# Awesome Blogger Award

 

Von gleich zwei Bloggerinnen für denselben Award nominiert zu werden, passiert einem auch nicht alle Tage. Und da ich mich so geehrt fühle, bedanke ich mich für die nette Anfrage als erstes bei ihnen – und zwar bei Katharina und Jule.

Kein Award ohne Regeln, danach die Fragen von Katharina und Jule (meine Antworten gibt’s in der entsprechenden Farbe)

Regeln, um Teil des Awesome Blogger Award zu sein

Danke der Person, die Dich nominiert hat +++  Kennzeichne den Beitrag mit #awesomebloggeraward +++ Beantworte die Fragen, die Dir gestellt wurden +++ Nominiere mindestens 5 Blogger und informiere diese über ihre Nominierung +++ Gib ihnen 10 neue Fragen zur Beantwortung.

10 Fragen von Katharina

01 Was ist deine größte Quelle der Inspiration beim Schreiben?

Um die zündende Idee zu finden, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen – der Tag muss ausklingen (damit keine störenden Gedanken dazwischenfunken), die zu meiner Stimmung passende Musik sollte im Hintergrund laufen, ein Gläschen Wein dazu wäre auch nicht schlecht… nicht unerwähnt lassen möchte ich die vielen Bilder, die ich auf meinen Reisen geknipst habe.


02 Was ist deine von dir geschriebene Lieblingsgeschichte?

Uff – schwere Kost. Gerade beim #writing friday habe ich so vieles geschrieben – ich fürchte, da habe ich bereits den Überblick verloren, und deshalb wähle ich jetzt einfach die aus, auf die ich 2019 am stolzesten war: Im Garten der Engel (Oktober 2019) – eine Zeitreisegeschichte, die sich um Außerirdische aus der Science-Fiction-Serie „DrWho“ dreht.


03 Hast du schonmal ein Buch veröffentlicht oder möchtest das tun?

Wenn damit gedruckte Bücher gemeint sind, die im Selbstverlag publiziert werden oder bei einem Verlag erscheinen sollen, dann muss ich passen. Veröffentlicht habe ich tatsächlich etwas bzw. bin gerade dabei – es ist der Roman „Broken Strings“, der auf meinem Blog eine eigene Kategorie bekommen hat. Das Werk hat insgesamt 54 Kapitel, ich nach und nach einzeln hochlade (Sonntags, Mittwochs und an Feiertagen); bisher sind 29 Kapitel veröffentlicht.


04 Mit welchem Charakter aus Film oder Buch identifizierst du dich am meisten mit, und warum?

Am ehesten kann ich mich in eine Heldin meiner Jugend hineinversetzen – Bettina, die Protagonistin der gleichnamigen Buchreihe von H.E.Seuberlich: Bettina Roesch, die auf die Matura (das Abitur) pfeift, um Fotoreporterin zu werden, dann aber erkennt, dass das nichts für sie ist, ihren Schulabschluss nachholt und zum Studieren in die Vereinigten Staaten geht, wo ihr Leben eine erneute Wendung nimmt. Mein Leben hat schon so viele verschiedene Wendungen genommen, dass ich mich fühlte wie sie – bei ihr läuft auch nicht immer alles glatt, und doch lässt sie sich nicht unterkriegen.


05 Hast du schon einmal eine Fanfiction geschrieben? Wenn ja, worüber?

Eine typische Fanfiction war das nicht, sondern zwei Kurzgeschichten, in denen Figuren aus Fernsehserien auftauchen – in der einen ging es um ein „Diner en Blanc“ (White Dinner), die andere spielte auf einer einsamen Insel und war von dem Film „Cast Away“ inspiriert, allerdings mit einem anderen Ausgang.


06 Wenn du deine Heimat in einem poetischen Satz beschreiben müsstest, wie würde er lauten?

Da ich keine Poetin bin, muss ich mit Film- und Songzitaten aufwarten (Home is where the heart is & My heart is in the Highlands), die folgendes ausdrücken sollen: Heimat ist für mich an keinen festen Ort gebunden, sondern wo mein Herz höher schlägt und ich mich nicht verstellen muss. Heimat wohnt bei denen, die mir wichtig waren, es sind und es immer sein werden.


07 Was war die letzte Ausstellung, die du besucht hast?

Ich glaube, die letzte Ausstellung, an die ich mich noch erinnern kann, war „Contemporary Muslim Fashions“ (vom 12. bis zum 14. April 2019) – im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt am Main.


08 Wenn du ein Portrait lang perfekt malen könntest, wenn würdest du portraitieren?

Es müsste jemand noch Lebendes sein, denn wenn ich die Person porträtieren soll, möchte ich mit ihr kommunzieren, um ihr Wesen zu erfassen… in diesem Fall wäre es Florence Welch, die Künstlerin hinter dem Projekt „Florence & The Machine“.


09 Zu welchem Lied würdest du jetzt gerne tanzen?

Gerade jetzt? Das Hirn ist leer, die Beine schwer, tanzen geht für heut‘ nicht mehr. Und morgen? Morgen ist es vielleicht zu spät für eine akzeptable Antwort, drum lasse ich das jetzt so stehen.


10 Und das wichtigste: Erkennst du die Herrschaft der Katzen über die Menschen an?

Ich glaube, jetzt mache ich mich unbeliebt, wenn ich diese Frage mit Nein beanworte. Aber ich konnte der Herrschaft der Katzen entkommen – mich werden sie nicht kriegen, ha ha ha… denn ich bin rettungslos den Reptilien verfallen. Schlangen sind in ihrer Vielfalt so wunderschöne und anmutige Tiere. Aber die eigentliche Herrschaft über die Menschheit haben doch längst die Insekten erlangt. Nichts kommt dem nächtlichen Terror einer Stechmücke gleich. Auch ist die Freude „riesengroß“, wenn eine Spinne sich herablässt… und wahre Baukünstler sind Ameisen – ihre Wegenetze und architektonischen Meisterleistungen sind legendär – von ihren Riesenkräften ganz zu schweigen…

10 Fragen von Jule

01 Was ist dein liebstes Genre? Egal, ob beim Schreiben, Lesen oder Filme/Serien schauen?

Am liebsten habe ich Bücher, Filme und Serien aus den Genres Thriller, Krimi, Fantasy und Science-Fiction. Geschrieben habe ich bisher noch nichts dergleichen – mein Roman bewegt sich irgendwo zwischen Drama und Romance.


02 Was ist deine größte Inspirationsquelle?

Ich wiederhole mich an dieser Stelle: Um den zündenden Funken zu finden, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen… denn diese Frage deckt sich mit der ersten von Katharina.


03 Wo würdest du am liebsten leben, wenn du könntest?

Früher hätte ich ohne zu zögern, „Schottland“ geantwortet – inzwischen bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher, da ich mich in Kanada verliebt habe. Sherlock würde beides miteinander kombinieren und Nova Scotia (Kanada) aus dem Mixer herausholen.


04 Was ist dein Lieblingsessen und womit verbindest du es?

Pasta in allen Variationen machen mich glücklich, Spaghetti Bolognese erinnern mich an meine Kindheit, und selbstkreierte Nudelsoßen an meine Projektwoche „Kochen“ auf dem Gymnasium.


05 Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, welche?

Das variiert je nach Stimmung. Wenn ich etwas brauche, das den Puls in die Höhe treibt, dann darf es Depeche Mode und INXS mit Songs aus meiner Playlist oder Lenny Kravitz mit „Strut“ und Florence & The Machine mit „How Big, How Blue, How Beautiful“ sein. Wenn ich die Herzfrequenz senken und ich es entspannt haben möchte, sind Kate Bush mit „Aerial“ und Goldfrapp mit „Tales of us“ meine erste Wahl. Ich höre zwar vieles aus den 80er Jahren, aber trotzdem hat die Welt sich weitergedreht, und ich mich mit ihr. Aber eines geht für mich mit Schreiben nicht zusammen: Heavy Metal! Da kann ich mich nicht konzentrieren. Entweder oder!


06 Welcher Beitrag ist dir bisher am schwersten gefallen, zu schreiben?

Ein Beitrag über die Verarbeitung meiner Trauer – der Beitrag, den niemand finden wird, es sei denn, er/sie findet den Weg zu den vor fremden Augen verborgenen Seiten.


07 Hast du eine Sammelleidenschaft?

Sammeln oder Horten? Ich horte Parfüms in meinem Badezimmerschrank, und vielleicht teste ich an den Flakons demnächst mal meine Fotokünste… Aber wenn es ums Sammeln geht, dann sind das seit einiger Zeit Schallplatten aus farbigem Vinyl, aber nicht wahllos irgendwelche, sondern solche, die ich schon immer haben wollte, aber auf CD nicht bekommen habe. Und der Stapel wächst…


08 Was war dein bisher schönster Urlaub?

Da gibt es drei absolute Spitzenreiter, in chronologischer Reihenfolge: 1) dreieinhalb Wochen Schottland, August/September 2008 mit meinem Mann – komplett selbst organisiert +++ 2) meine dreiwöchige „Weltreise“ 2018 – ebenfalls komplett selbst organisiert +++ 3) meine zweiwöchige Busrundreise durch Kanada, letztes Jahr im August – gebucht bei einem Reiseveranstalter, ganz altmodisch im Reisebüro anhand eines gedruckten Katalogs.


09 Worüber hast du dich das letzte Mal so richtig gefreut?

Als sich mir für ein schwieriges familiäres Problem ganz unverhofft die ideale Lösung angeboten hat, die zu einem günstigen Zeitpunkt zu mir ins Haus geflattert ist. Da war mir dann auch Corona egal.


10 Welche Superkraft hättest du gerne, wenn du es dir aussuchen könntest?

Am liebsten würde ich mich unsichtbar machen können, um mich überall unerkannt einschmuggeln zu können; ein „Bad Hair Day“ ist dann völlig bedeutungslos, und was und wie viel ich anhabe, bekommt dann auch niemand mit. Je größer die wechseljahresbedingten Hitzewallungen, desto luftiger das Outfit – bei gefühlten 40°C in der Bude ein nicht unwichtiger Aspekt.

10 Fragen von mir

01 – Wenn Du eine Zeitmaschine hättest, reist Du in die Vergangenheit oder die Zukunft?

02 – Wenn Du eine Leseratte bzw. ein Bücherwurm bist, magst Du lieber Lyrik oder Prosa?

03 – Wenn Du Fanfiction schreiben könntest, um wen oder was würde sie sich drehen?

04 – Welches war Dein schönstes Konzerterlebnis?

05 – Würdest Du gerne einmal einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin treffen? Wer wäre das?

06 – Hast Du schon einmal in historischer Kleidung für ein Foto posiert?

07 – Würdest Du gerne einmal die Drehorte Deiner Liebligsserie besuchen? Welche sind das?

08 – Hast Du schon einmal an einem Schreibwettbewerb teilgenommen? Oder hast Du das vor?

09 – Welchen Film möchtest Du „nach Corona“ als erstes sehen?

10 – Wenn Du Deine eigene Biografie schreiben würdest, welches Kapitel wäre Dein liebstes?

Meine Nominierung

readbooksandfallinlove

365tageasatzaday

nellindreams

aequitasetveritas

passionofarts

30 Days Book Challenge : Tag 3 – ein Buch mit einer Zahl im Titel

Malen nach Zahlen… Man kann es aber auch gleich in den Titel schreiben:

Ein Buch mit einer Zahl im Titel

 

Buchempfehlungen hole ich mir nicht nur aus dem Internet, sondern von Freunden oder in Buchhandlungen – oder von Kollegen. In diesem Fall lautete die Empfehlung

1Q84 von Haruki Murakami

Sollte dies nicht eigentlich 1984 heißen, und wäre in diesem Fall nicht George Orwell die erste Wahl?

 

Da sich in diesem dreibändigen Werk die Protagonistin nach einer Taxifahrt plötzlich in einem Paralleluniversum mit zwei Monden am Himmel befindet, benennt sie das Jahr der Handlung von 1984 in 1Q84 um – da das Q für „question mark“ (Fragezeichen) steht und außerdem wie die Neun im Japanischen kyū ausgesprochen wird (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/1Q84).  Endlich mal ein gelungenes Wortspiel…

 

 

… und dass es hierzu auch Fan-Art gibt, finde ich interessant. So interessant wie die Trilogie selbst; Schöpfer dieser gemeinfreien Illustration der zwei Monde, in Anlehnung an 1Q84, ist Meinolf Wewel (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/74/2_Monde_-_1Q84..jpg).

Welche Zahlen finden sich heute in den Titeln Eurer  Bücher? 

Und weil nun doch einige mitmachen möchten, folgt an dieser Stelle ein kurzes Update – Welcome to the club:

Bette Davis left the Bookshop

Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen.

 

 

30-Days Film Challenge – Day 16 : a film that is personal to you

 

 

Achtung, jetzt wird’s persönlich. I’m gonna walk 500 miles. Und zwar nach Berlin (vielleicht waren es auch ein paar Meilen weniger)…

 

Day 16 : a film that is personal to you

 

…  und zwar für eine Dokumentation über einen Künstler, in dessen Stimme ich mich 1987 verliebt habe. Statt eines Filmplakats gibt es heute erneut einen Trailer – zu Mystify : Michael Hutchence (Regie Richard Lowenstein – https://www.youtube.com/watch?v=JRIFR3hkIpo) –

 

 

Andere haben eine Schwäche für noch lebende Schauspieler und Schauspielerinnen, bei mir ist dieser Herr das Objekt der Bewunderung, dessen Solokarriere 1997 durch sein unerwartet frühes Ableben jäh zum Erliegen kam. Dummerweise hatte ich bei der Vorführung auf dem Festival in Berlin an einigen Stellen ganz seltsame Déjà-vus, die mich an jemanden, der mir nahe stand, erinnert haben. Bitte nehmen Sie mir das nicht persönlich, wir sind ja schließlich nicht bei der Balkonszene in „Das Leben des Brian“, sondern bei der von aequitasetveritas vorgestellten 30-Tages-Challenge (siehe Bild oben).

Man kann sich natürlich das Porträt auch aus unzähligen Youtube-Clips zusammenpuzzeln, wenn man auf Detektivarbeit steht, doch als Film ist das Gesamtpaket erstens viel eindrucksvoller und runder, zweitens ohne Werbung, und drittens ziehe ich Filme auf der Kinoleinwand und mit vernünftiger Soundanlage dem kleinen Bildschirm meines Fernsehers bzw Laptop oder dem Display meines Smartphones vor.

 

„Broken Strings“ : Chapter 29 – Shopping Queen

 

Das bißchen Shopping? Was konnte denn daran so schwer sein! Ich hatte schon wirklich einige Rockpalast-Sendungen gesehen, um zu wissen, dass nicht jede Band auf übertrieben gestylte Sängerinnen im Hintergrund Wert legte, nur einheitlich gekleidet sollten sie sein und nach Möglichkeit nicht dem Leadsänger die Schau stehlen.

Ich wusste ja nicht, welches Outfit Madlyn vorschwebte, aber mir reichten durchaus schwarze Hosen und schlichte Oberteile, die sich farblich nicht groß von dem Rest der Band unterschieden. Zwei Stunden für eine schnelle Shoppingtour für zwischendurch zu veranschlagen, hielt ich für realistisch.

Madlyn dagegen hielt das Doppelte davon für angebracht, und ich bekam den Eindruck, dass sie bei dieser Gelegenheit viel lieber ausführlich durch sämtliche Läden der Stadt gezogen wäre.

Ich hab‘ den ganzen Schrankkoffer voll, aber finde trotzdem nichts zum Anziehen?

Zu dieser Sorte mochte zwar sie gehören, aber doch nicht ich. Für mich waren stundenlange Einkaufsbummel der wahre Horror, und ich konnte nicht verstehen, was so toll daran sein sollte, sich in überfüllten Läden bei dröhnender Musik, vorzugsweise R&B oder Hip Hop, durch knallvolle Kleiderständer zu wühlen, um dann in einer winzigen Kabine mit Vorhang in Outfits zu schlüpfen, die einander wie ein Ei dem anderen glichen. Grässliche Beleuchtung inklusive.

Lieber durchstöberte ich Buchhandlungen und setzte mich mit meinen Käufen in das nächste Straßencafé. Früher hatte ich mich am liebsten in Plattenläden aufgehalten, doch die Möglichkeit dazu hatte ich nur noch selten.

Ihr könnt euch ruhig Zeit lassen“, kam Brian um die Ecke.

Sonst war er doch immer derjenige, der mit der Stoppuhr hinter uns stand und uns zur Eile antrieb. Als einer, der sonst äußerst penibel auf die Zeit achtete, wunderte es mich, dass er jetzt auf einmal die Zügel schleifen ließ, wo wir doch heute noch… Kleiner Irrtum: Das von ihm gebuchte Hotel fiel für unsere Übernachtung vor dem Gig flach. Wie er soeben erfahren hatte, hatten ein Hygieneproblem in der Küche und Schimmel in einem Großteil der Wände dazu geführt, dass das Gesundheitsamt den Laden von jetzt auf gleich dichtgemacht hatte.

Gut, dass er nicht im voraus bezahlt hatte. Leider war eine Ausweichmöglichkeit nicht mehr zu bekommen, aber zum Glück hatte sich Jake bereit erklärt, uns für eine weitere Nacht dazubehalten. Das hieß aber auch, dass der nächste Morgen für die Crew einige Stunden früher beginnen würde, damit der Aufbau so zeitig wie möglich vonstatten gehen konnte. Aber laut unserem Manager musste mich das ja ab sofort nicht mehr kümmern.

Aber seht zu, dass Ihr die Kassenbons nicht wieder verschusselt wie letztes Mal.“

Ach ja? Das hätte mich jetzt schon interessiert, aber Madlyn hatte es plötzlich auffallend eilig, wegzukommen. Etwas zu eilig. Da blieb einem ja nicht mal mehr Zeit, die anderen zu fragen, ob sie mitkommen wollten oder wir ihnen etwas mitbringen durften; vielleicht eine neue Sonnenbrille für Mike… oder ein neues Shirt für unseren Keyboarder, dessen Garderobe im Vergleich zu den anderen sehr reduziert wirkte.

Jede Modebloggerin hätte sich vor Entzücken über diese sogenannte Capsule Wardrobe kaum mehr eingekriegt, aber wenn ich mir seine Tasche so ansah, schien er nach dem Prinzip „Weniger ist leer“ zu leben. Ob das Madlyn auch schon aufgefallen war?

Ach, Mensch, Johnny Boy“, rief sie und stieß ihn freundschaftlich an, „komm doch einfach mit. Das wird spaßig.“

Spaßig? Welcher Kerl zieht schon freiwillig mit zwei Frauen los, um Klamotten zu kaufen? Höchstens, wenn es unterwegs die Möglichkeit gibt, das Equipment aufzustocken, mit neuen Drumsticks oder dem ein oder anderen Plektron für die Künstler an den Saiten; aber einzig und allein wegen Mode?

Da war ich skeptisch, genau wie bei meinem Einwurf, dass ja noch ein Zweiter mitkommen könnte, solange es sich dabei nicht um Euren Schlagzeuger handelt – aber das dachte ich nur. Als ob mein stilles Gebet erhört worden wäre, bot sich Mike an, uns zu fahren. Damit wir nicht den ganzen Weg alleine laufen müssen? Wer auch immer ihm diese Ausrede glaubte, ich war es jedenfalls nicht.

Kann es sein, dass Du nicht gerne läufst?“ kam ich dann auch sofort auf den Punkt.

Ach was“, tat er erstaunt und wollte wissen, wie ich auf diese absurde Idee gekommen war, „ich will nur nicht, dass ihr euch totschleppt, Süße.“

Wie zuvorkommend von Dir. Aber glaubst Du wirklich, dass das so ein Großeinkauf wird?“ Die paar Tüten konnten wir auch selber tragen, dazu hätte es den Ford nicht gebraucht.

Na ja, sieh’s mal positiv: zu Fuß würde das ewig dauern…“ – er senkte seine Stimme, in der Hoffnung, dass es außer mir niemand hörte, „… aber so sind wir schneller wieder zurück, und wir beide haben mehr Zeit für uns.“ Wie das gemeint war, konnte ich mir vorstellen, meine Kollegin aber leider auch.

Daraus wird nichts, Ihr Hübschen.“

Hier hatten nicht nur die Wände Ohren, sondern auch die Luft. Da war es besser, wenn man sein Temperament zügelte.

„Für Andrea und mich gibt es noch genug zu tun.“

Da hatte sie wohl recht, aber ihm dies so unverblümt vor den Latz zu knallen, hätte auch nicht sein müssen. Achselzuckend wandte er sich ab und setzte sich ans Steuer. Damit war das Gespräch beendet, und es konnte losgehen. Leider zog sich unser Ausflug dann doch länger hin. Aber nicht, weil Madlyn so wählerisch war, was die Qualität anging, sondern die beiden Herren sich nicht einigen konnten, welche Art von Oberteil sie zu den schwarzen Skinny Jeans heißer fanden: ärmellos und bauchfrei in Schwarz – oder weiß mit tiefem V-Ausschnitt.

Ich glaube, Du hast heute morgen zu heiß geduscht“, zeigte ich ihm den Vogel.

Ich und bauchfrei? Das kam erst gar nicht in die Tüte. Dagegen hatten meine Speckröllchen und ich definitiv etwas, und Madlyn graute vor der Vorstellung, in der knackig engen weißen Bluse auszusehen wie eine Bedienung in einem nicht ganz so erstklassigen Diner. Männer! Am liebsten hätte Mike mich in einem genauso engen Rock gesehen oder in einer hautengen Lederhose. Warum nicht gleich in einem Einteiler à la ‚Matrix‘ oder Kate Beckinsales Outfit aus ‚Underworld‘?

Amüsiert grinste Mike mich an: „Das wäre definitiv mal was anderes.“, um noch von John, der jetzt auch aufhorchte, noch getoppt zu werden: „Ja, das wäre aber mal wirklich ein echter Hingucker.“

Ich war sprachlos. Ich wusste ja, dass stille Wasser tief sind, aber dass er in die gleiche Kerbe hauen würde wie sein Freund oder ihn gar noch übertreffen würde, darauf war ich nun wirklich nicht gefasst. Im Gegensatz zu mir, quittierte sie diese Bemerkung mit der entsprechenden Antwort: „Ja klar – so seht Ihr aus. Lasst das bloß Danny nicht hören.“

Ja, der hätte wahrscheinlich noch besser gekontert, auch wenn er sie heiß und innig liebte. Höchste Zeit für mich, das Kino in meinem Kopf zu unterbrechen für eine sinnvolle Ansage, die zum eigentlichen Thema zurückführte.

Schön, dass Ihr so einen exquisiten Modegeschmack habt und wisst, was uns am besten steht“, begann ich und ließ meinen Blick zwischen den beiden hin und her wandern, „nur würde das so gar nicht zu unserem Programm passen.“

Wie gut, dass ich die Setlist zu Gesicht bekommen hatte, bevor wir losgefahren waren. Wie schon erwartet, stammte das meiste des zum Großteil aus Fremdmaterial bestehenden Programms von U2 und den Simple Minds; ein oder zwei Stücke waren von anderen Künstlern, und als Ballade des Abends hatte man wieder „By my side“ ausgewählt. Die Klamotten dagegen, die unseren beiden ‚Einkaufsberatern‘ so vorschwebten, hatten mit den 80er Jahren nichts zu tun. Skinny Jeans zwar auch nicht, aber ich zog dann doch einen dezenteren Look den bisher vorgeschlagenen betont sexy Outfits vor. Zu betont, für meinen Geschmack, und wenn ich die Wahl hatte, war mir ‚Pretty in Pink‘ dann doch um einiges lieber als ‚Pretty Woman‘.

Am Ende fiel unsere Wahl auf asymmetrische schwarze Oberteile und schlichte Shirts aus rotem Satin; und schließlich, als einziges Zugeständnis an die von unseren Begleitern gewünschte Sexiness, figurnahe Tops mit transparenten Querstreifen an den unverfänglichen Stellen.

So viel zum Thema ‚meine Speckröllchen und bauchfrei‘: Burger formten zwar diesen hübschen Body, aber das musste ja nicht gleich jeder sehen. Für mich reichte es schon, dass nur einer in den Genuss kam, und der versicherte mir, dass meine Sorge unbegründet sei, weil wir sowieso viel zu weit hinten auf der Bühne stehen würden. An das Scheinwerferlicht, das öfters auf uns fallen würde, hatte er wohl nicht gedacht, und ich ließ ihn in dem Glauben, denn sonst hätte der Einkauf noch länger gedauert. Jetzt, wo wir alles hatten, konnten wir doch genauso gut fahren, aber da hatten wir nicht mit Mike und seiner Zigarettenpause gerechnet.

Geht Ihr nur schon mal vor“, sagte er und drückte uns die Tüten in die Hand. „Ich brauch‘ noch eine Weile.“

Warum er seine Zigarette nicht auch am Auto rauchen konnte, erschloss sich mir zwar überhaupt nicht, aber bitte schön – kamen wir seiner Aufforderung halt nach und fanden es zumindest löblich, dass er so rücksichtsvoll war, auf das Rauchen im Auto zu verzichten. Qualm vertrug sich so schlecht mit unseren Stimmen, und die brauchten wir nicht nur morgen Abend, sondern auch gleich bei unserer Übungsstunde.

Das meiste davon kennst Du ja bereits“, bereitete mich Madlyn vor.

Ich nickte. Bis auf die eigenen Songs kannte ich sie alle. Die meisten Songs wie „Pride“, „Sunday bloody Sunday“ oder „Belfast Child“ stellten keine größere Herausforderung dar. Auch mit den beiden Stücken von INXS und „Alive and kicking“ würde es keine Probleme geben, und bei „Don’t stop believing“, „New Year’s Day“ und „All I want is you“ hätten wir ohnehin Pause. Die wahren Hürde lauerte dagegen bei „Someone Somewhere in summer time“, und bei „I still haven’t found what I’m looking for“ musste ich höllisch aufpassen, dass ich nicht den Fehler machte, unisono derselben Gesangslinie wie der des Leadsängers zu folgen oder mich an der Gospelversion zu orientieren.

Was wir aber von Grund auf einstudieren mussten, waren die acht eigenen Songs, die immer wieder zwischen den Coverversionen auftauchten. Von den Eigenkompositionen hatte ich leider nicht alles mitbekommen und musste mit dem Lernen bei Null anfangen.

Autsch! Irgendwie hatte ich mir das leichter vorgestellt, aber ich konnte kaum erwarten, dass man mir zuliebe das gesamte Programm umstellte und ausschließlich Coverversionen von Songs der Achtziger Jahre auf die Setlist setzte. Die las sich wie Kraut und Rüben, und eine Struktur konnte ich darin erst recht nicht erkennen, das einzige, was mich aufatmen ließ, war das Fehlen von „Don’t you forget about me“, dabei hätte es bestimmt einige gegeben, die sehr angetan davon gewesen wären. Ich begann, den Zettel eingehender zu studieren und unterstrich die Songs, die mir die größten Magenschmerzen bereiteten, mit Bleistift:

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U2 – Pride (in the name of love)

OxyGen – Thief on the run, No exit left, Life on the Freeway

Simple Minds – Alive and kicking, Belfast Child

OxyGen – Jars of Whiskey, Downtown Eastside

U2 – All I want is you

OxyGen – Hidden Treasure, You’re the one

U2 – I still haven’t found what I’m looking for

-Pause-

Journey – Don’t stop believing

OxyGen – Night Owls Working

INXS – By my side (Ballade des Abends)

U2 – Sunday bloody Sunday, New Year’s Day

Simple Minds – Someone Somewhere in summer time

INXS – Don’t Change

-Zugabe-:

Highland Cathedral – Extra extended version for two guitars

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Das meiste davon würde sich im ersten Teil des Konzerts abspielen, aber dass nur wenige der mir noch nicht in Fleisch und Blut übergegangenen Songs im zweiten Teil auf mich warteten, machte es nicht besser. Hier bestand die nicht zu unterschätzende Gefahr, dass meine Aufmerksamkeit nachließ und ich prompt meinen Teil verpatzte. Da hatte mir Danny ja was eingebrockt.

„Das schaffe ich nie“, stöhnte ich gequält auf und ließ den Zettel sinken.

Rede Dir das bloß nicht ein“, sprach Madlyn. „Du wirst sehen, das klappt. Wir beide üben jetzt noch zwei Stunden, dann machen wir eine Pause und gehen was essen. Achte darauf, zwischendurch viel zu trinken.“

Ja, heute vielleicht, liebe Madlyn, aber was mache ich morgen? Je mehr ich trinke, desto häufiger muss ich aufs Klo, und das wird beim Konzert schwierig.

Aber auch dafür wusste sie eine Lösung, und die bestand darin, auf der Bühne gar nichts zu trinken und wenn es doch nötig sein sollte, immer dann, wenn unser Einsatz nicht gefordert war, kurz hinter der Bühne zu verschwinden, abgesehen von der Pause, die dafür locker reichen würde.

Bete lieber, dass die Herren nicht auf die ach so geistreiche Idee kommen, die Liste der Songs nochmal umzustellen.“

Aber das glaubte ich wiederum nicht. Mike, der die anderen damals dazu angestiftet hatte, würde sich das kein zweites Mal trauen, es sei denn, er wollte es sich mit mir gründlich verscherzen. In dieser Hinsicht mussten wir uns keine Sorgen machen. Was mir dagegen Kopfzerbrechen bereitete, war die wenige Zeit, die uns bis zum Konzert am morgigen Abend blieb.

Wie stellte sich Madlyn das eigentlich vor? Sollten wir die ganze Nacht hindurch jeden einzelnen Song nochmal bis zum Erbrechen durchexerzieren? Schon die zweistündige Probe der Stücke, die uns beiden bekannt waren und die am ehesten sitzen würden, war für mich mit höchster Konzentration verbunden und dementsprechend anstrengend gewesen. Madlyn und ich hatten uns in ein Café zurückgezogen, um unsere Kraftreserven wieder aufzufüllen und den weiteren Plan durchzusprechen.

Natürlich schaffen wir das heute keinesfalls mehr. Und darum fährst Du morgen auch bei uns mit und nicht bei den anderen Chaoten im Ford.“

Congratulations – Ryan durfte wieder bei den anderen Herren der Band mitfahren, während der Impala zum rollenden Probenraum umfunktioniert wurde.

Ehrlich gesagt, ist mir das auch lieber so. Du glaubst gar nicht, wie der Typ mich genervt hat.“

Oh ja, ich konnte es mir vorstellen: dumme Sprüche und permanentes Getrommel mit den Fingern. Dumme Sprüche konnte man geflissentlich ignorieren, aber wenn jemand ohne Unterlass mit den Fingern trommelt oder mit einem Kugelschreiber klackert, kann das einen ohne weiteres in den Wahnsinn treiben.

Ach, das war es noch nicht mal. Aber dieses ständige Augenrollen, wenn Sue und ich noch einmal eine Passage durchgehen wollten, oder dieses ewige ‚Bing‘ beim WhatsAppen… Grau-en-haft.“

Da hatte sich jemand ja so richtig Freunde gemacht. Aber ob die Freude bei seinen Kollegen im Ford größer war? So, wie er und Mike aneinandergeraten waren, bezweifelte ich das. Ändern konnte von uns daran jedoch niemand etwas. Am Wichtigsten war jetzt, dass ich unseren Teil nicht versemmelte.