30-Days Film Challenge – Day 10 : your favourite superhero film

 

 

Ach herrje – Superheldenfilme! War ja klar, dass es bei dieser Challenge (Infos über den Klick aufs Bild oben) irgendwann dazu kommt. Überhaupt nicht meine Welt.

 

Day 10 : your favourite superhero film

 

Mein Mann konnte von solchen Filmen gar nicht genug bekommen und war ein absoluter Batman- und Spiderman-Fan. Aber nun gut.

 

 

Von all den für mein Gefühl viel zu langen Superheldenfilmen ist Spider-Man 2 der einzige, mit dem ich etwas anfangen kann (https://i.pinimg.com/474x/b4/b2/54/b4b25499afa0f67da5dec3006d5aaf54.jpg).  Vielleicht liegt es ja an Alfred Molina als tragischem Gegenspieler.

„Broken Strings“ : Chapter 27 – Jam Session

Es geht nicht darum, wie Du den Tag beendest, sondern wie Du ihn beginnst.“ Dieses Zitat aus ‚Seattle Firefighters – die jungen Helden‘ hätte mich eigentlich beruhigen sollen, denn an diesem Morgen war Mike wieder ganz der Alte.

Dennoch hatte ich immer noch dieses ungute Gefühl, das mich für längere Zeit am Einschlafen gehindert hatte; aber ihn jetzt zu fragen, was ihm gegen den Strich gegangen war, hätte wenig Sinn gehabt, denn er konnte sich nicht mehr an seinen anscheinend alkoholbedingten Stimmungsumschwung nach der Party erinnern. Hatte er sich letzte Nacht einfach aufs Ohr gehauen, ohne mich weiter zu beachten, so war ich an diesem Morgen nun diejenige, die zu weiterführenden Zärtlichkeiten nicht aufgelegt war. Sex um sechs? No way.

Statt dessen huschte ich in das winzige Gästebad, unterzog mich einer Katzenwäsche und durchwühlte meinen Rucksack nach frischen Sachen. Viel Auswahl war mir nach der fehlenden Gelegenheit zum Besuch des Waschsalons nicht geblieben.

Wir sind noch bis übermorgen hier, da müsstest Du das doch locker schaffen, überlegte ich mir, während ich im Geiste den vor mir liegenden Tag durchspielte: zuerst eine schöne Tasse starken Kaffee, bevor Luke, Danny und ich mit dem Verstärker zu seinem Bassisten fahren würden. Danach stand Wäschewaschen auf dem Plan.

Und auf dem Rückweg könnt Ihr dann auch gleich noch an der Apotheke vorbeifahren“, fügte Kelly einen weiteren Punkt meiner Liste hinzu, als sie mir einen großen Becher, dampfend heißen Kaffee vor die Nase stellte.

Da hatte wohl jemand einen gewaltigen Kater! Aber das war ein Irrtum. Gebraucht wurden keine Aspirintabletten oder Alka Seltzer, sondern Halstabletten und die üblichen rezeptfreien Mittel gegen Erkältung. Dass jemand aus ihrem Club eine Grippe ausbrütete, hatte ich gar nicht mitbekommen. Wie sich später zeigen sollte, lag ich aber auch damit gewaltig daneben. Fürs erste war Warten angesagt, und zwar auf Lukes Bandkollegen.

Ich mache drei Kreuze, wenn er endlich auftaucht, seufzte ich und sah meinen Zeitplan bereits in Gefahr. Ein verdächtiges Rumpeln überzeugte mich jedoch vom Gegenteil. ‚P & J Gallagher – experts in removals & haulage since 1979‘: Mit quietschenden Reifen hielt der Transporter auf dem Hof, und ein Kerl wie ein Schrank sprang aus der Fahrerkabine.

Danny, Andie – das ist Jay,“ übernahm Luke die Vorstellungsrunde, „Jay, das sind Andie und Danny… und das hier der Verstärker, um den es geht.“

Mit langen Vorreden hielt sich Jay gar nicht erst auf – er öffnete den Laster und wuchtete das Gerät auf die Ladefläche, dann konnte es losgehen. Weit hatten wir zum Glück nicht zu fahren.

Das Gallagher’sche Firmengelände lag ein wenig außerhalb, und hier hatte die Garagenband auch ihren Probenraum. Der ideale Ort, um unseren Patienten auf Herz und Nieren zu prüfen. Dass es aber mit einer einfachen Spannungs- und Signalmessung nicht getan sein würde, erkannte ich an Jays vermeintlich harmloser Frage, warum wir das Gerät nicht längst unterwegs getestet hätten.

Dazu sagte ich lieber nichts; es war ja nicht mein persönliches Equipment, und wenn dessen Eigentümer nicht rechtzeitig aus dem Quark kam, konnte ich ihm auch nicht helfen. Aber den Schlamassel ausbaden, in den er sich und mich gleich mit hinein manövriert hatte, obwohl es nicht so weit gekommen wäre, wenn nicht ein anderer…

Hey, Spitzenidee!“ rief Danny. „Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?“ Na toll, da passt man für einen Moment mal nicht auf, und schon sind die anderen ein ganzes Stück weiter als ich.

Huch? Hab ich was verpasst?“ bremste ich die Herren aus. „Vielleicht klärt mich mal jemand auf, was ihr vorhabt…“ Damit war ich bei Danny und Jay genau an der richtigen Adresse.

Allerdings. So abwesend, wie Du wieder mal gerade bist“, stichelte Danny.

Aber hallo! Nach Mike noch einer, der sich plötzlich komisch verhält. Habe ich irgend etwas wichtiges nicht mitbekommen? Außerdem: Jay interessiert es einen feuchten Kehricht, was mit mir oder Dir oder sonst wem von unseren Kollegen los ist. Wir sind hier zum Arbeiten. Schon vergessen?

Doch davon kam kein Wort über meine Lippen. Vielleicht brachte ein angemessen finsterer Blick Danny dazu, seine schlechten Witze bleiben zu lassen. Leider nicht.

Wahrscheinlich ist sie in Gedanken gerade bei ihrem …“ Oh nein, das fehlte gerade noch, dass er mich jetzt damit aufzog. Mein Liebesleben interessierte doch nun wirklich niemanden!

Von wegen“, fiel ich ihm ins Wort. „Eher bei dem Idioten, dem ich das stundenlange Gefummel an diesem Kasten zu verdanken habe. Und wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich jetzt wirklich gerne anfangen.“

Ja, gute Idee! Sag ihnen, wo der Hammer hängt. Sonst kommen wir heute überhaupt nicht mehr zu Potte, und meinen schönen Zeitplan kann ich gepflegt in die Tonne treten.

Offenbar hatten meine Worte gewirkt, und schon im nächsten Augenblick schnappte sich Jay eine seiner Gitarren und drückte sie Danny in die Hand.

Hier – stöpsel das Ding ein und dann zeig mal, was Du kannst.“

Na endlich! Und ich hatte schon befürchtet, wir würden hier Wurzeln schlagen. Blieb nur noch zu hoffen, dass meine ganze Mühe nicht umsonst gewesen war. Als die ersten Töne klar und deutlich durch den schlecht isolierten Raum schwebten, war mein erster Impuls, mir die Ohren zuzuhalten, denn wer auch immer an den Reglern gedreht hatte, er schien es mehr auf ohrenbetäubenden Krach angelegt zu haben als darauf, seinem Publikum ein annehmbares Hörerlebnis zu bescheren – zumal jetzt sich auch noch Jay dazu berufen fühlte, zu seinem Bass zu greifen und das Instrument an einen weiteren Verstärker anzuschließen.

Jetzt war mir auch klar, was genau Danny für eine Spitzenidee gehalten hatte: nämlich eine gemeinsame Jam Session, wenn auch ohne Drummer. Der war von Luke schnell herbei telefoniert. In der Zwischenzeit spielte sich Danny mit seinem geliebten schottischen Instrumentalstück warm. Für ihn war das natürlich die Gelegenheit, vor dem Auftritt am nächsten Tag schon mal ein wenig zu üben.

Bei Jake auf dem Hof ging das so schlecht; dazu hätten meine Kollegen nämlich alles aufbauen müssen, was in Ermangelung an Stromkapazitäten wenig Sinn gehabt hätte. Einen wirklichen Vorteil hatte er gegenüber Mark allerdings nicht, weil er theoretisch auf seiner Akustikgitarre spielen konnte, im Gegensatz zu John. Der war ohne Strom komplett aufgeschmissen, und da Ryan mit seinem Schlagzeug den unhandlichsten Part in der Band hatte, ging ich davon aus, dass er mit dem Proben so lange wartete, bis wir am nächsten Tag alles aufgebaut hatten.

Irgendwann war Lukes Band mit Danny als Gastmusiker komplett. So wie ich die Herren einschätzte, konnte das hier noch einige Zeit dauern. Also schwang ich mich seufzend in einen alten Sessel, der in der Ecke stand, um dem Geschrammel zu lauschen. Wenn drei der vier Anwesenden eine Vorliebe für Heavy Metal haben, aber der vierte im Bunde fast ausschließlich Folk, Rock und Wave spielt, dann erwarte ich eine krude Mischung, falls man sich überhaupt einigen kann, denn ihre Geschmäcker sind in der Regel wenig kompatibel.

Mist, ich hätte mir Ohropax mitnehmen sollen. Die Dinger sind klein und bewahren mich nicht nur vor einem Hörschaden, sondern auch vor dem Durchdrehen. Aber warum fingen sie nicht endlich an und brachten das Unvermeidliche hinter sich? Worauf, zum Teufel, warteten sie noch? Doch nicht etwa darauf, dass ich das Startsignal gab? Mitnichten. Ich glaubte, nicht recht zu hören, als Danny allen Ernstes verkündete, dass so eine Session ohne Gesang nichts Halbes und nichts Ganzes sei.

Ja, klar – das sahen alle ein. Das Dumme daran aber war, dass ich für die besondere Note in diesem spontan zusammengewürfelten Quintett sorgen sollte. Wer hatte denn diese Schnapsidee gehabt? Danny? Bradley hatte doch nicht etwa gepetzt? Hatte er natürlich nicht – Danny war ganz von selbst darauf gekommen.

Na super. Und welches Lied darf es sein? Im Zweifelsfall nehmen wir einfach eins von der Band, die Andie heute auf ihrem Shirt spazieren trägt.

Rein zufällig waren das heute mal wieder Lacuna Coil, die längst kein Geheimtip mehr waren. Nur bei Jay, Luke und Pete, dem Drummer, klingelte da leider gar nichts. Aber wozu hatte ich mein Smartphone? In den letzten Tagen hatte sich meine Playlist stetig vergrößert, und für genau diesen von mir als unwahrscheinlich eingestuften Fall konnte ich ihnen nun als Vorschlag den Song „Nothing stands in our way“ präsentieren.

Der hatte wenigstens den Vorteil, dass ich mich am Mikrofon nicht alleine zum Affen machen musste, wenn es für mich schon keinen Weg aus dieser Nummer heraus gab. Stimmlich besaß keiner von uns auch nur entfernte Ähnlichkeit mit Cristina Scabbia und Andrea Ferro, aber wir wollten damit ja auch kein Publikum unterhalten, sondern nur einen Test durchführen.

Euer Risiko, Leute“, krächzte ich.

Zum Glück war einer der Herren darauf gekommen, den Songtext aus dem Internet mit Hilfe eines Beamers an die Wand gegenüber zu werfen, so dass der Shouter der Band problemlos in das Duett einstimmen konnte. Wie beim Karaoke, aber in Metall. Auf einer richtigen Bühne hätte man uns jetzt ausgebuht, hier aber waren wir unter uns, und wenn ich geglaubt hatte, dass dieses Duett schon alles gewesen war, so hatte ich nicht mit dem OxyGen-Gitarristen gerechnet, der das Ergebnis, das wir unseren Kehlen und Instrumenten entlockt hatten, gar nicht so übel fand. Der Herr war offenbar anspruchslos und wollte eine Zugabe?

Wie wär’s mit ‚Titanium‘ in der Version von Within Temptation?“

Ihr wolltet eine Diva am Mikrofon? Bitte schön, die könnt ihr gerne haben. Und dann können wir eigentlich auch gleich mit ‚Shake it off‘ von Taylor Swift weitermachen…

Das würde sie hoffentlich von der Idee kurieren, dass ich eine hervorragende Sangeskünstlerin war. Im Gegensatz zu Florence Foster Jenkins war ich nämlich nicht so größenwahnsinnig zu glauben, dass ich mich als Sängerin für einen ganzen Abend eignen würde. Und schon gar nicht als Frontsängerin für OxyGen. Dass dies ein Vorgeschmack auf kommende Ereignisse war, sollte ich erst später begreifen.

Hey Leute, rief Pete uns von hinten zu, „wenn wir schon Popmusik durch den Fleischwolf drehen, hätte ich noch Britney Spears im Angebot.“

Oh no. Baby, hit me one more time? Dann doch bitte lieber ‚Time to say good-bye‘, wobei mir dies das Stichwort lieferte.

Ich will ja nicht drängeln, aber habt ihr mal auf die Uhr geguckt?“

Dezente Hinweise waren hier fehl am Platz; wenn wir noch in die Apotheke wollten, bevor diese schloss, sollten wir langsam mal unsere Hintern hochkriegen und zusammenpacken. In den Waschsalon wollte ich auch noch, und so langsam lief uns die Zeit davon.

„Getestet haben wir den Verstärker ja jetzt, und ich hab noch einiges zu erledigen…“

Das wirkte, und bald schon saßen wir wieder in Jays Wagen. Brian würde sich freuen, wenn wir ihm die gute Nachricht überbrachten, dass die von mir durchgeführte Reparatur an dem Teil nicht vergebens gewesen war. Er freute sich sogar so sehr, dass er Luke und seine beiden Freunde zu unserem Konzert einlud. Okay, wenn ich von ‚uns‘ spreche, meine ich mich nicht mit – auch wenn ich doch irgendwie dazu gehörte, wobei ich immer noch nicht genau wusste, wie man meine Rolle in diesem Spiel definierte.

Mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, bringen nur wirklich ausgezeichnete Jongleure fertig, und auch das nur für eine gewisse Zeit. Die Frage war nur: wie lange? So langsam kam ich mir nämlich vor wie jemand, der auf zwei oder drei Hochzeiten gleichzeitig tanzen möchte; Crewmitglied und temporäre Partnerin eines Bandmitglieds.

Du setzt Dich gerne zwischen alle Stühle, Andrea? Und natürlich bist Du auch diejenige, die die Kerze von beiden Seiten anzündest… aber brennt der Docht erst einmal, während Du zum Untätigsein verdammt bist, weil Dir die Hände gebunden sind und Du nicht eingreifen kannst, dann kannst Du in Zeitlupe dabei zusehen, wie sich die Flammen in der Mitte treffen und die Kerze auslöschen, bevor sie auseinander bricht. Dann, ja dann.. dann kommt das Erwachen.

Na, auch schon da?!“ – da war es, das Erwachen: Mikes Frage klang alles andere als nett.

Der Sarkasmus in seiner Stimme war Absicht. Es passte ihm nicht, dass wir später als geplant zurückkehrten. Nachdem ich die Medikamente abgeliefert hatte, wollte ich eigentlich die Wäsche einsammeln und mich dann damit auf den Weg zum Waschsalon machen. Aber so, wie er sich mir in den Weg stellte und den Kontrolletti raushängen ließ, würde daraus wohl so schnell nichts werden.

Mittlerweile nervten mich diese ständigen Stimmungsumschwünge und konnte nachvollziehen, wie es Mikes Kollegen damit ging. Sorry, Sweetheart, aber das ging gar nicht! Irgendeinen Grund musste es doch dafür geben. Schon am Abend vorher war er so komisch gewesen. Was auch immer es war, das ihm auf der Seele brannte, so tat er besser daran, endlich Farbe zu bekennen, denn für solche Spielchen war mir die Zeit zu schade.

Spielchen? Das sagt genau die richtige!“

Das verstand ich überhaupt nicht. Ja, war ich denn im falschen Film gelandet? Nichts lag mir ferner, als Spielchen mit ihm zu veranstalten, auch wenn er das anscheinend von mir glaubte. Zum Donnerwetter! Rück endlich raus mit der Sprache, damit wir die Sache klären und ein für alle Mal aus der Welt schaffen können! Aber wehe, es ist wieder so ein hirnrissiges Eifersuchtsding…

Leider war es das. Seine permanenten Sticheleien, dass Danny und ich seit neuestem mehr und mehr Zeit miteinander verbrachten, kamen nicht von ungefähr. Was für eine Übertreibung!

Best friends and more? With benefits, oder was?“ Verärgert starrte ich ihn an. „Sag mal, geht’s noch? Wie kommst Du denn auf dieses schmale Brett?“

Innerlich ging ich die Wand hoch und verfluchte den Tag, an dem ich mir den Falschen ausgesucht hatte, um meinen Auserwählten zu reizen. Was war ich blöd gewesen! Anzunehmen, dass sich Mike vom Gegenteil überzeugen ließ, wenn ihm erst mal jemand einen gewissen Floh ins Ohr gesetzt hatte: ‚Aber übertreibt es nachher nicht mit eurer Siegesfeier.‘ Ha ha. Danny und ich? Das war ja lächerlich.

Ich sehe schon, Eure Aussprache von neulich hat ja viel gebracht – ich fass‘ es nicht, dass Du mir so eine Scheiße zutraust! Hoffentlich ist Ryan glücklich mit dem, was er mit seinen dämlichen Sprüchen angerichtet hat.“

Jetzt heul bloß nicht, versuchte ich, mich zusammenzureißen. Leider ohne Erfolg.

Es gibt Momente, da lässt man mich besser in Ruhe, besonders wenn ich mich so in Rage geredet habe, dass vernünftigen Argumenten nicht mehr zugänglich bin. Dies war so ein Moment. Aufgebracht ließ ich ihn einfach stehen und stopfte wahllos irgendwelche Klamotten, von denen ich wusste, dass sie es nötig hatten, in einen Beutel. Auf mich wartete ein Fußmarsch von mindestens vier Blocks – die ideale Methode, um Abstand zu bekommen und Dampf abzulassen.

Die erste von mehreren Ladungen rotierte bereits geraume Zeit in der Tommel, da musste ich mir eingestehen, dass ich mich kein Stück besser fühlte. Normalerweise half es mir gegen schlechte Laune, wenn ich mich richtig auspowerte. Nur heute nicht. Meine sechs Blocks lange Wanderung hatte nichts dagegen ausrichten können, dass es in meinem Inneren noch immer rumorte.

Mann, war ich geladen – dementsprechend schwungvoll pfefferte ich den restlichen Inhalt des Sacks in eine der Plastikwannen zum Transport der Schmutzwäsche; die hellen Stücke stopfte ich zurück in den Beutel. Die gewaschenen Sachen landeten mir genauso viel Schwung im Trockner, bevor ich den Rest der schwarzen Textilien in die Waschtrommel verfrachtete. Gut, dass sonst außer mir niemand anwesend war; so konnte wenigstens niemand sehen, dass mir immer noch Tränen in den Augen standen. Tränen der Wut.

I’m madly in anger with you! und meine Playlist lieferte genau das richtige Stück dazu …

I feel my world shake – Like an Earth Quake – It’s hard to see clear – Is it me? Is it fear? ♪

Warum ich mir ausgrechnet ‚St. Anger‘ von Metallica ausgesucht hatte, aber zu meiner rabenschwarzen Stimmung passte es ausgezeichnet. Ich musste beim Draufspielen eine Vorahnung gehabt haben, dass mir es irgendwann so die Brust zuschnüren würde, dass mir nur noch aggressives Gedresche helfen konnte.

Das hier hätten wir bei unserer Jam Session bringen sollen: ♪ F*** it all and f***in‘ regrets – I hit the lights on these dark sets – I need a voice to let myself – To let myself go free ♪

Let myself go free… was hier frei umherschweifte, waren meine Gedanken, während ich die inzwischen trockenen Shirts und Hosen zusammenlegte. Natürlich war das nicht nur mein eigener Kram, denn damit hätte ich nie eine der riesigen Sechzehn-Kilo-Trommeln füllen können. Nicht kleckern, sondern klotzen, lautete die Devise, da ich wusste, dass die kleineren Maschinen als erste belegt waren und ich ewig würde warten müssen, bis ich an die Reihe kam. Also hatte der ursprüngliche Plan darin bestanden, als Füllmaterial für die große Trommel nicht nur meine Sachen mitzunehmen, sondern auch die von Mike…

So viel zum Thema, dass ich nicht die Putz- und Waschfrau für die ganze Band war… War ich auch nicht, denn das würde ich nicht für jeden tun… St. Anger, see my tears of rage! … Wäsche zu falten kann ja so meditativ sein. Besonders, wenn man dabei erkennt, dass hinter der Wut etwas ganz anderes steckte: Ryan konnte mir jetzt endgültig gestohlen bleiben, denn für jemanden, der meiner nicht viel besseren Hälfte in Bezug auf Stimmungsschwankungen einen völlig absurden Floh ins Ohr gesetzt hatte, würde ich keinen Finger krumm machen.

Dass er damit immer noch durchkam und sich immer noch genug Dumme fanden, die auf sein Gerede hereinfielen, ärgerte mich daran am meisten. Was, wenn hinter seinen scheinbar nur so dahingesagten Sprüchen eine Absicht steckte? Wenn ich nur wüsste, was er mit dieser perfiden Zermürbungstaktik bezweckt… Unwillkürlich kamen mir Bradleys Worte in den Sinn „Pass bloß auf, dass er sich nicht zwischen euch drängt“.

Mit einem Mal wurde mir eiskalt, denn genau darauf begann es gerade hinauszulaufen – von wegen Tränen der Wut – der Gedanke daran versetzte mich in eine Traurigkeit, wie ich sie noch nie gekannt hatte. Let the river run. Mir war egal, dass die gerade erst aus dem Trockner gekommenen Shirts meines Liebsten wieder nass wurden, ich war gerade dabei, unter dem grellen Licht von bläulich flackernden Leuchtstoffröhren zu zerfließen, und es gab nichts, was mich und die Fluten meines Elends aufhalten würde.

Nichts oder niemand, bis auf… Hände, die sich mir scheinbar aus dem Nichts auf die Schulter legten.

Ich erstarrte, unfähig mich zu rühren oder aufzuschreien. Nicht einmal den Kopfhörer konnte ich entfernen, während die Musik weiter auf mich eindudelte. Musik, die ich schon gar nicht mehr wahrgenommen hatte, als ich erkannte, was genau mich bedrückte. Statt dessen der vertraute Duft eines ganz bestimmten Aftershaves, das ich unter Dutzenden blind wiedererkennen würde; seine Arme, die mich vorsichtig an ihn heranzogen, hin zu der Wärme, die der mir vertraute Körper ausstrahlte; Finger, die mir genauso sanft die Stöpsel aus den Ohrmuscheln zogen, so dass ich nicht länger Florence Welchs Stimme flehen, sondern seine flüstern hörte…

Baby, don’t cry… die Stimme, die ein Déjà-vu heraufbeschwor, indem die mir schon so bekannten Worte fielen: „Es tut mir leid, Andrea, Süße. Ich bin so ein Idiot.“

Ja, hinterher tut euch immer alles leid, und manche Dinge ändern sich so schnell nicht, auch wenn ich das nicht zu Dir, sondern zu Deinem Sparringspartner gesagt habe. Manche Dinge ändern sich nie? Etwas war diesmal komplett anders. Diesmal schrie ich ihn nicht an, sondern sagte gar nichts. Das verunsicherte ihn komplett.

Andie, bitte, rede mit mir.“

Seine Verzweiflung wirkte echt. Auch das kam mir bekannt vor, nicht aber, wie ich darauf reagierte. Wie in Zeitlupe drehte ich mich um und blickte ihm direkt in die Augen, griff ohne ein Wort nach den Ohrstöpseln, die er in den Händen hielt und drückte sie ihm in die Ohren: ♪ Come on is this what you want ‚cause you’re driving me away ♪

Dieses Muster, dass in bestimmten Momenten das passende Lied erklang, konnte kein Zufall sein. Und wie dieser Song passte: diese verdammte Eifersucht würde uns über kurz oder lang auseinander treiben.

Willst Du das wirklich?“ holte ich ihn in die Realität zurück, als ich ihm den Kopfhörer wieder wegnahm.

Bevor er etwas darauf antworten konnte, ertönte ein lautes Signal. Die Maschinen waren fertig. Zeit, aufzustehen und die noch heißen Klamotten aus dem Trockner zu nehmen, damit ich sie zusammenlegen und diesen ungastlichen Ort mit der gruseligen Beleuchtung verlassen konnte. Mechanisch erhob ich mich und spürte seine Blicke förmlich, als ich an den Trockner herantrat, um diesen zu öffnen. Dazu kam es nicht, denn er war mir gefolgt und stellte sich genau so hinter mich, dass ein Weglaufen unmöglich war.

Hatten wir das nicht schon einmal gehabt? Und wollte ich das überhaupt? Ich war es doch gewesen, die ihm diese mehr rhetorisch gemeinte Frage gestellt und auf die ich keine Antwort erwartet hatte. Die gab er mir dafür jetzt, indem er seine Hand auf meine legte, mich zu sich herumdrehte und sich zu mir herunterbeugte. „Let me kiss away all your tears.“

Du willst mir jetzt nicht wirklich die Tränen wegküssen, durchströmte es mich siedend heiß, als mir aufging, dass er bereits dabei war, genau das zu tun. Mich zerriss es beinahe innerlich, und so murmelte ich „Die Wäsche…“ in einem letzten Versuch der Abwehr. Vergeblich.

Vergiss die blöde Wäsche…“

Wenn das die Lösung sein sollte, dann… natürlich nicht, aber warum fühlt sich das dann so gut an? Ich… – „… die ist mir sowas von egal.“ – ja, das glaube ich Dir gerne – und dann, nach einer Pause „Aber Du bist mir nicht egal.“