30-Days Book Challenge

 

Bücherwürmer aufgepasst! Als ich mich ausführlich mit Songs und Filmen für die entsprechenden Challenges beschäftigt habe, kam an einer anderen Stelle die Frage auf, warum es diese „30-Days Challenges“ nicht auch bei Büchern gibt. Zwar entzieht sich meiner Kenntnis, ob es so eine Challenge nicht schon gibt.

Aber warum nicht einfach mal den Versuch wagen?

Daher rufe ich die 30 Days Book Challenge aus … mit 30 Fragen in deutscher Sprache, weil ich zu faul bin, die Fragen bzw. Aufgaben in Englisch zu formulieren. Wer möchte, darf jetzt schon anfangen – ich werde meinen ersten Beitrag am fünfzehnten Juni hochladen. Die Illustration mit allen 30 Aufgaben dürft ihr gerne als Beitragsbild verwenden – auf die Links zu euren Beiträgen im Kommentarfeld zu diesem Beitrag freue ich mich jetzt schon.

 

30 Days Book Challenge

Für all jene, die wie ich kleine Buchstaben nur schlecht entziffern können, habe ich alle Tagesaufgaben hier noch einmal aufgeführt. Leider geht das nur blockweise und nicht untereinander, denn irgendwas stimmt mit der Formatierung nicht:

01 Ein Buch aus Deiner Kindheit +++ 02 Ein Buch mit einem Tier im Titel +++ 03 Ein Buch mit einer Zahl im Titel +++ 04 Ein Buch mit einem Cover in Grün +++ 05 Ein Buch, das Du schon immer mal lesen wolltest +++ 06 Ein Buchtitel, der mehr als vier Wörter hat +++ 07 Eine Biografie

08 Ein Buch, das in einer vergangenen Epoche spielt +++ 09 Ein Buch, bei dem Du Dich über die Zeitverschwendung geärgert hast +++ 10 Ein Buch aus Deinem Lieblingsgenre +++ 11 Ein Buch, das Du gerne anderen empfehlen möchtest +++ 12 Ein Buch aus einem anderen Kulturkreis als dem eigenen +++ 13 Ein Buch, das Du magst, obwohl Du das Genre sonst nicht so gerne liest +++ 14 Eine Buchreihe, die Du komplett gelesen hast

15 Eine Buchreihe, die mehr als drei Bände hat +++ 16 Ein Buch, das Du nicht magst, obwohl es aus deinem Lieblingsgenre ist +++ 17 Ein Buch von Deinem Lieblingsschriftsteller bzw. -schriftstellerin +++ 18 Einen Satz, den Du für zitierungswürdig hältst +++ 19 Ein Buch mit mehr als 1000 Seiten +++ 20 Ein Buch mit einer besonders schönen Gestaltung +++ 21 Ein Comic oder eine Graphic Novel, die Dir gefällt

22 Ein Buch, das bei Dir Alpträume ausgelöst hat +++ 23 Ein Buch, dessen Verfilmung Dir besser gefallen hat als die Vorlage +++ 24 Ein Buch, das Du gerne mal verfilmt sehen würdest +++ 25 Ein Buch, auf das Du durch den Klappentext neugierig wurdest +++ 26 Ein Reiseführer, der bei Dir den Wunsch zu einer Reise geweckt hat +++ 27 Ein Werk, das vertont worden ist, z.B. als Hörbuch oder Hörspiel +++ 28 Ein Held/eine Heldin, der/die Dein Herz berührt hat

29 Ein Gedicht, das Du magst +++ 30 Ein Bildband, der zum Schmökern einlädt

 

 

Und nun… viel Spaß beim Tüfteln und Durchforsten der Bücherschränke.

30-Days Film Challenge – Day 6 : your favourite animated film

 

Ich glaube, es ist kein Geheimnis mehr, dass ich nicht gerade der größte Fan von Walt-Disney-Filmen bin, dennoch fällt mir zum folgenden Stichwort der Challenge (der Klick aufs Bild führt zur Vorstellung) automatisch Disney ein:

Day 6 : your favourite animated film

 

Und da bildet Robin Hood“ von 1973 neben „Merida- Legende der Highlands“ eine der wenigen Ausnahmen für mich.

 

 

Jede Tierfigur ist perfekt auf den entsprechenden Charakter abgestimmt: König John als feiger Löwe mit der falschen Schlange Sir Hiss als sein Berater, der habgierige Sheriff von Nottingham als Wolf, Robin und Maid Marian als Füchse… und in der deutschen Fassung der singende Barde als Gockel mit der Stimme von Reinhard Mey (https://i.pinimg.com/474x/1f/a7/e3/1fa7e3187bbd2dfc9c805c9d54c91108.jpg). Auf dem unscharfen Bild kann man ihn sehen.

„Broken Strings“ : Chapter 25 – RKMC

Bitte sag, dass das nicht wahr ist! Ich hatte mich also doch nicht geirrt. Aber ‚Sons of Anarchy‘ in der Realversion? Andrea, Du siehst eindeutig zu viel fern. Bis jetzt hat sich Dein Verdacht doch noch gar nicht bestätigt, und Du siehst mal wieder weiße Mäuse.

Was er sich über sein Karohemd gezogen hatte, konnte doch auch eine ganz normale Weste sein, wie sie in dieser Gegend jeder x-Beliebige trug. Wenn das wirklich ein MC war, würde das seine rückwärtige Ansicht zeigen. Und wenn ja – was dann?

So. Ihr seid also ’ne Band?“ Aha, die Herren hatten den fröhlichen Smalltalk bereits eröffnet. „Was spielt Ihr denn so?“

Achtung, jetzt kam’s. Wenn ich mit meiner Vermutung richtig lag, dann verfehlte das Repertoire des morgigen Abends seinen Musikgeschmack, denn die Geräusche aus Lukes Kopfhörer, die mir in der Werkstatt entgegen geschallt waren, ließen darauf schließen, dass der Herr eher auf Metal stand.

Hauptsächlich Rock und Wave, Sachen aus den Achtzigern und noch ein bißchen was eigenes.“ – Ein bißchen was eigenes, Mike? Flößt der Kerl Dir etwa so großen Respekt ein, dass Du freiwillig Euer Licht unter den Scheffel stellst?

Heute stapeln wir aber besonders tief“, rutschte es mir da auch schon heraus und erntete entgeisterte Blicke von Mike und die volle Aufmerksamkeit von Luke.

„Na ja, wenn Du sechzig Prozent eigenes Material als ‚ein bißchen‘ bezeichnest…“ ergänzte ich – und war mir noch im selben Augenblick nicht mehr sicher, ob es nicht vielleicht doch anders herum war, und die Coverversionen in der Überzahl waren.

Schnell, Andrea, sag noch etwas, bevor das Schweigen zu peinlich wird… „… und die Jungs sind richtig gut. Vor allem der Sänger…“

So, jetzt hast Du’s geschafft und Deinen Liebsten angepriesen wie auf dem Basar. Dumme Nuss. Das merkt der doch sofort und denkt, Du bist nicht ganz dicht. Nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder Liebeskrank. Aaargh.

Ach ja? Und wann kann man euch mal sehen? Ihr habt doch garantiert irgendwo in der Nähe einen Gig..“

Hatte mein Werbespot für Arme ihn etwa doch nicht abgeschreckt?

Klar, und zwar übermorgen in… Shit, Andie, wo spielen wir nochmal?“

Na, wenn Du’s nicht weißt, dachte ich, woher soll ich das dann wissen? Seit wann bin ich Euer Manager? Aber eins wusste ich jetzt: Mike konnte sich Namen genauso schlecht merken wie ich.

Wenn Du sie spielen sehen möchtest, fragst Du am besten Brian, der hat alle Termine und Locations im Kopf“, antwortete ich statt dessen betont liebenswürdig, „vielleicht reserviert er Dir einen Platz in der ersten Reihe.“

Cool. Mach ich.“

Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Und dabei hätte ich wetten können, dass ihn die Aussicht auf zwei Stunden mit Musik, die nicht seinem Geschmack entsprach, schon von vornherein abschrecken würde. Wo Brian zu finden war, gab ich ihm dann auch noch mit auf den Weg, bevor er sich entfernte

„Am Achten? Man sieht sich.“

Man sieht sich? Eher früher als später, denn schließlich soll er erst den Ford und dann den Impala durchchecken. Dann sieh zu, dass Du so weit weg bist, wie’s nur geht, Andrea.

Mike stieß einen Pfiff aus. „An Dir ist ja eine erstklassige PR-Beraterin verloren gegangen“, sagte er, als wir Luke nachsahen, wie er seelenruhig zum Haus hinüberschlenderte. „Was für ein Typ. Der hat ja noch längere Haare als ich. Wetten, dass er mit Vorliebe Metal hört? Wenn er wirklich bei unserem Gig aufschlägt, wird er sich aber wundern.“

Warum? Weil er als wandelndes Klischee eines Metallers herumläuft? Nett fand ich das nicht.

Nanu, seit wann steckst Du denn Leute in Schubladen?“ gab ich deshalb umgehend zurück, worauf hin er mich verständnislos ansah, und so holte ich zu einer Erklärung aus: „Na ja, ich höre auch viel Rock und Metal, schon vergessen?“

Guter Punkt. Aber wie auch immer, jedenfalls wünsche ich ihm noch viel Spaß mit uns.“

Oder wir mit ihm“, deutete ich an und merkte, dass Mike meine Bemerkung für zu kryptisch hielt. „Na, schau Dir doch mal seine Kehrseite an“, sagte ich und deutete mit dem Hals meiner inzwischen halbleeren Bierflasche auf den dekorativen Aufnäher auf Lukes Weste, bevor dieser im Haus verschwand: Über den ganzen Rücken erstreckte sich ein feuerrotes Patch, auf dem aus der Entfernung nur undeutlich zu erkennende Motive in Weiß und irgendwas mit den Worten ‚Motorcycle Club‘ zu lesen war.

„Verstehst Du jetzt?“

Oh Shit. Und Du lächelst ihn auch noch nett an und bringst ihn auf die Idee, bei unserem Gig aufzukreuzen.“

Jetzt erschien ihm die Idee von mir als Brians PR-Beraterin doch nicht mehr so attraktiv. „Die Hells Angels wollte ich bei unserem Konzert übermorgen eigentlich nicht dabei haben.“

Sah das Patch der Hells Angels nicht anders aus? Ob Angels oder nicht, die Vorstellung, dass das Chapter des ortsansässigen Motorradclubs die erste Reihe belagerte, fand ich doch etwas sonderbar. Aber warum eigentlich? Solche Vorurteile hatte ich doch sonst nicht. Und dieser Luke hatte doch einen ganz vernünftigen Eindruck gemacht.

Warum also diese Vorbehalte? Ich sollte mich an den folgenden Tagen noch öfters über Mike wundern. Vorerst aber war ein Treffen mit der gesamten Mannschaft geplant. Wach waren ja inzwischen alle und widmeten sich ausgiebig ihrem Kaffee, der bei der Besprechung des weiteren Zeitplans unerlässlich war.

Wie ihr ja alle mitbekommen habt, ist das mit den Zimmern etwas unglücklich gelaufen. Aber Jake und ich konnten alles klären.“

Ich musste zugeben, mit Smalltalk hielt Brian sich nicht lange auf. Jake und er hatten umdisponiert? Auf das Ergebnis war ich schon sehr gespannt.

Aber wie ich schon sagte“, fuhr Jake fort, „das Hilton ist es zwar nicht, aber wenn man keine übertriebenen Ansprüche stellt…“

Wow, mit Deiner Meinung von Rockbands oder ihren Befindlichkeiten scheint es ja nicht gerade weit her zu sein – nicht alle sind so verwöhnte Schnösel, die nur in erstklassigen Hotels mit vier Sternen oder mehr absteigen, dachte ich

„… wird es für die paar Tage schon gehen.“

Wenn ich so darüber nachdachte, hatte er gar nicht so unrecht. Gemütlich war das Zimmer ja, in dem wir die letzte Nacht verbracht hatten. Auf übertriebenen Luxus hatte ich noch nie großen Wert gelegt, und während meines ursprünglichen Work-and-Travel-Jobs war die Übernachtung in einer einfachen Schlafunterkunft für mich nie ein Thema gewesen. Schließlich war ich ja nicht hier für die große Holiday, sondern zum Arbeiten.

Im Gegensatz zu Sue und Madlyn hatte ich auch kein Problem damit, bei der Zubereitung des Frühstücks oder des Barbecues zu helfen. Die von Brian organisierte Unterkunft bei seinem Freund von früher sah ich als willkommene Abwechslung. Nur an der Zimmerbelegung konnte man noch arbeiten.

Brian hatte ihm bei der Ankunft gesagt, wer zu wem gehörte; den Wink mit dem Zaunpfahl hatte er also hoffentlich verstanden. Wie sich gleich darauf herausstellte, hatte er das. Bei der Einquartierung im Neubau hatte er ja auch darauf geachtet, jetzt fehlten nur noch wir vier, die dort keinen Platz mehr gefunden hatten, sondern im Clubhaus residieren durften.

„Also, wenn es euch nichts ausmacht, wir haben da noch ein winziges Zimmerchen über der Garage; ist leider nur noch nicht so ganz bezugsfertig.“

Da er Mike und mich anschaute und aller Augen auf uns gerichtet waren – oh no, Ryan Miller, was grinst Du so dämlich -, sah ich mich gezwungen, darauf zu antworten. Mike zog es ja lieber vor, die Klappe zu halten.

„Aha. Das würde ich mir doch gerne mal ansehen.“ Genau. Das ist eine Spitzenidee, Andrea. Auf diese Weise kann er sich gleich die anzüglichen Sprüche à la ‚aber für euch beide dürfte der Platz völlig ausreichen‘ oder ‚je kleiner, desto intimer‘ sparen. Hauptsache, erst mal raus hier.

Na, dann komm mal mit“, meldete sich Kelly, die darauf anscheinend schon gewartet hatte.

Sollte ich nicht lieber bei der Besprechung dabei bleiben? Ach was, davon würde ich noch früh genug erfahren. Jetzt stand erst mal die Besichtigung des Zimmerchens über der Garage an.

„Wie Jake schon sagte…“, begann sie, als wir außer Hörweite waren und an der Bildergalerie vorbeigingen, auf die ich schon in der Nacht einen Blick hatte erhaschen dürfen.

… weiß ich: Es ist nicht das Hilton“, vollendete ich den Satz und begann zu grinsen. „Das ist mir schon heute Nacht klargeworden… Kelly, richtig?“

An der Kunst der gepflegten Konversation müssen wir aber noch tüchtig feilen, Andrea, redete ich mir selbst ins Gewissen, es reicht ja schon, wenn Jake Dich für gaga hält.

„Ich glaube, wir wurden einander noch nicht vorgestellt. Ich bin Andrea.“

Na also, geht doch, dachte ich und reichte ihr die Hand, während ich bei ihrem Anblick meine Meinung von ihr, die ich mir anhand des unfreiwillig mitgehörten Krachs von heute morgen gebildet hatte, revidierte. Warum ich mir beim Klang ihrer Stimme eine langmähnige, zickige Blondine mit lackierten Krallen vorgestellt hatte, war mir bei unserer Begegnung ein Rätsel. Kelly war kaum größer als ich und hatte nicht nur schulterlanges rotbraunes Haar, sondern auch einen festen Händedruck, der locker mit dem von Jake oder Brian mithalten konnte.

Dieses Chaos tut mir leid, aber wir sind mitten im Umbau.“ versuchte Sie, sich zu entschuldigen.

Nicht der Rede wert. Da kann es schon mal vorkommen, wenn…“, stockte ich und blieb gerade noch rechtzeitig stehen. Um ein Haar hätte ich mich verplappert und ‚man Termine verwechselt‘ gesagt. „… was nicht ganz rund läuft.“

Tief durchatmen, Andrea, tief durchatmen. Konzentriere Dich und richte Deinen Blick auf einen festen Punkt. Ein fester Punkt. Hm. Der einzige feste Punkt, den ich anvisieren konnte, war das gerahmte Foto vor mir an der Wand. Es zeigte eine Gruppe von Leuten auf Motorrädern, die allesamt die gleiche Weste mit dem gleichen roten Patch trugen; und mittendrin Kelly auf einer Indian. Der Indian. Gewiss war das nur Zufall.

„Nanu“, stotterte ich verwirrt, „steht in der Werkstatt nicht auch so eine Maschine?“

Gut beobachtet, Andrea. Aber das ist dieselbe Maschine. Mein ganzer Stolz.“ Das Strahlen in ihren Augen war kaum zu übersehen. „Leider steht sie zur Zeit mehr, als dass sie fährt. Aber zum Glück kümmert sich ein Fachmann um sie.“

Ja, den habe ich heute morgen schon kennengelernt“, sagte ich, „Luke – richtig?“

Yepp – mein kleiner Bruder.“

Wie bitte? Kleiner Bruder mit einem Gardemaß von einem Meter neunzig? Bei der Vorstellung entfuhr mir ein schallendes Lachen, das ich im selben Moment zutiefst bereute. Wie unhöflich. Darüber macht man keine Witze, Andrea, schäm Dich. Zu spät. Die Stille hing wie eine Blase in der Luft. Dann prustete Kelly los, mitten in das Schweigen hinein. Die Blase zerplatzte.

Du bist nicht die erste, der das auffällt“, japste sie und keuchte nach Luft. „Der war gut.“

Wenn da noch Eis zwischen uns gewesen war, nun war es gebrochen. So einen Einstieg hätte ich schon früher gebrauchen können. A propos Einstieg: Um zu dem besagten Kämmerchen über der Garage zu gelangen, gab es eine ausziehbare Leiter wie die, mit deren Hilfe man in amerikanischen Filmen auf den Dachboden gelangt.

Jake hatte echt Humor, uns diesen Verhau als Liebesnest anzubieten. Aber besser als nichts. Mit seinem Spruch, dies sei nicht das Hilton, hatte er recht. Der winzige Raum mit einem Futon in der Mitte und einem räumlich genauso sparsam bemessenen Gäste-WC am anderen Ende war noch nicht mal mit einer Besenkammer im Hilton vergleichbar.

Wobei aber auch durchaus Besenkammern für gewisse Leute ihren Reiz haben konnten. Dieser Gedanke mochte unpassend und übertrieben sein, aber mir kam die Beschreibung eines Hotelzimmers in England in den Sinn, die ich auf einer Bewertungsplattform gelesen hatte: ‚The room was so small you couldn’t even swing a cat.‘

In diesem Fall passte unser Gepäck gerade noch so hinein. Hätte Mike ein Instrument gespielt, so hätten wir uns etwas überlegen müssen, wo wir das auch noch unterbrachten. Irgendwelche Haken an der Wand zum Aufhängen von Jacken oder ähnlichem sah ich auch nicht. Glücklicherweise konnte ich darin aufrecht stehen, und vermutlich auch mein Schatz, weil der die Eins-Achtzig-Marke nicht überschritt. Nicht immer war es von Vorteil, groß zu sein. Kellys Bruder hätte sich hier nur gebückt fortbewegen können, aber für ihn war dieses Gäste-Kabuff ja auch nicht bestimmt.

Auch der Ausblick aus dem dreieckigen Fenster auf Ölfässer, Bierzeltgarnituren und reparaturbedürftige Fahrzeuge war gewöhnungsbedürftig. Aber was störten mich Schrottkisten und altes Gerümpel? Es war ja nur für drei Nächte, aber dafür hatten wir die wenigstens für uns, ohne dass jemand störte. Eins aber ließ mir keine Ruhe: Kelly als Mitglied eines Motorradclubs? Die Bilder musste ich mir auf dem Rückweg nochmal genauer anschauen.

Hey, sag bloß, Ihr wart an den Niagarafällen?“ riet ich blind: Die Aufnahme zeigte Kelly inmitten einer größeren Gruppe, im Hintergrund einen Wasserfall.

Klar. Wenn wir schon den weiten Weg zur Convention auf uns nehmen, dann lass ich mir doch nicht die Chance entgehen, mir die Wasserfälle anzusehen“, lachte Kelly. „Außerdem haben sie dort den Film gedreht.“

Film. Film. Wenn ich nur wüsste, wovon Du gerade sprichst.

„Na den Film ‚Niagara‘. Den mit Marilyn Monroe.“

Stimmt, der Turm auf dem nächsten Foto war die Stelle, an der es zum Showdown zwischen ihr und Joseph Cotten kommt. Manchmal ist man aber auch wie vernagelt. Natürlich kannte ich den Film aus frühester Kindheit. Meine Mutter liebte ihn. Diese Gelegenheit hätte ich mir an ihrer Stelle auch nicht entgehen lassen. Aber wenn wir schon dabei waren, dann konnte ich sie auch direkt auf diese Convention ansprechen. Warum lange um den heißen Brei herumreden? Jetzt war genau der richtige Zeitpunkt dafür.

Uns gibt’s schon seit den Achtzigern.“ ließ Kelly fallen, worauf ich sie zweifelnd anschaute.

So alt war sie doch noch gar nicht, ich schätzte sie auf zehn Jahre älter als mich. Natürlich meinte sie die Club an sich, der als Antwort auf die Blue Knights gegründet wurde. „Einer meiner Kollegen bei der Feuerwehr hat mich darauf gebracht, als er mich damals auf meiner Indian gesehen hat.“

Ach, dann waren die Red Knights das Gegenstück der Feuerwehrleute zu dem MC der Polizei? „So in etwa, nur reicht es bei uns, wenn man bei irgendeiner Feuerwehr aktiv ist, also auch bei den Freiwilligen. So wie ich.“

Wie sie mir erklärte, war es für eine Mitgliedschaft als Active Member gar nicht erforderlich, von Beruf bei der Feuerwehr zu arbeiten, theoretisch hätte es auch vollkommen genügt, wenn sie zum von der Feuerwehr angestellten Rettungsdienst gehört hätte.

Schau Dir unseren Patch doch mal genauer an.“

Mit diesen Worten streifte sie sich ihre Weste über, und ich konnte endlich einen genaueren Blick darauf werfen: links ein Feuerwehrschlauch, in der Mitte ein Motorradfahrer, rechts eine Leiter. Aha, so also sah das Motiv auf der Weste aus der Nähe aus. Von wegen Hells Angels. Diese Schublade konnte Mike also geschlossen lassen, denn sie klemmte ganz gewaltig. Okay, bei unserer Ankunft hatte ich ähnlich gedacht, aber ich ließ mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen und lernte immer gerne etwas neues dazu. Höchste Zeit, diese Information weiterzugeben. Da es das von ihm während der Pause beschriebene Szenario nicht geben würde, konnte er sich wieder entspannen. Je eher, desto besser – besser für die Stimmung innerhalb der Band und auf der Bühne.

Wenn es darum ging, sich zu entspannen, hatte Brian nicht ohne Grund den Besuch bei Jake Reed auf die Pause zwischen den Auftritten gelegt. Dass es inzwischen nicht nur zwischen dem Sänger und dem Drummer knirschte, sondern auch zwischen mir und den beiden Backgroundsängerinnen, hatte ihn zu dieser Maßnahme greifen lassen. Womit er nicht gerechnet hatte, war Schützenhilfe von Kelly Reed. Sie und ich hatten uns auf Anhieb verstanden, und nun war es sie, die zwischen uns vermittelte.

Mit Sue hatte ich mich rasch ausgesprochen. Ihr und Mark die Schuld daran zu geben, dass John zum Fall für die Ausnüchterungszelle geworden war, hielt ich im Nachhinein für genauso überzogen wie ihr Vorwurf, dass Mike und ich nur noch mit uns selbst beschäftigt gewesen waren. Gleiches Recht für alle. Mit Madlyn war die Sache nicht ganz so einfach, denn sie hatte sich – warum auch immer – in den Kopf gesetzt, dass ich meine Fühler nach Danny ausgestreckt hatte. Als ob ich nichts besseres zu tun hatte, als dem nächsten aus der Band den Kopf zu verdrehen. Wie vielen denn noch?

Oder war es anders herum? Und alles nur wegen Ryans blöder Bemerkung, der sich anscheinend immer noch über mich ärgerte. Einander aus dem Weg zu gehen, war an diesem Ort nicht ganz so einfach wie in dem Hotel, in dem wir zuletzt gewohnt hatten. Da hatte sich Brian ja eine tolle Teambuilding-Maßnahme ausgedacht. Schließlich ging es um den Zusammenhalt untereinander, und da waren Reibereien eher hinderlich.

In seinen Augen standen Alkoholexzesse als Killerfaktor an oberster Stelle. In seinen Augen bedeutete aufeinander achtzugeben nicht, dass wir uns gegenseitig bespitzelten und einander bei ihm verpetzten, sondern die betreffende Person zu bremsen, wenn sie ihr Limit vergaß. So wie ich es sah, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder wir rissen uns zusammen oder die gereizte Stimmung eskalierte bis zur Explosion. Andererseits war die von mir erwartete Eskalation zwischen Ryan und Mike ja auch ausgeblieben. Auch bei dem Drummer konnte ich weder ein blaues Auge noch aufgeplatzte Lippen entdecken, als er mir auf dem Hof entgegen kam und mich kurz und knapp grüßte, um mich nach dem Verbleib seines Gepäcks zu fragen.

Erleichtert darüber, dass er sich mit Bemerkungen, die Mike oder ich als Provokation auffassen konnten, zurückhielt, gab ich ihm die gewünschte Auskunft genauso sachlich und neutral. So wie es aussah, hatten sie sich also nicht geprügelt. Wenn Mike es fertig gebracht hatte, Ryan so die Meinung zu geigen, dass er ihm nicht an die Gurgel gehen musste, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, warum sollte dann Madlyn und mir nicht ähnliches gelingen?

Vielleicht war die Idee, hier bis zum 9. September zu verweilen doch nicht so schlecht. Das würde uns genügend Zeit verschaffen, um einen Fachmann zuerst einen Blick auf den Ford und gleich danach unter die Motorhaube des Impala werfen zu lassen. Parallel dazu wollte Dave den beschädigten Verstärker unter die Lupe nehmen, denn jetzt hatte er nicht nur die Zeit dazu, sondern auch den Platz.

Nur zu gerne ließ ich mich von meinem ins Stocken geratene Gespräch mit Madlyn loseisen, um mit Dave und Bradley das Corpus Delicti an eine Stelle zu schaffen, wo wir in Ruhe schrauben konnten. Ich konnte mir nicht vorstellen, wo die beiden ein Oszilloskop auftreiben wollten, um die Signale am Vor- und Endverstärker zu testen. Ich war ja eher dafür, die am meisten belasteten Bauteile auf ihre Funktionstüchtigkeit zu untersuchen, aber hatte keine Ahnung, wie wir das anstellen sollten.

Da kamen mir John und sein angeblich selbstgebautes Theremin in den Sinn. Vielleicht hatte er ja eine Idee, was wir noch tun konnten.