# Writing Friday 2020 – August, 33. Woche : Völlig losgelöst

 

Das Muster ist bekannt – kaum habe ich das Thema mit den einzuflechtenden Wörtern durch, kommt als nächstes beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy eine Geschichte, die mit einem bestimmten Satz beginnt, heute mit diesem:

 “Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht…”

Eine Emma gab es zwar schon bei mir, dennoch wird diese Geschichte keine Fortsetzung und hat folglich mit der Emma, die durch die Zeit reist, nichts zu tun.

 

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Völlig losgelöst

Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht, dass von oben betrachtet, dessen Oberfläche in ihrem Blickfeld einem beinahe vollkommenen Kreis glich.

Während ihre Kollegen mit dem Ablesen der Daten beschäftigt waren, nahm Emma andächtig das Bild in sich auf: eine graue Fläche, durchsetzt mit weißen Wirbeln hie und da, kein Luftzug streifte sie. Andere wären von jenen 280 Kilometern kaum beeindruckt gewesen, doch für Emma erfüllte sich genau jetzt ihr sehnlichster Wunsch. Zwanzig lange Jahre hatte sie darauf hingearbeitet, und nun sah sie es mit eigenen Augen. Mare Ingenii, das Meer der Begabung: Auf der sogenannten dunklen Seite des Mondes lag es. Nur wenigen Menschen war es bisher vergönnt gewesen, einen Blick auf diese andere Seite zu werfen, und nun war auch sie eine von ihnen.

Schon als Kind war es ihr Traum gewesen, zum Mond zu fliegen. Tagelang hatte sie aus Leim, Holz und Papier eine windschiefe Rakete gebaut und diese angemalt; rot-weiß, wie in den Comics in ihrem Zimmer. All die Weltraumspaziergänge und Wanderungen über die Oberfläche des Mondes, die es nur in ihrer Fantasie gab… wo andere mit den Jahren ihre Kinderträume aus den Augen verloren, hatte sie zwanzig lange Jahre darauf hingearbeitet, um da hin zu kommen, wo sie nun endlich war: in einer Kapsel, den Mond in seiner Umlaufbahn umkreisend und sich langsam der Oberfläche des Trabanten nähernd.

Unbeschwert und völlig losgelöst, wie in Zeitlupe – auf der Erde springen wir nicht ganz so hoch und fallen dafür umso schneller… bald haben wir das Ziel unserer Mission erreicht, ging es Emma durch den Kopf.

The dark side of the moon!

Ihre Kollegin Irina hatte wirklich ein Händchen für die passende Hintergrundmusik, um sie auf das Ziel ihrer Mission einzustimmen. Als erstes sollten sie das Meer der Begabung kartografieren, denn das hatte vor ihnen noch niemand getan – kein Wunder, bei dreistelligen Temperaturen im Minusbereich; damit würden sie die übertreffen, die lange vor ihnen die noch immer kaum erforschte Seite des Mondes mit eigenen Augen gesehen hatten. Gesteinsproben nehmen gut und schön, aber irgendwann musste jemand einen Schritt weiter gehen. Die erste Mondlandung war in die Geschichte eingegangen, und seitdem hatten sich immer mehr Programme der Raumfahrt auf den Mond konzentriert. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Schritt für die Menschheit? Und in Konsequenz daraus nach ihr die Sintflut?

Die vor Jahrzehnten im Mare Crisium aus Kostengründen zurückgelassenen zerstörten Sonden Luna 15 und 23 sowie Teile von Luna 24 waren das Symbol für diese Vermüllung schlechthin: Wen interessierte schon der Schrott, der sich inzwischen auch im Weltraum ausbreitete? Ganz zu schweigen davon, dass durch die vielen Expeditionen auf dem Mond so viel Regolith aufgewirbelt  und dadurch dunkler Untergrund freigelegt worden war, dass sich die durchschnittlichen Temperaturen des Mondes mit der Zeit messbar verändert hatten.

Lunare Erwärmung – das Schreckgespenst für kommende Projekte? Aber vielleicht gab es ja doch noch so etwas wie Hoffnung. Kartografieren, die Lage sondieren und analysieren, und dann die Bereinigung des Chaos und den Abtransport des Luna-Schrotts in die Wege leiten: Mit dem Scavenger-Programm würden Emma und ihr Team bei dem Versuch, die bedenkliche Entwicklung doch noch aufzuhalten oder wenigstens zu verlangsamen, Pionierarbeit leisten, und niemand konnte wissen, was da draußen, im Mare Crisium, dem Meer der Gefahren, außer dem weitverteilten Schrott noch auf sie wartete.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Meere gibt es nicht nur auf der Erde, sondern auch auf dem Mond. Und ihnen verdankt er sein „Mondgesicht“. Daran musste ich denken, als ich nachts unterwegs war und mir ein Beinahe-Vollmond den Heimweg erhellte.

Die Schreibthemen im August sind: 1) Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings-Sommerplatz in der Heimat. +++ 2) Erik – der absolute Nichtleser – liest ein Buch nach deiner Empfehlung – er ist sofort Feuer und Flamme dafür! Welches Buch ist es und wieso gefällt es ihm so gut? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht…” beginnt. +++ 5) Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

13 Kommentare zu “# Writing Friday 2020 – August, 33. Woche : Völlig losgelöst

  1. Pingback: ABC -Etüden – Wochen 41 & 42 : Aus dem Tagebuch von Irina Pawlowna | Blaupause7

  2. Pingback: ABC -Etüden – Wochen 45 & 46 : Aus dem Tagebuch von Emma Wilson | Blaupause7

  3. Pingback: # Writing Friday 2020 – November, 46. Woche : Aus dem Tagebuch von Dean Turner | Blaupause7

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s