# Writing Friday 2020 – Juni, 26. Woche : der Spin-Off

 

 

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04 – Zeter und Mordio

Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun lagen die Würstchen auf der Erde und der Grill war durchweicht.

Tom war stinkwütend. So hatte er sich das nicht gedacht: Seine Freundin war beleidigt, seine Kumpel hackedicht, und das Barbecue grandios abgesoffen. Doch am meisten machte ihm Sorgen, dass seine Schwester da draußen immer noch unterwegs war. Auf dem Soziussitz mit jemandem, den er nicht näher kannte. Warum hatte Andy den bloß eingeladen? Am liebsten hätte er seinen Freund auf der Stelle zur Rede gestellt, aber ob das in seinem Zustand so clever war?

Eine komische Stimmung war das heute. „Vielleicht fährt dich ja unser Easy Rider!“ hatte David gegrölt. Was für ein Idiot! Am liebsten hätte Tom ja seine Schwester selbst gefahren, aber nach seinem zweiten Bier traute er sich nicht mehr hinters Steuer. Außerdem kam er nicht an die Schlüssel vom Toyota heran. Wie gesagt, in Andys Zustand… Hoffentlich kamen Lucy und dieser Alex bald wieder. Er hasste Unterbrechungen, und am meisten hasste er es, untätig herumzusitzen, während er warten musste. Ob er mal nach Laura sehen sollte? Die war ja schon am Morgen so seltsam gewesen, und jetzt war sie schon seit Urzeiten in der Hütte verschwunden.

Ihr könnt mich mal im Mondschein besuchen!“ hatte sie bei ihrem Abgang gefaucht. Mondschein! Was auch immer für ein Problem sie hatte, die nächtliche Wanderung zu den Felsen würde sie schon auf andere Gedanken bringen. Das und das von ihm geplante Picknick. Picknick? Sein Magen meldete sich knurrend und verdrängte seine Vorstellung von Romantik im Mondenschein. So langsam konnte er nun wirklich den Grill startklar machen, damit die ersten Würstchen fertig waren, sobald Lucy und dieser Kollege von Andy von ihrem Shoppingausflug zurück waren. Wenn Andy und die anderen beiden wussten, dass es bald losgehen würde, packten sie bestimmt mit an. Den Grillmeister wollte er nicht alleine geben. Entschlossen erhob er sich aus seinem Deckchair. Andy folgte ihm, anders als Julian, der auf seinem Tablet herumdaddelte, und David, der auf der Decke lag und alle Viere von sich gestreckt hatte. Eine komische Stimmung war das hier. Inzwischen hatte der Wind aufgefrischt und brauste durch die Bäume rund um den See. Deren Blätter hatten die Unterseite nach oben gekehrt und schimmerten silbrig.

Die Unterseite nach oben gekehrt hatten auch die Würstchen auf dem Rost. Ihre verführerisch duftenden Schwaden zogen in alle Richtungen und ließen Laura das Wasser im Munde zusammenlaufen. Neugierig spähte sie nach draußen, wo sich ihr Freund hingebungsvoll seiner Aufgabe als Grillmeister mit einer Flasche Bier in der Hand widmete. Wenn es bald losging, konnte sie ja schon mal den Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank holen. Bis Alex und Lucy zurück waren, hatte der hoffentlich eine angenehmere Temperatur als diese Eiseskälte. Bestimmt hatte dieser Blödmann David an den elektrischen Geräten herumgefummelt. Die Kühlung war doch viel zu stark eingestellt! An ihren Zähnen wollte sie Blitz und Donner nicht erleben.

Blitz und Donner… Noch war am See weit draußen nur wenig davon zu spüren, aber die Donnerschläge rollten fast schon im Sekundentakt über die Stadt hinweg und waren über dem Bushäuschen besonders gut zu hören. Bei jedem Krachen schnellte Lucys Puls in die Höhe. So ein hartnäckiges Gewitter hatte sie noch nie erlebt. Die meisten gingen relativ schnell vorbei. Aber wenigstens fror sie nicht mehr so erbärmlich in ihrem dünnen und klammen Ringelshirt; irgendwie hatte es Alex geschafft, ihr seine Jacke überzustreifen und hielt sie nun fest in seinen Armen. Eingehüllt wie in einen Kokon, dachte sie, hörte sie sein Herz gleichmäßig schlagen. Gleichmäßig und ruhig. Ihr Fels in der Brandung inmitten des Donners, der ihr noch den Verstand rauben würde. Donner. Getöse und kein Blitz…

Getöse und kein Blitz… wo war der verdammte Kartoffelsalat? Natürlich – Laura ahnte es schon: Vor lauter Tamtam und Getöse um Lucys Schuhe hatte kein Mensch an die Beilagen gedacht. Den Fünf-Liter-Eimer suchte sie vergeblich, doch außer haufenweise Energydrinks und ein paar Steaks war nichts im Kühlschrank. Nicht einmal Grillsoßen. Na prima, da hatte jemand ganze Arbeit geleistet. Verärgert zog Laura einen Flunsch. Der Ausdruck in ihrem Gesicht war filmreif. Das fand auch Julian, der ihre Grimasse mit dem Tablet festhielt. Mit Blitz. Kandidat Nummer Zwei, der bei ihr unten durch war.

Ach ja, es war ihm doch immer wieder eine Freude, anderen behinderlich zu sein, feixte Julian. Lauras dummes Gesicht war Gold wert. In seiner Galerie peinlicher Bilder war ihr ein Platz weit oben sicher. Blitz und Donner… inzwischen war Julians Tablet außer Rand und Band, die Schlagzahl eingehender Nachrichten auf seinem Facebook-Account erhöhte sich stetig und nervte ab einem gewissen Punkt nur noch. Den Überblick hatte Julian längst verloren – ihm wurde es zu dumm, und er schaltete das Gerät ab. Er konnte nicht ahnen, dass das Sperrfeuer erst begonnen hatte.

Blitz und Donner! Zeter und Mordio. Das Gerumpel über ihren Köpfen wollte schier kein Ende nehmen. So langsam konnte dieses Unwetter doch mal nachlassen, knirschte Alex innerlich mit den Zähnen. So viel Ritterlichkeit gut und schön, und dass Lucy sich beruhigt zu haben schien, erleichterte ihn ungemein; aber ihre Nähe machte ihn so langsam nervös. Und nervös würden auch die anderen werden, wenn er Lucy nicht bald zurückfahren würde. Aber solange es dermaßen schüttete, war an Weiterfahren nicht zu denken. Blitz und Donner? Das einzige, was er blitzen sah, war das Blaulicht der vorbeirasenden Streifenwagen.  

(Fortsetzung folgt)

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Was bisher geschah:    Kapitel 1Party of seven  +++ Kapitel 2 Barbecue on the rocks –  +++ Kapitel 3Easy Rider

 

30 Days Book Challenge : Tag 12 – ein Buch aus einem anderen Kulturkreis als dem eigenen

 

Ein anderer Kulturkreis kann auch schon in Europa beginnen – einer, mit dem ich sonst nur wenige Berührungspunkte habe: 

ein Buch aus einem anderen Kulturkreis als dem eigenen

 

In diesem Fall stammt das Buch nicht nur aus einer ganz anderen Ecke Europas, sondern auch gleich einer ganz anderen Epoche – dem Zarenreich des 19. Jahrhunderts. Die Reise geht nach Russland

Die Dämonen von Fjodor Dostojewski –

Es ist schon sehr lange her, dass ich diese literarisch schwere Kost gelesen habe, daher kann ich mit einer umfangreichen Inhaltsangabe nicht dienen. Und da der Roman als Taschenbuch in verschiedenen Ausgaben und vermutlich auch mit unterschiedlichen Seitenzahlen erschienen ist (je nach Schrifttyp und -größe), verzichte ich heute auf das übliche Informationsmaterial und verweise an dieser Stelle auf wikipedia.

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Und weil nun doch einige mitmachen möchten, folgt an dieser Stelle ein kurzes Update – Welcome to the club:

Bette Davis left the Bookshop

Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen.

 

 

 

30-Days Film Challenge – Day 25 : a film you like that is not set in the current era

 

 

Heute wird es kurz und knackig. Ich liebe Period Dramas und Historienfilme. Period

 

Day 25 : a film you like that is not set in the current era

 

Wo fängt die aktuelle Ära an? Ich wette, die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts zählen nicht dazu (https://i.pinimg.com/474x/8d/b7/89/8db7898386c0b17115314f89cee7fe82.jpg).

 

 

In jener Zeit spielt Downton Abbey.1927, um genau zu sein – König und Königin haben ihren Besuch auf Downton Abbey angekündigt, und ihre gesamte Entourage haben sie ebenfalls mitgebracht. Sehr zum Missfallen des Personals von Downton Abbey. Ein Bösewicht treibt auch sein Unwesen, doch diesen Film ohne Happy End enden zu lassen? Fans would not be amused.

 

# Writing Friday 2020 – Juni, 26. Woche : Herrchen gesucht

 

Auch ein weiteres Schreibthema im Juni beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy hat mit dem Urlaub zu tun, allerdings nicht mit meinem eigenen. Zum Abschluss des Junis findet das Drama um Suzanne und die Enttäuschung ihres Lebens eine Fortsetzung, und zwar mit der dritten Aufgabe, die folgendermaßen lautet:

Schreibe eine Geschichte und flechte darein folgende Wörter mit ein: Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis

Um ihren Liebeskummer zu verarbeiten, ist Suzanne an die Ostsee gefahren und hat beim Spazierengehen einen ausgesetzten Hund gefunden. Schon damals habe ich mich gefragt, wie es wohl weitergegangen ist. Die Auflösung kommt heute.

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Herrchen gesucht

Drei Wochen Sonne und Wind hatten aus ihr zwar keinen neuen Menschen gemacht, aber ihre täglichen Wanderungen über den Deich zwischen Kalifornien und Brasilien hatten ihr trotzdem gutgetan. War sie anfangs überhaupt nicht in Stimmung dazu gewesen, so hatte sich nach und nach der Schmerz etwas gelegt und nur noch dumpf auf ihr gelastet. Eigentlich hatte sie es hier doch gar nicht so schlecht getroffen. Die Pension war gemütlich, ihre Zimmerwirtin hatte sie herzlich empfangen, und das Frühstück konnte man auch weiterempfehlen. Das Achtern Diek lag zwar nicht direkt am Strand, aber zum Deich hatte sie es nicht weit, und die frische Brise war eine wahre Wohltat im Vergleich zu der drückenden Luft zu Hause, die in den engen Gassen nur mit Mühe zirkulieren konnte. Außerdem hatte sie sich den Ort nicht ohne Grund ausgesucht: Ihre Freunde zu Hause hatten bestimmt gekichert, als sie die Karte „Schöne Grüße aus Kalifornien“ in der Post gefunden hatten. Nein, um nach Kalifornien zu fahren, musste man nicht um die halbe Welt reisen. Dazu reichte auch schon ein Intercity nach Kiel.

Es war purer Zufall gewesen, dass sie genau während der letzte Tage der Kieler Woche angereist war. Und ein glücklicher obendrein, dass es mit dem Zimmer geklappt hatte. Die meisten Urlauber bevorzugten eine Unterkunft direkt am Strand oder zumindest mit Meerblick, und so war im Strandräuber oder Hotel California bestimmt schon alles ausgebucht. Ja, hätte sie sich für Camping im 700 Meter entfernten Brasilien entschieden… Dann hätte ihr wohl nicht der Zufall ein weiteres Mal in die Hände gespielt und sie zu dem Kleinen geführt, den irgend so ein mieses Schwein am Strandkorb 1492 angebunden hatte. Ausgesetzt! Vergessen war Suzannes Liebeskummer – wenn es um Grausamkeit gegenüber Tieren ging, konnte sie glatt auf die Barrikaden gehen. Ohne zu zögern, hatte sie den Hund losgebunden und mitgenommen. So freundlich, wie sie im Achtern Diek begrüßt worden war, hatte sie keine Sekunde daran gezweifelt, dass ihre Zimmerwirtin Verständnis zeigen würde, wenn sie plötzlich einen zusätzlichen Gast bekam. Einen mit vier Beinen.

Und richtig: Mit ihrer Vermutung, oder besser gesagt: Hoffnung, hatte sie nicht falsch gelegen. Frau Jensen zauberte einen Wassernapf aus der Abstellkammer hervor und telefonierte mit dem Tierarzt, der den Neuankömmling gründlich untersuchen sollte. Verwahrlost oder krank war er zum Glück nicht, nur etwas ausgezehrt, aber mit etwas Geduld würde sie ihn schon bald so weit aufgepäppelt haben, dass er die lange Zugfahrt überstehen würde. Wie schön, dass ihre Eltern ihr erlaubt hatten, den kleinen Hund, den keiner mehr haben wollte, zu behalten – es wurde Zeit, dass er ein neues, liebevolles Zuhause bekam.

 

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Ende gut, alles gut. Da hat sie nun einen Freund fürs Leben gefunden. Und ganz kurz und schmerzlos. So kann’s auch gehen. Der Abschluss einer Trilogie in 432 Wörtern, an einer normalen ABC-Etüde knapp vorbei, aber durchaus geeignet für eine Extra-Etüde.

Die Schreibthemen im Juni lauteten: 1) Jasmin trifft eine mutige Entscheidung. Erzähle, welche dies ist und was Mut für sie bedeutet +++ 2) Du wachst auf und stehst mitten in deinem aktuellen (oder vor kurzem gelesenen) Buch, was geht da vor? Und welches Buch ist es? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Sonne, Stimmung, Freunde, liebevoll, Verständnis. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Der Regen fiel in Strömen auf sie herab, nun…“ beginnt. +++ 5) Deine vier Wände unterhalten sich darüber, dass Du nun so viel zu Hause bist. Über was plaudern sie? Schreibe einen kreativen Dialog.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.