30-Days Film Challenge – Day 23 : a film made by a director that is dead

 

Bei Sergej Eisenstein kann ich mir sicher sein, dass er schon lange tot ist (seit 1948 nämlich)

 

Day 23 : a film made by a director that is dead

 

Der Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin, den ich mit Orchesterbegleitung in einem Theater gesehen habe, stammt aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts (https://i.pinimg.com/474x/d3/54/79/d354790c9313807f0a9414987f3d666f.jpg).

 

1925 gedreht, hat er 95 Jahre auf dem Buckel und ist wahrscheinlich der älteste Film in dieser Challenge. Und einer mit der vermutlich längsten Treppe der Welt.

30 Days Book Challenge : Tag 10 – ein Buch aus Deinem Lieblingsgenre

Da ich vorwiegend Krimis und Thriller lese, gibt es heute zur Abwechslung mal eines, das ich spannend von A bis Z fand:

Ein Buch aus meinem Lieblingsgenre

Vier Wall-Street-Banker, übers Wochenende eingesperrt in einem Fahrstuhl, der zur lebensbedrohenden Falle wird – wenn das nicht spannend klingt, dann weiß ich auch nicht.

 

The Escape Game von Megan Goldin.

 

Auch wenn der Titel anderes vermuten lässt, ist der aus wechselnder Perspektive geschriebene Thriller der australischen Schriftstellerin Megan Goldin auf deutsch erschienen (https://i.pinimg.com/564x/d3/9c/0e/d39c0e6a78ee38520990b433bcd28475.jpg)- und er ist ihr zweites Buch, das mich auf ihr Debüt neugierig gemacht hat…

 

 

… wobei „Game“ irreführend ist – die vier Eingesperrten müssen nämlich sehr bald feststellen, dass diese vermeintliche Teamfindungsmaßnahme kein Spiel ist. Erschienen ist das 432 Seiten starke Taschenbuch bei Piper (ISBN 978-3-492-31479-4).

 

 

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Und weil nun doch einige mitmachen möchten, folgt an dieser Stelle ein kurzes Update – Welcome to the club:

Bette Davis left the Bookshop

Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen.

„Broken Strings“ : Chapter 31 – Happy Birthday

So ein Humbug, dachte ich.

Mit solchen Bräuchen, die dem Aberglauben entsprangen, hatte ich noch nie etwas anfangen können. Der Genuss einer bestimmten Anzahl von Weintrauben verheißt Glück? Bleigießen ist das Zukunftsorakel schlechthin, und wer beim Start ins neue Jahr Dessous in einer bestimmten Farbe trägt, wird vom Glück geradezu verfolgt? Dank Google war ich jetzt wieder ein Stückchen schlauer:

„Der Brauch in den besagten Ländern verspricht, dass jene, die die Nacht ins neue Jahr mit roter Unterwäsche begehen, Glück, Erfolg und vor allem Liebe erfahren werden. Auch Gesundheit und Leidenschaft werden in Aussicht gestellt (…) Eine Einschränkung bleibt jedoch: Sie dürfen die Unterwäsche nicht selber gekauft haben, sondern sie muss geschenkt worden sein.“

Donnerwetter, was t-online.de alles wusste! Trotzdem konnte ich nicht behaupten, dass mich so viel geballtes Wissen aus dem Internet schlauer machte. Im Gegenteil: Rote Wäsche? An Silvester? Ernsthaft? Hast Du mal auf den Kalender geschaut? Heute haben wir den 10. September und nicht den 31. Dezember. Von wegen neues Jahr. Es sei denn…

Erwischt! In gewisser Weise beginnt für mich heute ein neues Jahr…“, rückte er später mit der Sprache heraus, als wir alleine waren, „… ein neues Lebensjahr.“

Das war ja mal eine großartige Nachricht. Heute war sein Geburtstag, und niemand hatte darüber auch nur ein Wort verloren. Weder er selbst noch die anderen. Es sei denn, sie hatten sich wegen einer geplanten Überraschungsparty nichts anmerken lassen. Doch selbst die hatte es nicht gegeben. Tusch und Konfettiparade? No way! Auf das Feiern seines Geburtstags legte er keinen Wert? Warum nur? Es sollte ja Menschen geben, denen das Feiern am 11. September seit 2001 gründlich verleidet war, aber zu denen zählte ich Mike nicht. Und außerdem war immer noch der Zehnte.

Ganz ehrlich? Ich hasse Überraschungspartys!“

In gewisser Weise konnte ich das sogar verstehen. Auch mir waren spontane Überfälle dieser Art ein Graus, die nur noch von geplanten Partys mit peinlichen Überraschungen für den Gastgeber übertroffen werden konnten.

Andererseits hätte ich nichts gegen eine kleine Privatparty mit einer sexy Lady in Red.“

So, so, eine kleine Privatparty… mit mir…

here I am, lost in the light of the moon that comes through my window, bathed in blue….

Das Blau des hereinfallenden Mondlichts reichte aus, um nicht vollends von der Finsternis verschlungen zu werden, aber es verbarg, dass mich seine Worte zum Glühen brachten, und nicht nur innerlich – Worte, die kaum mehr als ein Flüstern waren: „My beautiful lady in red“.

Picture your thoughts: In the heat of the moment… Ich leuchte wie das Licht an einem beschrankten Bahnübergang. Ein Signal. Rot blinkend. Gefahr! I can hear the train coming. My rabbit heart under your spell. Like deer in the headlights. On a railroad track.

„My beutiful sexy lady…“ – und dann: Stille.

Stille? Wer’s glaubt! Wir befanden uns im Auge des Sturms. Unmöglich für mich, noch klar zu denken. Sinnvolle oder zusammenhängende Sätze? Fehlanzeige! Das hier war längst noch nicht vorbei

… down to a whisper, in a daydream, on a hill…

Doch der kurze Moment vor dem Sturm war kein Tagtraum auf einem sonnigen Hügel. Poetische Romantik war einmal – hier war es heller als tausend Sonnen und heißer als die Hölle.

I am at the center at the sun and waiting for hell to break loose. Worte stören da nur. Enjoy the silence…

♪♫ ♪♫ ♪♫ Enjoy the silence ♫ ♪♫ ♪♫ ♪

WAS? – What the hell! Wer störte jetzt um diese Zeit? Jenny? Nein, Madame, sonst gerne, aber nicht jetzt. Nicht um drei Uhr nachts, und vor allem nicht, wenn ich gerade zum nächsten Schritt angesetzt habe. Dieses Gedudel war der Stimmungskiller. Es abzuschalten war die einzige Lösung, aber die Magie des Augenblicks war unwiederbringlich dahin. Dennoch… Wenn nicht so, dann anders.

„Oh Andie… you’re so… “ – Nein, so würde das nicht funktionieren. .. „hot!“

So nicht. Jedenfalls nicht, nachdem sich das nervige Phone dazwischen gedrängelt hatte. Eine andere Lösung musste her. Schalt. Dein. Hirn. Ab. Und zwar schnell. Das ist nicht der Moment, wo ihr weglaufen müsst, sondern der Moment, um zum Angriff überzugehen.

Der Moment, um zum Angriff überzugehen? Oh ja, das Auge des Sturms war weitergezogen, und jetzt ging alles weitere von mir aus. No more words! Ich wollte nichts mehr hören. Nicht davon, wie sexy er mich fand oder wie perfekt sein Geschenk, das ich trug, meine Kurven umhüllte und ihn allein dieser Anblick an den Rand des Wahnsinns trieb. Noch ein Wort, und ich würde durchdrehen.

Shut up“, zischte ich ihm zwischen zwei Atemzügen zu, bevor ich ihn an mich zog und ihm mit einem langen Kuss die Lippen verschloss. „A little less conversation… a little more action …“ A little more action? „and a lot more than that!“

My stars! So fordernd kannte ich mich gar nicht. Ich war eindeutig nicht mehr ich selbst, oder besser gesagt, nicht mehr so, wie ich mein altes Ich kannte. A lot more action? Oh Lord! I want a perfect body, I want a perfect soul…

In den Beschreibungen anderer Leute entweicht an dieser Stelle die Luft schlagartig aus dem Raum. Aber das traf es hier nicht annähernd. Wir hatten immer noch alle Luft der Welt, aber sie war wie Benzin, und es brauchte nur noch einen Funken, der zur Explosion führte.

Here we go, we’re so close to it. Und dann, wie aus dem Nichts: Winter is coming!

Statt glühender Lava oder eines alles verzehrenden Brandes fand ich mich mitten in einen Eissturm geschleudert. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nicht auf Skiern gestanden oder war eine Sprungschanze hinuntergesaust. Doch genau so musste es sich anfühlen: ein bodenloser Fall in die Tiefe und nach unzähligen Metern… der Absprung… das Abheben… der Blackout. Wie in dem einen Song von Amy Winehouse: „My blood running cold – I stand before him … When he comes to me I drip for him tonight – Drowning in me, we bathe under blue light… and I wake up alone.“

Nur dass ich nicht alleine war, als ich wieder zu mir kam.

Hey Süße, Du zitterst ja…“

Ja, aber nicht vor Kälte, doch das verriet ich ihm nicht, denn sonst wäre mir das Beste danach entgangen. Am liebsten wäre ich für immer so mit ihm liegengeblieben; oder wenigstens so lange wie möglich diesen Augenblick auskosten, bevor er zur obligatorischen „Zigarette danach“ griff und nach draußen verschwand. Aber so wie aussah, verzichtete er heute auf sie. Statt dessen schlossen sich seine Arme noch enger um mich.

Wenn er mich wärmen wollte, hatte ich nichts dagegen. Ich fühlte mich so herrlich träge, und vielleicht wirkte Wärme ja doch muskelentspannend. Dummerweise setzte bei mir die Muskelentspannung jedoch Tränen frei, aus denen er die falschen Schlüsse zog. Genau deshalb hasse ich bei mir solche Gefühlsausbrüche: dem anderen erklären zu müssen, dass er nichts falsch gemacht hat oder schlimmeres, sondern dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Und das an seinem Geburtstag… Happy Birthday, konnte ich da nur sagen.

Time Out: Anstatt bei meiner Schilderung der Ereignisse auf den Punkt zu kommen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, lasse ich meine Gedanken frei umherschweifen, nur damit ich nicht an diesen verdammten 11. September denken muss. Der gärt schon seit längerem in mir. Aber ich meine nicht das New Yorker Desaster von 2001, sondern den Tag, an dem das Ende seinen Anfang nahm.

Ja, die Nacht war für uns beide unvergesslich gewesen, und an Mikes Stelle hätte sein neunundzwanzigster Geburtstag nicht schöner anfangen können. Natürlich hatte er mir das Geschenk nicht ohne Hintergedanken gemacht, denn das zählte zu der Sorte, bei der vor allem die schenkende Person etwas davon hat.

Siehst Du“, hatte er mir schläfrig ins Ohr gemurmelt, nachdem Ruhe eingekehrt war, „von wegen Aberglauben. Am Ende hat der Zauber doch gewirkt.“

An welchen Zauber er auch immer dachte, ich war viel zu müde, um mir darüber noch Gedanken zu machen, und fiel auf der Stelle in einen tiefen Schlaf ohne Träume, aus dem ich erst zu vorgerückter Stunde erwachte.

Das Bett war zerwühlt, aber leer. Anscheinend war Mike aufgestanden und hatte mich weiterschlafen lassen. Kein Wunder, es war ja auch schon elf Uhr. Gut gemeint, mein Schatz, aber das Gegenteil von gut. Denn schon beim Erwachen wusste ich, dass es spät war. Sehr spät sogar, denn ich fühlte mich trotz der vermeintlichen Erfüllung aller meiner Träume so knatschig wie an den Tagen, an denen ich erst nach neun Uhr aus den Federn krieche.

Verkatert kann man das nicht nennen, vielmehr so ein Gefühl, dass ich vom Tag nicht mehr viel habe, und wenn dann noch mein Schlafrhythmus aus den Fugen gerät, kann ich sogar richtig ungenießbar werden. Wie motzig ich dann werden kann, davon kann Jenny ein Lied singen.

Jenny! Oh Shit! Sie hatte angerufen, und ich sie weggedrückt, weil mir ihr Anruf um ein Haar die Tour vermasselt hätte. Hoffentlich war es nichts Wichtiges gewesen. Noch war es nicht zu spät, mich bei ihr zu melden.

Beep – beep – beep – ♪♫ ♪♫ ♪♫ Words like violence, break the silence, come crashing in, into my little world ♫ ♪♫ ♪♫ ♪ „Hi, hier ist Jenny. Ich bin momentan nicht da, wo mein Phone ist, aber ich ruf Dich später gerne zurück. Hinterlass doch einfach Deine Nummer nach dem BEEP. Ciao.“

War ja klar, dass sich wieder mal nur die Sprachbox meldete. Gerade wollte ich ihr aufs Band sprechen, da wurde doch noch abgenommen. Hektisches Schnaufen in der Leitung, wie kurz nach dem Chase-Lauf: 5,6 Kilometer Joggen quer durch Frankfurt bei Temperaturen wie in der Sahara.

„Hi Jenny, hier ist Andie.“

Andie! Damit… hätte… ich jetzt nicht… gerechnet.“ Atemlose Pausen zwischen den einzelnen Worten – so klinge ich, wenn ich die Treppe hoch stürme und gleichzeitig dabei zu telefonieren versuche. Schön, wenn man multitaskingfähig ist, aber diese Kunstfertigkeit besitzen weder Jenny noch ich.

Wieso das denn? Du hast wohl schon vergessen, dass Du heute Nacht versucht hast, mich zu erreichen.“ Um drei Uhr nachts, wohl gemerkt. „Was gab’s denn so Wichtiges?“

Dass mir ihr Anruf gerade sehr ungelegen gekommen war, musste ich ihr ja nicht aufs Brot schmieren. Aber sie roch den Braten auch so.

Ach! Habe ich Euch etwa gestört?“

Na toll. Das wollte ich jetzt nicht mit ihr durchhecheln, aber bitte schön. Meinetwegen. „Na ja, ich sag’s mal so: Um die Zeit liege ich eigentlich schon im Bett.“

Und uneigentlich?“ Waaaa?! Och nee, nicht schon wieder dieses Spielchen! Das war ja so pubertär. Und ich Schaf hatte geglaubt, dass wir aus diesem Alter längst heraus wären. Jenny benahm sich ja schlimmer als während unserer Teenagerzeit.

Okay. Ja, ich war schon im Bett.“

Alleine?“ – Nee, mit dem Osterhasen, dumme Nuss! Natürlich nicht. Aber bitte: Was Du kannst, kann ich schon lange. Ha ha.

Was denkst Du denn?“ – So, jetzt war Schweigen angesagt. Und jetzt schnell den nächsten Satz hinterherjagen, damit sie gar nicht erst mit diesem dummen Spielchen weitermachen konnte.

Zeit war schließlich Geld, und mein Guthaben längst nicht mehr so prall wie an dem Tag, als Mike mir das Telefon geschenkt hatte. „Okay, Jenny. Spaß beiseite. Wenn Du mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt, dann möchte ich doch sehr hoffen, dass es etwas Wichtiges war.“

Gewonnen. Also, pass auf. Die Sache ist die…“

Ich mache es an dieser Stelle kurz, denn ich hatte es schon geahnt: Madame hatte den Zeitunterschied vergessen und nicht mehr daran gedacht, dass an der kanadischen Westküste tiefste Nacht war; also hätte ihre Mitteilung ruhig noch ein paar Stunden warten können.

Breaking News: Streik geht in die nächste Runde.“

Dafür hätte auch eine einfache WhatsApp-Nachricht gereicht. Bei der hätte es nichts ausgemacht, wenn ich sie erst später zu Gesicht bekommen hätte, zum Beispiel jetzt. Dass der Streik der Piloten so schnell nicht vorüber gehen würde, hatte ich zwar geahnt, nicht aber, dass sich den Piloten die Flugbegleiter auf allen nordamerikanischen Fluglinien anschließen und zu allem Übel, frei nach der Devise „Spread the Word“, auch noch die Fluglotsen am Rhein-Main-Airport auf dieselbe Idee kommen würden.

… das heißt, Du sitzt da drüben fest. So eine Scheiße. Und wir hatten so fest damit gerechnet, dass Du in ein paar Tagen zurück bist…“

Wie rührend, dass sie mich so vermisste. Dabei kam es auf ein paar Tage mehr oder weniger doch bestimmt nicht an, und normalerweise hätte sie diesen Fall von höherer Gewalt als Chance gesehen, mir zu dem gewährten Aufschub zu gratulieren. Von ihr wäre sicherlich der heiße Tipp gekommen, ich solle die geschenkte Zeit mit meinem Liebsten in vollen Zügen genießen. Ja, normalerweise, aber da nichts in der Art von ihr kam, schien sie irgend etwas anderes auf dem Herzen zu haben.

Dieses globale Ereignis so hochzustilisieren, als ginge es um Leben oder Tod, sah ihr gar nicht ähnlich. Aus dem Heimflug am elften September, wurde nichts. Das hätte sie auch gar nicht von mir verlangt. Dass ich aber jetzt mein Visum bis zum Schluss ausreizte, anstatt meinen Aufenthalt vorzeitig abzubrechen, war leider Pech für sie.

Auch am Dreizehnten oder allerspätestens am Vierzehnten würde ich noch nicht wieder zurück sein, und das passte ihr gar nicht. Meine Güte, warum war ihr das so wichtig?

… und Du hast wirklich vor, noch bis zum 22. Oktober zu bleiben?“ – Ja, zum Kuckuck. Wie oft denn noch? Vielleicht rückte sie jetzt endlich mal mit der Sprache heraus und hörte auf, um den heißen Brei herumzureden. Hatte ich etwa einen wichtigen Termin verpasst?

Aber dann ist es zu spät!

Oh Mann, Jenny“, stöhnte ich, der Verzweiflung nahe. „Wofür ist es dann zu spät?! Wenn Du nicht gleich damit rausrückst, was Du…“

Für die große Feier!“

Was denn bitte für eine Feier?! Auf ihr Gestammel konnte ich mir keinen Reim machen, da konnte ich noch so sorgfältig alle meine Hirnwindungen durchkämmen – ich fand einfach nicht den Schlüssel zu dem streng gehüteten und mir entgangenen Geheimnis. Denn genau so fühlte es sich für mich an. Alle anderen wussten mehr als ich, der aus irgend einem Grund die wichtigen Informationen vorenthalten worden waren.

Ja. Nun. Ähm…“ – was für ein Anfang! – „Okay, anscheinend weißt Du wirklich nichts.“ Aaaaaaargh. Wovon wusste ich mal wieder nichts? Mensch, Jenny, komm endlich in die Gänge und pack aus!

Na gut, deswegen musst Du nicht gleich so genervt stöhnen.“ Ach, wie schön, dass ich meine Gedanken mal wieder laut formuliert hatte anstatt sie für mich zu behalten. Aber schön, dass sie jetzt endlich zur Sache kam. „Also: ich habe etwas zu feiern. Besser gesagt: Nico und ich…“

Moment mal – mein Bruder und sie? Die beiden waren zusammen? Wieso wusste ich nichts davon? Und dass sie etwas zu feiern hatten, ließ mich dann doch stutzen.

„… wir – Oh mein Gott! – wollen an dem Wochenende unsere Verlobung bekanntgeben.“

Bäng! Mein Bruder und meine beste Freundin. Verlobt. Nico und Jenny – einen schrägeren Witz hatte ich schon lange nicht mehr gehört. Hatte Jenny ihn nicht immer extrem ätzend gefunden? Na super, da ist man mal länger nicht zu Hause, und schon ändern sich die Verhältnisse um 180 Grad. Es war völlig unerheblich, wann es zwischen den beiden gefunkt hatte und wann sie erkannt hatten, dass sie den Rest ihres Lebens zusammen verbringen wollten…

Ausgerechnet mein Bruder, der Heiraten immer für spießig hoch zehn gehalten hatte, hatte sich ausgerechnet mit der verlobt, die für ihn immer nur die alberne Tussi gewesen war. Und Jenny, der sein Getrommel, wie sie es respektlos nannte, so auf den Geist gegangen war, dass sie geschworen hatte, sie würde irgendwann noch sein Schlagzeug zertrümmern und ihm die Drumsticks um die Ohren hauen oder schlimmeres damit anstellen…

STOP! Get those pictures out of my head. Ich konnte es einfach nicht fassen. Die Idee war doch nicht erst gestern entstanden – das schwelte schon länger. Dass sie am Vierzehnten feiern wollten, weil dieser auf einen Samstag fiel, bot sich ja geradezu an, und wenn meine letzten Wochen nicht so ein Chaos gewesen wären, könnte ich bei dieser Feierlichkeit dabei sein.

Blöd nur, dass der 13. September auf einen Freitag fiel. Ich war zwar nicht abergläubisch, aber Jenny dafür umso mehr, und gerade von ihr hätte ich den Wunsch, ich möge doch an genau diesem Tag zurückkommen, niemals erwartet. Die Liebe der beiden musste schon sehr groß sein, um diesen Teil einfach auszublenden. Wie beruhigend, dass sie wegen eines erfreulicheren und um einiges aufregenderen Themas angerufen hatte, und nicht wegen der allerneuesten Nachrichten zu den weltweiten Streiks.

Das wäre übrigens Brians Aufgabe gewesen, aber der war bereits unterwegs nach Vancouver, um Steve abzuholen – den Elektriker, den ich während seiner Genesung vertreten hatte. Dieser war nun wieder einsatzbereit und scharrte wahrscheinlich schon seit Tagen mit den Hufen, endlich wieder in den Job zurückkehren zu dürfen, bei dem ich ihm vertreten hatte, so gut ich konnte.

Trotz des positiven Feedbacks, das ich von meinen direkten Kollegen und sogar einem Außenstehenden erhalten hatte, erwartete ich kein Arbeitszeugnis von Brian. So schätzte ich ihn nicht ein. Und was sollte in einem solchen Zeugnis denn auch drinstehen?

Miss McAllister war unentbehrlich, als Temp eine wertvolle Stütze für unser Team und hat in wechselnden Einsatzgebieten großes Engagement gezeigt. Mit durchwachsenem Erfolg. Besonders in sozialen Belangen war sie eine echte Bereicherung. Schade nur um die Kollateralschäden.“

Oh oh, mit solchen Referenzen konnte ich mich nirgends blicken lassen. Niemand, der bei Trost war, würde mich damit einstellen wollen. Außer vielleicht ein paar Freaks, die mich über meine wechselnden Arbeitsgebiete liebend gerne ausquetschen würden. Aber auf eine solche Horrorshow verzichtete ich gerne.

Dann lieber gar keine Empfehlung als eine solche, und wenn es hart auf hart kam, dann würde ich lieber meinen einjährigen Auslandsaufenthalt und die Perfektion meiner Sprachkenntnisse in den Vordergrund stellen, auch wenn der erste Job katastrophal geendet hatte und meine Beschäftigung danach auch kein Traumjob gewesen war.

Den Traumtypen ließ ich besser unerwähnt, der war Privatsache, und ob mir mein kurzzeitiger Einsatz als Backgroundsängerin zum Vorteil gereichen würde, war eher unwahrscheinlich. Obwohl „kurzzeitig“, gleichzusetzen mit „vorübergehend“, ein dehnbarer Begriff war. Durch eine Laryngitis schachmatt gesetzt zu werden, war etwas, das ich Sue am wenigsten gewünscht hätte; und wenn ich es richtig mitbekommen hatte, würde sich ihr Zustand so schnell nicht bessern.

Sucht euch besser schnell ’ne andere für diesen Job, denn von meiner Rolle als Lückenfüller hatte ich so langsam die Nase voll. Another temp to fill the void – das wäre doch mal eine Idee für einen neuen Song. Besser nicht, am Ende wurde noch so eine kitschige Ballade draus oder eine Mischung aus „Another Brick in the Wall“ und „Another one bites the dust“, aber das war das falsche Jahrzehnt und eine andere Liga.