# Writing Friday 2020 – September, 37. Woche : Die Standpauke

 

Bei den Themen des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy ist jetzt auch der Herbst eingekehrt. So langsam wird es jetzt wirklich kühl, doch ich denke gar nicht daran, die Fenster zu verrammeln, nur weil jetzt die Temperaturen sinken.

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude.

Wenn sich bunt das Laub verfärbt, machen Spaziergänge erst so richtig Spaß. Manche Freizeitbeschäftigungen dagegen weniger. Davon können meine recycelten Charaktere ein Lied singen.

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Die Standpauke

So, jetzt noch schnell die Wimpern getuscht, und dann kann es losgehen. Lucy schnappte sich ihr Täschchen und ließ Schlüssel, Lippenstift und ihr Taschengeld hineingleiten. Gleich würde es klingeln. Voller Vorfreude auf ihre Verabredung mit Alex nahm Lucy zwei Stufen auf einmal und streckte ihre Hand nach der Klinke aus.

So gehst Du mir nicht aus dem Haus!“

Die Stimme ihrer Mutter ließ Lucy mitten in der Bewegung wie erstarrt innehalten. Sie konnte sich schon denken, was jetzt kam. Was ihre Mutter wohl jetzt schon wieder zu nörgeln hatte – ihr Outfit war doch einwandfrei. Die knielangen Stiefel, die sie zu ihrem neuen, nicht zu kurzen Strickkleid in Beerentönen trug, brachten ihre wohlgeformten Beine zur Geltung. Alex würde Augen machen, wenn er sie so sah. Handschuhe hatte sie auch dabei, also alles bestens.

Oh Mann!“ schnaubte Lucy und rollte mit den Augen.

Ich bin nicht Dein Mann, junges Fräulein.“ baute sich ihre Mutter hinter ihr auf. „Hast Du mal aus dem Fenster geschaut? Draußen ist es viel zu kühl für diesen dünnen Fummel. Und nur in der Jeansjacke? Vergiss es. Du ziehst sofort Deinen Mantel an, sonst…“

Wie bitte? Sie sollte ihren Mantel anziehen? Das olle Ding? Wie sollte sie denn damit auf Alex‘ Maschine steigen, und außerdem war die Jacke doch viel cooler. Ganz in schwarz. Perfekt zu ihrem Date.

Sonst – was?“ fragte Lucy genervt.

Ach, schnippisch werden wir auch noch“, gab ihre Mutter zurück. „So nicht, junge Dame. Nicht in diesem Ton. Aber Du kannst gerne Deinem Bruder im Garten beim Laubfegen Gesellschaft leisten. Jetzt, wo Tom den Geräteschuppen so schön aufgeräumt hat, warten die Rechen schon auf ihren Einsatz.“

Die Rechen? Tolle Wurst! Mit einem Laubsauger wären sie um so vieles schneller gewesen, aber ihre Eltern hielten moderne Geräte für überflüssigen Schnickschnack. Und jetzt mischte sich auch noch Tom ein.

Ach komm schon, Schwesterherz, Bewegung ist gesund und hat noch keinem geschadet“, stichelte er, „auch Dir nicht.“

So eine Frechheit! Na warte… Aber ehe sie Tom die passende Antwort geben konnte, klingelte es an der Tür. Alex! Hastig drückte Lucy die Klinke hinunter und riss die Tür auf. „Hallo Schatz“, rief Lucy außer Atem und eine halbe Oktave höher als beabsichtigt. Sie wusste, dass Tom, der noch immer im Flur stand, Alex nicht leiden konnte und betonte das ‚Schatz‘ mit besonderem Nachdruck, um ihren Bruder zu ärgern.

Nanu, so stürmisch?“, grinste ‚Schatz‘ belustigt, setzte aber sofort wieder eine halbwegs ernsthafte Miene auf, als er sah, wie finster Tom ihn anstarrte. Was auch immer er ihm getan hatte, aber Öl ins Feuer zu gießen, musste auch nicht sein. Formvollendet überreichte er statt dessen Lucys Mutter ein Sträußchen Blumen und entschuldigte sich für seine Verspätung.

Blumen? Ha! So ein Schleimer, ärgerte sich Tom – seine Eltern hatte dieser Kerl ja schnell um den kleinen Finger gewickelt, aber nicht mit ihm. Reichte es nicht, dass sie ihm die ganzen Strafarbeiten aufgebrummt hatten, während Lucy die letzten Wochen über absolute Narrenfreiheit genoss und dieser langhaarige Typ hier ein und aus gehen durfte. Und das, obwohl sie nicht gerade darüber entzückt waren, dass er Motorrad fuhr. Ein nicht ganz ungefährlicher Spaß, gerade im Herbst.

Blumen? Aber das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen… Kommen Sie doch herein und trinken Sie eine Tasse Kaffee mit uns, so lange Lucy ihren Mantel holt.“

So lange Lucy ihren Mantel holt, äffte Lucy die Stimme ihrer Mutter innerlich nach, hielt sich aber zurück. „Blumen? Wie hast Du denn die auf dem Motorrad transportiert?“

Nicht mit dem Motorrad. Das ist in der Werkstatt, nach meinem kleinen Mißgeschick gestern mit nassen Blättern auf der Fahrbahn, nachdem so ein Idiot…“

Erschrocken hielt Lucy die Luft an, als sie das Pflaster über seiner rechten Schläfe sah, aber außer ein paar Schrammen schien er nichts abbekommen zu haben. Da hatte er ja noch mal richtig Glück gehabt, und sie gleich mit. Wenn sie an dem Tag hinten drauf gesessen hätte. Da war eine zu dünne Jacke noch das geringste Problem. Oder gar ein altmodischer Mantel, aber den sollte sie nun wirklich mal langsam holen.

Sie hauchte Alex ein Küßchen auf die Wange und ging nachdenklich nach oben.

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698 Wörter einschließlich Überschrift. Na bitte, geht doch. Und das Recycling von Charakteren scheint ja prächtig zu funktionieren. Mal sehen, wem ich noch zu einem Wiedersehen verhelfe.

Die Schreibthemen im September sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich an den Herbst erinnert oder eine Geschichte erzählt, die im Herbst spielt. +++ 2) Eine Kräuterhexe mixt eine besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt. +++ 5) Der uralte Baum im Park soll gerettet werden, wie verhinderst du das?

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.