# Writing Friday 2020 – Oktober, 43. Woche – Story 1 : Ein Tisch für zwei

Beim #Writing Friday auf dem Blog von elizzy geht es diesmal um schaurige Themen. Wir nähern uns unaufhaltsam Halloween, und da wäre es doch mal nett, wenn wir die klassichen Vertreter des beliebten Genres aufeinandertreffen lassen:

Graf Dracula kriegt Besuch von Frankenstein, berichte davon. Welche Pläne schmieden sie? Worüber diskutieren sie?

Wird es eine philosophisch angehauchte Debatte? Oder eine außergewöhnliche Weinverkostung? Oder gar eine Selbsthilfegruppe für vergessene Schreckgespenster? Sehen Sie selbst.

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Ein Tisch für zwei

Was – schon sieben? Gleich wird sie klingeln, und ich habe noch nichts fertig. Zu hülf!

Panda in Panik! Sonst war Vladimir die Ruhe selbst, aber jetzt fragte er sich, was in seinem Kopf vorgegangen war, als er sie zu sich nach Hause eingeladen hatte. Ein romantisches Dinner für zwei zwischen Umzugskartons? Wie romantisch! Nein, einen solchen Empfang hatte sie nicht verdient, und nun rächte es sich, dass er das Wegräumen bis zur letzten Minute aufgeschoben hatte. Diesen Hang hatte er wohl von seinem Vater geerbt, dessen Idee es gewesen war, hierher zu ziehen. Als Spätaussiedler waren sie froh gewesen, das Haus auf dem Hügel für einen Spottpreis zu bekommen, hatte es doch ewig leer gestanden. Jenseits des verwilderten Gartens reihte sich Grab an Grab und Gruft an Gruft. Seine Mutter war über „die ruhigsten Nachbarn, die man sich wünschen konnte“, begeistert gewesen, und sein Bruder Wassili hatte beim Anblick der Grablichter noch einen drauf gesetzt: „Willkommen im Rotlichtviertel!“

Am liebsten hätte Vladimir seinen älteren Bruder auf den Mond geschossen, aber wenigstens waren er und die Eltern so nett, zu einer Firmenfeier aufzubrechen, damit er „sturmfreie Bude bei seinem ersten Date“ hatte. Die dumme Bemerkung seines anzüglich grinsenden Bruders war ihm keine Hilfe, und beinahe wäre ihm die Karaffe aus den vor Aufregung klammen Händen gerutscht, als der Türgong in die Stille hinein dröhnte. Nervös fuhr er sich durch das wirr abstehende Haar und öffnete die Tür. Da stand sie und lächelte: In ihrem weinroten Samtkleid, das ihre dunklen Locken und ihren blassen Teint unterstrich, sah sie mehr denn je zum Anbeißen aus. Vladimir reichte ihr die Hand und führte sie in den von Kerzen in neunarmigen Leuchtern erhellten Wintergarten. Dort wartete die stilvoll gedeckte Tafel, umringt von Palmen und Riesenfarnen bereits auf sie. Das Kerzenlicht ließ die hervorlugenden Kartons im Hintergrund verschwinden.

Beseelt hielt Victoria auf der Schwelle inne und bewunderte den Glanz, der von dem Raum mit meterhohen Fenstern und der schmiedeeisernen Wendeltreppe ausging; dass Vladimir sie formvollendet an ihren Platz geleitete, rundete das Bild ab und versetzte sie in frühere Zeiten. Ihr Kavalier schien sich zu fragen, warum so eine zarte Elfe wie sie eine so schwere Tasche mit sich herumtrug, und so blieb sie ihm die Antwort nicht schuldig. Sie setzte ihre Last ab und öffnete den Deckel. Zum Vorschein kamen jede Menge Eis und eine Flasche Sekt, aber nicht irgendeiner – rubinrot musste er sein und aus der Ukraine, dem feierlichen Anlass gebührend. Victoria schielte nach dem altertümlichen Radio in seinem Gehäuse aus Bakelit in ihrem Blickfeld.

Feierlicher Anlass? Fragend musterte Vladimir seinen Gast. Dass auch sie sich freute, ihn zu sehen, ließ sein Herz zwar höher schlagen, aber eine solche Übertreibung für ein erstes Rendez-vous?

Jetzt gab sich Victoria ihrerseits überrascht: Ja, wusste ihr Verehrer denn nicht, dass dieser Abend ein ganz besonderer war? Warte, warte nur ein Weilchen… aber nicht zu lange – dann räusperte sie sich und bat ihn, den Schaumwein auf Eis zu legen, denn in Kürze würde es etwas zu feiern geben: Punkt acht würde man im Radio verkünden, wem man dieses Jahr den Nobelpreis zu verleihen gedachte. Ganz fest glaubte sie daran, dass ihr zur Zeit in Stockholm weilender Vater, Victor Frankenstein VI, Wissenschaftler in der siebten Generation, diesmal nicht leer ausgehen und die Reputation der Frankensteins auf diese Weise wieder herstellen würde.

Es musste schon mit dem Teufel zugehen, wenn ihm nicht die Lorbeeren für ein Heilmittel gegen das Coronavirus zufielen.

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„Story 1“ bedeutet, dass es noch eine weitere gibt. Tatsächlich stand noch eine Aufgabe aus, und das Ergebnis ist so lang geworden, dass ich es splitten musste. Schließlich soll es ja gruselig werden.

Die Schreibthemen im Oktober sind: 1) Stelle uns ein Buch vor, das dich das Grauen gelernt hat. +++ 2) Graf Dracula kriegt Besuch von Frankenstein, berichte davon. Welche Pläne schmieden sie? Worüber diskutieren sie? +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Blut, Mordpläne, Spinnenweben, schaurig, Schock +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Er zog genüsslich das Messer aus ihrer Brust, wischte es ab und…” beginnt. +++ 5) Jo ist frisch in ein neues Haus gezogen. Was sie nicht weiss; In diesem Haus lebte einmal ein Serienmörder. Beim Einzug, wird ihr aber schnell klar, hier stimmt etwas nicht. Als sie dann zum ersten Mal den Keller betritt… (Schmücke die Geschichte aus und schreibe weiter)

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

6 Kommentare zu “# Writing Friday 2020 – Oktober, 43. Woche – Story 1 : Ein Tisch für zwei

  1. Der Anfang war sehr amüsant zu lesen, ich habe viel geschmunzelt! 😀 Gegen Ende bin ich dann neugierig geworden… Was hat es mit dem Vater auf sich? Wird er den Preis bekommen? Irgendwie habe ich das Gefühl, da kommt noch ein Plottwist… Ich bleibe gespannt!

    Liebe Grüße
    Alina

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