30 Days Book Challenge : Tag 21 – ein Comic oder eine Graphic Novel, die Dir gefällt

 

Comics habe ich früher ab und zu gelesen. Asterix & Obelix, Lucky Luke, Clever & Smart, Tim & Struppi… danach kam lange nichts mehr, und Mangas sind komplett an mir vorbeigegangen. Allenfalls Bilderbücher habe ich mir noch angesehen, wenn sie eine interessante Handlung oder Text hatten, die über ein paar Sprechblasen hinausgingen. Wie gesagt, habe ich mit dieser Sparte gar nicht beschäftigt:

ein Comic oder eine Graphic Novel, die mir gefällt

 

Tatsächlich hat meine beste Freundin mir dieses Buch ausgeliehen, nachdem sie es sich bestellt hat:

Marie Curie – Ein Licht im Dunkeln von Frances Andreasen Østerfelt, Anja C. Andersen, Anna Błaszczyk

 

herausgegeben vom Knesebeck-Verlag, ISBN 978-3-95728-366-5).

Ich habe die Seiten nicht gezählt; aber die Lebensgeschichte der Frau, die die Radioaktivität entdeckt und dafür ihre Gesundheit eingebüßt hat, ist hier nicht nur in schönen Bildern dargestellt, auch die Texte sind verständlich geschrieben.

 

Mit Graphic Novels hatte ich bisher noch nichts zu tun, das hat sich jetzt hiermit geändert. Ich finde, es müsste mehr solche faszinierend gestalteten Biografien geben.

 

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Die Liste derer, die mitmachen wird länger und länger – hier ist der neueste Stand:

Bette Davis left the Bookshop

wortverloren

Kraut und Kleid

aequitasetveritas

Wortgerinnsel

wortman

vro jongliert

Irgendwas ist immer

Verfilmt & Zerlesen

Anicas Medienwelten

Corlys Lesewelt

Myriade

Ola

Ich lese

Tempest

Norbpress

Eva

Annuschka

 

Weitere Neu- und Späteinsteiger sind herzlich willkommen und werden (falls vorhanden) fortlaufend ergänzt.

 

 

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„Broken Strings“ : Chapter 34 – Chinakracher

Da sich der Esel immer zuerst nennt, fing ich auch sofort mit dem Jahr 1998 an, denn da habe ich kurz nach Weihnachten das Licht der Welt erblickt. Als Kind haben mich alle bedauert, weil ich doch bestimmt nur ein Geschenk zu Weihnachten und nichts mehr zum Geburtstag bekommen habe. Aber da musste ich bisher jeden enttäuschen. Das schönste Geschenk für mich war immer, dass Ferien und beide Eltern zu Hause waren, dank der Weihnachtsferien. Ja, wenn man noch klein ist…

Was ich in der Speisekarte über den Tiger las, klang nicht übel: „Abenteuerlustig und realistisch, mit starkem Glauben…“

Bis auf das mit dem Glauben, lag der Schreiber dieses Textes gar nicht mal so falsch; so richtig interessant wurde es aber erst an der Stelle, die sich mit den Konstellationen für Romanzen beschäftigte: „Beste Übereinstimmung bei Drache, Pferd oder Schwein – geringste Übereinstimmung bei Schlange oder Affe.“

Jetzt musste ich nur noch herausfinden, welches dieser Zeichen zu welchem „Baujahr“ gehörte. Bei Mike war es einfach: 1990 war das Jahr des Pferdes, so viel hatte ich schon mit Hilfe einer bekannten Suchmaschine ermittelt.

Gespannt scrollte ich über die Seite: ‚Pferd: Gutherzig, konservativ, lebhaft und enthusiastisch. Beste Übereinstimmung: Tiger, Ziege oder Hund. Geringste Übereinstimmung: Ratte Büffel oder Hahn.“ So so. Tiger und Pferd waren also ein super Gespann.

Wie war das nochmal mit dem Humbug, an den ich angeblich nicht glaubte? Was wir hier hatten, war ein typischer Fall von selektiver Wahrnehmung: Während mich die ganzen Silvesterbräuche nicht die Bohne interessierten, sah es mit diesem Geschreibsel anders aus.

Okay, das meiste wie „Beste Karrieremöglichkeiten: Übersetzer, Bibliothekar und Pilot“ oder „Pferde sollten nicht zu oft Überstunden machen und nicht zu spät nach Hause kommen“ nahm ich nicht für bare Münze. Vor allem dann, wenn auf der gleichen Seite verkündet wurde, dass Menschen dieses Tierkreiszeichens Bestätigung von anderen Menschen brauchten, weil sie extrovertiert und natürlich bei Anlässen wie Konzerten, Sportveranstaltungen und Partys anzutreffen seien, weswegen sie sich gut als Darsteller und Barkeeper eigneten.

„Sie lieben es, im Mittelpunkt zu stehen und das Publikum zu erfreuen“… wie wahr. Mike würde bestimmt einen guten Barkeeper abgeben – aber sagen Sie mal einem Barkeeper, dass er früh zu Hause sein soll – das funktioniert niemals im Leben. Aber was erwartete ich auch von einer Seite, die sich mit Rundreisen durch China beschäftigte…

Wollt Ihr mal wissen, was chinarundreisen dot com über den Tiger zu sagen hat?“, fragte ich in die Runde, nachdem unser Essen gebracht worden war. „Aber verschluckt Euch nicht, denn das ist einfach nur zum Brüllen!“

Amüsiert scrollte ich weiter nach unten. Den Teil mit dem Mangel an Romantik übersprang ich und ging gleich zum beruflichen Teil über: „Für Tiger, die um ihre Arbeitsstelle kämpfen, wird es ein Jahr sein, in dem sie befördert werden und eine Lohnerhöhung bekommen.“

Die Beförderung hatte ich schon hinter mir, allerdings ohne Lohnerhöhung; aber das allein war es nicht, warum ich so grinsen musste; es ging ja noch weiter: „Sie sind geeignet für alle Berufe, die Führungsqualitäten erfordern. Das sind Werbevertreter, Büromanager, Reiseakquisiteur, Schauspieler, Schriftsteller, Künstler, Pilot, Fluglotse, Musiker, Komiker und Chauffeur.“ Reiseakquisiteur – Pilot – Fluglotse: Da hatten wir ja schon die halbe Touristikbranche beisammen. „Schauspielerin oder Musikerin… ernsthaft? Wollt Ihr das wirklich der Welt zumuten?“

Jetzt mach Dich mal nicht schlechter, als Du bist“, unterbrach mich Mark. „Bisher ist noch niemand schreiend weggelaufen.“

Und Mike tutete in das gleiche Horn: „Stimmt. Ich weiß gar nicht, was Du hast, Süße. Deine Stimme ist doch super.“

Eine Ansicht, die Mark erstaunlicherweise teilte: „Da muss ich Mitchell mal ausnahmsweise recht geben Ich warte ja heute noch auf das Duett, von dem er mir die ganze Zeit erzählt.“

Hä? Welches Duett? Doch nicht etwa das aus „A Star is born“?

Du als Lady Gaga und Mitchell als Bradley Cooper. Das käme bestimmt gut auf einem unserer nächsten Konzerte.“

Ach nein. Musste ich wirklich noch einmal extra betonen, wie gaga ich diese Idee wirklich fand? Und dass diese ausgerechnet von Mark kam? Das brachte mich auf einen neuen Einfall.

Welcher Jahrgang bist du nochmal?“ Mit dieser Frage hatte Mark nicht gerechnet.

1987 – wieso?“ Tja, warum wohl? Gleich werden Sie es erfahren, Mr. Kelly, rieb ich mir innerlich die Hände.

Darum: 1987 = Hase…“ Jetzt bitte nicht diesen blöden Witz vom Easter Bunny oder dem Rabbit in the Headlights aus der Toyota-Auris-Werbung auf ITV. „… Hasen tendieren immer dazu sanft, ruhig sowie elegant und wachsam, freundlich und geduldig sowie besonders verantwortungsvoll zu sein.“

Na ja, immer wäre doch jetzt stark übertrieben“, räusperte sich Mark zwischen zwei Bissen, und ich hatte nicht übel Lust, ihn zu fragen, ob ich ihm noch weiter schmeicheln sollte, auch auf die Gefahr hin, dass Mike das nicht so witzig fand. Ach, egal – no risk, no fun, oder wie er sich auf der Fähre ausgedrückt hatte.

Okay, halt dich gut fest – es geht noch weiter: ‚Generell gesprochen, haben Menschen, die zum Tierkreiszeichen des Hasen gehören, einen sehr liebenswürdigen Charakter. Hasen sind loyal zu den Menschen ihrer Umgebung.‘ Ach ja, einen hätte ich noch: ‚Wenn sie mit Ärger in Berührung kommen, können sie damit in friedlicher Weise umgehen. Begegnen sie starken Schwierigkeiten, sind sie niemals mutlos und bemühen sich beharrlich um eine Lösung des Problems. So erreichen sie möglicher Weise auch beneidenswerte Erfolge.‘ Möchtest Du jetzt noch wissen, welcher Beruf der ideale für Dich ist?“ Nach diesem Geschleime wollte er bestimmt nicht wissen, was der Erfinder dieses Horoskops sich noch so alles aus den Fingern gesogen hatte.“

Aber klar doch“, höhnte Mike. „Gib alles, Süße. Nach dieser Lobhudelei würde mich nicht wundern, wenn dieses ‚Horoskop‘ herausfindet, dass Mark der bessere Manager ist.“

Nanu, woher kam denn diese Anwandlung? Wahrscheinlich ärgerte er sich bloß über das nichtssagende Bla Bla, das ich über ihn herausgefunden hatte.

Okay, dann schieß mal los“, grinste Mark mir quer über den Tisch zu.

Na schön. Auf Deine Verantwortung. Aber denkt dran – auf meinem Mist ist das nicht gewachsen. Also: ‚Menschen die zum Tierkreiszeichen Hase gehören, sind für Berufe im Agrarbereich, der Aufzucht, dem Erziehungswesen, Religion, Gesundheit und Medizin, Kultur, Polizei und Justiz sowie der Politik gut geeignet.‘ Soll ich aufhören?“ unterbrach ich meinen Vortrag, als ich sah, wie Mike nach Luft schnappte. Oh je, das war wohl doch zu starker Tobak für ihn. „Alles in Ordnung mit Dir, Schatz?“

Am besten, Du klopfst ihm auf den Rücken, bevor er sich noch verschluckt“, warf Mark ein.

Yes, Sir.“ japste mein Patient und fing an, albern zu glucksen, „Officer Kelly. Der Witz war gut.“

Na schön, mein Freundchen, sann ich in Gedanken auf Revanche, Du kommst auch noch dran, aber erst mal bringen wir diese Lektion zu einem sauberen Abschluss: “Beste Übereinstimmung in Liebesdingen – Ratte, Ziege, Hund oder Schwein. Geringste Übereinstimmung – Hahn oder Schlange.“

Da hörst Du’s“, wendete sich Mark seiner Liebsten zu, „Ziege und Hase ergänzen sich prima“

Ich staunte und lernte immer mehr dazu. Wenn Meckern zu den wesentlichen Charakterzüge einer Ziege gehörte, dann war jetzt definitiv nicht ihre Zeit, bei so viel schriftlich bestätigter Übereinstimmung von dritter Seite. Rasch sprang ich zu der Stelle, die sich mit den Charaktereigenschaften von Ziege-Geborenen beschäftigte.

„Menschen, die in diesem Jahr geboren sind, haben ein sanftmütiges Temperament, sind pessimistisch, scheu und mitfühlend. Sie sind noch angenehmer, wenn man ihnen ihre Ruhe lässt oder sie zuhause bleiben können. Ziegen geben gerne Geld für modische Kleidung aus, die ihnen ein erstklassiges Äußeres verleiht. Obwohl sie es genießen Geld für feine Dinge auszugeben sind sie nicht versnobt.“

Aber das las ich lieber nicht vor, da ich die gute Stimmung nicht trüben wollte. Außerdem war da noch das Pferd, das sich gleich nicht mehr so gebauchpinselt fühlen würde.

Pass auf, das hier wird Dich ganz besonders interessieren, mein Schatz“, begann ich und las vor: „Manchmal sind Pferde ein bisschen egozentrisch, was aber nicht bedeutet, dass sie sich nicht für die Probleme anderer interessieren. Jedoch sind Pferde etwas listiger als intelligent, was vermutlich daran liegt, dass es den meisten Menschen dieses Tierkreiszeichens an Vertrauen mangelt.“

Das hatte gesessen; jetzt waren ein paar nettere Worte angebracht: „Mit einem gewandten Sinn für Humor sind Pferde Meister der Schlagfertigkeit. Sie lieben es im Mittelpunkt zu stehen und das Publikum zu erfreuen. Sie können den Gedanken ihres Gesprächspartners folgen, noch bevor man sie geäußert hat.“

Den Gedanken des Gesprächspartners folgen… In der Hinsicht ergänzt ihr zwei euch tatsächlich prima“, warf Mark trocken ein. „Jetzt fehlt nur noch ein kluger Satz über die größte oder niedrigste Übereinstimmung.“

Damit konnte ich dienen. „Hier, bitte: ‚Beste Übereinstimmung – Tiger, Ziege oder Hund. Geringste Übereinstimmung – Ratte, Büffel oder Hahn.‘ – Mehr hab ich leider nicht.“

Tiger, Ziege und Hund!“ echote Mark, „Hey, Leute, das wird ja immer besser. Jetzt fehlt noch, dass 1994 das Jahr des Hundes ist.“ – Ich sprang zurück zur Gesamtübersicht. Hund: 1982, 1994, 2006… stimmt: 1994 ist das Jahr des Hundes.“

Ich werd‘ nicht mehr. Kein Wunder, dass Mike und McIntyre sich so gut verstehen. Komm, Andie, jetzt lies schon vor, was die für einen Blödsinn über John verzapfen.“

Jetzt war auch ich gespannt: „Hund, Jahrgang 1994, Element Holz – Ehrlichkeit, Vertrauenswürdig, Überlegt, Verständlich und geduldig; sie handeln niemals unmoralisch oder gegen ihr Gewissen. Hunde verlieben sich nicht leicht in jemanden. Aber wenn sie sich verlieben sind sie sehr treu, loyal und bringen sich ganz in die Beziehung ein. Allerdings haben ihre Gefühle in der Beziehung Hochs und Tiefs.“

Das wurde ja immer besser. Treu und loyal – typisch Hund? Welche Sprichwörter zu tierischen Eigenschaften gab es denn noch? Jemanden eine blöde Ziege oder einen eitlen Gockel zu nennen, zeugte nicht gerade von Sympathie für die betreffende Person, und auch die Anrede ‚Du Ratte“ war nicht als Kompliment gemeint, und noch viel weniger die „falsche Schlange.“

Eine von den letzten beiden würde ausnahmsweise zu diesem unangenehmen Roadie passen, aber da musste mich Mike enttäuschen. Er hatte mir das Telefon aus der Hand genommen und fing jetzt selber an, auf dieser Seite ein Jahr nach dem anderen abzugrasen: „1991 – Ziege. 1990 – Pferd. 1989 – Schlange. Ah ja, da haben wir es ja.“

Fasziniert las er sich den Text durch, dann brach er in schallendes Lachen aus. „Das ist zu schräg, Leute, das müsst Ihr euch anhören… ‚Schlangen ziehen es vor alleine zu arbeiten und sind daher leicht gestresst. Wenn sie ungewöhnlich angespannt sind, ist es besser ihnen Freiraum zum Rückzug zu geben und ihnen dabei Zeit zu lassen zur Normalität zurückzufinden. Schlangen haben gerne ein friedvolles Leben und mögen keine geräuschvolle Umgebung.‘ Schlagzeug spielen und keine geräuschvolle Umgebung mögen – dieser Witz ist bisher der beste!“

Spätestens jetzt hätte ich das Teil in die Tonne kloppen bzw. die Seite aus dem Browserverlauf löschen sollen, aber manchmal liegen Blödsinn und Wahrheit dicht beieinander. Seltsam fand ich nur, dass Mike an dieser Stelle mit Lesen aufhörte und mir das Handy zurückgab, ohne einen weiteren Blick daran zu verschwenden. Ein wenig zu schnell, wie ich fand. Aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Auf jeden Fall würde ich später noch einmal in einer ruhigen Minute nachsehen, was er tatsächlich gelesen hatte. Den anderen reichte jedoch dieser eine Satz, um sich halb tot zu lachen. Selbst Sue musste grinsen.

Als Drummer eine geräuschvolle Umgebung meiden. Echt jetzt? Das war ungefähr genau so sinnvoll, wie wenn ein Schwimmer sich eigentlich lieber von Wasser fernhielt. Auch das mit dem alleine Arbeiten war ein Widerspruch. Schlagzeuger waren nun mal keine Solokünstler. Es sollte noch besser kommen. Inzwischen hatte Sue ihr Telefon aus der Tasche gezogen und ihrerseits eine Suchmaschine aktiviert. Wollte sie jetzt etwa auch noch den Rest der Band mit Hilfe dieser dämlichen Seite durchleuchten?

So viel ich wusste, hatten wir Brian, Madlyn und Danny noch nicht in unsere Nachforschungen eingeschlossen, und wenn es nach mir ging, war das auch nicht notwendig. Aber was ihre Suche betraf, so hatte ich mich gründlich geirrt. Laut Lesen ging nicht, also schob sie das Handy mit einem verschwörerischen Funkeln in den Augen ihrem Liebsten zu.

Ach, sieh mal an, doppelt genäht hält wohl besser“, bemerkte er sarkastisch. „Deine Vorliebe für alles Asiatische gut und schön, liebe Andie. Aber die herkömmlichen Horoskope sind auch nicht von schlechten Eltern.“

Meine Vorliebe für alles Asiatische? Wie kam er denn darauf? Aber darüber konnte ich später nachdenken, jetzt ging es darum, dass Sue während Mikes Vortrag irgend etwas Tolles im Internet gefunden hatte und Mark nun derjenige war, der es vorlas: „Niemand geht mit der Liebe so locker und luftig leicht um wie der Zwilling.“

Ein Liebeshoroskop? Na, das konnte ja heiter werden. Vor allem war ich neugierig, auf wen sich dieses Geschwurbel beziehen sollte. Mark hatte jedoch erst angefangen.

Problemlos findet er die richtigen Worte, um das Objekt seiner Begierde glücklich und in sich verliebt zu machen. Er flirtet wie ein Weltmeister, ohne jedoch ernsthaft an eine feste Beziehung zu denken…“

Vielleicht war der Er ja auch eine Sie? Das roch nach Drama, das man am besten bei einer Tüte Popcorn genoss. Entspannt nahm ich mir noch eins der Sushi-Teilchen, die Mike übrig gelassen hatte.

… Die Liste mit Telefonkontakten eines Single-Zwillings ist ellenlang. Dabei kann er sehr kreativ werden, wenn es darum geht, den einen Schatz von dem anderen nichts merken zu lassen.“

Hey, Leute, stop! Das geht jetzt eindeutig zu weit. Meinst Du, ich merke nicht, dass jetzt schon wieder dieser uralte Schwachsinn von meiner angeblichen mehrgleisigen Fahrt ausgepackt wird. Und ich hatte doch tatsächlich gedacht, das wäre längst geklärt und endlich vom Tisch. Interessant, dass Sue so dachte. Die Sache hatte nur einen Schönheitsfehler: Ich war kein Zwilling.

Schon allein deswegen konnte das, was Mark von sich gab, nicht stimmen: „Doch gerade solche Spielereien können ihm zum Verhängnis werden. Der Zwilling sucht vielleicht nur erotische Abenteuer, seine Liebhaber hingegen würden am liebsten den Hafen der Ehe ansteuern. Hier ist also besondere Vorsicht geboten.“

Dass sich Mike oder irgend ein anderer auf Brautschau befinden sollte, waren ja ganz neue Töne.

Der typische Zwilling bindet sich nur dann, wenn man ihm die lange Leine lässt“

Wer hat’s erfunden? Ach ja, die Schweizer mal wieder, wie mir der Blick auf ihr Display zeigte, als Mark das Teil zu mir herüberschob, damit ich mich auch wirklich überzeugen konnte, wie er sich ausdrückte: horoskop minus paradies Punkt ch – das war ja noch scharfsinniger als der von mir ausgegrabene Chinakracher! Nur, dass die hier nicht versuchten, den Besuchern aufregende Reisen in das Reich der Mitte schmackhaft zu machen.

Der Zwilling redet gern und viel, der Steinbock macht dagegen keine grossen Worte, er handelt lieber“ – das war doch mal eine kurze und knackige Beschreibung, nach der ein Zwiling und ich ein tolles Paar abgeben würden. Blöd nur, dass außer mir das niemand las und mich die anderen anscheinend für einen Zwilling hielten – Zeit, dieses Missverständnis aufzuklären, und genau das hatte auch Mark vor.

„Tja, ich schätze, hier kommen ja sämtliche guten Eigenschaften von Dir zusammen, Mitchell“, grinste er, „Wie war das nochmal? Sternzeichen Zwilling mit Aszendent Zwilling – da sind sie gleich doppelt ausgeprägt.“

Ha ha, Kelly – sehr witzig“, brummte Mike und erhob sich vom Tisch. „This joke isn’t funny anymore.“

Ooookay… damit war Mark wohl doch etwas zu weit gegangen, denn mit der soeben noch so guten Stimmung war es plötzlich vorbei. Selbst Sue konnte darüber nicht mal schmunzeln. Vielleicht hätte Mike einfach so darüber hinweg gehen und mit einem lockeren Spruch kontern sollen, aber nun hatten wir den Salat. Aber so oder so, es änderte nichts daran, dass Mike gelogen hatte. Und zwar wegen einer völlig banalen Sache.