# Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Die Konferenz

 

Damit ich auch wenigstens noch eine von den anderen Aufgaben in diesem Monat löse, reiche ich zusätzlich zum Finale meiner Phantasie- und Zeitreise noch einen einzelnen Beitrag zu später Stunde nach, und zwar zu diesem Thema des von elizzy geschaffenen #writing friday: 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt.

Eigentlich ist das noch nicht mal eine richtige Geschichte – eher ein Fragment oder eine Momentaufnahme…

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Die Konferenz

Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht sein Cousin Mario in einem unbedachten Augenblick geäußert hätte, dass Kurt Onkel Rudolf wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Kindermund tut Wahrheit kund? Nun waren die Worte gesagt, und die Zweifel, wer wirklich Kurts Vater war, standen im Raum.

Irgendwie hatten sie es schon immer geahnt: In einer langen Reihe von Ahnen, die allesamt dieselben äußerlichen Merkmale aufwiesen, war der Junge nicht nur rein optisch aus der Art geschlagen. Je länger Tante Wally darüber nachdachte, desto mehr Ähnlichkeiten zu Rudolf, dem schwarzen Schaf der Familie, fielen ihr auf. Mimik, Gestik, seine Unlust das Handwerk zu erlernen, das seine Familie seit Generationen ausübte. Den schwarzen Peter hatte jetzt Kurts Mutter, die nicht wieder geheiratet hatte, seit sie verwitwet war. Gut, dass Robert, das nicht mehr miterleben musste, dankte Tante Wally ihrem Schöpfer.

Tante Wally war stolz auf ihren Stammbaum, der sich bis in die Renaissance zurück verfolgen ließ. Und jetzt gab es zum ersten Mal jemanden, der aus der Art geschlagen war und die Familientradition in Gefahr brachte. Eine Tradition, welche dafür sorgte, dass immer dank des Erstgeborenen die Gilde der Meuchelmörder weiterbestehen konnte. Es wurden ohnehin immer weniger – eine Entwicklung, die ihr gar nicht gefiel. Komische Zeiten waren das; entweder erledigten die Leute gleich selbst aus Geiz den Job, den eigentlich jemand wie ihr Sohn Robert, Gott hab ihn selig, ausgeübt hätte – oder die lästige Konkurrenz griff zu immer exotischeren Mitteln wie Polonium. Die alten Methoden dagegen wendete kaum noch jemand an. Höchste Zeit, den Familienrat einzuberufen.

Lucinda, würde wenig erfreut sein, aber als Kurts Mutter durfte man sie nicht übergehen. In Gedanken ging Wally noch einmal die Liste derer durch, die an der Konferenz teilnahmen: Karl Anton, Lucinda, Marcello, Sabrina, Michele und Franz Ferdinand. Aber sie mussten vorsichtig sein. Wenn Rudolf von dem Treffen Wind bekam, war alles vorbei. Womöglich schaltete er noch Interpol ein, was sie insgeheim jedoch nicht zu hoffen wagte. Aber zuzutrauen wäre es ihm, seufzte sie. Nun gut, man würde sehen.

Zur konspirativen Zusammenkunft in der Familiengruft waren alle pünktlich erschienen. Lucinda rümpfte zwar ob des Modergeruchs die Nase, aber auf solche Empfindlichkeiten konnte Wally nun wirklich keine Rücksicht nehmen – einen Tod mussten sie schließlich alle sterben, und sie waren hier auch nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern hatten über die Zukunft zu entscheiden und wie es weitergehen sollte.

Als erstes mussten die erhitzten Gemüter besänftigt werden. Am liebsten hätte Marcello sofort Rudolf die Gurgel umgedreht und Michele seiner Schwester Lucinda die Daumenschrauben angelegt, damit die endlich die Wahrheit gestand. Aber dagegen legten Sabrina und Franz Ferdinand ihr Veto ein. Da konnte Michele noch so sehr toben, dass sich Sabrina gegen ihn stellte, aber ihre Meinung stand fest, dass Frauen zusammenhalten mussten – da konnte ihr Bruder noch so sehr versuchen, sie mit Tatsachen zu verwirren. Das Gezeter war beispiellos, und irgendwann reichte es Karl Anton. Er schlug mit der Faust auf den Sarkophag, dass der Putz von den Wänden sprang und endlich Ruhe einkehrte. Mit seinem Vorschlag, anstatt sich wilden Spekulationen hinzugeben einfach einen DNA-Test durchzuführen, hatte niemand gerechnet. DNA-Test? Auf so eine neumodische Idee konnte auch nur jemand aus der väterlichen Linie kommen. Doch am Ende sahen sie ein, dass sie gegen so viel Vernunft machtlos waren.

Blieb nur noch die Frage zu klären, wer nun die Tradition der Familie fortführen und an Stelle von Kurt in Roberts Fußstapfen treten würde, falls sich herausstellte, dass der kleine Kurt der Sohn Rudolfs war. Das war Wasser auf Sabrinas Mühlen, denn sie hatte schon seit langem so eine Ahnung gehabt, sich aber bisher kein Gehör verschaffen können. Zum Teufel mit der Tradition des Erstgeborenen, war ihre Reaktion – schließlich war sie auch noch da und hatte eine Tochter, die die idealen Anlagen für ein Leben in der Gilde mitbrachte.

Der Erstgeborene – es gab Zöpfe, für die es an der Zeit war, sie abzuschneiden. Die Zeit war reif für frischen Wind und Erneuerung.

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Die Schreibthemen im Juli lauten: 1) Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer. +++ 2) Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter) +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Hund, Badeanzug, rosarot, gehüpft, Eiscreme. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Kurt war zum Mörder geboren, könnte man meinen, wenn da nicht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Simon – ein kleiner bunter Spatz, mit Pilotenbrille und einem mutigen und grossen Herzen.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

4 Kommentare zu “# Writing Friday 2020 – Juli, 30. Woche : Die Konferenz

  1. Ein toller Beitrag! Den Satz auf diese Art in die Handlung einzuflechten war eine super Idee mit interessanter Entwicklung 😀
    Ich finde das beste am Writing Friday ist – neben den Schreiben selbst – zu sehen wie unterschiedlich sich die Texte entwickeln. Vor allem beim Schreibthema wo mit demselben Satz begonnen werden soll, kommt das sehr gut zur Geltung 🙂

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