30-Days Song Challenge – Day #18

 


Diese Challenge bringt mein wahres Alter ans Licht:

 

Day #18 : A song from the year you were born

 

Ich bin 1967 geboren, das war die Zeit, als es mit der Flower Power losging, und die 60er waren voll von tollen Songs, da muss ich jetzt mal scharf nachdenken – aber ganz typisch für diese Zeit ist für mich Scott McKenzie mit San Francisco    

 

 

Scott McKenzie – San Francisco – https://youtu.be/7I0vkKy504U?t=0

 

„Broken Strings“ : Chapter 16 – Freak out

 

 

Der große Krach ließ nicht lange auf sich warten.

Verdammt, Mike, ich habe Deine Höhenflüge so satt!“ Brians Stimme war bis hier hinten, wo wir am Abbauen waren, zu hören. „Erst die Scheiße mit dem Impala – jetzt Deine Eskapaden von wegen ‚wir ändern das Programm nochmal‘. Mein Gott, was soll das?! Und Ihr macht auch noch alle dabei mit. Ich fass‘ es nicht!!!“

Was Mike darauf antwortete, konnte ich zwar nicht hören, aber es trug mit Sicherheit nicht dazu bei, dass Brians Ärger kleiner wurde oder im Sande verlief.

Na ja,“ mischte Mark sich ein, „eigentlich läuft mein Auto jetzt sogar besser als vorher. In der Werkstatt waren sie sogar der Meinung, dass hier ein echter Profi…“ – weiter kam er nicht.

Mit dem Profi war ich gemeint. Anscheinend hatte ich saubere Arbeit geleistet, nur stieß Mark mit diesem Kompliment bei Brian auf taube Ohren.

Fall Du mir jetzt auch noch in den Rücken. Ausgerechnet Du!“

Jetzt war Brian wirklich auf Hundertachtzig. Mit wem wollte er sich noch anlegen? Ihm jetzt in die Quere zu kommen, war nicht empfehlenswert. Da ich mit Streit noch nie besonders gut umgehen konnte, war ich froh, dass es für meine Kollegen und mich genug zu tun gab. Bis wir fertig waren, hatte sich das Gewitter hoffentlich verzogen.

Oh would someone please talk some sense into him?“ stöhnte Mark genervt und raufte sich die Haare, bevor er an mir vorbei eilte, um zu verschwinden, so wie es Danny und John bereits getan hatten.

Seinen Bruder hatte er offenbar schon öfter so erlebt. Jetzt waren von der Band nur noch Brian und Mike übrig. Und Ryan. Der hielt sich zwar wohlweislich aus dem Streit heraus, aber im Backstagebereich war er uns eindeutig im Weg. Wir hatten hier noch einiges zu entkabeln und zu schleppen, da konnten wir niemanden zwischen unseren Füßen gebrauchen, und das sagte ich ihm auch, eher höflich als direkt.

Warum gehst Du nicht einfach vor die Tür und eine rauchen? So nett es auch wäre, mit dir zu plaudern, wir haben noch sehr viel zu tun, und um zu chillen, ist das hier nicht der beste Ort.“

Das sah er ein und verließ tatsächlich unseren Arbeitsbereich: „Aber gerne doch“, nicht ohne mir ein „Sweetheart“ zuzuflüstern und zu versuchen, mir ein Küßchen auf die Wange zu drücken.

Diese Art von Zuneigungsbekundung und noch einen Musiker in Flirtlaune konnte ich nun wirklich nicht ertragen; dazu war ich zu erledigt und stand genau wie meine Kollegen unter Zeitdruck. Bitte jetzt bloß nicht noch mehr Ablenkungen. Indes, es sollte bei diesem Wunsch bleiben – reibungsloses Arbeiten war mir nicht vergönnt, denn der größte Alptraum unter der Sonne war bereits im Anmarsch: Frank.

Na, schon den nächsten am Start?“ war seine wenig geistreiche Frage, die sich verdächtig nah am Rande der Gürtellinie bewegte. „Einer reicht Madame wohl nicht?“ und als Krönung noch mit eindeutigen Bewegungen untermalt. Das war nicht mehr am Rande der Gürtellinie, sondern schon weit darunter. What the **** Dem geb‘ ich’s! Aber richtig.

Oh Mann, Du nervst! Hast Du eigentlich nichts zu tun?“

Tja, wenn man keine Ahnung hat, sollte man besser die Fresse halten, lag mir noch auf der Zunge, aber bei jemandem, dessen Bosheit anscheinend angeboren war, konnte ich mir den Atem sparen. Hier waren Hopfen und Malz verloren.

Spiel dich bloß nicht so auf…“ – bedeutungsschwangere Kunstpause. „… Elektromaus!“

Elektromaus? Schön hatte er diesen Spitznamen abgekupfert, wobei „schön“ eher ironisch gemeint war. Wie er es auf mich abgesehen hatte, war regelrecht pathologisch. Aber er war noch nicht fertig. Nicht nur, dass er mir seine Schadenfreude darüber, dass meine Zeit bald abgelaufen war, unter die Nase reiben musste; er verstieg sich zu der Behauptung, dass es dann mit meiner erstaunlich steil hingelegten „Karriere“ endgültig vorbei wäre. Und damit meinte er nicht meinen Job, den ich so unerwartet ergattert hatte (auf eine Art, die er sich nur zu gut vorstellen konnte). Ganz unverblümt warf er mir vor, auf Männerfang zu sein.

Mach dich doch nicht lächerlich!“ schnaubte ich entrüstet. Dieser Typ war einfach das Letzte!

Na, weiß man’s? Erst machst du den Kollegen schöne Augen, dann denen von der Band, und wer weiß, wie vielen sonst noch…“

Hörte ich da so etwas wie ein ‚allen, nur mir nicht‘ heraus? Was auch immer diesen Pain in the Ass wurmte, ich sollte es nicht mehr herausfinden. Bevor er noch eine abfällige Bemerkung über mein angebliches Anbandeln mit schnuckeligen Baristas machen konnte, wurde er unerwartet gestoppt.

Ryan war mit seiner Zigarette fertig und platzte mitten hinein in diese unschöne Szene: „Verdammt, Parker – halt endlich dein dreckiges Maul, oder du erlebst was!“ Doch so schnell wollte der nicht aufgeben.

Das sagt ja genau der Richtige.“

Anzügliches Grinsen, während er erneut zu einer entsprechenden Bewegung ansetzte. Aber da war er an den Falschen geraten, denn Ryan war mit seiner Geduld am Ende. Mit Schwung holte er aus, um dem Lästermaul mit dem Rücken seiner flach ausgestreckten Hand eine ordentliche Maulschelle zu verpassen.

Lass es,“ rief ich bei dem Versuch, dazwischen zu gehen und wollte noch hinzufügen, dass er es nicht wert sei.

Leider aber hatte ich mich ihm so ungünstig in den Weg gestellt, dass ich seinen Ellenbogen mitten ins Gesicht bekam. Sterne, Kreise und Punkte tanzten vor meinen Augen, und ich ging zu Boden, während der Schlag, der Frank gegolten hatte, seinen Schwung einbüßte. Anstatt zu stürzen, stolperte dieser seitlich weg, während ich mich auf dem Boden wiederfand.

Verpiss Dich!“ brüllte Ryan ihn an. Dann drehte er sich zu mir um und ging in die Hocke, um mir aufzuhelfen. „Bist Du okay?“ fragte er mich und inspizierte mein Gesicht, das wie Feuer brannte.

Der metallische Geschmack auf meinen Lippen konnte nur von dem Blut stammen, das aus meiner Nase lief. Die wiederum fühlte sich merkwürdig geschwollen an, und unbewusst tastete ich mit einer Hand an ihr entlang.

„Gebrochen scheint nichts zu sein…“ war alles, was er noch sagen konnte, dann wurde er unsanft von mir weggezogen.

Finger weg von Andrea. Sie ist meine Lady!“

Jetzt bitte nicht auch noch so ein Drama. Genügte es nicht, dass sich Mike neulich zuerst mit einem seiner beiden Gitarristen angelegt und heute erst mit dem Manager gestritten hatte? Jetzt entlud sich die ganze aufgestaute Wut nach dem Zoff des Abends über dem Drummer, der mich zur Abwechslung mal nicht anbaggern, sondern mir wirklich nur helfen wollte und nun Gefahr lief, verprügelt zu werden.

„Meinst Du, ich bin blöd und kriege nicht mit, was Du hier abziehst?“

Oh Mann, das durfte doch jetzt nicht wahr sein. Mir tat zwar die Nase, die eine gefühlte Ähnlichkeit mit einer Kartoffel hatte, immer noch höllisch weh, aber ich bekam trotzdem noch alles mit, was um mich herum geschah. Stöhnend vor Schmerz kam ich wieder auf die Füße. Für mich war das Maß an dieser Stelle endgültig voll. Dass sich diese Kerle ständig wie Idioten benehmen mussten! Ich steuerte auf die beiden ramponierten Streithähne zu und baute mich vor ihnen auf.

„Schluss jetzt!“ brüllte ich sie an.

Es war mir egal, was die beiden für ein Problem miteinander hatten. Mikes Eifersucht war völlig unberechtigt, und ich wollte nur, dass er zur Vernunft kam und von seinem Kollegen abließ. Egal, wie viele Chancen dieser sich bei mir erhoffte oder wie oft er versucht hatte, sich an mich heranzumachen, weil er dachte, er könnte bei mir doch noch landen. Ich war diese Streitereien so satt.

„Hört endlich auf mit dieser Scheiße!“

Aus dem Hintergrund hörte ich ein Geräusch, und ich drehte mich in die Richtung, aus der es kam. Es war Frank, der die Szene aus dem Hintergrund feixend beobachtete. Die Schadenfreude stand ihm ins Gesicht geschrieben, und ich sah rot.

Das ist alles Deine Schuld!“

Ryan war es nicht gelungen, ihm die fällige Abreibung zu verpassen? Nun, in diesem Fall konnte er sie von mir haben. Sein unverschämtes Grinsen würde ich ihm schon austreiben. Mit von Wut neu angefachtem Schwung holte ich aus und ließ meine Faust direkt auf seiner Nase niedersausen. Peng! Das saß. Entgeistert zog er sich torkelnd zurück, aber ich war noch nicht fertig.

„Und was Euch betrifft“, wandte ich mich ein letztes Mal den beiden zu, „Ihr könnt mich mal mit euren Macho-Allüren. Lasst mich bloß in Ruhe. Und zwar alle beide.“

Den Claim hatte ich abgesteckt! Wäre schön, wenn der eine hoffentlich mit bekommen hatte, dass ich an ihm nicht interessiert war und der andere erkannte, dass seine Aktion mehr als daneben gewesen war. Fürs erste brauchte er mir nicht unter die Augen zu kommen. Schnaubend drehte ich mich um und stapfte davon, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen. Wehe, es kam mir jetzt noch einer in die Quere… Aber an eine freie Bahn war dann doch nicht zu denken, auch wenn Frank das Weite gesucht hatte.

Wäre ja auch zu schön gewesen, aber andererseits waren meine Kollegen mit dem Verladen der Kisten noch lange nicht fertig. Das Zeug beamte sich schließlich nicht von selbst in den Truck. Da waren die Chancen, niemanden anzutreffen, eher gering. In diesem Fall war es Bradley, dem ich über den Weg lief. Als er mich in meinem aufgelösten Zustand sah, ließ er fallen, was immer auch er an Werkzeug in den Händen gehalten hatte, und stellte sich mir in den Weg.

„Andie, warte. Nicht so schnell“, nahm er mich beiseite und zog mich unter eine stärkere Lichtquelle, um mich genauer unter die Lupe nehmen zu können. „Um Himmels willen, was ist denn mit Dir passiert?“

Welcome to the Zombie Apocalypse. So langsam kehrte mein Schmerzempfinden wieder zurück, und Jeder Muskel in meinem Gesicht machte sich bemerkbar. Trotzdem hatte ich zu größeren Erklärungen keine Lust, sondern wollte nur noch meine restlichen Aufgaben erledigen und dann so schnell wie möglich zurück in mein Zimmer: „Frag das lieber Frank, dieses Arschloch!“

Harte Worte, aber Diplomatie war in Momenten wie diesen noch nie meine Stärke gewesen.

Jetzt sag nicht, dass er dich so zugerichtet hat. Das ist doch…“

Obwohl es jetzt das Einfachste gewesen wäre, ihn in dem Glauben zu lassen, unterbrach ich ihn. Rache war ja schön und gut, aber einen kleinen Rest an Fairplay wollte ich mir dann doch noch bewahren; schon allein, weil ich mich am nächsten Morgen noch im Spiegel anschauen wollte: „Nein, dieser Kollateralschaden geht auf die Prügel, die er beinahe von Ryan bezogen hätte.“ warf ich trocken ein anstatt die ganze Geschichte noch einmal vor ihm auszubreiten. „Aber Du solltest mal sehen, wie er jetzt aussieht, nachdem ich ihm eine verpasst hab.“

Das klang eher nach ‚Shaun of the dead‘ statt nach „World War Z“, aber nach Lächeln war mir in meinem Zustand kaum zumute. Inzwischen meldeten sich zusätzlich zu meiner Nase meine aufgeplatzten Fingerknöchel, an denen ich nuckelte, in der Hoffnung, dass dies die Schmerzen lindern würde und dass sie dann weniger blutverschmiert und dramatisch aussehen würden. Was natürlich nicht funktionierte.

So wie Du aussiehst, kann ich mir das lebhaft vorstellen.“ Um seine Mundwinkel zuckte es belustigt, bevor sein Tonfall wieder einen ernsthaften Klang annahm. „Aber so kannst Du unmöglich weiterarbeiten. Komm mal mit.“

Ich fragte mich, wo er mit mir hin wollte. Die Sanitäter waren schon weg, zu denen wollte er mich wohl nicht bringen.

„Hier, setz Dich mal da hin.“

Erschöpft nahm ich Platz auf einer der Materialkisten. Es dauerte eine Weile, bis er mit Verbandsmaterial und einem Cool Pack wiederkam. Das drückte er mir in die Hand.

„Hier, nimm das und kühl damit Deine Nase. Die sieht ja echt übel aus.“

Damit hatte er wohl Recht. Geduldig hielt ich mir den Cool Pack auf das geschwollene Riechorgan, während er vorsichtig meine verletzte Hand bandagierte.

„Ehrlich gesagt, habe ich schon befürchtet, dass das passiert, wenn Du zwischen die Fronten gerätst“, sagte er nachdenklich, als er meine Hand hochhielt und sichtlich zufrieden sein eigenes Werk betrachtete. An Dir ist ein Sanitäter verlorengegangen.

Ja, davor hat mich Ryan auch gewarnt.“ – Für Bradley war dies das falsche Stichwort; der Drummer war offenbar ein rotes Tuch für ihn.

Klar. Und deswegen lässt er Dich auch ins offene Messer laufen!“

Der sarkastische Tonfall war ein eindeutiges Zeichen, wie angespannt Bradley plötzlich war.

Hör zu, das ist nämlich auch so ein Punkt, über den ich neulich auf dem Parkplatz vom Schnellrestaurant mit Dir reden wollte. Miller. Halt dich lieber fern von ihm.“

Nein, er war definitiv nicht angetan von ihm. Aber wieso das?

„Wie sehr Du an Mike hängst und er wahrscheinlich auch an Dir, weiß ich inzwischen, und alle anderen auch. Nur Mr. Miller scheint das völlig egal zu sein.“

Das also hatte er mir bei unserem Gespräch unter vier Augen, auf dessen Fortsetzung ich immer noch wartete, sagen wollen? So, wie es aussah, war diese jetzt fällig.

„Pass bloß auf, dass er sich nicht zwischen Euch drängt.“

Das war ja mal wieder typisch, mir den Schwarzen Peter zuzuschieben. Das einzige, was sich meiner Meinung nach zwischen uns drängte, war Mikes dämliche Eifersucht, die jeglicher Grundlage entbehrte. Obwohl, so abwegig war der Gedanke nicht, wenn ich über die Szene von vorhin nachdachte. ‚Finger weg von Andrea… meinst du, ich kriege nicht mit, was du hier abziehst?‘

Gespräche, die zur endgültigen Klärung dienten und diese Vermutung für immer ausräumen konnten, hatte ich ja bisher erfolgreich vermieden. Die Quittung dafür lag jetzt offen auf dem Tisch, und ich fragte mich, ob ein frühzeitiges Intervenieren diese Eskalation nicht vielleicht verhindert hätte. Trotzdem – wenn er seine Eifersucht nicht in den Griff bekam, dann… Dann was? Eigentlich hatte ich etwas ganz anderes auf Bradleys Ratschlag oder Warnung antworten wollen, aber wieso sollte eigentlich nur ich mich in acht nehmen?

Und wieso nur ich? Wieso soll nur ich aufpassen, dass er sich nicht zwischen uns drängt?“

Dumme Frage, die Antwort lag doch klar auf der Hand. Bradley seufzte anscheinend darüber, wie schwer von Begriff ich war.

„Mike muss das niemand sagen. Wenn du mich fragst – der hat eine Antenne für so was.“

Ach ja, wie diese Antenne aussah, hatte ich ja vorhin aus erster Hand mitbekommen.

„Seit Ryan glaubt, dass Mike ihm letztes Mal die Freundin ausgespannt hat, sind die beiden jedenfalls keine Best Buddies mehr. Und ich könnte wetten, dass Ryan jetzt eine Möglichkeit für eine Revanche sieht.“

Insgeheim hatte ich so etwas befürchtet. Und ich Schaf hatte ihn auch noch verteidigen wollen. Zu dumm, dass Bradley mit dieser Information erst jetzt herausgerückt war. Hätte ich nur früher Bescheid gewusst, wäre es gar nicht erst so weit gekommen. Aber in einer Beziehung hatte er recht: Es war an der Zeit, endlich Tacheles zu reden, damit sich solche Szenen in Zukunft nicht mehr ereigneten; an sich ein guter Plan, und auch schon lange überfällig, nur bekam ich kaum vernünftig Luft; jedenfalls im Moment.

Vielleicht halfen ein paar Stunden Schlaf und eine hohe Dosis Schmerzmittel. Die Tabletten hatte ich von Mike, der doch tatsächlich geglaubt hatte, dass ich ihn ins Zimmer lassen würde. Aber da hatte er die Rechnung ohne Leslie gemacht, die ihn an der Tür abgewimmelt hatte, nicht ohne sich die Pillen von ihm aushändigen zu lassen.

Schönen Gruß von Deinem Lover“, rief sie in sarkastischem Tonfall und warf mir den Plastikbeutel aufs Bett. Sollte das ein Versöhnungsversuch sein oder hatte er bloß ein schlechtes Gewissen? Schön, dass ihm meine Verletzungen nicht entgangen waren, nun musste er nur noch kapieren, dass ich ihn nicht sehen wollte.

Sag meinem ‚Lover‘, er kann sich seine Grüße sonst wohin stecken und mir den Buckel runter rutschen“, fauchte ich zurück.

Nachts um zwei war ich zu Freundlichkeiten nicht aufgelegt, und es tat mir auch leid für Leslie, der ich im Prinzip dankbar dafür war, dass sie ihn nicht reingelassen hatte.

„Sorry, Leslie. Ich wollte Dich nicht anpampen. Ich weiß ja, Du kannst nichts dafür…“

Schon gut. An Deiner Stelle wäre ich auch sauer…“, erwiderte sie verständnisvoll – eine ganz neue Erfahrung für mich; ausgerechnet Leslie. Das hätte ich nie gedacht. „… aber Du kannst beruhigt sein. Er ist längst weg.“

Woher bei ihr dieser Sinneswandel kam, sollte ich nicht mehr erfahren, denn nachdem ich eine der Pillen eingeworfen hatte, schlief ich in kürzester Zeit ein. Allerdings war ich fünf Stunden später wieder wach. Warum hatte ich nicht gleich zwei genommen? Obwohl… nach meiner letzten Erfahrung mit diesen Hämmern verzichtete ich gerne auf eine Wiederholung.

Frühstück?“ Leslies Stimme, die aus dem Bad drang, vertrieb den letzten Rest von Müdigkeit.

Bei ihrem lauten Organ war an sanftes Schlummern nicht mehr zu denken. Aber Frühstücken? Außer starkem Kaffee wollte ich nichts, höchstens vielleicht noch ein scharfes Messer, um die Tabletten zu halbieren, denn gegen meine Schmerzen im Gesicht halfen sie zwar ausgezeichnet, waren aber auch stark genug, um mich ins Koma zu versetzen. Und mich zuzudröhnen, kam nicht in Frage. Für das, was ich vorhatte, brauchte ich einen klaren Kopf. Ob ich allerdings bereit war, dem Rest der Beteiligten entgegenzutreten, darüber war ich mir nicht so sicher.

Die einzige Genugtuung, die mir meinen momentanen Zustand erträglicher machte, war mein Faustschlag, den ich Frank verpasst hatte. Daran würde mich meine von Bradley so professionell bandagierte Hand noch einige Tage erinnern. Mein blauviolett angelaufener Riechkolben dagegen war ein anderer Fall. Mein einziger Trost war, dass ich mich so lange im Hintergrund halten konnte, bis ich wieder eine normale Gesichtsfarbe hatte, und nicht im Rampenlicht stehen musste. Dumme Kommentare über meine angebliche Beteiligung an Kneipenschlägereien konnte ich daher wohl leichter verschmerzen als die beiden anderen, die einander geraten waren.

Dementsprechend harsch fiel dann auch Brians Kritik aus, der uns dann später an diesem Morgen abfing und uns dementsprechend den Kopf wusch. Da sich Frank ja erfolgreich verdrückt hatte und weder der Sänger noch der Drummer sich vorerst in greifbarer Nähe befanden, war ich die erste, die er sich vorknöpfte. Dass dieses unangenehme Gespräch dann doch nicht so schlimm wurde, wie ich befürchtet hatte, schrieb ich meinem Anblick zu, und betonte bei dieser Gelegenheit, was der Auslöser für die aus dem Ruder gelaufene Handgreiflichkeit gewesen war und dass der Schuldige sein Fett von mir längst wegbekommen hatte.

Frank war der nächste auf seiner Liste, aber da sich dieser noch immer nicht blicken ließ, griff Brian sich als nächsten Kandidaten seinen Drummer. Dabei wollte ich nun wirklich nicht anwesend sein, also nahm ich mir noch einen Becher mit Kaffee und verzog mich nach draußen, was sich aber genau in dem Moment als nicht so clever herausstellte, da ich auf meinem Weg zum Parkplatz genau in den hineinlief, den ich nicht sehen wollte. So hatte ich das nicht geplant; im Vergleich dazu war meine Lektion, die ich von Brian erhalten hatte, geradezu angenehm gewesen.