# Writing Friday 2020 – Juni, 23. Woche : My home is my castle

 

Auch im Juni bietet der #Writing Friday auf dem Blog von elizzy vier Möglichkeiten, sich kreativ beim Schreiben zu betätigen. Meinen Urlaub habe ich dazu genutzt, Ideen zusammenzutragen. In der ersten Woche habe ich tatsächlich einen Tapetenwechsel vorgenommen, weil ich mal raus wollte aus den berühmten eigenen vier Wänden – dank HomeOffice wird mir dieser Spaß noch bis Anfang September erhalten bleiben, und selbst dann wird noch nicht klar sein, wie viele Kollegen zurück ins Büro dürfen. Und darum wird sich mein erster Beitrag mit der fünften Aufgabe beschäftigen, die da lautet:

Deine vier Wände unterhalten sich darüber, dass Du nun so viel zu Hause bist. Über was plaudern sie? Schreibe einen kreativen Dialog.

Was könnten sich die Wände des Hauses, in dem ich lebe, wohl zu erzählen haben? Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad, Treppenhaus und Küche – das sind fünf Persönlichkeiten, und jede ist anders gestrickt. Aber lasset uns nun hören, was sie uns verkünden. Corona hilf!

 

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

My home is my castle

Schlafzimmer: Leute, hört die frohe Botschaft. Unsere Herrin hat sie mir heute im Vertrauen zugeflüstert. Home Office noch bis September!

Wohnzimmer: Ach, du Sch*** …

Bad: Fieso?

Wohnzimmer: Wieso was, du Naßzelle?!

Bad: Wieso du fluchst. Ob Madame jetzt hier ist oder im Büroturm, macht doch keinen Unterschied.

Wohnzimmer: Für dich vielleicht nicht, du…

Schlafzimmer: Peace, Leute! Kommt mal wieder runter. Tut das denn Not, dass …

Küche: Genau! Endlich ist es mal ruhig, wo sie in Urlaub gefahren ist, und was macht ihr? Keift euch an wie auf dem Fischmarkt. Mir hat das Gebrüll von der echt gereicht. Also, ich bin froh, dass hier mal niemand rumtobt. Außerdem habe ich das mit der Verlängerung als erste von ihr erfahren. Hier war nämlich Team-Meeting am Telefon, und da hat der Chef es ihr und ihren Kollegen verraten.

Treppenhaus: Stimmt. Ihr da oben kriegt das ja nicht so mit, ihr habt ja die Türen zu – und der ihr Geschrei hallt hier so richtig.

Wohnzimmer: Ach Gottchen, du Armes. Eine Tüte Mitleid bitte.

Treppenhaus: Ha ha. Sehr witzig. Dabei hast Du’s doch noch am besten von uns allen. Südwestseite. Immer Sonne. Einen netten, ruhigen Mitbewohner.

Wohnzimmer: Houdini? Die liegt doch den ganzen Tag nur zusammengerollt auf ihrem Ast und macht nix. Döst vor sich hin. Oder die eingegangene Zimmerpalme und die Aloe Vera in ihrem zu kleinen Topf? Wenn das so weitergeht, stirbt die noch an Austrocknung. Oder an Langeweile. Und den ganzen Tag auf die Plattensammlung starren, bringt’s auch nicht.

Schlafzimmer: Ach, neidisch?

Wohnzimmer: Sei du bloß ganz ruhig. Ich möchte nicht wissen, wie’s bei dir aussieht. Ich wette, noch chaotischer als bei mir. Ein Vögelchen hat mir da so einiges zugezwitschert.

Treppenhaus: Alte Petze!

Wohnzimmer: Von wegen Petze. Bei mir sind’s die ganzen Schallplatten von ihrer Lieblingsband, die vor sich hinstauben. Und die DVDs, die sich stapeln, aber nie bei mir geguckt werden, sondern immer nur bei Dir; aber da stapeln sich die Klamotten. Auch nicht besser.

Schlafzimmer: Ha ha. Sehr witzig. Da ist aber jemand eifersüchtig. Dabei besteht gar kein Grund dazu. Hier hängt zwar der Kalender mit den hübschen Kerlen an der Wand….

Treppenhaus: Hübsche Kerle (fängt an, hysterisch zu lachen und kriegt sich gar nicht mehr ein). Der war gut.

Wohnzimmer: Ach, nicht? Jetzt bin ich aber echt mal gespannt, wer das aktuelle Kalenderblatt schmückt.

Treppenhaus: Na, die Feuerwehrleute von Station 19 sind’s schon mal nicht. Eher so Vögel aus den Achtzigern.

Schlafzimmer: Wie war das nochmal mit der Petze, du Punk?

Treppenhaus: Macht nur so weiter und ich sage gar nichts mehr. Ich lass mich doch von euch beiden nicht beleidigen.

Wohnzimmer: Komm schon, Alter. Du weißt doch, dass wir dich nur aufziehen wollen und es nicht so meinen. Niemals würde ich dich beleidigen. Schließlich hast du von uns allen die schönste Bildergalerie. Bei mir hängt nur ein popeliger van Gogh, der Rest stapelt sich auf dem Regal.

Treppenhaus: Das auch mal wieder abgestaubt werden könnte. Ich sag nur eins: Teddys.

Bad: Oh ja, die Teddys. Madame hat schon länger nicht mehr die Jäckchen von denen bei mir von Hand ausgewaschen. Dabei hatte sie die Bären schon als kleines Kind und hat die seitdem gehütet wie ihre Augäpfel.

Wohnzimmer: Hast du auch was zu melden, du WC-Ente!

Treppenhaus: Hey, du, keine Beleidigung. Der Kleine hat doch recht. Außerdem ist er der einzige im Haus ohne Wandschmuck, da kann man schon mal kirre werden.

Küche: Ja, genau, bei mir hängt auch so ein Van Gogh, aber als Puzzle. Aber Doppel-Null hat gar nix. Außer zwei Besuchen täglich von ihr, en nature. Wie Gott sie schuf. Schon blöd, wenn er sich den Anblick noch mit jemand zweitem teilen müsste.

Bad: Naßzelle. WC-Ente. Doppel-Null. Ihr könnt mich mal. Menno.

Küche: So, jetzt habt ihr’s geschafft. Jetzt ist er fratzig. Geschieht euch recht.

Treppenhaus: Wieso wir? Du musst grad was sagen. Wer ist denn mit der Doppel-Null angekommen?

Küche: Guter Punkt. Aber wisst ihr was? Liebes Bad, hiermit möchte ich Dich feierlich um Verzeihung bitten. Ich habe es nicht so gemeint. Das war nicht fair von mir. Schließlich siehst du sie nur kurz, aber ich habe sie den ganzen Tag zur Gesellschaft. Vielleicht habe ich durch das viele Home Office und das Geschrei, weil da unten mal wieder alles zusammenbricht, auch bloß leichte Erscheinungen von Lagerkoller. Ist ja so abgeschottet wie ’ne Burg mit Wassergraben hier. My home is my castle, oder was?

Treppenhaus: Okay Leute, bevor das ganze jetzt völlig aus dem Ruder läuft, ein Vorschlag zur Güte. Jetzt, wo sie erst mal ’ne Weile weg ist, wie wär’s, wenn wir ihr ’nen Brief schreiben, dass das so kein Zustand auf Dauer ist. Hat irgendwer Vorschläge?

Bad: Also, ich… äh… nicht so wirklich. Sie kann ja schlecht ihren Job vom Klo aus erledigen. Und bevor jetzt einer mit dem blöden Spruch von wegen „zu einem guten Geschäft gehören immer zwei“ kommt… sag‘ ich nur ‚lasst es‘. Oder ich trete in den Streik.

Wohnzimmer: Soll ich dir helfen und das Klopapier verstecken?

Bad: Ach nee… damit das Genörgel von wegen ‚kein Papier – alles weggehamstert‘ von vorne losgeht? Ich war ehrlich gesagt, echt froh, als es wieder welches gab.

Wohnzimmer: Ich hätte dafür gerne Madame wieder öfters zu Gast bei mir.

Treppenhaus: Das wird schwierig, wenn der DVD-Spieler immer noch nicht geht.

Wohnzimmer: Aber ich hab ’nen tollen Plattenspieler.

Schlafzimmer: Stimmt. Dann könnte sie wenigstens die Kerle vom aktuellen Kalenderblatt auch mal wieder hören, anstatt sie nur als Wandschmuck zu bewundern.

Wohnzimmer: Ach, die sind das. Und ich habe mich schon gefragt…

Schlafzimmer: Alles easy. Der wahre Grund, warum sie nach der Arbeit erst in den Garten und dann direkt zu mir verschwunden ist, liegt ganz woanders.

Treppenhaus: Aha. Jetzt bin ich aber gespannt.

Bad: Ich auch. Ich auch.

Schlafzimmer: ich bin der coolste Typ im Haus, mit Blick nach Osten… Ha ha. Nee, war nur Spaß. Südwestseite am Abend und deine kuschelige Wärme sind nicht der Grund dafür.

Wohnzimmer: Jetzt mach’s nicht so spannend.

Treppenhaus: Ich glaube, ich weiß es.

Schlafzimmer: Klappe. Sonst Beule. Also gut, dann lüfte ich das Geheimnis. Könnt ihr euch noch an den Sommer 2018 erinnern?

Treppenhaus: Oh ja, da haben sich plötzlich die leeren Flaschen wie von Geisterhand bei mir vermehrt.

Schlafzimmer: Yepp. Hat damit zu tun. Da hat es angefangen – sie hat bei einem Schreibprojekt mitgemacht und sich für ihr eigentliches Projekt warmgeschrieben. Ein Gläschen Rotwein am Abend, die passende Musik dazu, und jeden Abend ein, zwei Stunden mit dem Laptop im Bett… und 18 Monate später ist ein Roman draus geworden. Das ist der wahre Grund, warum sie und ich…

Wohnzimmer: Na toll, und bei mir ging das nicht (Zieht beleidigt einen Flunsch)?

Schlafzimmer: Ich sag’s nur ungern, doch das Bett scheint irgendwie doch bequemer zu sein. Aber da sie das Projekt abgeschlossen hat und ihren Kram jetzt auf dem neuen Smartphone liest, hast du gute Chancen, dass du sie bald wieder öfters siehst.

Treppenhaus: So ist es. Außerdem habe ich was läuten hören, dass sie dich demnächst gründlich während ihres Urlaubs aufräumen und gemütlicher herrichten möchte, weil sie beschlossen hat, dass sie mit ihrer Freundin einen DVD-Abend veranstalten möchte, sobald die Coronakrise vorbei ist.

Wohnzimmer: Na dann. Aber den Brief schreiben wir trotzdem.

Küche: So machen wir’s.

 

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Au wei, das war jetzt doch länger als beabsichtigt, aber so ist das, wenn nicht nur ein Zimmer aus seinem Herzen keine Mördergrube machen möchte, sondern gleich fünf davon. Das wird dann eben fünfmal so lang wie geplant (nämlich 1215 Wörter).

Die Schreibthemen im Juni lauten:

1) Jasmin trifft eine mutige Entscheidung. Erzähle, welche dies ist und was Mut für sie bedeutet +++ 2) Du wachst auf und stehst mitten in deinem aktuellen (oder vor kurzem gelesenen) Buch, was geht da vor? Und welches Buch ist es? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun…“ beginnt. +++ 5) Deine vier Wände unterhalten sich darüber, dass Du nun so viel zu Hause bist. Über was plaudern sie? Schreibe einen kreativen Dialog.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

4 Kommentare zu “# Writing Friday 2020 – Juni, 23. Woche : My home is my castle

  1. Sehr unterhaltend der Dialog deiner „4“ Wände!
    Es wäre witzig zu erfahren was nicht nur die Wände sondern alle Geräte über uns zu erzählen hätten 😉 Ich finde es toll wie du dabei auch geschickt Informationen über dich eingeflochten hast.

    • Hm. Gute Frage… da ich ja im Urlaub war, mussten die Geräte schweigen. Aber ich könnte ja mal mein Laptop und meine beiden Smartphones fragen, ob sie sich einbringen möchten. Die hatte ich nämlich auch im Urlaub bei mir.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s