„Broken Strings“ : Chapter 47 – Running in the family

Schlimmer geht immer.

Mit allem hätte ich gerechnet, nur nicht damit, dass Mike Nico anrufen würde. Hatte er wirklich gehofft, dass es meinem Bruder gelingen würde, Jenny und mich zur Vernunft zu bringen? Mal abgesehen, dass ich den Erfolg dieser Methode doch stark anzweifelte, war das doch der Gipfel!

Wie kam er dazu, Nico hinter meinem Rücken ins Boot zu ziehen? Einen unbeteiligten Dritten, und woher hatte er seine Nummer? Hörbar schnappte ich nach Luft. Das war doch…

Stop, Andie“, bremste mich Nico. „Bevor Du in die Luft gehst – ganz unrecht hat er nicht. Wir haben uns zwar nie getroffen, und bei dem wenigen, was Jenny über ihn vom Stapel gelassen, war ich auch skeptisch. Für jemanden, den Du erst kurze Zeit kennst, einfach alles aufzugeben …“

Alles aufgeben! Musste er damit auch noch anfangen? Klar wusste ich, was er wollte: Ins gleiche Horn wie Jenny tuten und mich damit zutexten, dass mir meine plötzliche Drehung um 180 Grad überhaupt nicht ähnlich sah? Auf eine Neuauflage dieser Tirade am Telefon konnte ich getrost verzichten. Aber Nico dachte gar nicht daran, in dieselbe Kerbe zu hauen.

… natürlich wäre es netter gewesen, wenn wir eine Chance gehabt hätten, Deinen Mike wenigstens vorher mal kennenzulernen…“

Tolle Wurst. Wie stellte er sich das vor, bei einer Entfernung von über achttausend Kilometern? Einen Video-Livechat mit allen Beteiligten?

… aber am Telefon klang er doch eigentlich ganz vernünftig.“

Vernünftig. Ach? Wenn Du wüsstest, dachte ich. Jetzt fehlte nur noch, dass Nico mir als nächstes erzählen würde, dass er Mike für einen netten Kerl hielt. Und zu dieser Erkenntnis war er nach einem einzigen Gespräch mit meinem Sweetheart gelangt? Wer’s glaubt, wird selig, war mein erster Gedanke. Die Zeit war reif, dass ich meinem Brüderchen mal etwas genauer auf den Zahn fühlte.

Wie schön, dass Ihr Euch so gut versteht. Worüber habt Ihr denn beide so nett geplaudert?“ Und vor allem, wann… aber diese Frage hielt ich vorerst zurück.

Ach, über dies und jenes…“ anscheinend erkannte er den schlecht verhüllten Sarkasmus in meiner Stimme nicht und deutete meine Frage als echtes Interesse.

Er holte tief Luft. Diese Angewohnheit kannte ich schon. Am besten sagte ich jetzt nichts mehr und hörte ihm lieber zu. Auch wenn er seinen Monolog mit abgedroschenen Binsenweisheiten im Stil von ‚wo die Liebe hinfällt‘ auflockerte. Das würde eine längere Sitzung werden.

… ich glaube, das mit Jenny und mir hat Dich wahrscheinlich genauso überrascht wie mich das mit Euch beiden.“

Darauf konnte er wetten! Aber worauf wollte er hinaus? Dass mein Bruder so etwas wie Verständnis für mich aufbringen würde, war so untypisch für ihn, aber es sollte noch besser kommen. Im Gegensatz zu Jenny, die zuerst völlig aus dem Häuschen über meinen ach so tollen Fang geraten war und nun kein gutes Haar an ihm lassen wollte, war es bei ihm genau umgekehrt.

Da sich Jenny lang und breit darüber ausgelassen hatte, wie unreif sie meinen Sinneswandel fand, hatte er mich für nicht mehr ganz dicht gehalten und von Mike keine hohe Meinung gehabt. Bis zu besagtem Anruf.

Zuerst hatte es ihn überrascht, dass es Mike war, der den Kontakt zu ihm gesucht hatte, und nicht ich. Doch im Laufe des Gesprächs wurde ihm Mikes Grund dafür klar: Er gab sich selbst die Schuld an dem Zerwürfnis zwischen mir und meiner bis dahin besten Freundin und wollte verhindern, dass ich alle Brücken hinter mir abbrach. Und darauf würde es hinauslaufen, wenn das große Schweigen zwischen mir und meinen Leuten zum Dauerzustand wurde.

Nachdem es ganz danach aussah, als ob keine von uns beiden aus dem Quark kam, um an der verfahrenen Situation etwas zu ändern, hatte er sich heimlich mein Smartphone geschnappt und interveniert. Ein Mann und seine Mission: Vielleicht konnte Nico uns dazu bringen, dass wir uns einander wieder annäherten, und wenn es nur ein kleines Stück war. Hauptsache, eine von uns machte endlich den ersten Schritt.

Das wird schwierig werden, dachte ich und sah auf die Uhr.

Seltsam, wie lange ich ihm jetzt schon ohne Unterbrechung zuhörte, aber das war nicht das einzige, worüber ich mich wunderte: Meine Verstimmung begann, sich zu legen. So sehr ich mich über Mikes Alleingang hinter meinem Rücken anfangs noch geärgert hatte, inzwischen war mir aufgegangen, dass er nur in bester Absicht gehandelt hatte.

Ja, ja, schon klar, Andrea – der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert, und anstatt einfach loszupreschen, hätte er wenigstens vorher mit Dir reden können. Time Out! Fangen wir etwa schon wieder damit an, uns im Kreis zu drehen? Stop it… zog ich innerlich die Notbremse.

Was, wenn er recht hatte und es nur deshalb eskaliert war, weil Jenny und ich überreagiert hatten? Ich erinnerte mich wieder einzelne Sätze unseres Telefondramas.

DAS IST NICHT DEIN ERNST!“: Jennys Ausraster, gefolgt von dem Vorwurf der Hundertachtzig-Grad-Drehung beim Auftauchen eines ‚heißen Typen‚. Den hatte ich nicht auf mir sitzen lassen wollen und entsprechend gekontert, um ihr nach ihrem dämlichen ‚Dir ist wohl der Erfolg zu Kopf gestiegen‘ am Schluss noch an den Kopf zu werfen, sie wäre nur deshalb beleidigt, weil sich zur Abwechslung mal nicht alles nur um sie drehte…

Eine Nummer kleiner, bitte – in einem Punkt hatte Mike recht: Wir hätten es nie so weit kommen lassen dürfen, zumal er keine Lust hatte, die Rolle des Zankapfels auszufüllen; aber was gesagt worden war, ließ sich nicht mehr zurücknehmen, und einzulenken, dazu hatte sich von zu jenem Zeitpunkt keine imstande gesehen.

Und je mehr Zeit ins Land ging, desto geringer wurde die Chance, dass eine von uns all ihren Mut zusammennahm und über ihren Schatten sprang. Der Klügere gibt nach? Vielleicht war dieses Sprichwort doch nicht so verkehrt? Und da Jenny anscheinend immer noch auf stur schaltete, war der Ball nun bei mir und wartete darauf, dass ich ihn übers Netz schlug. Was hatte ich schon zu verlieren?

Sag Jenny, dass es mir leid tut“, unterbrach ich seinen Monolog und wartete auf seine Antwort, die in der plötzlichen Stille allerdings auf sich warten ließ. Keine Reaktion.

Nanu? Hatte es Nico die Sprache verschlagen? Oder war die Verbindung tot? Für einen kurzen Augenblick dachte ich das wirklich, doch dann signalisierte mir ein Rascheln auf der anderen Seite des Ozeans, dass kein Funkloch zugeschlagen oder Nico das Gespräch abgebrochen hatte.

Ein kurzes Knistern, dann räusperte er sich: „Wie wär’s, wenn Du ihr das selber sagst?“ – Wie sollte ich denn das verstehen? Ihr selber sagen? Das hieß doch nicht etwa, dass…

Hallo Andrea…“ Doch. Genau das hieß es. Jenny saß daneben. Vermutlich hatte sie das schon getan, seit Nico meine Nummer gewählt hatte, und alles mit angehört. Nur ich war mal wieder ahnungslos gewesen. „… schön, Deine Stimme zu hören.“

Jennys Stimme klang gepresst und geriet ins Stocken, ein Zeichen, dass ihr diese Situation genauso schwerfiel wie mir. So kleinlaut, wie sie sich anhörte, musste ihr Nico gründlich den Kopf gewaschen haben. Genauso klang ich, wenn ich geweint hatte oder um Fassung rang. So zerknirscht hatte ich Jenny noch nie erlebt. Das nahm mir den Wind aus den Segeln.

Zeit für mich, einen Schlußstrich unter den ganzen Stress, den wir uns freiwillig angetan hatten, zu ziehen. Aber würde Jenny meine Entschuldigung auch annehmen? Denn wie ich sie kannte,würde sie von mir wissen wollen, was genau mir leid tat: Dass ich beschlossen hatte, fürs erste nicht nach Hause zurückzukehren? Mein Ausrasten am Telefon im Allgemeinen? Oder dass ich ihr Eifersucht und gekränkte Eitelkeit unterstellt hatte?

Für den zweiten und letzten Punkt bat ich sie gerne um Verzeihung, aber nicht für den ersten, auch auf die Gefahr hin, dass ihr das nicht gefiel. Aber es war meine Entscheidung, und an der konnte sie und wollte ich nichts ändern.

Ich bin überzeugt, das mit Jenny und Dir renkt sich wieder ein“, flüsterte Mike, als er mich später in seine Arme nahm. „Jetzt, wo der Anfang gemacht ist.“

Eigentlich sollte ich Dir ja böse sein, wollte ich erwidern, aber erstens wäre das gelogen gewesen und zweitens war ich mit dem Thema durch. Ich war ja schon froh, dass Jenny meinen Versuch, mich zu entschuldigen, nicht mit Wegdrücken des Gesprächs quittiert hatte. Und drittens und letztens konnte ich seine Beweggründe nur zu gut verstehen. Gegen Zwist und Hader innerhalb der Familie hatte er eine Aversion.

Kaum zu glauben, dachte ich, wenn ich mir vorstelle, wie oft Du Dich schon mit Brian, Mark oder Ryan gezankt hast, und jetzt suchst Du Dir eine neue Beschäftigung als Beziehungscoach? Familienzusammenführung im Hause McAllister? Mr. Mitchell, ich entdecke ganz neue Talente an Ihnen. Nur an Ihrem eigenen häuslichen Background sollten Sie noch etwas stärker arbeiten.

Dieser Gedanke sollte mich in den nächsten Tagen noch öfters heimsuchen, und zunächst schien auch alles in Ordnung zu sein. Oberflächlich gesehen, jedenfalls. Einen liebevollen Partner zu haben, der nach dem Stress der vergangenen Wochen besonders aufmerksam zu einem ist – kann man sich noch mehr wünschen? Die Antwort lautet: Ja, man kann.

Ein paar freie Tage, nur für uns, ohne anhängliche Bandkollegen, die wir an Halloween zur großen Party wiedersehen würden. Wohnen würden wir, so lautete Mikes Plan, irgendwo zwischen Richmond und Vancouver. Bei seiner Mutter, die schon seit einiger Zeit den Wunsch geäußert hatte, dass Mike wieder einmal zu Besuch kommen möge. Wenn sie schon zu ihrem älteren Sohn keinen Kontakt mehr hatte, konnte sich doch wenigstens das Nesthäkchen der Familie bei ihr blicken lassen.

Kein Kontakt mehr zu James,“ schnaubte Mike genervt. „Woran das wohl liegt?“

Fragend schaute ich ihn an. Das Gespräch mit seiner Mutter hatte er abrupt beendet und das Telefon in hohem Bogen zu seiner Lederjacke auf den Rücksitz befördert. Oh, oh, Zoff mit der Mutter – und jetzt sollten wir die nächsten Tage bei ihr wohnen? Das waren ja reizende Aussichten, aber ich hielt lieber den Mund. Sollte er sich erst mal beruhigen.

Wie ich ihn kannte, würde er mir schon noch erzählen, was ihm auf der Seele lag, da musste ich ihn nicht jetzt schon mit Fragen löchern. Und dass noch etwas nachkommen würde, davon war ich überzeugt.

Und Du bist Dir wirklich sicher, dass Du das willst?“ fragte Mark ihn, als er uns mit Sack und Pack auf dem Hof absetzte, wo Mikes Fahrzeug für die Dauer der Tournee stand und nun darauf wartete, dass es von seinem Besitzer abgeholt wurde.

Todsicher“, lautete Mikes Antwort. „schließlich habe ich meiner Süßen noch eine Überraschung versprochen, bevor es ernst wird.“

Bevor es ernst wird – das roch stark nach der Art von Besuchen, die einem schon lange vorher ein mulmiges Gefühl bescheren.

Antrittsbesuche nannte meine Oma sie; es sollte ja Leute geben, für die es ein Kinderspiel war, wenn man seinen Eltern den neuen Freund oder die Freundin vorstellte, aber zu denen gehörten weder Mike noch ich. Und bei ihm kam noch hinzu, dass der Spaß auf ihn im Doppelpack wartete, weil seine Eltern schon seit Jahren geschieden waren. Aber davon konnte jetzt keine Rede sein.

Alles zu seiner Zeit, jetzt fahren wir erst mal zu seiner Mum, und dann sehen wir weiter. Je eher, desto besser, und je schneller Mikes Neugier gestillt wurde, was wirklich dahintersteckte, dass sie ihren Jüngsten auf einmal so schmerzlich vermisste…

Nicht so schnell, Andrea, er hat Dir noch eine Überraschung versprochen, bremste ich mich. Worin die wohl bestand? Und warum dauerte das da drinnen so lange? Mike und sein Kumpel waren seit einer ganzen Weile in dessen Büro verschwunden. Mir war ein Rätsel, warum ich hier draußen auf ihn warten sollte. Typisch Mike und seine Heimlichkeiten. Wenn sich hier nicht gleich was tut, gehe ich da rein. Doch noch bevor ich mein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, ging die Tür auf und Chris kam heraus.

Alles klar, Kumpel! Hier hast Du die Schlüssel zu Deinem Maschinchen. Viel Spaß und gute Fahrt.“ Damit verschwand er um die Ecke.

Maschinchen? Kein normaler Mensch würde sein Auto so bezeichnen. Mir schwante nichts Gutes.

So, und jetzt zu uns“, rieb sich Mike erwartungsvoll die Hände. Na, da hatte jemand aber plötzlich gute Laune. „Nimm nur das Nötigste für die nächsten Tage mit. In die Seitenkoffer geht leider nicht mehr rein“.

Entgeistert starrte ich ihn an: Seitenkoffer? Wollte er mir damit sagen, dass die Reise auf zwei Rädern weitergehen würde? Mein Verdacht erwies sich als richtig, als Mike nach meiner Hand griff und mich in die Garage zog, wo sie stand: die Indian. Ein Traum in Schwarz und Silber, mit Seitenkoffern und Soziussitz – ein Traum, den Mikes Kumpel Chris bei sich untergestellt und gründlich gewartet hatten, während wir kreuz und quer durch British Columbia gereist waren.

Das hatte er sich ja fein ausgedacht. Ich hatte keine Ahnung, seit wann er diese Idee schon mit sich herumtrug. Nimm nur das Nötigste mit… und der Rest? Mein nicht gerade kleiner Rucksack wog so einiges, und bei dem vielen Kram, den Mike mit sich herumschleppte, sah es nicht viel besser aus.

Mach Dir darüber keine Sorgen, Süße.“ Alles, was wir nicht dringend brauchen, können wir bei Chris lassen.

Spontane Einfälle sahen anders aus! Wenn das seine Überraschung für mich sein sollte, dann war diese ihm gelungen. Ein Road Trip auf zwei Rädern. Der Duft von Freiheit und Abenteuer. Fassungslos starrte ich ihn an.

Born to be wild. Riding down the highway, keep the engine running…. Äh, Moment mal, Andrea, Du fängst doch jetzt hoffentlich nicht an, durchzudrehen? Das Wichtigste hat er Dir noch nicht verraten, und Du solltest Dich besser bremsen und eine Erklärung verlangen..

Und wohin soll die Reise gehen?“ hörte ich mich da auch schon fragen. Den Atem hätte ich mir sparen können, denn er dachte gar nicht daran, mir das Ziel zu verraten, denn mit einem verschwörerischen „Psst!“ legte er einen Zeigefinger an seine Lippen, bevor er mich mit einem vielsagenden Grinsen küsste. „Spoilers!“

Na toll, genau dann mit einer Doctor-Who-Parodie um die Ecke zu kommen, wenn er mich wie River Song den Doktor auf die Folter spannte, hätte ich jetzt auch nicht gebraucht. „Bitte zügeln Sie Ihre Ungeduld, Miss McAllister – Sie werden es bald erfahren.“

230 Kilometer und einen Grenzübergang später, näherten wir uns dem Ufer des Sees, der im weichen Sonnenlicht funkelte. Weit in der Ferne ragte aus dem Dunst der weiße Gipfel des Mount Rainier. „Und, habe ich Dir zu viel versprochen?“ fragte mich Mike, nachdem ich von meinem Sitz heruntergeklettert war und die von der ungewohnten Haltung während des Fahrens verspannten Muskeln lockerte. Die Nachmittagssonne tauchte die Skyline von Seattle in goldenes Licht; ein Anblick, den ich so lange wie möglich bewundern wollte.

Nur zu bald würde es Abend werden und die leuchtenden Farben dieses für Ende Oktober ungewöhnlich warmen Tages verblassen. Ja, Mr. Mitchell, diese Überraschung ist Ihnen in der Tat gelungen, und wenn wir uns jetzt noch die Stadt von oben anschauen könnten, ließ ich meine Gedanken schweifen, wäre das die absolute Krönung dieses wunderschönen Tages.

Glücklich?“ fragte er mich leise, als er mich in seine Arme schloss. Meine Antwort ließ ich unausgesprochen und schmiegte mich statt dessen noch enger an ihn. Seit wann kannst Du Gedanken lesen? dachte ich; aber natürlich konnte er das nicht. Er hatte sich an unseren gemeinsamen Ausflug mit Mark und Sue erinnert; der Tag, an dem wir Seattle aus Mangel an Zeit als Ziel verworfen hatten. Von meiner Liste hatte ich die Stadt endgültig gestrichen. Oder es jedenfalls gedacht. Aus dem Gruppenselfie hoch über der Stadt war zwar nichts geworden, aber jetzt lag das Wahrzeichen der Stadt zum Greifen nahe. Dass er tatsächlich noch fragen musste, ob ich glücklich war… Ach, wie gerne wäre ich länger geblieben. Seufzend löste ich mich aus unserer Umarmung.

Was ist los, Süße?“

Als ob Du das nicht ganz genau wüsstest, wunderte ich mich über seine Frage. War sie ernst gemeint oder rhetorisch? „Schade, dass wir schon wieder fahren müssen.“

Anscheinend konnte ich die Enttäuschung in meiner Stimme nur schwer verbergen, denn seine Reaktion überraschte mich.

Sagt wer?“ Hatte Mike schon vergessen, dass in Vancouver jemand auf uns wartete? „Der Tag ist noch nicht vorbei, Süße!“

Diese Antwort brachte mich vollends aus dem Konzept. Was hatte das zu bedeuten? Er tat ja so, als hätten wir alle Zeit der Welt. Schließlich würde die Sonne bald untergehen, und so romantisch die Vorstellung von einer Fahrt auf dem Motorrad in den Sonnenuntergang auch sein mochte, die Aussicht, mitten in der Nacht bei seiner Mutter einzutrudeln, behagte mir wenig. Und das nicht nur, weil es nach Einbruch der Dunkelheit empfindlich kühl wurde. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter. Mike bemerkte mein Frösteln und zog mich an sich.

Falls es Dich beruhigt“, flüsterte er mir ins Ohr. „Das war nicht die einzige Überraschung, die ich Dir versprochen habe. Hast Du tatsächlich geglaubt, ich fahre mit Dir nach Seattle, nur um Dir das Panorama zu zeigen, und das war’s dann?“

Verblüfft starrte ich ihn an.

Das dachte ich mir.“ nickte er bekräftigend, nachdem er mich eingehend von oben bis unten gemustert hatte. „Natürlich bleiben wir über Nacht. Es ist alles arrangiert. Oder was dachtest Du, warum Chris und ich so lange in seinem Büro verschwunden waren?“

Ich traute meinen Ohren nicht. In Seattle übernachten? Ohne Visum? Wie hatte er denn das gedeichselt? Und vor allem wann? „Ach, und falls Du Dir Sorgen wegen unseres Abstechers in die Staaten machst, darum habe ich mich längst gekümmert.“

Wie lange hatte Mike diesen Ausflug tatsächlich geplant?

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