ABC -Etüden – Wochen 39 & 40 : Das Resümee

Etüde zum Dritten. Die Wortspende von kommunikatz für Christianes aktuelle Etüde – Pilze – traurig – schlafen – hat mich gemäß Illustration zu einem Text inspiriert, der dicht bis an die Maximalzahl von 300 Wörtern heranreicht (ohne die Überschrift und das ganze Drumherum).

Aber Vorsicht! Er kann Spuren von Sarkasmus enthalten.

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Das Resümee

Als es anfing mit diesem vermaledeiten Virus, dachte sie, dass sie unglaubliches Glück mit ihrem spontanen Einfall, im letzten Jahr quer über den Atlantik zu reisen, gehabt hatte. Wie war das nochmal? Wer weiß schon, was in fünf Jahren ist. Ihre Vorahnung hatte sie nicht getrogen, auch wenn deutlich weniger Zeit vergangen war. Man sollte gar nichts mehr planen, dachte sie traurig und bedauerte, dass sie im Januar an der Bushaltestelle gekniffen hatte und nicht auf den Flirt an diesem Sonntagnachmittag eingestiegen war.

Hätte, hätte… doch was nützte ihr das jetzt noch? Darüber nachzudenken, war genauso sinnlos wie über ihre verpasste Chance an ihrem vorletzten Urlaubstag in Toronto, und wenn sie zu sehr grübelte, wurde es ihr nahezu unmöglich, vernünftig zu schlafen.

Von zu Hause aus zu arbeiten, war vielleicht gar nicht das Schlimmste, ging es ihr in den folgenden Wochen öfters durch den Kopf. Morgens länger liegenbleiben, mittags bei dem schönen Wetter draußen sitzen… Schönes Wetter? Hoffentlich hielt das noch lange an – denn im Gegensatz zu drinnen musste man draußen nicht ständig eine Maske tragen; sogar Kinobesuche standen wieder auf ihrer Liste. Entweder Open-Air- oder Autokino. Sie freute sich, dass der September noch so viele warme Tage zu bieten hatte, doch waren bereits die ersten, länger anhaltenden kalten Brisen spürbar.

Wenn sie dann draußen speisen oder etwas trinken wollte, musste sie sich entweder gut einpacken oder Cafés und Restaurants besuchen, die auch im Freien für Wärme sorgten. In der Gastronomie wurden dieses Jahr mehr dieser Pilze zum Heizen bestellt als in den Jahren zuvor, damit es die Gäste in der bevorstehenden Wintersaison kuschelig warm haben würden. Aber was tat man nicht alles, um sich zu schützen – da nahm man das bisschen Globale Erwärmung doch gerne in Kauf.

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290 Wörter für dieses unbekömmliche Pilzgericht. Ich hoffe, es ist niemandem im Hals steckengeblieben.

7 Kommentare zu “ABC -Etüden – Wochen 39 & 40 : Das Resümee

  1. Firefox lässt mich gerade nicht auf like klicken, obwohl es mir angezeigt wird – komisch. Fühl Dich bzw. Deine Etüde bitte trotzdem geliked, sie gefält mir sehr gut, auch wenn ich sagen muss, dass ich bei meiner Wortspende im Leben nicht auf diese gruseligen Heizpilze gekommen wäre 😉 Meine Strichliste der verschiedenen Pilzbedeutungen bzw. -kontexte ist inzwischen vollkommen zerfasert und sinnlos, weil jede Etüde etwas Neues bringt 🙂 Kategorien sind eh doof, also bleibt das alles viel besser unkategorisiert und ungestrichlistet.

  2. Mehr als die Sonne in diesem Jahr den Planeten „aufgeheizt“ hat, können die Wärme-Pilze der Gastronomie das sicherlich nicht. Ich halte die ganze Diskussion für etwas überzogen, denn dann kommen bald welche noch auf die Idee, dass man im Winter im Auto auch nicht die Heizung anstellen darf oder dass die Temperaturen in den Büros oder Häusern auf staatliche Anordnung auf 19 Grad zu begrenzen sind ….

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 41.42.20 | Wortspende von Werner Kastens | Irgendwas ist immer

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