Mein Kinojahr 2020 : Der Horrorctober – 2/2

Weiter geht es mit einer Aktion, bei der ich zum zweiten Mal mit von der Partie bin. Gut, dass ich mir meine Liste selbst zusammenstellen kann, denn ich versuche, ein möglich breites Spektrum abzudecken, ohne dass es dabei zu blutig zugeht. Auch dieses Jahr habe ich meinen Beitrag in zwei Teile gesplittet.

Den ersten Teil gab es am 11. Oktober – heute folgen die nächsten Filme, weitgehend ausgeliehen aus unserer Stadtbücherei:

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Fortsetzung

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

+ Morty + Ouija – spiel nicht mit dem Teufel + Paranormal Activity + Ring – das Original + So finster die Nacht + The Neon Demon + The Crow + Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits +

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Morty (1995): Kommt ein Mann zum Arzt… in dem Fall ist der Arzt Psychologe (Wes Craven) und Mentor des Psychologiestudenten Richard, der einige Komilitonen in eine gemütliche Hütte irgendwo in den Wäldern zu einem Wochenendworkshop einlädt, bei dem sie sich ihren Ängsten stellen sollen. Die Idee wäre an sich nicht schlecht, gäbe es da nicht eine lebensgroße Holzpuppe namens Morty, vor der Richard schon als Kind Angst hatte – und weil alle so beeindruckt von dem hölzernen Gesellen sind, lassen sie sich dazu überreden, der Figur ihre Ängste anzuvertrauen. Leider aber hat vor Urzeiten ein Indianer die Puppe mit einem Fluch belegt, und nun macht sie sich auf, die Wochenendgäste das Fürchten zu lehren. Ach, hätten sie den Kerl doch bloß da gelassen, wo er die ganze Zeit über war, nämlich in der Schublade. So aber durfte ich mich durch einen Film langweilen, bei dem das einzig Gruselige die schauderhafte und stets wiederkehrende Synthesizermusik war.

⪥⪥⪥

Ouija – spiel nicht mit dem Teufel (2014): Ouija – Gläserrücken 2.0, ein Spiel mit drei ganz einfachen Regeln. Erstens: Spiel es nicht alleine; zweitens: Spiel es niemals auf einem Friedhof; drittens: Sag stets Auf Wiedersehen… wenn es denn einfach bloß ein Spiel wäre. Dem ist nicht so, denn in früheren Zeiten waren Seancen, bei denen die Geister Verstorbener durch ein Medium zu den Anwesenden sprachen, sehr beliebt – und mit einem solchen Brett versuchen ein paar Teenager, Kontakt zu ihrer vor kurzem durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Freundin Debbie aufzunehmen. Damit beschwören sie jedoch einen bösen Geist herauf, der sie fortan verfolgt und einen nach dem anderen in den Tod treibt. Den als Prequel gefilmten Nachfolger habe ich letztes Jahr bereits gesehen und wollte das Experiment nicht noch einmal wiederholen.

⪥⪥⪥

Paranormal Activity (2007): Nachdem ich bei meinem letzten Versuch, einen Film über einen Poltergeist anzusehen, mittendrin eingeschlafen bin, habe ich bei dieser mit relativ niedrigem Budget von 15000 Dollar gedrehten Produktion ähnliches erwartet. Die Kritiken überschlagen sich ja auch nicht gerade mit Lob, da in dem Film im Stil einer Dokumentation eigentlich nicht wirklich viel passiert: Ein junges Paar wird Nacht für Nacht von einer unsichtbaren Präsenz terrorisiert, und so kommt er auf die Idee, das nächtliche Geschehen mit einer im Schlafzimmer aufgebauten Kamera zu dokumentieren. Ein hinzugezogener Experte bleibt ratlos, und es kommt heraus, dass es der Dämon oder Geist auf die junge Frau abgesehen hat und ihr überall hin folgt, seit sie acht Jahre alt ist. Zwischendurch kommt ein Ouija-Brett zum Einsatz, und irgendwann wird aus der akustischen Bedrohung eine körperliche mit blutigem Ausgang. Wie gesagt, hatte ich nichts besonderes erwartet, aber bei abgehackt wirkenden Bewegungen wird mir ganz seltsam, und bei manchen Geräuschen musste ich an ein eigenes Erlebnis aus dem letzten Jahr denken, bei dem ich heute noch eine Gänsehaut bekomme. Fazit: Filme über Poltergeister schaue ich mir so schnell nicht mehr an.

⪥⪥⪥

Ring – das Original (1998): Abgehackte Bewegungen, Teil 2. Wenn Du ein bestimmtes Video siehst, und danach einen Anruf erhältst, in dem man Dir verkündet, dass Du in sieben Tagen stirbst, dann klingt das zunächst nach einem schlechten Scherz. In der japanischen Verfilmung eines Romans von Kōji Suzuki sterben jedoch tatsächlich die Personen, die das mysteriöse Video, das scheinbar aus einer Aneinanderreihung verstörender und scheinbar keinen Sinn ergebender Szenen besteht, nach genau sieben Tagen mit vor Grauen verzerrten Gesichtern. Auf ihrer Spurensuche kommen die Journalistin Asakawa und ihr Ex-Mann hinter die grauenerregende Wahrheit und öffnen bei dem Versuch, dem Bösen ein Ende zu bereiten, erst recht die Büchse der Pandora. Die amerikanische Neuverfilmung habe ich 2002 im Kino gesehen, jetzt musste das Original her. Welche Version für mich die spannendere war, kann ich nicht sagen, da ich beide gut finde.

⪥⪥⪥

So finster die Nacht (2008): Von wegen Gruselschloss. In diesem Film aus Schweden befindet sich ein Vampir mitten unter den Bewohnern eines tristen Stockholmer Vororts, heißt Eli und ist 12 Jahre alt (und das schon seit Jahren). Trotz des älteren Helfers, mit dem sie zusammenlebt und der für sie auf die Jagd nach Opfern geht, deren Blut er abzapft, ist Eli einsam. Eines Abends lernt Eli auf dem Spielplatz der Siedlung den gleichaltrigen Nachbarsjungen Oscar kennen, der in der Schule terrorisiert wird. Im Lauf der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine Freundschaft, und Oscar beginnt, sich gegen seine Peiniger zu wehren. Besonders gruselig fand ich den Film nicht, aber dafür sehr melancholisch und rührend zugleich, und stellenweise fast schon poetisch. Ein Higlight.

⪥⪥⪥

The Neon Demon (2016): Das war nix: 16jähriges Nachwuchsmodel wird zur Bedrohung für die Konkurrenz, der die Felle wegschwimmen bzw. die Aufträge wegbleiben. Abgesehen von der Frage, wie die weibliche Hauptperson ohne Job ihr Motelzimmer bezahlen kann und es schafft, sich den schmierigen Motelbesitzer vom Hals zu halten, waren in diesem Kunstfilm die Schockmomente dünn gesät und bestanden aus blutigen bis abstoßenden Szenen zum Thema Nekrophilie und Kannibalismus. Mag sein, dass der Film mit Keanu Reeves in einer winzigen und unsympathischen Nebenrolle als künstlerisch wertvoll eingestuft und die Musik preiswürdig ist. Aber bei diesem surrealen Ausflug in die Welt des Mode(l)business habe ich mich gefragt, ob ich nicht mit Heidi Klums immerwährenden Suche nach Deutschlands Topmodel besser dran gewesen wäre.

⪥⪥⪥

The Crow (1994): Wenn Tote keine Ruhe finden, kann eine Krähe sie ins Diesseits zurückbringen – nämlich dann, wenn sie auf besonders tragische Weise verstorben sind, so wie Eric Draven (Brandon Lee) und seine Verlobte Shelly Webster, in dieser düsteren Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von James O’Barr. Ein Jahr zuvor sind Eric und Shelly in der Nacht vor Halloween einer Gang auf bestialische Weise zum Opfer gefallen, nun kehrt Eric aus dem Grab zurück und begibt sich in der Maske eines Harlekins auf einen Rachefeldzug und knöpft sich ein Gangmitglied nach dem anderen vor, bis er dem Kopf der Bande gegenüber steht. Sie sind bereits tot, sie wissen es nur noch nicht. Damit ist über das unausweichliche Ende fast schon alles gesagt. Visuell und akustisch für mich absolut top, und von diesem Teil meiner Liste für den Oktober bisher mit Abstand der beste Film.

⪥⪥⪥

Voice from the Stone – Ruf aus dem Jenseits (2017): Ein Junge, der seit dem Tod seiner Mutter kein Wort mehr gesprochen hat, aber dafür ihre Stimme aus der Wand zu ihm sprechen hört, ein überforderter Vater und ein Kindermädchen, dessen Aufgabe es ist, den Jungen zum Sprechen zu bringen. Angesiedelt in der Toskana der 50er Jahre und gefilmt in melancholischen Bildern, habe ich lange gerätselt, warum unsere Stadtbücherei dieses Werk mit Emilia Clarke in die Kategorie „Horror“ einsortiert hat. Gemächlich plätschert die Handlung dahin, eine Liebesgeschichte scheint sich anzubahnen, doch dann standen mir stellenweise wirklich die Haare zu Berge. Schon allein die Vorstellung von dem Brauch, beim Bau des Hauses eine lebende Katze mit einzumauern, um das Böse abzuwehren. Der Grusel schleicht sich unbemerkt von hinten an, um hinterrücks zuzuschlagen. In den Kinos ist der Film bei uns überigens nie gelaufen, sondern gleich auf DVD veröffentlicht worden. Die schlechte Bewertung seitens Kritikern und Nutzern der IMDB-Datenbank war mir, ehrlich gesagt, egal. Und musikalisch gab’s auch nichts zu meckern.

⪥⪥⪥

Das war mein Horrorctober… Eigentlich waren nur 13 Filme geplant, aber dann sind es doch mehr geworden. Für den November habe ich mir Filme vorgenommen, die man dem „Film Noir“ zuordnen könnte, obwohl das Genre sich nicht klar definieren oder eingrenzen lässt. November Noir – in Anlehnung an den Noirvember. Und was im Dezember kommt? Vielleicht was fürs Herz, vielleicht immer wieder gern gesehene Klassiker? Lasst euch überraschen.