Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil eins

Eine Chance für die Filme, die es im Oktober nicht geschafft haben oder einen erneuten Durchlauf bekommen sollen?

Zum ersten Mal habe ich den Wunsch verspürt, bei der „Noirvember“ genannten Challenge mitzumachen, habe aber den Namen für mich etwas modifiziert. Ich habe mich nämlich schon öfters gefragt, was einen sogenannten Film Noir ausmacht. Elemente wie die Femme Fatale, den Privatdetektiv oder die Gangster? Eine besondere Stimmung? Eine besondere Art der Kameraführung und/oder Beleuchtung?

Da ich mich mit Zuordnungen schwertue, habe ich in unserer Bücherei bei den von A bis Z sortierten Klassikern zugegriffen, und herausgekommen ist eine Mischung, bei der sich bestimmt einige fragen, was ich mir dabei gedacht habe. Da die Grundstimmung dieser Auswahl ernst und melancholisch bis düster ist, passen sie vorzüglich zu dem gruseligen Wetter, das den November meistens bestimmt.

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+++ Warte, bis es dunkel ist +++ Taxi Driver +++ M – eine Stadt sucht einen Mörder +++ Die zwölf Geschworenen +++ Wartezimmer zum Jenseits +++ Niagara +++ Badlands – Zerschossene Träume +++

(Fortsetzung folgt)

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Warte, bis es dunkel ist (1967): Gangster auf der Suche nach einer mit Heroin gefüllten Puppe, die einem einem ahnungslosen Fluggast, dem Mann von Suzy Hendrix untergejubelt worden ist – nun versuchen die Verbrecher mit allen Tricks, aus Suzy (Audrey Hepburn) herauszubekommen, wo sie das Objekt der Begierde versteckt hat. Doch sie haben die blinde Frau unterschätzt, die die Herren schneller durchschaut, als ihnen allen lieb ist – bis sie sich mit dem psychopatischen Anführer (Alan Arkin) einen Kampf auf Leben und Tod liefert. Als mit ihrem Handicap hadernde Suzy Hendrix in diesem langsam, aber stetig Spannung aufbauenden Thriller spielt Audrey Hepburn für mich eine ihrer besten Rollen, und spätestens als in der Wohnung kein einziges Licht mehr brennt, ist der Bildschirm dann auch tatsächlich schwarz und damit wortwörtlich „noir“; die bedrohliche Musik tut ihr übriges, und der Jump Scare ist auch nicht von schlechten Eltern.

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Taxi Driver (1976): Weil er dringend Geld braucht und nachts nicht schlafen kann, fährt Travis Bickle (Robert De Niro) stets die Nachtschicht und dann auch noch in Gegenden, in die sich niemand gerne freiwillig begibt. Den ihm unterwegs begegnenden „Abschaum“ würde er am liebsten beseitigen. Im Lauf der Handlung zeigen sich seine sozialen Defizite immer deutlicher, sein Date mit einer Wahlkampfhelfern (Cybill Shepherd) gerät zum Fiasko, und sein Versuch, die minderjährige Prostituierte Iris (Jodie Foster) zu retten, endet auf tragische Weise. Der Verlierer als Held. Oder Antiheld. Je nachdem.

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M – eine Stadt sucht einen Mörder (1931): Nach monatelanger, erfolgloser Suche nach einem Kindermörder reicht es den organisierten Verbrechern, da die vielen Razzien schlecht fürs Geschäft sind. Nachdem man die Bettler eingespannt und die Stadt mit einem dichten Netz aus Spitzeln überzogen hat, dauert es nicht mehr lange, bis der Gesuchte in die Falle geht und man ihn einkesselt und verschleppt, um das Urteil über ihn zu sprechen. Auf dem Dachboden einer leerstehenden Schnapsfabrik entscheidet sich sein Schicksal.

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Die zwölf Geschworenen (1957): Wenn sich Geschworene in einem Mordzprozess zur Beratung zurückziehen, muss das Urteil „schuldig“ oder „nicht schuldig“ einstimmig getroffen werden. In dem Kammerspiel steht es zu Beginn elf zu eins, denn Geschworener Nummer 8 (Henry Fonda) zieht so ziemlich alles an dem Prozess in Zweifel, und als man sich daran macht, den Fall im Hinterzimmer zu rekonstruieren und auf Herz und Nieren zu überprüfen, ziehen immer mehr der übrigen elf Geschworenen nach, bis es am Ende spiegelbildlich eins zu elf steht; dabei tun sich Abgründe auf, da jeder der am Anfang auf „schuldig“ plädierenden Herren unbewusst ganz andere Gründe für seine Einschätzung hat.

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Wartezimmer zum Jenseits (1964): Zahle oder stirb! In dieser Verfilmung eines Kriminalromans von James Hadley Chase wird ein schwerreicher Brite erpresst, und weil der die Zahlung an das Verbrechersyndikat „Die Schildkröte“ verweigert, lassen die Verbrecher ihn durch den Messerwerfer Shapiro (Klaus Kinski) ermorden und entführen dessen Neffen Don Micklern (Götz George). Womit der Kopf des Syndikats jedoch nicht rechnet, ist der Verrat durch seine eigene Frau Laura (Hildegard Knef), die von dem unsteten Leben schon lange genug hat und von dem nun stark gestiegenen Lösegeld selbst ein ordentliches Sümmchen abzweigen will. Klingt nach Edgar Wallace, stammt aber lediglich vom Regisseur der Edgar-Wallace-Filme – und deshalb sehr unterhaltsam.

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Niagara (1953): Habe ich den nicht erst gesehen? Irrtum, das war letztes Jahr, einige Zeit nach meinem Kanada-Urlaub. Diesmal hatte ich andere Beweggründe. Nach Verbrechern, die sich gegenseitig umbringen, wollte ich diesmal einen Film mit einer echten Femme Fatale sehen, in deren Rolle in diesem Thriller Marilyn Monroe geschlüpft ist. Von wegen naives Dummchen – diese Frau ist eiskalt und plant, ihren Mann durch ihren Liebhaber aus dem Weg räumen und die Tat wie einen Selbstmord aussehen zu lassen. Leider aber geht etwas dabei gründlich schief, und am Ende muss sie um ihr Leben fürchten.

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Badlands – zerschossene Träume (1973): „Es ist noch immer besser, eine Woche mit jemandem zu verbringen, der mich so liebte, wie ich war, als Jahre voller Einsamkeit“ (Sissy Spacek als Holly Sargis). Sie wären so gerne wie Romeo und Julia – die fünfzehnjährige Holly (Sissy Spacek) und der zehn Jahre ältere Kit (Martin Sheen), der optisch James Dean nacheifert und schon als Kind davon träumte, kriminell zu werden, wenn er mal groß ist. Hollys Papa ist gegen die Beziehung der beiden Tagträumer? Kurzerhand erschießt Kit ihn und begibt sich mit seiner Liebsten auf die Flucht quer durch die Great Plains in Richtung Montana – eine Flucht, auf der noch so einige ihr Leben verlieren werden.

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Sieben Filme – für jeden Tag einen. Der November hat gerade erst angefangen, und der Stapel schrumpft allmählich.

Welche Highlights ich mir noch angeschaut habe, offenbart der zweite Teil meiner „düsteren Phase“, mit Betonung der Themen Flucht und Verzweiflung.

7 Kommentare zu “Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil eins

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