Media Monday # 482 : Sonne & Sport

Mein neuer Plan, wenn ich schon unter der Woche nicht dazu komme: Sonntags zwei Stunden einfach drauflos radeln, kreuz und quer – was Schlauch & Pedale so hergeben. Bei diesem schönen Wetter kein Problem. Das genieße ich…

Genießen werde ich auch das Entspannen bei den sieben Lückentexten des Media Monday – noch achtzehn Mal, dann gibt es das 500. Jubliäum.

Media Monday # 482

1. Einer der seltenen Fälle, wo die Fortsetzung besser ist als der erste Teil war für mich Spider-Man.

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2. Schon verrückt, dass es tatsächlich jemand in Betracht gezogen hat, mich zu fragen, ob ich als Jurymitglied bei einem Schreib-Award mitmachen möchte. Aber warum auch nicht? Für Freunde musste ich des öfteren auch schon Korrektur lesen, wenn es um Berichtshefte oder Bewerbungen ging; da traue ich mir das Bewerten von Romanen anderer Hobbyautoren erst recht zu.

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3. Wieso man ausgerechnet von „West Side Story“ nach all der Zeit ein Reboot/Remake ins Auge gefasst hat, habe ich mich schon letztes Jahr gefragt, was mich dennoch nicht daran hindert, dem Film eine Chance geben zu wollen, auch wenn es sich im Grunde genommen um alten Wein in neuen Schläuchen handelt.

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4. Einer der – im besten Sinne – trashigsten Filme ist „Dark Star“ von John Carpenter. „Dogs in Space“ wäre auch noch so ein Kandidat, nur hat der nichts mit Raumfahrt zu tun. Über „Caveman – der aus der Höhle kam“ schreibe ich an dieser Stelle nichts, denn der hatte bei mir schon die Ehre.

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5. Das Schaffen von Fahrradstraßen in unserer Stadt ist ja gerade sehr in Mode, wenn man bedenkt, dass sich jetzt viel mehr Leute als vorher aufs Rad schwingen, meine Wenigkeit inbegriffen. Radeln stärkt die Wade(l)n – in meinem Fall sorgt es zur Zeit noch mehr für Muskelkater.

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6. Manchmal denke ich so an die Zeit zurück, als man noch kein Musikfernsehen oder gar Youtube hatte. Teilweise war es eine echte Überraschung für mich, wenn ich herausfand, wie die Künstler hinter der Stimme tatsächlich aussahen. Das kann man jetzt so oder so interpretieren. Und wenn wir schon dabei sind, gibt es als Video der Woche mal etwas ganz anderes zum Thema „Raumfahrt“

https://www.youtube.com/watch?v=VDcs0xWyhmY&feature=youtu.be&t=0

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7. Zuletzt habe ich das schöne Wetter beim Radeln genossen und das war aber auch sehr muskelkaterfördernd , weil ich ziemlich viele Steigungen und holprige Streckenabschnitte auf meiner Route hatte.

ABC -Etüden – Wochen 39 & 40 : Aurora Australis – Ordnung muss sein

Bei mir steht, auch was Filme angeht, der September im Zeichen von Science-Fiction bzw. Themen rund ums Weltall. Die Wortspende für die aktuelle Etüde bei Christiane kommt diesmal von kommunikatz und setzt sich zusammen aus den folgenden Wörtern: Pilze – traurig – schlafen:

Daraus habe ich einen Text mit weniger als 300 Wörtern entwickelt (ohne die Überschrift und das ganze Drumherum). Da beschränkt man sich doch gerne aufs Wesentliche.

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Aurora Australis Ordnung muss sein

Hinter mir schließt sich die Tür mit einem Plopp, während ich den Schaden begutachte. Hier stehe ich nun im Frachtraum und lasse den Lichtkegel meiner Stablampe über die Regale wandern. War ja zu erwarten, so wie vor lauter Zeitdruck die Ladung nicht vernünftig gesichert wird und beim nächsten Ausfall des Schwerkraftmoduls alles durcheinander fliegt. Wenigstens funktioniert es jetzt dank der Techniker wieder, doch während sie und die meisten der Besatzung schlafen, dürfen meine Kollegen und ich aufräumen.

Einfach traurig, dieser Anblick: Schon zwei ungesicherte Container haben genügt, um ganze Arbeit zu leisten. Werkzeuge und botanische Proben sind zwar verschont geblieben, aber dafür hat es die Lebensmittel erwischt. Bis ich sämtliche Beutel mit Trockennahrung eingesammelt habe, werden Stunden vergehen. Früchte und Pilze können wir abschreiben: die sind pulverisiert worden und haben sich mit ausgelaufenem Öl zu einem widerlichen Schmierfilm vermischt. Wenn ich nicht stürzen und mir den Hals brechen will, ist Putzen angesagt. Ein Traum!

Schön, dass ich zwar wenigstens so weit wie möglich weg von den anderen bin, denen das Gleiche blüht, aber woanders. So habe ich mir meine Zeit auf diesem Raumfrachter dann doch nicht vorgestellt, und inzwischen würde ich die mir aufgebrummten einhundertfünfzig Stunden gemeinnütziger Arbeit wirklich lieber zu Hause abreißen wie die anderen, und nicht auf der Aurora Australis.

Woher sollte ich auch wissen, dass sie hier draußen die Zeit anders messen und ich hier vermutlich für Jahre festsitzen werde, anstatt nur ein paar Monate…

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238 Wörter für ein Space-Thema für den September. Die Illustration habe ich diesmal selbst entworfen.

# Writing Friday 2020 – September, 38. Woche : Ohne Spuren

Bei den Septemberaufgaben des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy habe ich mit dem Recyceln von Figuren begonnen. Die erste war Hexe Carolina Conti (Oktober 2019), dicht gefolgt von Lucy und Tom, die in eine aus dem Ruder gelaufene Party verwickelt waren. Diesmal bietet die vierte Aufgabe mit Lara die Steilvorlage für mich:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt.

Wenn sich bunt das Laub verfärbt, machen Spaziergänge erst so richtig Spaß. Besonders an Halloween. Aber nicht immer…

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Ohne Spuren

„Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie schon länger so komisch ist. Gut, sie hatte dieses Jahr einige Aussetzer, aber…“

Nervös rieb Lukas seine kalten Hände. Wie aus Eis, dachte er, aber wäre der Beamte an seiner Stelle, ginge es ihm bestimmt auch so. Von jetzt auf gleich war Lara verschwunden. Noch einen Tag vorher hatte sie ihm geholfen bei den Vorbereitungen zu seinem Grillabend, zu dem sie trotz Einladung nicht aufgetaucht war. Grillen an Halloween, sein Stichwort. Es war ihm egal, was andere dachten, und was war denn auch schon dabei… außerdem tat es nichts zur Sache: Lara war weg, und wenn er sie anrief, meldete sich nur die Mailbox. Wie lange musste man bis zum Aufgeben einer Vermisstenanzeige warten? 36 Stunden? Lukas hatte keine Ahnung, und es war ihm auch egal. Dem Beamten war er noch eine Antwort schuldig. Stockend beendete er seinen Satz.

„.. aber in der Woche vor diesem letzten Abend war sie nicht mehr sie selbst.“

Nicht mehr sie selbst. Aber da war sie wenigstens noch da gewesen, wenn auch schweigsamer als sonst. Seinen Witz beim Einlegen der Steaks – Steaks, so blutig, dass man das Muhen noch hören kann – hatte sie nur mit einem müden Lächeln quittiert und sich danach verabschiedet. Sehr neblig war es da gewesen, gut möglich, dass sie vielleicht ihren Weg unterbrochen hatte und in diesen irischen Pub eingekehrt war. In den ging sie manchmal. Ach, hätte er sie doch bloß begleitet! Aber wie hätte er auch wissen können, dass er seine Schwester an diesem Abend zum letzten Mal sehen würde.

Schröder schob die Formulare zusammen, nachdem Lukas das Protokoll unterschrieben hatte und gegangen war. Eigentlich kam es gerade an Halloween oft vor, dass manche sich ins Koma feierten und erst Tage später in verkatertem und manchmal auch zerknirschtem Zustand wieder auftauchten, aber angesichts des Serienmörders und die Schlagzeilen über ihn, musste er Lukas Försters Sorge um seine Schwester ernst nehmen. „The Devil’s Party“, „Mord an der Uni“, „Studentin mit Seidenschal erdrosselt“ – gut, dass sie den Irren jetzt hatten. Dass er sicher verwahrt in einer der Zellen saß, hatten sie dem beherzten Eingreifen zweier Gäste aus dem Bogside zu verdanken, die ihn mit Kabelbinder bewegungsunfähig gemacht hatten.

Die beiden Gäste aus dem Bogside – bei Schröder machte es Klick. Er goss sich noch einen Kaffee ein, dann stattete er seinen Kollegen, die in jener Nacht vor Ort gewesen waren und den Kerl dingfest gemacht hatten, einen Besuch ab. Zehn Minuten später hatte er die Namen: Tim Lorenz und Lara Förster. Zeit für Schröder, diesem Tim Lorenz, der die Vermisste anscheinend als Letzter noch lebend gesehen hatte, so schnell wie möglich auf den Zahn zu fühlen.

Leider hatte die Befragung nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt, und Schröders Team hatte den Verdächtigen wieder laufen lassen müssen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass dieser ebenso ratlos über Laras Verbleib war wie die Kriminalbeamten. Den Beweis lieferten die wackeligen Bilder der Überwachungskamera: Vor dem Eingang zum Park war Lorenz zu Boden gegangen, Lara hatte ihm aufgeholfen, dann hatte sie sich in den Park hinein gewagt. Er war ihr erst nach 18 Minuten gefolgt und dann nicht mehr aufgetaucht. So weit die Aufzeichnungen der Kamera vor dem Park – aber im frisch eröffneten Skulpturengarten gab es noch weitere davon, für den Fall, dass Vandalen ihr Mütchen an den Kunstwerken kühlen wollten. Und richtig: Die Kameras hatten eingefangen, wie Tim scheinbar ziellos durch den Park geirrt war, bis er irgendwann die erfolglose Suche nach Lara aufgegeben hatte. Nein, er hatte mit Lara Försters Verschwinden nichts zu tun – die Lösung zu diesem Rätsel lag im Park verborgen.

Sobald es am nächsten Tag hell genug war, durchstreiften Schröder und seine beiden Kollegen den Park. Bei der Kopie von Auguste Rodins Meisterwerk „Der Kuss“ blieben sie stehen, besser gesagt, was davon noch übrig war. Die weibliche Hälfte des Paares, Francesca da Rimini, lag umgestürzt und von Rissen durchzogen am Boden, während ihr Liebhaber, Paolo Malatesta, sich ein gutes Stück entfernt befand. Zu seinen Füßen ein zerschmettertes Tablet und zwischen seinen verkrümmten Fingern ein Damenhandschuh. Beweisstücke? Nun, man würde sehen. Vielleicht kamen die IT-Experten mit den Trümmern weiter, und wenn dies wirklich Lara Försters Handschuh war, dann würde sich bestimmt ihre DNA an seiner Innenseite finden.

Er hatte den richtigen Riecher gehabt. Ein Abgleich mit der Haarbürste der Vermissten lieferte den letzten Beweis dafür, dass an der zerstörten Statue im Park, besser gesagt bei Paolo Malatesta jede Spur von ihr endete. Der seltsame Fall machte Schlagzeilen und erreichte dank der sich förmlich überschlagenden und reißerischen Darstellungen in der internationalen Boulevardpresse ungewöhnliches Aufsehen jenseits der deutschen Grenzen. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals wurde man hellhörig. Wie jeden Morgen auf seinem Weg zu Scotland Yard, holte sich DCI Connelly die Morgenausgabe des Guardian. Stets betrat er noch vor Dienstbeginn sein Büro und ließ sich einen Kaffee bringen, denn diese halbe Stunde am Morgen gehörte nur ihm und der Zeitung, der er sich angeregt widmete; sein eigentliches Interesse galt den Nachrichten aus aller Welt, und sie sparte er sich für gewöhnlich bis zum Schluss auf. Heute jedoch begann er seine Lektüre mit ihnen und traute seinen Augen kaum – ein Viertel der Seite wurde von einer Aufnahme Lara Försters eingenommen, und der Text dazu ließ ihn sprachlos zurück. Konnte es wirklich wahr sein? Seit fünf Jahren suchten seine Kollegen vergebens nach Hinweisen auf die Identität der jungen Frau ohne Papiere.

2013 hatten sie sie bei einem dreisten Fall von Einbruch und versuchtem Diebstahl in den Kellergewölben Seiner Lordschaft, Sir Randolph, festgenommen; und seitdem schwieg sie eisern – sowohl darüber wer sie war, als auch über ihren Komplizen, falls sie denn einen hatte. Connelly hatte einen bestimmten Herrn im Verdacht, aber keinen Beweis. In Deutschland wurde eine Frau gesucht, die der unbekannten Gefangenen zum Verwechseln ähnlich sah? Euphorisch griff Connelly zum Telefon und wählte Schröders Nummer. Ganz gleich, was bei dem Gespräch herauskäme, mit einem rechnete er ganz fest: Mit dem Schweigen der seit fünf Jahren einsitzenden Gefangenen würde es nun vorbei sein.

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1016 Wörter inclusive Überschrift. Na bitte, geht doch. Und das Recycling von Charakteren hat ja prächtig funktioniert.

Die Schreibthemen im September sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich an den Herbst erinnert oder eine Geschichte erzählt, die im Herbst spielt. +++ 2) Eine Kräuterhexe mixt eine besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt. +++ 5) Der uralte Baum im Park soll gerettet werden, wie verhinderst du das?

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Foto der Woche – Woche 3 : „Re-Nature“

Im Rahmen von aequitasetveritas‘ Fotoprojekt „Foto der Woche“ präsentiere ich am heutigen Dienstag als drittes Motiv einen Zufallstreffer. Gesucht habe ich „meinen Strand“, den ich vor Jahren an einem Bach in unserem Stadtwald entdeckt habe und den man auf offiziell ausgeschilderten Wanderwegen nicht erreichen kann.

Wiedergefunden habe ich ihn zwar nicht, dafür aber eine ganz andere, viel schönere Stelle an diesem renaturierten Bach, dessen Verlauf sich in all der langen Zeit anscheinend stark verändert hat:

Dieses Schattenspiel mit Pilz fand ich so hübsch, dass ich es einfach festhalten musste. Die Aktion „Foto der Woche“ hat am 1. September angefangen und endet am 31. Dezember dieses Jahres – dabei darf alles, was einem vor die Linse kommt, an einem beliebigen Wochentag auf dem Blog gezeigt werden.

Noch ist das bei mir der Dienstag, aber da bei mir nun gleich zwei Wochentage „frei“ geworden sind, liebäugele ich entweder mit dem Mittwoch oder dem Sonntag.

Dienstags-Gedudel #34 : Das ist nicht das Ende!

 

This is the end – nicht das Ende des Gedudels, sondern von der Story. Das Gedudel ist nicht abwertend, sondern ein Name für nellindreams‘ musikalischer Mitmachaktion zur Verschönerung des Dienstags.

Bleiben wir doch gleich in den 80ern bei einem Klassiker – von Journey (https://www.youtube.com/watch?v=LatorN4P9aA), mein Begleiter für die musikalische Übergangsphase in den 80ern, als ich merkte, dass mein Musikgeschmack ziemlich einseitig zu werden drohte.  Übrigens hatten damals wir kein Musikfernsehen, und ich konnte mir nie die Gesichter zu den Stimmen vorstellen – ich konnte mich also nur auf mein Gehör verlassen.

Immer das Gleiche? Wie langweilig. Und deshalb wurde meine Sammlung mit der Zeit immer rocklastiger…

 

 

um gegen Ende der 90er Jahre eine ganz andere Richtung einzuschlagen. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier (noch) nicht hinpasst.

„Broken Strings“ : Letzte Worte

Was ich im August 2018 als Experiment begann, hat sich schon bald in eine Richtung entwickelt, die mich selbst überrascht hat. Andere zählen Schäfchen, um besser einschlafen zu können – ich lasse vorm Schlafengehen die Gedanken schweifen; nur aufgeschrieben habe ich sie nie.

Dabei habe ich mir schon öfters überlegt, wie denn mein persönliches Traumtagebuch aussehen könnte. Ein Buch, in dem ich alle Gedanken inclusiver in Erinnerung gebliebener Träume notiere. Dabei war es nur in der Theorie geblieben.

Konkret nahm diese Idee Formen an, als ich mit dem Schreiben loslegte. Der späte Abend war meine Zeit dafür: zwischen 22 und 24 Uhr. Da hatte ich Zeit und meine Ruhe. Einen festen Plot hatte ich noch nicht, also schrieb ich einfach auf, was mir in den Sinn kam und holte mir die Inspiration von der Musik im Hintergrund.

Irgendwann hatte ich dann plötzlich eine Geschichte im Kopf, die ich „Surprise Channel“ nannte, aber wie das mit Überraschungen so ist, verwarf ich die ursprüngliche Idee, als ich an den Mittelteil in Form einer Rückblende kam, denn ich merkte plötzlich, dass mich der eigentliche Erzählstrang nicht mehr reizte und ich die „Rückblende“ viel spannender fand, und so sind daraus 54 Kapitel geworden, und nicht nur einige wenige.

Wer würde was als nächstes tun? Wird es bei dem geplanten Ende bleiben oder entscheide ich mich zuletzt doch noch für ein Happy End? Passen alle Puzzleteile auch wirklich zusammen oder bleiben am Schluss doch noch lose Enden übrig?

Diese Fragen haben mich monatelang begleitet.

Überrascht hat mich, dass ich die Flinte nicht ins Korn geworfen habe, obwohl es Zeiten gab, in denen ich fast soweit war. Doch am Ende machte es dann doch noch Klick, und eins fügte sich zum anderen – wie ein Puzzle, das man nach vielem Herumprobieren endlich löst. Nicht der Genuss von Rotwein hat meinem Vorstellungsvermögen auf die Sprünge geholfen, sondern meine zweiwöchige Kanadareise letzten Sommer. Dank ihr konnte ich die gröbsten Schnitzer ausbügeln. Man fährt dort rechts und nicht auf der linken Straßenseite, Entfernungen werden in Kilometern angegeben, und weder das „Home of the Whopper“ noch das „Gasthaus zum Goldenen M“ sind dort die beliebtesten Fast-Food-Restaurantketten.

Aus „Surprise Channel“ ist eine Story mit fast 170.000 Wörtern geworden, aufgeteilt in 54 Kapitel. Und da die Musik eine wesentliche Rolle darin spielt, schon allein wegen der Songtitel in vielen Kapitelüberschriften, habe ich sie „Broken Strings“ genannt, nicht zuletzt wegen des fehlenden Happy Ends. Und egal, ob das Buch als „Romance“, „Romantic Tragedy“ oder als Kitschroman mit Logiklöchern durchgeht, das Schreiben hat mir Spaß gemacht, und es war mir ein Vergnügen, das Projekt bis zum Ende durchzuziehen, auch wenn ich dazu mehr als eineinhalb Jahre gebraucht habe. Einschließlich Fehlerkorrektur und Editieren. Gut, dass ich so schlau war, alles vorzudatieren, denn da ist mir das Arbeiten mit dem neuen Editor erspart geblieben, der diese Reise zu einem Höllentrip gemacht hätte.    —    Fürs Lesen bedanke ich mich recht herzlich bei allen, die so fleißig gevotet haben.  —

Media Monday # 481 : als ob es wieder Sommer wär…

Was für ein geniales Wetter – ach, hätte ich doch solches in meinem Urlaub gehabt – so schön sonnig und warm: Da hat es mich an diesem Wochenende nicht lange drinnen gehalten. Drinnen sitzen werde ich noch lange genug – was es noch so gibt, kann vielleicht der aktuelle Media Monday offenbaren. Zum Beispiel, was meine Freizeitgestaltung angeht.

Media Monday # 481

1. Die Möglichkeiten, Kinofilme alternativ im Heimkino zu sehen oder auch, Theaterstücken via Stream beizuwohnen – in meinem Fall unsere Stadtbücherei – aben mich dazu gebracht, mir auch mal Filme aus Genres auszuleihen, die sonst nicht zu den von mir bevorzugten zählen. Diesen Monat habe ich mir hauptsächlich Science-Fiction-Filme ausgeliehen.

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2. Zu den üblichen Ritualen beim Filme oder Serien schauen gehört bei mir ja der ein oder andere leckere Snack und manchmal auch ein Gläschen Wein oder ein Gin Tonic.

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3. Was es nicht alles gibt! Mir war bis vor kurzem gar nicht bewusst, dass man Drohnen auch zur Aufnahme eines Rap-Videos benutzen kann. Da geht man nichtsahnend abends nochmal spazieren und wird dann an den meterhohen Eschbacher Klippen Zeuge, wie einer der Herren Künstler oben auf den Klippen herumturnt und sich beim Tanzen ins Zeug legt. Ich war erstaunt, dass er bei dem Gezappel nicht runtergefallen ist.

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4. Enttäuschend war für mich die letzte Staffel von „Dr.Who“ nun nicht unbedingt, doch hätte ich erwartet, dass ich ihr mit mehr Begeisterung begegnen würde, aber leider war dem nicht so. Ich glaube, dieses Pferd hat sich zu Tode gelaufen.

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5. Die DVD „WALL-E – der letzte räumt die Erde auf“ kann mich auch heute noch begeistern, denn nicht nur der Film und der Abspann sind herrlich erfrischend und herzerwärmend, auch die Kurzfilme „Presto“ und „Burn-E“ in den Extras kann ich mir immer wieder ansehen, ohne dass mir dabei langweilig wird. Und weil der September bei mir im Zeichen von Sci-Fi steht, habe ich hier auch gleich noch das passende Musikvideo: The Gathering „Liberty Bell“, eine Hommage an das Mercury-Programm von 1961 – das Raumschiff wurde in Anlehnung an die Freiheitsglocke von Philadelphia wegen seiner Form „Liberty Bell“ genannt:

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=AB-5AFagZNc

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6. 2020 ist ja nun ohnehin kein allzu schönes Jahr, aber die Nachricht von einigen geplanten Neuverfilmungen, die gegen Ende des Jahres ins Kino kommen sollen, lassen mich dann doch etwas Hoffnung schöpfen. Vielleicht traue ich mich ja dann doch mal. Zur Zeit genieße ich lieber noch das schöne Wetter und ziehe Biergartenbesuche vor.

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7. Zuletzt habe ich mich aufs Fahrrad gesetzt und bin zwei Stunden kreuz und quer durch den Wald geradelt, und das war richtig schön, weil ich dabei die Zeit vergessen habe.

„Broken Strings“ : Chapter 54 – Separate Ways

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Michael Vincent Mitchell

18.061990 – 05.11.2019

Rest in peace

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Diese Annonce hat es nie gegeben, aber so, wie die Dinge lagen, hätte er ebenso gut auch tot sein können. Oder ich. Denn genauso fühlte ich mich, als sie mich in den Flieger setzten: innerlich abgestorben. Ein nicht vorhandenes Visum war es, was mir letztendlich den Hals brach. Natürlich nicht wortwörtlich, sondern nur bildlich.

Im Grunde ist Computerisierung etwas Feines. Man gibt alles direkt am Bildschirm ein und muss nur noch auf „send“ drücken. Dann geht alles an die Einwanderungsbehörde, und wenn die Antwort da ist, dass die Daten mit dem Reisepass verknüpft sind, ist alles in Butter.

Im Normalfall und wenn man konzentriert bei der Sache ist – was in meinem Fall Brian Kelly leider nicht gewesen war. Dieser eine Anruf, der ihm dazwischen gekommen war und der dazu geführt hatte, dass er vergessen hatte, sich davon zu überzeugen, dass alle Daten auch tatsächlich übermittelt worden waren, und die Antwort der Behörde. Welche Antwort?

Die Erneuerung meines Visums war im Nirgendwo gelandet, ohne dass auch nur einer von uns davon erfahren hatte. So entspannt ich die meisten Kanadier bisher auch erlebt hatte, so wenig Spaß verstand man hier beim Thema „illegale Einwanderung“. Der Officer, dem im Krankenhaus beim Abgleich der Daten die fehlende Verknüpfung in meinem Pass aufgefallen war, bildete da keine Ausnahme.

Und so stand ich unter ständiger Überwachung, ehe ich mich’s versah; aber diesmal nicht durch die Ärzte des General Hospital, in das man mich eingeliefert hatte, weil es von der Unfallstelle nur wenige hundert Meter entfernt lag, sondern durch Uniformierte, die außer den Ärzten niemanden zu mir ließen.

Meine Sachen, dir mir durch das Klinikpersonal ausgehändigt wurden, hatte jemand von der Band vorbeigebracht. Wer das war, konnte ich nur raten. Mike war es vermutlich nicht gewesen. Welchen Grund hätte er auch dazu gehabt? Ich tippte auf Brian, der meine Aufenthaltserlaubnis verschlampt hatte. Aber mir genaueres mitzuteilen, dazu sah sich keiner bemüßigt. Genau so stellte ich mir Quarantäne vor, auch wenn die Dauer meines Aufenthalts nur eine Frage von wenigen Tagen war und nicht von Wochen. Kontakt zur Außenwelt hatte ich außer zu den Ärzten keinen.

Für mich waren sie die einzigen mit Herz. Ihrer Ansicht nach stand ihnen ein Urteil über mich nicht zu, und niemand durfte mir die notwendige Behandlung verweigern. Schon weil sie mich nicht wie eine Kriminelle behandelten, fühlte ich mich etwas weniger wie eine Aussätzige, wofür ich ihnen dankbar war. Mein Anspruch auf ein Minimum an medizinischer Versorgung, bis es für mich nach Hause ging: Was an Kosten alleine dafür zusammenkommen würde, wollte ich mir lieber nicht vorstellen. Dazu war ich viel zu niedergeschlagen.

Ich würde es noch früh genug erfahren und finanziell bestimmt noch lange genug daran zu knabbern haben. Rein äußerlich sah man mir nicht viel an, doch schlimmer als die Prellungen und Schnittwunden waren meine inneren Verletzungen, besser gesagt die Blutungen, die der Zusammenstoß mit dem SUV ausgelöst hatte.

Um mich vor dem kompletten Zusammenbruch zu bewahren, hatten sie mir starke Beruhigungsmittel verabreicht, und angesichts meiner Schmerzen war die Dosis höher als im Normalfall, doch zur Ruhe zu kommen, fiel mir nur schwer, denn meine Gedanken fuhren Achterbahn.

Ihr seid echt das Letzte“ Mikes Verachtung, die er mir nur zu deutlich gezeigt hatte. Wenn Du wüsstest, wie lange ich darauf schon gewartet habe…“ Ryan und seine Worte, mit denen er versucht hatte, mich zur größten Dummheit zu verführen. „Wenn er das mit Euch beiden vermasselt, ziehe ich ihm höchstpersönlich die Ohren lang.“, „Ihr seid so ein tolles Paar!“ John, wie er mir seine Bewunderung für uns gestand. Du weißt was man über Schlangen sagt?“ „Sie sind kein Fan von Shopping?“ „Nein, das andere – dass sie sich gerne an dem bedienen, was anderen gehört“ Unser Ausflug zu viert, bei dem wir im Chinarestaurant hemmungslos herumgealbert hatten…

Und so ging es endlos weiter, wie eine tibetanische Gebetsmühle… Der Hamster im Laufrad… Irgendwann fiel ich in einen Schlaf, schwer wie Blei und ohne Träume.

Wie viele Tage braucht man, um halbwegs wieder so weit hergestellt zu sein, um einen zehnstündigen Flug zu überstehen? Unter normalen Umständen hätte ich „zwei Wochen, wenn nicht noch mehr“ geantwortet, aber normal war an der ganzen Situation gar nichts. Angefangen bei der Befragung, die anfing, nachdem die Wirkung der Medikamente abgeklungen war.

Die immer gleichen und einander ähnelnden Fragen: Wieso ich das Land nicht sofort nach Ablauf meiner Work-and-Travel-Genehmigung verlassen hatte… Weshalb ich mich nicht rechtzeitig um ein normales Touristenvisum gekümmert hatte… Warum ich mir ausgerechnet den Winter als Reisezeit ausgesucht hatte… Und die spannendste Frage, die den Officer am meisten beschäftigte: Wie ich bloß auf die Idee gekommen war, trotz des entsprechenden Verbots einer bezahlten Beschäftigung nachzugehen…

Eigentlich wollte ich es nur noch hinter mich bringen, aber worauf diese Fragen abzielten, konnte ich mir denken: Wenn ich jetzt das Falsche sagte, war nicht nur ich dran wegen Verstoßes gegen Einwanderungsgesetze, sondern auch Brian und seine Kollegen wegen Schwarzarbeit.

Ohne einen Anwalt sag ich nichts, dieser Ratschlag aus amerikanischen Krimiserien half mir nur bedingt weiter. Welchen Beweis hatten sie denn schon?

Offiziell war ich immer noch privat in Vancouver. Als Mikes Freundin, jetzt wohl eher seine Ex-Freundin. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass von ihm eine brauchbare Aussage kommen würde, falls man ihn befragte. Und ob man sich die Mühe machen würde, umfassende Ermittlungen einzuleiten… nein, da war es doch die günstigere, schnellere und elegantere Lösung, mich in meine Heimat abzuschieben, nachdem ihnen die Ärzte grünes Licht gegeben hatten.

Meine Heimat: Offiziell wurde diese durch meinen Pass definiert, doch im Grunde hatte ich immer die Meinung vertreten, dass sie da war, wo mein Herz sich zu Hause fühlte. Home is where the heart is.

Jetzt aber fühlte ich mich wie entzwei gerissen, mein Herz zersprungen und seine Stücke über die ganze Welt verteilt… Wie sich das anhört, weiß ich ganz genau: Früher hätte ich mit den Augen gerollt, wenn ich so etwas zu lesen bekommen hätte. Aber nun steckte ich selbst mittendrin.

Einen Teil ließ ich gerade für immer hinter mir, ein anderer wartete in Frankfurt auf mich. Wussten sie dort überhaupt von meiner plötzlichen Rückkehr? Meine Leute hatte ich schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen, da war es das Mindeste, dass ich sie darüber informierte.

Durch die Aufregung und Ungewissheit der letzten Tage hatte ich nicht daran gedacht, aber noch war es nicht zu spät. Aber mein Telefon war tot und ich musste warten, bis der Akku wieder aufgeladen war.

Anzahl ungelesener Nachrichten…“ ungeduldig wartete ich auf das Signal meines Smartphones, „… Null.“

Nach gefühlten Stunden des Wartens erschien das ersehnte „100%“ auf meinem Display. Normalerweise wäre jetzt eine Kaskade von Signaltönen auf mich eingeprasselt – als Zeichen, dass eine Nachricht nach der anderen in meinen Speicher strömte. Aber so sehr ich auch wartete, es tat sich nichts. Ungläubig starrte ich auf das Gerät: Nichts! Keine SMS, keine WhatsApp. Nicht von Mike. Nicht von Brian. Von niemandem. Nicht einmal von Jenny oder Nico, aber das hatte ich nicht anders erwartet. Schließlich konnten sie ja nicht hellsehen. Höchste Zeit, das zu ändern.

Ruf sie an, sagte ich mir und scrollte mich durch meine Kontakte.

Wohlweislich mied ich die Favoritenliste. Mikes Namen ganz oben vor Augen zu sehen, würde mir nur einen weiteren unnötigen Stich versetzen. Wegen des miserablen Handyempfangs hatte es nur wenig Sinn, Jenny anzurufen. Eine schriftliche Nachricht war die einzig brauchbare Alternative. Gerade hatte ich eingegeben, wann ich voraussichtlich in Frankfurt ankommen würde, da ertönte ein Signal. Endlich. Ein Lebenszeichen…

♪♫ ♪♫ ♪♫ How you remind me ♫ ♪♫ ♪♫ ♪ in Form eines Klingeltons, den ich auf Anhieb erkannte: Mark.

Sorry, Andrea, das hätte nicht passieren dürfen. Dass es so endet, tut mir unsagbar leid. Ich weiß, dass es Dich nicht tröstet, dass ich Brian deswegen zusammengefaltet habe, Mike für einen Idioten halte und Ryan zum Teufel wünsche…“

Seine Entschuldigungsarie war tatsächlich kein Trost für mich, genauso wenig wie die Nachricht, dass Mike dem Drummer eine verpasst hatte und danach ohne ein Wort verschwunden war. Wohin, das konnte sich jeder denken, aber ich wäre jetzt die Letzte gewesen, von der er angerufen werden wollte. Es wäre auch völlig sinnlos gewesen, denn als ich die Kontaktliste öffnete, fehlte sein Name. Diesen hatte er aus dem Speicher gelöscht, bevor er Mark meine Sachen ausgehändigt hatte.

… such nicht nach den Nachrichten, die Ihr Euch gegenseitig geschickt habt. Auch den Chatverlauf hat er komplett bereinigt….“

Oh ja, Mike hatte ganze Arbeit geleistet. Dieser Zug war endgültig abgefahren, und die abgekoppelten Waggons auf einem toten Gleis zum Stehen gekommen.

… er wollte sogar, dass wir alle Dich aus unseren Kontakten werfen, aber das erscheint mir nicht fair. Schließlich war ich nicht dabei und kann mir deshalb kein Urteil erlauben. Und was eventuell eingehende Nachrichten angeht – falls Dich unser Drummer anfunkt, lösch es. Und zwar ungelesen. Mit dem sind wir fertig!“

Der Rest bestand aus den in solchen Situationen üblichen Worten; und auch wenn es vermutlich die letzten waren, rechnete ich es Mark hoch an, dass er den Anstand besaß, sich von mir zu verabschieden und mich vor weiteren Unannehmlichkeiten zu warnen, insbesondere von Ryan, diesem elenden Heuchler.

Auf unglaubwürdige Entschuldigungsversuche konnte ich verzichten – oder auf Links zu Videos auf youtube, womöglich zu Songs wie „Separate Ways“ von Journey, was eigentlich Mikes Spezialität gewesen war. Aber damit war es ein für alle Mal vorbei. Ungelesen löschen? Mit Vergnügen, denn jegliche Versuche von seiner Seite würden ohnehin zu nichts führen.

Hatte nicht damals jemand gespottet, dass Mark der bessere Manager als sein Bruder sei? Vielleicht hatte er oder sie damit gar nicht so falsch gelegen, aber diese Erkenntnis war im Nachhinein betrachtet, für mich nutzlos. Genauso nutzlos wie die Frage, wie es für OxyGen weiterging, falls es die Band überhaupt noch gab. Mark hatte Ryan zum Teufel gewünscht? Na hoffentlich. Und wenn das hieß, dass er hochkant bei OxyGen rausflog, umso besser; auch wenn ich wusste, dass meine Genugtuung darüber nicht lange anhalten würde.

Am meisten schmerzte mich der erlittene Verlust und die Gewissheit, dass von Mike nichts mehr kommen würde. Von ihm nicht, und auch nicht von seinem besten Freund. Das wurde mir mit jedem Kilometer, den ich meinem Bestimmungsort näher kam, so richtig bewusst, und ich wollte nur noch eines: diesen Alptraum hinter mir lassen und den Flug endlich hinter mich bringen, auch wenn ich der Begegnung mit Jenny mit gemischten Gefühlen entgegen sah. Ich nahm noch eine von den Tabletten, die man mir im Krankenhaus mitgegeben hatte und schloss die Augen.

Noch etwas benommen durch das langsam abklingende Beruhigungsmittel und die Auswirkungen der Zeitverschiebung, erwachte ich aus meinem Schlummer und folgte mechanisch den Anweisungen des Kabinenpersonals. Den Weg durch den halben Flughafen, die Gepäckabholung und durch den Zoll legte ich wie ferngesteuert zurück. Erst der Anblick des vertrauten Gesichts meiner besten Freundin in der Ankunftshalle brachte einen Funken Leben in mich zurück.

Ohne dass auch nur ein Wort nötig war, blieben wir voreinander stehen und sahen uns lange an. Die Frage, wer nach den letzten Wochen nun den ersten Schritt machen sollte, spielte keine Rolle mehr. Jenny verstand meinen Kummer auch so, ohne dass ich etwas sagte. Behutsam nahm sie mich in den Arm und hielt mich so lange, bis Nico mit einem Transportwagen für mein Gepäck auftauchte.

Auch auf der Fahrt nach Hause und in meinem alten Zimmer, das mir während meiner langen Abwesenheit fremd geworden war, wich sie nicht von meiner Seite und hielt meine Hände, bis mich nicht nur die Müdigkeit einholte, sondern auch die Gewissheit, dass ich zwar vieles verloren hatte, das mir alles bedeutet hatte, ich aber immer noch Menschen hatte, die mich liebten: Freunde und Familie. Mein sicherer Hafen, auch wenn ich eine zeitlang etwas anderes geglaubt hatte. Menschen, die zu mir hielten, egal wie groß der Mist auch war, den ich gebaut hatte. Und das würde mir keiner nehmen. Dafür würde ich sorgen, auch wenn es dafür Zeit brauchte. Viel Zeit.

Ende

# Writing Friday 2020 – September, 37. Woche : Die Standpauke

Bei den Themen des #Writing Friday auf dem Blog von elizzy ist jetzt auch der Herbst eingekehrt. So langsam wird es jetzt wirklich kühl, doch ich denke gar nicht daran, die Fenster zu verrammeln, nur weil jetzt die Temperaturen sinken.

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude.

Wenn sich bunt das Laub verfärbt, machen Spaziergänge erst so richtig Spaß. Manche Freizeitbeschäftigungen dagegen weniger. Davon können meine recycelten Charaktere ein Lied singen.

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Die Standpauke

So, jetzt noch schnell die Wimpern getuscht, und dann kann es losgehen. Lucy schnappte sich ihr Täschchen und ließ Schlüssel, Lippenstift und ihr Taschengeld hineingleiten. Gleich würde es klingeln. Voller Vorfreude auf ihre Verabredung mit Alex nahm Lucy zwei Stufen auf einmal und streckte ihre Hand nach der Klinke aus.

So gehst Du mir nicht aus dem Haus!“

Die Stimme ihrer Mutter ließ Lucy mitten in der Bewegung wie erstarrt innehalten. Sie konnte sich schon denken, was jetzt kam. Was ihre Mutter wohl jetzt schon wieder zu nörgeln hatte – ihr Outfit war doch einwandfrei. Die knielangen Stiefel, die sie zu ihrem neuen, nicht zu kurzen Strickkleid in Beerentönen trug, brachten ihre wohlgeformten Beine zur Geltung. Alex würde Augen machen, wenn er sie so sah. Handschuhe hatte sie auch dabei, also alles bestens.

Oh Mann!“ schnaubte Lucy und rollte mit den Augen.

Ich bin nicht Dein Mann, junges Fräulein.“ baute sich ihre Mutter hinter ihr auf. „Hast Du mal aus dem Fenster geschaut? Draußen ist es viel zu kühl für diesen dünnen Fummel. Und nur in der Jeansjacke? Vergiss es. Du ziehst sofort Deinen Mantel an, sonst…“

Wie bitte? Sie sollte ihren Mantel anziehen? Das olle Ding? Wie sollte sie denn damit auf Alex‘ Maschine steigen, und außerdem war die Jacke doch viel cooler. Ganz in schwarz. Perfekt zu ihrem Date.

Sonst – was?“ fragte Lucy genervt.

Ach, schnippisch werden wir auch noch“, gab ihre Mutter zurück. „So nicht, junge Dame. Nicht in diesem Ton. Aber Du kannst gerne Deinem Bruder im Garten beim Laubfegen Gesellschaft leisten. Jetzt, wo Tom den Geräteschuppen so schön aufgeräumt hat, warten die Rechen schon auf ihren Einsatz.“

Die Rechen? Tolle Wurst! Mit einem Laubsauger wären sie um so vieles schneller gewesen, aber ihre Eltern hielten moderne Geräte für überflüssigen Schnickschnack. Und jetzt mischte sich auch noch Tom ein.

Ach komm schon, Schwesterherz, Bewegung ist gesund und hat noch keinem geschadet“, stichelte er, „auch Dir nicht.“

So eine Frechheit! Na warte… Aber ehe sie Tom die passende Antwort geben konnte, klingelte es an der Tür. Alex! Hastig drückte Lucy die Klinke hinunter und riss die Tür auf. „Hallo Schatz“, rief Lucy außer Atem und eine halbe Oktave höher als beabsichtigt. Sie wusste, dass Tom, der noch immer im Flur stand, Alex nicht leiden konnte und betonte das ‚Schatz‘ mit besonderem Nachdruck, um ihren Bruder zu ärgern.

Nanu, so stürmisch?“, grinste ‚Schatz‘ belustigt, setzte aber sofort wieder eine halbwegs ernsthafte Miene auf, als er sah, wie finster Tom ihn anstarrte. Was auch immer er ihm getan hatte, aber Öl ins Feuer zu gießen, musste auch nicht sein. Formvollendet überreichte er statt dessen Lucys Mutter ein Sträußchen Blumen und entschuldigte sich für seine Verspätung.

Blumen? Ha! So ein Schleimer, ärgerte sich Tom – seine Eltern hatte dieser Kerl ja schnell um den kleinen Finger gewickelt, aber nicht mit ihm. Reichte es nicht, dass sie ihm die ganzen Strafarbeiten aufgebrummt hatten, während Lucy die letzten Wochen über absolute Narrenfreiheit genoss und dieser langhaarige Typ hier ein und aus gehen durfte. Und das, obwohl sie nicht gerade darüber entzückt waren, dass er Motorrad fuhr. Ein nicht ganz ungefährlicher Spaß, gerade im Herbst.

Blumen? Aber das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen… Kommen Sie doch herein und trinken Sie eine Tasse Kaffee mit uns, so lange Lucy ihren Mantel holt.“

So lange Lucy ihren Mantel holt, äffte Lucy die Stimme ihrer Mutter innerlich nach, hielt sich aber zurück. „Blumen? Wie hast Du denn die auf dem Motorrad transportiert?“

Nicht mit dem Motorrad. Das ist in der Werkstatt, nach meinem kleinen Mißgeschick gestern mit nassen Blättern auf der Fahrbahn, nachdem so ein Idiot…“

Erschrocken hielt Lucy die Luft an, als sie das Pflaster über seiner rechten Schläfe sah, aber außer ein paar Schrammen schien er nichts abbekommen zu haben. Da hatte er ja noch mal richtig Glück gehabt, und sie gleich mit. Wenn sie an dem Tag hinten drauf gesessen hätte. Da war eine zu dünne Jacke noch das geringste Problem. Oder gar ein altmodischer Mantel, aber den sollte sie nun wirklich mal langsam holen.

Sie hauchte Alex ein Küßchen auf die Wange und ging nachdenklich nach oben.

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698 Wörter einschließlich Überschrift. Na bitte, geht doch. Und das Recycling von Charakteren scheint ja prächtig zu funktionieren. Mal sehen, wem ich noch zu einem Wiedersehen verhelfe. Diese Momentaufnahme ist Teil eines längerwährenden Projekts mit dem Titel „Nach dem Regen“:

Die Schreibthemen im September sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich an den Herbst erinnert oder eine Geschichte erzählt, die im Herbst spielt. +++ 2) Eine Kräuterhexe mixt eine besonderen Tee, für wen ist dieser und welche magische Wirkung hat dieser? Verpacke das ganze in eine kleine Geschichte. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter ein: Laub, kühl, gesund, Beeren, Vorfreude. +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Von Natur aus war Lara eigentlich nicht so, doch…“ beginnt. +++ 5) Der uralte Baum im Park soll gerettet werden, wie verhinderst du das?

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Die 5 Besten am Donnerstag : die besten Filmmusicals

Ein neues schönes Thema gibt es heute bei den Besten am Donnerstag bei passionofarts – nämlich um Filmmusicals bzw. Musicalfilme; ein wirklich weites Feld, bei dem es die ein oder andere Überschneidungen geben wird, auch wenn ich mich bemüht habe, diese weitgehend zu vermeiden – die Filme, die ich schon gesehen habe, erscheinen in chronologischer Reihenfolge und stellen keine Wertung dar.

1 : West Side Story (1961)

Den Anfang macht ein Klassiker, den ich bestimmt schon drei- oder viermal gesehen habe. Das Werk stammt aus den 60er Jahren und soll dieses Jahr als Remake im Dezember in die Kinos kommen. Ich bin schon gespannt, ob die Adaption von Stephen Spielberg mit der von Robert Wise und Jerome Robbins mithalten kann. Als Kostprobe gibt es eine Einspielung, die es auf die LP zu dem Film nicht geschafft hat und die zeigt, was passiert, wenn das Problem von einem zum anderen weitergereicht wird (Gee! Officer Krupke)

https://youtu.be/j7TT4jnnWys?t=0

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2 : Jesus Christ Superstar (1973)

Die letzten Tage Christi, vertont von Andrew Lloyd Webber und verfilmt von Norman Jewison. Was wäre ein Musical ohne eine gefühlvolle Ballade. Hier ist es Maria Magdalena, die nicht weiter weiß:

https://youtu.be/lS2nX4fuzqc?t=0

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3 : Grease (1978)

Vom Mauerblümchen zur Femme Fatale – ein immer wieder gerne umgesetztes Thema, das auf der Bühne schon unzählige Aufführungen erlebt hat; doch die Filmversion fand ich bisher am gelungensten. Hier glänzen in den Hauptrollen Olivia Newton-John und John Travolta. Hier mal ein anderer Song als der allseits bekannte „You’re the one that I want“. Was man seiner Clique so erzählt, wenn es um einen heißen Urlaubsflirt geht: „Summer Nights“

https://youtu.be/ZW0DfsCzfq4

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4 : Sweeney Todd – der teuflische Barbier aus der Fleet Street (2007)

Die Stammbesetzung von Tim Burton in Action. Johnny Depp als Benjamin Barker, der aus Rache an dem Mann, der ihm alles genommen hat, zum Massenmörder wird: Wer auf seinem Barbierstuhl Platz nimmt, ist des Todes, denn zuerst schneidet Barker dem Opfer die Kehle durch und befördert es dann umgehend mittels eines ausgeklügelten Mechanismus in den Keller, wo die Pastetenbäckerin Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter) schon den Backofen angeheizt hat. Gruselig, böse und dreckig… einzig die Traumsequenzen erstrahlen in bonbonbunten Farben (By the sea)

https://youtu.be/O1-lkTgl-ws

Ansonsten ist der Film sehr düster gehalten – hier ein vertonter Wettbewerb. Nicht das Große Backen, sondern ein Rasierwettbewerb zu Werbezwecken – Zitat „When Jack Sparrow takes part in a shaving contest against Borat and under the judgment of Peter Pettigrow, you know shit is serious“:

https://youtu.be/srR56T9-j5M?t=0

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5 : Sunshine on Leith (2013)

Eine Klasse für sich sind die sogenannten Jukebox-Musicals. Böse Zungen würden solche Musicals auch Nummernrevue nennen… in diesem Fall stammen alle Lieder in diesem Film von dem schottischen Duo „The Proclaimers“ – aus ihnen wurde eine in sich schlüssige Geschichte um Liebe und familiäre Verwicklungen entwickelt – mit einem Happy End und einer Massentanzszene bei den Princes Street Gardens. Scottish Accent ahead!

https://youtu.be/XkCX-AIat2s?t=0