# Writing Friday 2020 – Juli, 28. Woche : Die blaue Tür

 

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es diesen Monat beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy – nur schwierige Themen für mich gibt. Zeitreisegeschichten mag ich ja ganz besonders, aber „altes Ägypten“? Da bleibe ich doch vorerst lieber bei reiner Fantasy mit Narnia-Feeling… denn die zweite Aufgabe lautet:

Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter)

Welche Welt könnte das wohl sein? Höchstwahrscheinlich keine reale…

 

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Die blaue Tür

Was für ein Schock: nach übermäßigem Gin-Tonic-Genuss in meinem neuen Ferienhäuschen aufzuwachen, ins Freie zu treten und sich in Dorset, England, im Mai des Jahres 1941 wiederzufinden. Muss ich noch betonen, dass das Ferienhäuschen verschwunden ist, als ich mich umdrehe, um mich zu vergewissern, dass dies kein Traum ist?

Wer sich in Geschichte auskennt, weiß, dass sich zu diesem Zeitpunkt das Deutsche Reich mit der halben Welt im Krieg befunden hat, England eingeschlossen. Was für ein Witz! Und ein schlechter noch dazu, denn was ich für einen Traum gehalten habe, nämlich mitten in einem meiner Lieblingsromane aufzuwachen, fühlt sich verdammt echt an – willkommen in meinem höchstpersönlichen, Wirklichkeit gewordenen Alptraum.

Ausgeschlossen, dass ich hier auch nur einen Menschen nach dem Weg fragen darf, denn sobald ich den Mund aufmache, wird man erkennen, dass ich nicht von hier bin. Da hilft es mir auch nicht, dass ich keine Papiere bei mir habe. Wenn ich jedoch genauer darüber nachdenke, kann ich froh sein, dass ich sie zu Hause gelassen habe, eine Plastikkarte aus dem Jahr 2015 würde im Jahr 1941 nur unbequeme Fragen aufwerfen. Am besten gehe ich nicht nur auf Abstand, sondern verstecke mich ganz. Fürs erste bin ich hinter meiner Hecke auf dem Boden sicher, aber man kann nie wissen, wann der nächste Traktor übers freie Feld gefahren kommt. Außerdem muss ich auch irgendwann etwas essen. Denk nach, Emma, versuche ich, mich zusammenzureißen, verschaff Dir einen Überblick und lege Dir für den Notfall einen Plan B zurecht. Die Sache hat nur einen Haken: Für einen Plan B müsste ein Plan A existieren, und genau den habe ich nicht. Dafür aber die freie Sicht an der sich schier endlosen Hecke.

Kleiner Irrtum: Die natürlich gewachsene und von Farmern in Form gebrachte Grenze zwischen Straßen und Ackerland erstreckt sich vielleicht höchstens 500 Meter, dann kommt ein Wäldchen in Sicht, und davor ein Farmhaus, nicht größer als eine Kate. Wenn ich nicht falsch liege, dann dürfte sich jetzt niemand darin aufhalten. Das Leben eines Farmers spielt sich zwischen Sonnenauf- und -untergang vorwiegend im Freien ab, und wenn ich Glück habe, ist die Frau des Hauses mit anderen Dingen beschäftigt als der Zubereitung des Mittagessens. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – nur dass es bei mir nicht ums Gewinnen geht, sondern um die Wurst; das Verbergen meiner wahren Identität, denn wenn die rauskommt, bin ich geliefert. Aber ich wiederhole mich.

Nachdem sich die paar hundert Meter ewig in die Länge gezogen haben, bin ich tatsächlich am Ziel und blicke mich um: Ich stehe inmitten eines großen Raums, in dem gekocht, gegessen und geschlafen wird. A propos gegessen: So langsam meldet sich mein Magen, doch bevor ich mit meiner Suche nach der Speisekammer beginnen kann, höre ich von draußen Schritte näherkommen. Hektisch blicke ich mich nach einem Versteck um. Ich würde mich gerne unter eines der Betten schieben, doch das kann ich vergessen; in die Wände eingelassen, sind diese Alkoven genau so massiv wie der blaue Schrank, der mitten im Raum steht. Wo ist der denn so plötzlich hergekommen? Viel Zeit mich über seine Existenz und seine Farbe zu wundern, bleibt mir nicht. Mit drei Schritten bin ich bei dem Möbelstück, und zwänge mich in die Dunkelheit, bevor ich die Tür beinahe lautlos hinter mir zuziehe, keine Minute zu früh. Jemand hat die Kate betreten, und ich bin entkommen… fragt sich nur wohin. Eigentlich müssten hier jetzt Kleider, Schuhe und eventuell noch irgendwelcher Krimskrams sein. Statt dessen umfängt mich kalte Zugluft, und am anderen Ende des leeren Raums, in dem ein rötliches Zwielicht herrscht, bewegt sich etwas. Seltsame Geräusche kommen von dort. Kann mein Alptraum noch schlimmer werden? Ein normaler Schrank ist das nicht – denn der hätte nicht solche gewaltigen Ausmaße. Von innen größer als von außen… das darf doch nicht wahr sein!

Aber alles Kneifen ändert nichts an der Tatsache, dass ich nach mehreren Metern vor einer Konsole stehe, die diese Geräuschorgie produziert; es ändert auch nichts daran, dass ich nicht mehr alleine an diesem surrealen Ort. Zwischen zwei dumpfen Glockenschlägen spricht eine Stimme zu mir: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Trust me – I’m a doctor.“

(Fortsetzung folgt)

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Ich musste etwas tricksen und räumliche Distanz zwischen das Häuschen und den Schrank legen, damit die Fortsetzung zu Landmädchen, Du bist bekloppt aus dem Juni hinhaut und ich einen Ausgangspunkt für einen halbwegs vernünftigen Abschluss habe.

Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

11 Kommentare zu “# Writing Friday 2020 – Juli, 28. Woche : Die blaue Tür

    • Vielen Dank, ich dachte, ich verknüpfe es mal mit dem Erwachen in dem aktuell gelesenen Buch – denn man hat sich gefragt, wie ich da wohl wieder rausfinden würde. Jetzt habe ich die Geschichte weitergeschrieben.

  1. Pingback: # Writing Friday 2020 – Juli, 29. Woche : Nephthys – Teil 1 | Blaupause7

  2. Pingback: # Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Nephthys – Teil 2 | Blaupause7

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