# Writing Friday 2020 – Juni, 25. Woche : der Spin-Off

 

 

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03 – Easy Rider

Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun konnten sie unmöglich weiter, und das mitten auf offener Strecke.

Die einzige Möglichkeit, sich unterzustellen, war das Bushäuschen aus Holz. Aber ob das wirklich so eine gute Idee war? Ein Bushäuschen war genauso wenig ein Faradayscher Käfig wie ein Unterstand für Golfer oder eine japanische Enduro. Im Gewitter wären sie den Blitzen schutzlos ausgeliefert…

Vielleicht fährt dich ja unser Easy Rider!“ hatte David am Nachmittag gegrölt, als sie festgestellt hatte, dass sie nochmals in die Stadt musste.

Easy Rider? Alex hatte diese Bemerkung, im Gegensatz zu Julian nicht besonders lustig gefunden. Schließlich fuhr er weder eine Harley noch eine Indian, sondern ein japanisches Modell. Sayonara, liebe Leute: ein Spitzenprodukt aus dem Land der aufgehenden Sonne… Sonne? Während ihres Herumalberns am See, kurz nach ihrer Rückkehr, hatte keiner der sechs – Laura hielt sich in der Hütte auf – mitbekommen, dass diese inzwischen verschwunden und schwefelgelben Wolkentürmen mit Rändern in Anthrazit gewichen war. Lucy schlüpfte derweil in Jeans und Ringelshirt, nachdem ihr beim Baden im See doch etwas frisch geworden war. Sie öffnete ihren Rucksack und bekam einen Schreck: kein Ersatzpaar!

Anscheinend hatte sie beim Packen nicht nur die Luftpumpe vergessen. Mit einem Mal erinnerte sie sich wieder, wo sie das zweite Paar Schuhe stehengelassen hatte. Dann lief sie eben für den Rest des Wochenendes barfuß oder in Flip Flops herum. Leider falsch gedacht – Tom hatte nämlich Pläne für den Abend: eine Nachtwanderung. Laura würde nicht begeistert sein. Im Dunkeln, nur mit Taschenlampen ausgerüstet, durch den Wald und zu den Felsen, die wie der Schicksalsberg am Rande einer mondbeschienenen Lichtung aufragten? Wirklich, ein romantischer Platz für ein Mitternachtspicknick. Für ein verliebtes Paar vielleicht, aber nicht, wenn man Typen wie David und Julian im Schlepptau hatte. Wirklich, eine tolle Gesellschaft! Aber er wollte ja unbedingt vor seiner Liebsten den Helden herauskehren, falls sie im Wald Angst bekam. Andy sollte die Rolle des Beschützers für die kleine Schwester spielen? Höchst unwahrscheinlich, wenn der lieber mit David und Julian abhing. Wie gesagt, eine tolle Gesellschaft.

Lucy hätte den Abend lieber in der Hütte verbracht und die anderen alleine losziehen lassen, aber Tom war anderer Ansicht: Lucy musste mit, ob sie wollte oder nicht. Aber ohne Schuhe? Der Laden in der Stadt hatte noch geöffnet. Jemand würde sie fahren müssen, denn Lucy hatte noch keinen Führerschein, und Laura ihren nur auf Probe. Begleitetes Fahren, von einem Elternteil auf dem Beifahrersitz: Ihr Freund zählte als Begleitperson nicht, auch wenn er schon volljährig war. Und der einzige, der bisher noch nichts getrunken hatte, war Alex. Leider galt seine Fahrerlaubnis nur für Motorräder.

Vielleicht fährt dich ja unser Easy Rider!“ Was für eine Flachpfeife! So langsam fragte sich Alex, was er hier eigentlich tat und warum Andy ihn überhaupt eingeladen hatte. Dass er den Babysitter für Toms kleine Schwester spielen sollte, war bestimmt nicht geplant gewesen. Oder hatte Andy gehofft, der Peinlichkeit, von dem Mädchen angehimmelt zu werden, mit dieser Aktion entkommen zu können? Alex hatte sich in einen Liegestuhl – von Tom hochtrabend Deckchair genannt – geworfen und sehr wohl die Blicke wahrgenommen, die Lucy Andy zugeworfen hatte. Der zog es vor, ihnen mehr oder weniger gekonnt auszuweichen und lieber mit David und Julian zu zocken. Nach einer Weile hatte Lucy genug und verschwand nach drinnen. Der Pegel in den Flaschen sank, während die Menge der leeren Red-Bull-Dosen zunahm.

Alex verstand nicht, warum Andy sie nicht längst beiseite genommen und mit ihr Klartext geredet hatte. Statt dessen verschanzte er sich hinter den anderen und vermied den Blickkontakt mit Lucy – eine Taktik, die auf lange Sicht keinen Erfolg versprach. Was für ein Held! Höchste Zeit, dass Alex dieses Trauerspiel beendete und Lucy in die Stadt fuhr. Schließlich brauchte sie dringend Schuhe, weil ihr Bruder darauf beharrte, dass sie bei dieser dämlichen Wanderung mitmachte. Je eher von hier fort kamen, desto besser.

Dann waren sie genau in das Gewitter hineingefahren. Beim ersten Donnerschlag hatte Lucys Herz einen Satz gemacht, und sie hatte sich förmlich an Alex festgekrallt. Als die ersten dicken Tropfen auf sie niedergingen, kam das Wartehäuschen in Sicht. Gerade noch rechtzeitig konnte er die Maschine am Straßenrand auslaufen lassen. Dann brachten sie sich vor der Sturzflut in Sicherheit.

Sicherheit ist relativ, dachte Lucy, schließlich war so ein Bushäuschen kein Faradayscher Käfig. Kälte durchdrang langsam ihre feucht gewordene Kleidung, und sie begann zu zittern; doch dass sie fror, war nicht der einzige Grund dafür. Erst als sie die Wand des Wartehäuschens im Rücken spürte, entspannten sich ihre Muskeln ein wenig. Lucy zog die angewinkelten Beine dicht zu sich heran und umschlang sie mit ihren Armen. Was hatten ihre Eltern ihr immer eingeschärft? Such dir bei Gewitter im freien Feld eine Mulde und mach dich so klein wie möglich; eine Regel, die sie hier jedoch vergessen konnte. Weit und breit gab es nichts, das sich dafür eignete. Aber wenigstens war das Dach ihres Unterstandes nicht der höchste Punkt in der Umgebung. Zusammengerollt und mit genügend Abstand von ihrem Fahrer, kauerte sie in ihrer Ecke und hoffte, dass es bald vorbei war.

Die Donnerschläge kamen jetzt in immer dichteren Abständen. Plötzlich stand Alex vor ihr, um ihr seine Jacke über die Schulter zu legen. Sie hatte bei dem Krachen über ihren Köpfen davon nichts mitbekommen und kam vor Schreck, wie von der Tarantel gestochen, auf die Füße. Ihr Schrei ging im Poltern am Himmel unter. Sie so zu erschrecken, hatte Alex nicht gewollt. Es geschähe ihm ganz recht, wenn er jetzt zu Boden ging. Doch dazu kam es nicht; um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, umfingen seine Arme Lucy, und er zog sie an sich. „Du musst wirklich keine Angst vor mir haben“, wollte er sie beruhigen.

Es war nicht Alex, vor dem sie sich fürchtete, sondern das Gewitter.

(Fortsetzung folgt)

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Was bisher geschah:    Kapitel 1Party of seven    +++   Kapitel 2 Barbecue on the rocks

 

 

30 Days Book Challenge : Tag 5 – Ein Buch, das Du schon immer mal lesen wolltest

 

Es gibt so vieles, das ich noch nicht gelesen habe.

Ein Buch, das ich immer schon mal lesen wollte

und das deshalb auf meiner Wunschliste ganz oben steht, ist

Das Jahr das zwei Sekunden brauchte von Rachel Joyce

 

Mich hat schon „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ begeistert, da war ich auf dieses Buch schon sehr gespannt, denn wie kann ein Jahr plötzlich zwei Sekunden mehr haben?

Der Werbetext des Fischer-Verlags verrät folgendes: Die Freunde Byron und James sind elf Jahre alt, als sich alles für immer verändert. Niemand sieht das Mädchen mit dem roten Fahrrad. Nur Byron, der mit seiner schönen Mutter im Wagen sitzt, als der Unfall im dichten Nebel geschieht. Byron weiß sofort: Er darf keinem etwas davon erzählen. Doch in nur zwei Sekunden ist die ganze Welt aus den Fugen geraten, und er braucht James an seiner Seite. Können zwei Sekunden existieren, die es vorher nicht gab? Und wird ihre perfekte Welt jemals wieder in den Takt kommen?“ – https://i.pinimg.com/564x/f5/3c/c7/f53cc7ddfec28f92cefea8256e13a363.jpg

 

 

Können zwei Sekunden existieren, die es vorher nicht gab? Das möchte ich jetzt auch gerne wissen. Und deshalb steht „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“ (432 Seiten – ISBN 9783596195374) ganz oben auf meiner Wunschliste, dicht gefolgt von den Autobiografien „My Song“ von Harry Belafonte und „Open“ von Andre Agassi.  

Und weil nun doch einige mitmachen möchten, folgt an dieser Stelle ein kurzes Update – Welcome to the club:

Bette Davis left the Bookshop

Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen.

30-Days Film Challenge – Day 18 : a film that stars your favourite actor/actress

 

 

Die Liste der Schauspieler und -schauspielerinnen ist lang. Gut, dass mir gerade noch mein letzter Kinobesuch eingefallen ist, der gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt:

 

Day 18 : a film that stars your favourite actor/actress

 

Hier spielen nicht nur Michelle Dockery (Downton Abbey) und Charlie Hunnam (Sons of Anarchy) mit, sondern auch Hugh Grant und Colin Farrell, die beide zu meinen Lieblingsschauspielern zählen.

 

 

Und ausgerechnet der letzte spielte für meine Begriffe in der Gangsterkomödie The Gentlemen von Guy Ritchie den männlichen Hauptdarsteller Matthew McConaughey glatt an die Wand (https://i.pinimg.com/474x/0f/d5/ec/0fd5ec0f3fd81d7f51dc9ad946121f1f.jpg), was zwar auch nicht weiter schwierig ist, aber er toppt auch den Rest um Längen.

Als Boxtrainer in absolut grässlichem Trainingsoutfit fand ich Colin Farrell so dermaßen schräg, dass ich mich im Nachhinein wundere, dass mir nicht er als Kandidat für die besten Filmkostüme eingefallen ist. Mr. Farrell sollte sich öfters mal auf Komödien verlegen, denn auch in Fright Night fand ich ihn als durch die üblichen Mätzchen nur schwer zu beeindruckenden Vampir sehr unterhaltsam.

# Writing Friday 2020 – Juni, 25. Woche : Landmädchen, du bist bekloppt

 

Heut gieß ich mir ein Glas Gin mit Limone ein – diesen Gedanken hatte ich während meines Urlaubs auf dem Land. Und dann fiel mir ein Buch in die Hände, das ich schon länger nicht mehr gelesen habe und das mir das Faulsein versüßen sollte. Darin kommt der bevorzugte Cocktail Gin mit Limone vor. Wenn das nicht Schicksal ist, dann weiß ich auch nicht… Vielleicht habe ich mir deshalb habe ich mir als nächstes das zweite Schreibthema des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy ausgesucht:

Du wachst auf und stehst mitten in deinem aktuellen (oder vor kurzem gelesenen) Buch, was geht da vor? Und welches Buch ist es?

Begleitet mich auf eine Reise, zurück in eine Zeit der Entbehrungen, denn heute geht es aufs Land.

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Landmädchen, du bist bekloppt

Hätten sie den Krieg gestoppt, Wär sie, wo sie vorher war – Landmädchen, du bist bekloppt …

 

Was für ein Radau am frühen Morgen! Stöhnend schlage ich die Augen auf. Ist spät geworden, gestern Abend. Beim Gin Tonic mit Limette habe ich ungehemmt zugeschlagen. Einer hätte es doch auch getan. Jetzt habe ich so einen Schädel. Aber wenigstens ist mir nicht übel. Jedes Geräusch von draußen dröhnt mit Verstärkung. Kann ein Morgen noch schlimmer werden? Schlafen? Vergiss es. Stöhnend krieche ich aus dem Bett.

Acht Uhr? Schon im nüchternen Zustand geht diese nachtschlafende Zeit gar nicht, aber was muss ich mir auch dermaßen die Lichter ausschießen, weil es mit der für Ende Mai geplanten Cornwall-Reise nicht geklappt hat? Und das, wo ich nach wochenlangem Home Office Urlaub dringend brauche! Also ab in den Taunus, in mein Ferienhäuschen ohne Komfort, mitten in der Natur. ohne fließend Wasser, dafür mit Solarstrom. Zurück zur Natur. Blöd, dass ich keinen Whisky mehr habe, weil ihn mir ein Einbrecher geklaut hat. Und die kaputte Kühlanlage muss jetzt das Regenfass ersetzen. Fängt ja super an. Frust auf der ganzen Linie? Ertränken wir ihn in Gin.

Genervt greife ich nach Handtuch und Duschgel. Zu den Duschen sind’s nur hundert Meter zu Fuß. Das bringt meinen Kreislauf auf Touren. Und wenn ich schon dabei bin, kann ich doch gleich mal nachsehen, wer da draußen so laut und unmelodisch singt. Aber etwas ist nicht okay. Schon dass mich die Sonne blendet. Seit wann geht meine Haustür nach Osten raus?

Und dann der Weg: Normalerweise bin ich in wenigen Schritten auf einem mit Schotter bedeckten Asphaltweg, jetzt aber schlängelt sich ein unbefestigter Feldweg zwischen schulterhohen Hecken hindurch. Die trennen die Felder voneinander – Felder mit schwarzbunten Kühen und Schafen. Und dann diese Farm. Mit Schweinestall, vor dem sich ein riesiger Misthaufen türmt. Auf dem steht jetzt eine junge Frau in Cordhosen und Pulli, mit einer altmodischen Frisur und bunter Schleife im Haar, und singt dieses Lied. Landmädchen, du bist bekloppt.

Ich glaube, so langsam werde auch ich bekloppt – was ist das denn bitte für ein seltsamer Traum? Das hier ist doch nie und nimmer mehr der Taunus! Jedenfalls kenne ich ihn nicht so. Kopfschüttelnd schleppe ich mich vorwärts. Noch eine Biegung. Dann kommt der Löschteich in Sicht, dann der Minigolfplatz, und an den grenzen die Sanitäranlagen an – mit WC und Duschen, alles unter einem Dach. Da ist sie, die Biegung, gleich ist es soweit. Freudige Erwartung… Endlich duschen, damit ich mich wie ein neuer Mensch fühlen kann.

Doch was ist das? Kein Teich. Kein Minigolf. Und keine Duschanlagen. Dafür aber ein Mast. An dem hängt ein Plakat – eher ein Anschlag in Din A 4. Meine Augen registrieren gerade noch das Datum – der 8. Juni – und die Illustration einer Spitfire rechts oben und drei fünfzackige Sterne unten in der Mitte, dann nähern sich Schritte und angeregtes Geplauder. Verschwinde besser im Gebüsch!, ruft mir eine innere Stimme zu, nur zu gerne folge ich ihr und ducke mich hinter der Hecke hinter mir. Keine Minute zu früh, denn drei junge Frauen kommen näher. Ihr Geplapper kann ich klar und deutlich verstehen.

Hey, Mädels, schaut mal!“ Sie haben den Aushang entdeckt.

Tanztee am 8. Juni“, liest die Schwarzhaarige vor. „Es spielt die Kapelle der Royal Air Force von Blandford“

Blandford. Ich bin eindeutig nicht mehr im Taunus. Ihre ganze Sprechweise und wie es rings um mich aussieht, deutet ganz stark auf England hin. Was, zum Teufel, war in dem Gin drin? Ich sollte wirklich an meinen Dosierungen arbeiten.

8. Juni?“, ruft die Brünette aus, „das ist ja schon in zwei Wochen.“

Denk bloß, Stella“, jubelt die Blonde, die ich vorhin noch auf dem Misthaufen habe stehen sehen, „das wird das Ereignis des Jahres!“

Ihre schwarzhaarige Freundin stimmt ihr zu: „Ach, wie schön. Endlich mal andere Musik als das, was Mr. Lawrence abends immer im Radio so hört“

Sehnsüchtig lässt sie ihre Blicke in die Ferne schweifen, und ihre brünette Freundin ergänzte „… und tanzen… wie lange das schon wieder her ist, das Philip und ich…“

Aber den Vogel schießt das Schlusswort ihrer blonden Freundin ab: „Und das Wichtigste überhaupt: Männer!“

Die Stille in diesem Augenblick wäre mit Händen greifbar, wäre nicht eine Feldlerche aufgestiegen und hätte hoch über unseren Köpfen jubiliert. Ich muss mir auf die Lippen beißen, um nicht so zu reagieren, wie Stella.

Prue, Du bist unverbesserlich“, lacht sie und steckt die Dritte im Bunde mit ihrem Lachen an.

Seien wir doch mal ehrlich. Haben wir etwas anderes erwartet?“

In den Heiterkeitsausbruch, der dieser gespielten Entrüstung folgt, stimmt nun auch Prue ein.

Oh, Ag, warum denn auch nicht?“ keucht sie und scheint sich gar nicht einzukriegen vor Lachen, „was ist denn schon dabei. Und etwas Abwechslung können wir doch alle gut gebrauchen.“

So, so, Abwechslung…“ grinst Stella, und die drei prusten erneut los, „wie das wohl gemeint war?“

Ich werde es wohl nicht mehr erfahren, denn Prue, die anscheinend wirklich hinter allem her ist, was Hosen trägt und nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist, wechselt das Thema, nachdem sie von dem Lachflash erholt hat. Ein Lachflash, der mich um ein Haar angesteckt hätte. Ich musste doch sehr an mich halten, um meine Tarnung nicht auffliegen zu lassen.

Ihr habt ja recht, und die Aussicht, dort jede Menge aussichtsreicher Kandidaten zu treffen, hat ihren Reiz. Aber so komisch sich das auch anhört und so sehr ich mich auch darauf freue, aber wisst Ihr, was ich tatsächlich kaum noch erwarten kann?“

Ja?“ Gebannt starren Stella und Ag ihre Freundin an. Jetzt bin auch ich neugierig.

Dass Sly endlich wirft!“

Damit hat wahrscheinlich niemand gerechnet.

Sly?“ Ag blickt verständnislos in die Runde. Stella, nicht minder verblüfft, fügt unnötigerweise „das Schwein, wirklich?“ hinzu. „Dass wir das noch erleben dürfen: Prue hat ihr Herz verloren. An ein Schwein, und an ein trächtiges noch dazu.“

Auch Ag braucht eine Weile, bis sie erkannt hat, wer bei ihrer Freundin tatsächlich an erster Stelle kommt: „Sly? Tatsächlich?“ Dann lacht sie schallend: „Landmädchen, Du bist echt bekloppt. Das Lied ist wie für Dich gemacht.“

Mag sein“, erwidert Prue, „aber Ihr könnt Euch über mich lustig machen, soviel Ihr wollt, doch eins sag ich Euch – Die Menschen sollten sich mehr damit befassen, ob Tiere denken können, anstatt Bomben zu bauen und die ganze Welt damit zu bedrohen.“

Dann gehen sie weiter, und als sie endlich verschwunden sind, wage ich mich aus meinem Versteck hervor. Ich kann immer noch nicht fassen, was ich gerade gehört habe. Das Ereignis des Jahres… schon in zwei Wochen. Das Ereignis des Jahres: Welchen Jahres? Ein Blick auf den Aushang lässt keine Zweifel mehr zu: Wir haben Mai. So weit komme ich noch mit, aber wir haben nicht mehr 2020, sondern das Jahr 1941. Ich bin nicht nur in einem anderen Jahrzehnt aufgewacht, sondern in einem anderen Land… in einem Land, das sich mit meinem – so wie der Rest der Welt auch – im Krieg befindet. Willkommen in Dorset. Shit.

Willkommen in Dorset, United Kingdom – mitten auf dem Land. Sämtliche entbehrlichen Männer hat man eingezogen, nun muss ihre Arbeitskraft ersetzt werden, durch das Landmädchenprogramm der britischen Regierung, offiziell nennt man die weiblichen Hilfkräfte auch WLA – Women’s Land Army. Bis 1944 zählt dieses 1949 aufgelöste Programm der britischen Regierung 80.000 Freiwillige. Ganz großes Kino.

So weit die Realität, aber dies hier kann unmöglich real sein, obwohl es sich ganz so anfühlt. Die drei Mädchen, die sich so angeregt unterhalten und sich gefragt haben, ob Joe sie zu dem Tanz fährt, sind Figuren in einem Roman, den ich gerade lese. Und ich mittendrin – das kann nicht real sein, denn wäre es das und es käme heraus, wer ich bin und woher ich komme, was anhand meines Akzents nicht schwer zu erraten ist, dann kann ich mich warm anziehen. Gnade mir Gott, wenn sie mich für eine deutsche Spionin halten, oder gar schlimmeres… ich muss hier weg. Aber wie?

(Fortsetzung folgt)

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Den Dialog zwischen den drei Romanheldinnen habe ich frei erfunden, obwohl er sich so oder ähnlich abgespielt haben könnte in Angela Huths Roman „Brombeertage“. In ihm geht es um drei unterschiedliche junge Frauen aus der Großstadt, die 1941 auf eine Farm in Dorset (England) kommen, um dort als Hilfskräfte die eingezogenen Männer zu ersetzen. Dass die Farmarbeit ungeahnte Tücken mit sich bringt, hindert sie nicht daran, ihr bestes zu geben. „Liebe und Freundschaft in den Zeiten des Krieges“? Jede der drei macht unterschiedliche Erfahrungen auf diesem Gebiet, und an diese erinnern sie sich bei ihren jährlichen Treffen in einem Londoner Restaurant immer wieder gerne.

Der Textauszug in roter Kursivschrift zu Beginn der Erzählung ist aus einem Lied auf Seite 128 des aktuell von mir gelesenen Buches „Brombeertage“ (Land Girls) von Angela Huth, als Taschenbuch mit 382 Seiten erschienen bei Piper, ISBN 3-492-22607-8. Der letzte Satz des Dialogs über das Schwein und die Tiere im Allgemeinen ist einer Passage auf Seite 125 des Romans entliehen. Ich hoffe, Ms Huth verzeiht mir diese Leihgabe in insgesamt 1336 Wörtern.

Die Schreibthemen im Juni lauten: 1) Jasmin trifft eine mutige Entscheidung. Erzähle, welche dies ist und was Mut für sie bedeutet +++ 2) Du wachst auf und stehst mitten in deinem aktuellen (oder vor kurzem gelesenen) Buch, was geht da vor? Und welches Buch ist es? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun…“ beginnt. +++ 5) Deine vier Wände unterhalten sich darüber, dass Du nun so viel zu Hause bist. Über was plaudern sie? Schreibe einen kreativen Dialog.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.