oh no. Jetzt nicht auch noch Mike. Aber so einfach ließ er sich nicht abwimmeln.

„Andie, bitte. Rede mit mir.“ Aber genau dazu hatte ich nicht die geringste Lust. Seufzend drehte ich mich um. Vielleicht verschwand er ja, wenn ich ihn bat, zu gehen. „Süße, ich…“

Na schön, dann öffnete die Süße ihm halt die Tür und gewährte ihm eine Minute. Okay, Mike, was willst du?“ Freundlichkeit sah anders aus.

Andrea, Baby. Ich will einfach nur wissen, warum…“

Ach nee, nicht schon wieder die gleiche Leier.

„Wenn hier einer den Anschiss verdient hat, dann ja wohl ich!“

Wie bitte? Entgeistert starrte ich ihn durch die einen Spalt weit geöffnete Tür an, die Hand immer noch am Knauf. Das waren ja ganz neue Töne. Alles hätte ich erwartet, nur nicht, dass er mir gegenüber zugab, von Mark völlig zu Recht zusammengestaucht worden zu sein. Was aber auch im Gegenzug bedeutete, dass meine Aktion völlig für die Katz gewesen war. Kraftlos ließ ich die Arme sinken. Geh bitte, wollte ich sagen, aber ich konnte nicht. Doch ihm die Tür vor der Nase zuzuschlagen, noch viel weniger. Dieser kurze Moment der Unachtsamkeit genügte, und er stand im Zimmer. Dann schloss er die Tür und drehte sich zu mir um.

„Warum?“

So, wie er mich ansah, hielt ich es für sinnlos, mich noch länger um eine Antwort herumzudrücken, aber was sollte ich ihm sagen? Dass ich Zwist und Hader zwischen den bisher anscheinend so guten Freunden nicht ertragen konnte? Mir reichte schon der Stress, den ich mit Frank hatte und für den es bis jetzt nur wenige Zeugen gab. Noch mehr Knatsch hinter den Kulissen? Der Tag morgen würde schon anstrengend genug werden, auch ohne miese Stimmung bei den Proben und beim Soundcheck. Wie das Konzert am Abend unter diesen Vorzeichen ablaufen würde, wollte ich mir lieber nicht vorstellen.

Weil…“ fing ich kaum hörbar an, „weil ich schon genug Mist gebaut habe und es auf einen Anschiss mehr oder weniger nicht ankommt.“

Weiter kam ich nicht, dann verlor ich die Kontrolle über meine Stimme. Mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet.

„Mensch, Andie. Ich finde es ja unglaublich süß von Dir, dass Du Dich vor mich stellen wolltest, aber…“, redete er leise auf mich ein und strich mir die verklebten Strähnen aus der Stirn, „… das brauchst Du wirklich nicht. Wenn hier einer Mist gebaut hat, dann ich.“

Dieses Geständnis nahm mir vollends den Wind aus den Segeln. Viel war von meiner Wut nicht mehr übrig. Die Frage war nur, ob er seinen Fehler auch Mark gegenüber zugegeben hatte. Er konnte mir ja viel erzählen. Aber auf mich kam es in diesem Punkt eher weniger an; doch um in ganzen Sätzen zu reden, war ich zu durcheinander.

„Weiß Mark…?“ stammelte ich statt dessen.

Was glaubst Du denn?“ Oh bitte, Mike. Bitte jetzt keine Ratespielchen. „Natürlich weiß er es.“ antwortete er prompt. „Das war ja auch nicht weiter schwer zu erraten. Dazu lügst du zu schlecht.“

Boing! Das hatte gesessen! Ich und mein „Pokerface“ – da hatte ich mich ja schön blamiert; wie ich das hasste. Konnte er nicht einfach gehen? Aber zu hoffen, dass er meine Gedanken erriet, hatte wohl wenig Sinn.

„Lass mich. Bitte. Ich will nur noch duschen und dann ins Bett. Ich bin völlig fertig…“ – und dreckig obendrein, und außerdem glühte mein Gesicht nach der „netten“ Offenbarung, die ich gerade gehört hatte. Männer konnten manchmal echt schwer von Begriff sein.

Doch anstatt mich loszulassen und einfach zu gehen, nahm er mich in die Arme. Dass es darauf hinauslaufen würde, hätte ich mir eigentlich denken können, wenn ich nicht so unendlich langsam gewesen wäre. Hatten wir das nicht schon heute morgen gehabt? Ach nein, da war die Ausgangssituation ja auch eine andere gewesen.

Erfrischt durch das morgendliche Bad und nicht so verklebt und verdreckt von der Autoreparatur. Reichte es nicht, wenn ich aussah wie ein Schwein? Musste er jetzt auch noch…? Was für ein absurder Gedanke. Aber so, wie er mich küsste und ich mich davon mitreißen ließ, war das kein Wunder. Oh Mann, wenn nicht bald einer von uns die Notbremse zog, konnte ich für nichts mehr garantieren.

„Time Out!“ keuchte ich, nach Luft ringend und versuchte, ihn von mir wegzuschieben. Zwar nicht so weit, wie ich geplant hatte, doch immerhin so weit, dass ich „Stop“ sagen konnte. „Du machst mich komplett schwindelig.“

Ach ja?“ kam es trocken zurück. Das brachte mich vollends aus dem Konzept. „Das will ich doch sehr hoffen.“ Waaaaa? So lief der Hase also.

Ich sehe aus wie ein Schwein.“ Er wahrscheinlich jetzt auch. Hoffentlich merkte er den Wink mit dem Zaunpfahl. Was ich vor lauter Verwirrung für einen Schwachsinn von mir gab, schien aber auch nur ich zu merken.

Weißt Du, wie egal mir das ist?“ erwiderte er mit belegter Stimme, die nun noch ein Stück tiefer klang als sonst. „Ich verrat’s keinem – so dunkel, wie es hier ist….“

Aber dein Shirt….“ wird ganz dreckig…

Hmmm. Interessiert mich nicht die Bohne.“

Der Dreck färbt ab“, versuchte ich es ein letztes Mal; wie zu erwarten, ohne Erfolg.

Was du nicht sagst…“ inzwischen war seine Stimme nur noch ein Flüstern, das in meinen Ohren hallte, „… aber weißt Du was?“

Nein. Aber ich konnte schon ahnen, was für eine Zweideutigkeit gleich folgen würde.

„Some like it dirty.“

Oha! Genau so etwas hatte ich erwartet. So, wie sich die Atmosphäre aufgeheizt hatte, glühte inzwischen nicht mehr nur mein Gesicht. Once in your arms, I’m on fire. Für eine Abkühlung war es längst zu spät. Notbremse ziehen? Never ever. Und ehe ich mich versah, war ich auf dieses Spielchen auch schon eingestiegen.

Dagegen ließe sich was tun“ flüsterte ich genauso atemlos zurück.

Ach ja? Da bin ich aber gespannt.“ Die spöttisch hochgezogene Augenbraue konnte ich in der Dunkelheit nur erahnen, aber diesmal war ich diejenige, die diesem Tick, der mich normalerweise in gewissen Augenblicken beinahe auf die Palme brachte, keine Beachtung schenkte.

Mr. Mitchell, Sie sind doch derjenige von uns, der gerne Rätselraten spielt.“ Was er konnte, konnte ich schon lange.

Dann lassen Sie mich mal scharf nachdenken, Miss McAllister“, erwiderte er und legte eine Kunstpause ein, um mich weiter zu küssen.

Nachdenken. So so. Aha. Gehört dazu auch, dass Sie versuchen, mir das Shirt abzustreifen?“ Was er vorhatte, war ja so offensichtlich, aber warum eigentlich nicht. Das hier war eindeutig noch ausbaufähig.

Ach, sag bloß, das stört Dich?“ – Hm. Der Herr kontert mit einer rhetorischen Frage. Interessante Taktik. Na, auf die Antwort war ich gespannt und ließ meinerseits meine Hände an ihm entlangwandern… „Ich glaube, du sagtest was von Duschen…“ Das ist zwar nicht das einzige, was ich noch vorhatte, aber das werde ich dir garantiert nicht auf die Nase binden, du Ratefuchs, denn das wäre die perfekte Steilvorlage für dich und nicht unbedingt das, was ich im Sinn gehabt hatte, als ich… „… und so dreckig, wie wir alle beide sind, bist Du jetzt nicht mehr die Einzige.“ Oh oh, Sie haben mich durchschaut. Leugnen ist zwecklos.

Touché!“ Der Kandidat hatte achtundneunzig Punkte, und wenn er die Bonusfrage auch noch richtig beantwortete, war ihm der Hauptgewinn sicher. Der Hauptgewinn? Worin der bestand, konnten wir uns beide denken: die Fahrt dort wieder aufzunehmen, wo sie heute morgen unterbrochen worden war.

Rrrrrums! Schwungvoll hatte jemand die Tür ins Schloss gepfeffert, und nun entfernten sich draußen deutlich hörbar eilig Schritte auf dem Kiesweg. O nein. Warum mussten die Leute bloß am frühen Morgen so einen Krach machen? Erst John, der gestern Mittag laut krakeelend ins Zimmer gestolpert war, um sternhagelvoll ins Bett zu fallen, und jetzt meine Zimmergenossin. Am frühen Morgen? Der Blick auf den Radiowecker sagte etwas anderes: Es ging bereits auf neun Uhr zu, und Frühstück würde es bestimmt nicht mehr geben, wenn ich nicht schleunigst zusah, dass ich aus dem Bett kam.

Doch das war gar nicht so einfach, so zerschlagen, wie ich mich fühlte. Mein Muskelkater war schlimmer als am Tag zuvor. Schon den Arm zu heben, um mir die Haarsträhnen, die mir ins Gesicht gefallen waren, fiel mir unbeschreiblich schwer. Aber Moment mal: Seit wann hatte ich so lange Haare? Meine waren dunkelbraun, fast schwarz, und reichten mir noch nicht mal bis zu den Schultern – diese hier waren zwar auch braun, aber durchzogen mit hellen Strähnen und leicht gewellt. Die gehörten eindeutig nicht zu mir.

Guten Morgen, Süße…“

Ach natürlich. Wie hatte ich vergessen können, dass ich nicht alleine war. Das erklärte auch den Arm, der mich von hinten umschlungen hielt.

„Gut geschlafen? Ach, übrigens… Leslie ist vorhin ins Zimmer gekommen…“

Ja, und vor wenigen Minuten mit Getöse verschwunden. Höchst unwahrscheinlich, dass sie das Chaos im Zimmer nicht mitbekommen hatte, zum Beispiel unsere mitten im Zimmer, achtlos zusammengeknüllt am Boden liegenden Shirts. Oder die Spur der restlichen Klamotten, malerisch über den Fußboden in beiden Räumen verteilt… Sich vorzustellen, was wir hier gestern Nacht veranstaltet hatten, dazu brauchte Leslie nicht viel Fantasie, und ich war mir sicher, dass es nicht lange dauern würde, bis auch die anderen Bescheid wussten. Vive la France! Das hatten wir echt geschickt eingefädelt. Aber ihm schien das nicht im geringsten peinlich zu sein. Im Gegenteil: Anstatt die Hände von mir zu lassen, damit ich endlich aufstehen konnte, zog er mich in seine Arme und vergrub sein Gesicht in meiner Halsbeuge.

„Hmmmmm…“ wohliges Brummen, „… du riechst so gut…“ Echt jetzt? Wollte er jetzt wirklich noch eine Runde einlegen, wo wir doch eigentlich längst beim Frühstück sitzen sollten, weil ein arbeitsreicher Tag vor uns lag. Erst wir mit dem Check der Bühne und des Equipments, dann Kevin und Bradley mit dem Testen der Beleuchtung, und zum Schluss, wenn die Jungs ihr Programm noch einmal geprobt hatten, den Soundcheck mit Leslie. So langsam zweifelte ich, dass ich noch im richtigen Film war. Dass wir nach langem Hin und Her jetzt genau hier gelandet waren, hätte keine Überraschung für mich sein dürfen, aber so richtig glauben konnte ich immer noch nicht, was passiert war.

Haben wir wirklich?“ setzte ich an, aber die Frage hätte ich mir sparen können, denn mit der Antwort ließ er sich absichtlich Zeit.

Wir haben…“, dann legte er mir einen Finger an die Lippen, damit ich schwieg und er mich erneut küssen konnte. Hineinzubeißen, war zunächst mein Impuls, aber so unfair wollte ich dann doch nicht sein. Zu verlockend war die Aussicht auf… STOP! Mayday! .. so kann das nicht weitergehen. „… und es war fantastisch…“ Warum wusste ich die Antwort schon vorher? „… aber die zweite Runde danach war auch nicht schlecht.“

Wie bitte? Ich hatte mich wohl verhört: „Ach ja, und warum kann ich mich daran jetzt gerade so gar nicht erinnern?“ Ich hoffe, Sie haben eine plausible Erklärung, Mr. Mitchell, sonst bekommen Sie ein gewaltiges Problem.

So so, nicht erinnern. Aha. Kann es sein, dass Dich mein unwiderstehlicher Charme umgehauen hat?“

Unwiderstehlicher Charme?! Was für ein Süßholzraspler! Und dann noch so wahnsinnig von sich überzeugt. Da war eine Lektion fällig. Fairness hin oder her – sein Finger schwebte in tödlicher Gefahr, so dicht vor meinem Gesicht. Mit einem Happs wäre er gleich verschwunden. Schnapp!, schlug die Falle zu. Vielleicht doch nicht ganz so fest, wie er es verdient gehabt hätte für diese Frechheit.

„Autsch! Du Biest! Womit hab ich das verdient?“

Für Deinen ‚unwiderstehlichen Charme‘, mit dem Du mich außer Gefecht setzen wolltest“, gab ich zurück. „Kleine Sünden bestraft der Herr sofort.“

Und das wäre?“ Flirten wir etwa schon wieder? Oder spielen wir irgendwelche Spielchen? Das kannst Du haben….

Sich Zutritt zum Zimmer einer Dame erschleichen, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen.“ Auf die Antwort war ich mehr als gespannt.

Zutritt zum Zimmer einer Dame? Miss McAllister, mir scheint, Sie reden wirres Zeug.“ Oh nein, das wagst Du nicht! „Habe ich Sie so durcheinander gebracht?“

Als ob Du das nicht genau wüsstest!“

Ich wusste es“, grinste er, „gegen meinen Charme bist Du machtlos“

Bilden Sie sich bloß nicht zu viel darauf ein, Mr. Mitchell“, gab ich zurück und richtete mich in gespielter Entrüstung auf. Jetzt, wo er mich losgelassen hatte, konnte ich mich einigermaßen frei bewegen und beschloss, diesen Vorteil für mich zu nutzen.

So so, einbilden“, wiederholte er. „Aber wenigstens ist mein Charme völlig ausreichend, und K.O.-Tropfen sind dazu nicht nötig. Für gewöhnlich bevorzuge ich meine Partnerinnen bei vollem Bewusstsein und nicht ausgeknockt durch irgendwelche Substanzen.“

Daran habe ich auch nie gezweifelt. Aber lass uns langsam mal aufstehen. Ich habe nämlich einen Bärenhunger.“

Mit viel Glück würden wir vielleicht noch ein paar Reste vom Büffett abbekommen. Und wenn schon nicht das, dann Kaffee auf jeden Fall.

Na, auch schon wach?“ begrüßte mich Dave verstimmt. Das geschah mir ganz recht. Ich wusste ja selbst, dass ich viel zu spät dran war, als ich mit dem Kaffeebecher in der Hand am Veranstaltungsort eintraf.

Tut mir leid. Ich hab verschlafen“, nuschelte ich über den aufsteigenden Dampf hinweg.

So so. Verschlafen nennt man das jetzt“.

Ach nein, Franks dumme und anzügliche Kommentare hatten mir gerade noch gefehlt, und sie trugen keineswegs dazu bei, dass sich Daves Laune besserte.

Klappe, Frank.“ fuhr Dave ihn deshalb auch ziemlich grob an. „Musst Du Dich überall einmischen? Kümmer dich lieber um deinen eigenen Scheiß.“

Yepp. Mein Kollege war definitiv geladen; daher währte meine Schadenfreude über den Rüffel für den wieder einmal so „charmanten“ Roadie nur kurz. Am besten beachtete ich ihn gar nicht weiter, sondern bat Dave ohne Umschweife um Entschuldigung. Weit nach zehn Uhr, also über zwei Stunden zu spät einzutrudeln, gehörte wirklich nicht zu meinen Glanzleistungen, und das sagte ich ihm auch: „Du hast vollkommen recht, dich über mich zu ärgern. Und es wird auch nicht wieder vorkommen.“

Du weißt schon, dass wir einen straffen Zeitplan haben und dass Kevin und Bradley es gar nicht lieben, wenn wir während des Licht-Checks zwischen ihnen herumwuseln.“

Das war mir durchaus klar, und Dave klang inzwischen auch schon wieder etwas ruhiger, wenn auch noch immer nicht vollständig überzeugt, dass ich es ernst meinte.

Ist klar. Und genau deshalb lasse ich die Mittagspause ausfallen.“

Statt wie die anderen gegen Mittag zum Lunch zu verschwinden, machte ich ihm den Vorschlag, dass ich durcharbeitete, damit die Licht- und Tontechniker freie Bahn hatten, wenn sie zurückkommen würden. Irgendwie musste ich die verlorene Zeit ja nachholen.

Na schön, dann schnapp Dir ’ne Rolle Tape und leg los.“

Das musste er mir nicht zweimal sagen. Zum Glück wusste ich noch von den vorangegangenen Auftritten, wo was hingehörte und mit dem Klebeband fixiert werden musste. Die Strippen waren schnell gezogen und auf undichte Stellen überprüft, aber das Abkleben war der eigentlich zeitraubende Teil des Jobs, den weder Frank noch Paul in der ganzen Zeit alleine schaffen würden. Auch wenn Frank es in meinen Augen nicht verdient hatte, dass ich ihm einen Teil der wirklich nervtötenden Arbeit abnahm, die anderen sollten unter meiner Schusseligkeit nicht leiden müssen.

Was bedeuteten da schon ein paar ausgefallene Snacks. Die konnte ich mir später immer noch holen, wenn ich hier fertig war. Das Café im Ort würde noch lange geöffnet haben. Das leise, aber stetige Knurren meines Magens versuchte ich zu ignorieren, während ich in einer der Materialkisten herumwühlte. Verdammt, wo waren bloß die blöden Kabelbinder? Ich hatte sie letztes Mal doch selbst dort verstaut. Anscheinend hatte das Zeug ein Eigenleben…

Dass jemand hereingekommen war, hatte ich zunächst vor lauter Konzentration gar nicht mitbekommen. Erst, als in meiner Nähe Schritte erklangen, deren Geräusch unvermittelt abriss, wurde mir bewusst, dass diese Person direkt hinter mir stehen musste. Wenn das wieder Frank war, der sich eine neue Bosheit für mich ausgedacht hatte, dann konnte er was erleben! Inzwischen ließ er zwar meine Finger von mir, aber seine ätzenden Sprüche konnte er sich trotzdem nicht verkneifen. Na warte, Freundchen! Genervt drehte ich mich um.

„Verdammt nochmal, kannst Du mich nicht einfach…“ in Ruhe lassen, hatte ich eigentlich sagen wollen, aber statt dessen prallte ich gegen meinen Liebsten, der eine Brötchentüte in der Hand hielt und sich blendend amüsierte.

Hach, ich liebe stürmische Begrüßungen“, sagte er trocken und mit einem süffisanten Grinsen, „besonders von sexy Frauen.“

Huch! Wie jetzt? Sexy? Nun ging aber seine Fantasie eindeutig mit ihm durch! Ich und sexy. Das träumst Du, Mike Mitchell. Aber schön, dass Du Humor hast, auch wenn der Joke auf meine Kosten geht. Ha ha. Dennoch musste ich nun meinerseits darüber grinsen: „Ach, wirklich? Ich glaube, über das mit den ’sexy Frauen‘ sollten wir nochmal reden.“

Aber gerne. Immer doch, Sweetheart,“ schnurrte er eine Oktave tiefer, und vergrub seine Nase in meinen Haaren, „aber ich glaube, das sollten wir auf später vertagen. So, wie Dein Magen knurrt, hast Du bestimmt ziemlichen Hunger“

Ach herrje, war das so offensichtlich? Deshalb auch die Tüte mit den Brötchen darin.

„Als ich Dich bei den anderen nicht gesehen habe, dachte ich mir schon, dass du hier bist und die Pause ausfallen lässt.“

Wie fürsorglich. Was für ein Kavalier. Die Kabelbinder konnten ruhig noch etwas warten. Jetzt war das, was Mike mir mitgebracht hatte, wichtiger. Gespannt öffnete ich den Verschluss und schaute in die Tüte hinein. Wow! Was für ein Duft. Meine Lieblingssorte: Roggenbrötchen mit Salami, ohne Käse und ohne Tomate. Und gleich zwei davon. Wo hatte er die denn aufgetrieben? Diese Kombination hatte ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, außer zu Hause in meiner Heimatstadt.

„Wusste ich doch, dass mir die Überraschung gelingen würde, als ich den Bäcker gesehen habe.“

Donnerwetter! Und ich konnte wetten, mit Brot und Brötchen wie in der Heimat. Konnte es eine schönere Liebeserklärung geben? Okay, aus diesen Worten sprachen mein Bärenhunger und das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“, aber allein schon, dass er daran gedacht hatte, dass mir das ewige Weißbrot zum Hals heraus hing… Strahlend vor Begeisterung über diese Aufmerksamkeit küsste ich ihn zurück, bevor ich mir die Tüte schnappte und mir eine Kiste zum Draufsetzen suchte, die nicht mitten im Raum stand.

„Vielen Dank, Darling. Du glaubst gar nicht, was für einen Mordshunger ich habe. Vielleicht hätte ich doch eher eine Pause machen sollen.“

Ja. Vielleicht. Aber vielleicht wäre dir dann auch das hier entgangen“, sagte er, drehte sich um und zauberte scheinbar aus dem Nichts einen Thermobecher mit Kaffee hervor. „Schön schwarz und stark, so wie Du es magst…“ Oh ja, und wie recht er damit hatte. „… obwohl er nicht mehr ganz so heiß ist wie vorhin …“

Stimmt: Die schwarze Flüssigkeit dampfte zwar nicht mehr, aber so ließ sie sich wenigstens trinken, ohne dass ich mir gleich den Schnabel verbrannte. Ab jetzt konnte der Tag nur noch besser werden.

„… aber wenn du es gerne heiß hast, hätte ich noch ganz andere Ideen.“ Some like it hot? War ja klar, dass er früher oder später in den Flirtmodus umschalten würde.

So so. Wenn Du wüsstest, wie gespannt ich darauf bin“, grinste ich ihn an, ohne rot zu werden. Mittlerweile wusste ich etwas besser, wie er tickte und war auf solche doppeldeutigen Bemerkungen halbwegs vorbereitet.

Und wenn Du wüsstest, wie sexy….“

Weiter kam er nicht, denn seine Bandkollegen und ein Teil der Crew hatten ihre Pause beendet und kamen laut debattierend herein. Schade, dass ich jetzt so schnell nicht erfahren würde, was er mir eigentlich hatte sagen wollen. Aber wenigstens hatte er nicht genauso abrupt die Umarmung beendet: Noch ein Küßchen auf die Wange, und wir lösten uns langsam voneinander. Ich sollte jetzt wirklich zusehen, dass ich meinen Kaffee trinke und den Rest des Salamibrötchens verputze.

Dennoch passte mir diese Unterbrechung nicht, wenn ich ehrlich zu mir war. Glücklicherweise saßen wir nicht auf dem Präsentierteller, und noch war nicht aller Tage Abend. Ich würde schon noch erfahren, was ich wissen wollte. Auch damit hatte ich inzwischen umzugehen gelernt. Worauf ich mich zwar ebenfalls schon eingestellt hatte, allerdings ohne mich damit anzufreunden, waren die beinahe schon obligatorischen dummen Bemerkungen von Crew oder Bandkollegen; von wegen Turteltauben und so.

Hastig nahm ich noch einen Schluck aus dem Becher. Heiß war der Kaffee schon lange nicht mehr. Bestenfalls noch lauwarm. Was heißes, hallte es in mir nach. This burning desire…