# Writing Friday 2020 – Oktober, 43. Woche – Story 2 : Area 51 – Teil eins

Beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy geht es diesmal um schaurige Themen. Bald ist Halloween… und ich werde unseren Keller meiden. Damit mir nicht das Gleiche passiert…

Jo ist frisch in ein neues Haus gezogen. Was sie nicht weiß; In diesem Haus lebte einmal ein Serienmörder. Beim Einzug, wird ihr aber schnell klar, hier stimmt etwas nicht. Als sie dann zum ersten Mal den Keller betritt… (Schmücke die Geschichte aus und schreibe weiter)

… auch wenn in unserem Haus kein Serienmörder gelebt hat. Dazu eignen sich andere Gemäuer besser – wie in diesem Zweiteiler zum Abschluss des Horrorctobers.

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Area 51 – Teil eins

„So, und nun kommen wir zum letzten Teil unseres Rundgangs“.

Jo wurde eine Taschenlampe ausgehändigt, dann traten sie ins Freie. Interessiert sah sie sich um: Umgeben von historischen Fabrikgebäuden, eine Sinfonie aus rotem Backstein und schwarzen Elementen aus Gusseisen, musste Jo zugeben, dass ihr neuer Arbeitsplatz ihre kühnsten Träume überstieg. Bei ihrer Bewerbung für die ausgeschriebene Stelle zum Facility Manager (w/m/d) hatte sie keine Ahnung gehabt, dass es sich bei Area 51 um einen stillgelegten und zu einer trendigen Location umgebauten Schlachthof aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert handelte.

Nun stand sie mit David Harper, bei dem sie das Bewerbungsgespräch hatte, auf dem gepflasterten Hof und zeigte sich beeindruckt. Das war doch etwas ganz anderes als die Betonbauten, mit denen sie beim Anblick der großflächigen Tafeln entlang der Schnellstraße auf dem Weg hierher insgheim gerechnet hatte: „Welcome to Mitchell Island – new industrial sites for lease“.

Als neu konnte man Area 51 nun wirklich nicht bezeichnen, und wenn sie danach ging, was Harper über diesen angesagten Ort für Firmenevents, After-Work-Partys und ähnliche Veranstaltungen erzählte, konnte sie sich nur zu gut vorstellen, wie sehr der Laden erst an den Wochenenden brummen musste. Hier zu arbeiten, kam für Jo einem Sechser im Lotto gleich, vor allem schon deswegen, weil sich die winzige Hausmeisterwohnung auf demselben Areal befand. Im Geiste sah sie sich schon nach getaner Arbeit bei einem Glas Wein entspannen, doch noch war der Rundgang nicht beendet. Auf sie wartete noch das Untergeschoss mit unzähligen Lagerräumen und antiquierter Technik: Sicherungen aus Porzellan, die seit den Sechziger Jahren garantiert nicht mehr erneuert worden waren. Hier wartete jede Menge Arbeit auf sie, aber genau das brauchte sie jetzt.

Ob es wirklich so gut war, so dicht bei seinem Arbeitsplatz zu wohnen, gab Sophie zu bedenken, als Jo ihr am Abend bei einem Glas Wein von dem Interview mit David Harper erzählte, das erfolgreich gelaufen war. Ihre Schwester war eine Verfechterin der Trennung von Job und Privatleben. Davon aber wollte Jo nichts hören und zeigte ihr begeistert die Fotos, die sie nach der Schlüsselübergabe geknipst hatte. Eins musste Sophie ihr lassen: Der Gebäudekomplex hatte einen gewissen Charme, sonst hätte nicht erst kurz vorher eine Plattenfirma ihr Jubiläum mit einer großen Halloweenparty gefeiert. Und warum eigentlich nicht, dachte sie, wenn es Jo glücklich machte – vielleicht hatte sie nach ihrem Fiasko mit Aidan ja zur Abwechslung mal das große Los gezogen.

Jos Sachen waren am nächsten Tag schnell aus Sophies Loft in die kleine Souterrainwohnung geschafft, obwohl Sophie es nichts ausgemacht hätte, ihre Schwester noch ein wenig länger zu beherbergen. Nun aber, da sie die Trennung von ihrem Verlobten und den Umzug von der Ost- an die Westküste hinter sich gebracht hatte, wurde es Zeit, auch die letzte Verbindung zu ihrem alten Leben zu kappen. Erschöpft aber zufrieden machte es sich Jo mit dem Rest des Weins vom Vorabend gemütlich. Ein sündteurer Nebbiolo d’Alba, der ihr zur nötigen Bettschwere und noch angenehmeren Träumen verhelfen würde, wie sie hoffte.

Nach einer unruhigen Nacht brach Jo am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang mit einem Werkzeugkasten und einer Taschenlampe auf, um das Problem mit den Sicherungen anzugehen, die schon auf der Halloweenparty von Spirit Chase Records für unnötigen Stress gesorgt hatten. Wie schon befürchtet, war das Ausmaß größer als befürchtet – es waren nicht nur zwei Sicherungen, sondern fast ein Dutzend, das unrettbar verloren war. Ein teurer Spaß. David Harper würde wenig erfreut sein, denn viele davon waren wichtig für den Betrieb des Eishauses, das ihm ganz besonders am Herzen lag. Wenn sie sich recht an ihr Gespräch erinnerte, hatte man zwar den Schlachthof stillgelegt, aber nicht die Eisfabrik, die täglich bis zu 15 Tonnen Blockeis herstellen konnte; es gab sogar einen eigenen Wasserturm für die Wasserversorgung. Schon an ihrem ersten Tag Probleme im neuen Job? Auf diese „Beichte“ gegenüber ihrem Vorgesetzten in aller Frühe freute sich Jo wirklich nicht, aber je eher sie die unangenehme Pflicht hinter sich brachte, desto besser. Gut, dass noch niemand außer ihr da war, denn beim Überbringen der schlechten Nachricht gestört zu werden, konnte sie nicht gebrauchen. Gut, dass es eine Abkürzung gab, die an den Lagerräumen für die Eisblöcke vorbeiführte.

Ein Geräusch von links ließ Jo zusammenzucken. Ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem metallischen Schaben und einem Klirren wie von Ketten. Das gleiche Geräusch, das sie in der Nacht aus dem Schlaf hatte hochschrecken lassen und das sie für eine Folge des restlichen Rotweins gehalten hatte. Neugierig, wer noch so ein Frühaufsteher wie sie war, öffnete sie die schwere Stahltür.

Doch der Raum war leer.

(Fortsetzung folgt)

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Und hier haben wir ihn wieder, meinen Drang, eine Geschichte haarklein auszuschmücken. Woher mag dieses Geräusch kommen? Und was steckt dahinter? Bleiben Sie dran – am nächsten Freitag präsentiere ich den zweiten Teil. Der zum wahren Horrortrip wird – ein blutiger Alptraum.

Die Schreibthemen im Oktober sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich das Grauen gelernt hat. + 2) Graf Dracula kriegt Besuch von Frankenstein, berichte davon. Welche Pläne schmieden sie? Worüber diskutieren sie? + 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Blut, Mordpläne, Spinnenweben, schaurig, Schock + 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Er zog genüsslich das Messer aus ihrer Brust, wischte es ab und…” beginnt. + 5) Jo ist frisch in ein neues Haus gezogen. Was sie nicht weiss; In diesem Haus lebte einmal ein Serienmörder. Beim Einzug, wird ihr aber schnell klar, hier stimmt etwas nicht. Als sie dann zum ersten Mal den Keller betritt… (Schmücke die Geschichte aus und schreibe weiter)

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

# Writing Friday 2020 – Oktober, 43. Woche – Story 1 : Ein Tisch für zwei

Beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy geht es diesmal um schaurige Themen. Wir nähern uns unaufhaltsam Halloween, und da wäre es doch mal nett, wenn wir die klassichen Vertreter des beliebten Genres aufeinandertreffen lassen:

Graf Dracula kriegt Besuch von Frankenstein, berichte davon. Welche Pläne schmieden sie? Worüber diskutieren sie?

Wird es eine philosophisch angehauchte Debatte? Oder eine außergewöhnliche Weinverkostung? Oder gar eine Selbsthilfegruppe für vergessene Schreckgespenster? Sehen Sie selbst.

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Ein Tisch für zwei

Was – schon sieben? Gleich wird sie klingeln, und ich habe noch nichts fertig. Zu hülf!

Panda in Panik! Sonst war Vladimir die Ruhe selbst, aber jetzt fragte er sich, was in seinem Kopf vorgegangen war, als er sie zu sich nach Hause eingeladen hatte. Ein romantisches Dinner für zwei zwischen Umzugskartons? Wie romantisch! Nein, einen solchen Empfang hatte sie nicht verdient, und nun rächte es sich, dass er das Wegräumen bis zur letzten Minute aufgeschoben hatte. Diesen Hang hatte er wohl von seinem Vater geerbt, dessen Idee es gewesen war, hierher zu ziehen. Als Spätaussiedler waren sie froh gewesen, das Haus auf dem Hügel für einen Spottpreis zu bekommen, hatte es doch ewig leer gestanden. Jenseits des verwilderten Gartens reihte sich Grab an Grab und Gruft an Gruft. Seine Mutter war über „die ruhigsten Nachbarn, die man sich wünschen konnte“, begeistert gewesen, und sein Bruder Wassili hatte beim Anblick der Grablichter noch einen drauf gesetzt: „Willkommen im Rotlichtviertel!“

Am liebsten hätte Vladimir seinen älteren Bruder auf den Mond geschossen, aber wenigstens waren er und die Eltern so nett, zu einer Firmenfeier aufzubrechen, damit er „sturmfreie Bude bei seinem ersten Date“ hatte. Die dumme Bemerkung seines anzüglich grinsenden Bruders war ihm keine Hilfe, und beinahe wäre ihm die Karaffe aus den vor Aufregung klammen Händen gerutscht, als der Türgong in die Stille hinein dröhnte. Nervös fuhr er sich durch das wirr abstehende Haar und öffnete die Tür. Da stand sie und lächelte: In ihrem weinroten Samtkleid, das ihre dunklen Locken und ihren blassen Teint unterstrich, sah sie mehr denn je zum Anbeißen aus. Vladimir reichte ihr die Hand und führte sie in den von Kerzen in neunarmigen Leuchtern erhellten Wintergarten. Dort wartete die stilvoll gedeckte Tafel, umringt von Palmen und Riesenfarnen bereits auf sie. Das Kerzenlicht ließ die hervorlugenden Kartons im Hintergrund verschwinden.

Beseelt hielt Victoria auf der Schwelle inne und bewunderte den Glanz, der von dem Raum mit meterhohen Fenstern und der schmiedeeisernen Wendeltreppe ausging; dass Vladimir sie formvollendet an ihren Platz geleitete, rundete das Bild ab und versetzte sie in frühere Zeiten. Ihr Kavalier schien sich zu fragen, warum so eine zarte Elfe wie sie eine so schwere Tasche mit sich herumtrug, und so blieb sie ihm die Antwort nicht schuldig. Sie setzte ihre Last ab und öffnete den Deckel. Zum Vorschein kamen jede Menge Eis und eine Flasche Sekt, aber nicht irgendeiner – rubinrot musste er sein und aus der Ukraine, dem feierlichen Anlass gebührend. Victoria schielte nach dem altertümlichen Radio in seinem Gehäuse aus Bakelit in ihrem Blickfeld.

Feierlicher Anlass? Fragend musterte Vladimir seinen Gast. Dass auch sie sich freute, ihn zu sehen, ließ sein Herz zwar höher schlagen, aber eine solche Übertreibung für ein erstes Rendez-vous?

Jetzt gab sich Victoria ihrerseits überrascht: Ja, wusste ihr Verehrer denn nicht, dass dieser Abend ein ganz besonderer war? Warte, warte nur ein Weilchen… aber nicht zu lange – dann räusperte sie sich und bat ihn, den Schaumwein auf Eis zu legen, denn in Kürze würde es etwas zu feiern geben: Punkt acht würde man im Radio verkünden, wem man dieses Jahr den Nobelpreis zu verleihen gedachte. Ganz fest glaubte sie daran, dass ihr zur Zeit in Stockholm weilender Vater, Victor Frankenstein VI, Wissenschaftler in der siebten Generation, diesmal nicht leer ausgehen und die Reputation der Frankensteins auf diese Weise wieder herstellen würde.

Es musste schon mit dem Teufel zugehen, wenn ihm nicht die Lorbeeren für ein Heilmittel gegen das Coronavirus zufielen.

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„Story 1“ bedeutet, dass es noch eine weitere gibt. Tatsächlich stand noch eine Aufgabe aus, und das Ergebnis ist so lang geworden, dass ich es splitten musste. Schließlich soll es ja gruselig werden.

Die Schreibthemen im Oktober sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich das Grauen gelernt hat. +++ 2) Graf Dracula kriegt Besuch von Frankenstein, berichte davon. Welche Pläne schmieden sie? Worüber diskutieren sie? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Blut, Mordpläne, Spinnenweben, schaurig, Schock +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Er zog genüsslich das Messer aus ihrer Brust, wischte es ab und…” beginnt. +++ 5) Jo ist frisch in ein neues Haus gezogen. Was sie nicht weiss; In diesem Haus lebte einmal ein Serienmörder. Beim Einzug, wird ihr aber schnell klar, hier stimmt etwas nicht. Als sie dann zum ersten Mal den Keller betritt… (Schmücke die Geschichte aus und schreibe weiter)

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.