ABC -Etüden – Wochen 47 & 48 : Geheime Aktion

Aller guten Dinge sind drei. Eine ungeplante Zusatzetüde, die mir heute ganz spontan eingefallen ist, hat dazu geführt. Vor den Adventüden ist dies nun die letzte reguläre Etüde auf Christianes Blog – mit den gespendeten Wörtern Quelle, griesgrämig und stöbern von Ulli Gaus und dem Blog „Café Weltenall

Auf die bin ich schon sehr gespannt. Mit meiner Etüde liefere ich den Hintergrund zu „Aurora Australis – Ordnung muss sein“ (Etüde der Wochen 39 & 40) und wie es zu dem Urteil „einhundertfünfzig Sozialstunden“ kam.

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Geheime Aktion

Die Airbase lag scheinbar verlassen da, aus der Ferne schlug eine Turmuhr elfmal. In Bennys Rucksack klapperten die Spraydosen – Spezialfarben, die es nicht überall gab und deshalb nicht billig gewesen waren. Aber so war das eben mit besonderen Quellen für besondere Waren.

Nervös zog Benny an seiner Kippe. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, bis die anderen eintrafen; und tatsächlich – Minuten später war die Truppe komplett, bis auf… Marc. Außer Atem und mit Verspätung tauchte er aus dem Dunkel auf, und dann auch noch mit seiner kleinen Schwester im Schlepptau.

So ein Mist, fluchte Benny griesgrämig, so hatten sie das aber nicht abgesprochen. Keine Außenstehenden, hatte er seinen Jungs eingeschärft, und nun kam Marc mit Mellie an. Es war Benny völlig wumpe, was Marc jetzt schon wieder für eine Ausrede hatte. Aber den schönen Plan jetzt einfach fallenzulassen, kam auch nicht in die Tüte.

Der Vorschlag, die Kleine Schmiere stehen zu lassen, kam von Luke. Benny war skeptisch: Wenn man herausfand, wo sie heute Nacht zuschlagen und man sie vor Ort aufstöbern würde, dann war’s das. Dann war Laufen angesagt, aber da sie laut Marc eine der besten Sprinterinnen der Schule war…

Meinetwegen, dachte er, hoffen wir mal, dass man uns nicht schnappt, und schnitt ein Loch in den Zaun. Die verwaisten Baracken in tristem Grau bildeten die perfekte Leinwand für sein Statement in Überlebensgröße.

Er hatte das Wort „Mörder“ noch nicht beendet, da hörte er schon die Sirene. Hilflos musste er mit ansehen, wie seine Jungs in alle Richtungen auseinander stoben, wie ein Mopsrudel, in dessen Mitte ein Böller hochgegangen war, nur um doch noch einkassiert zu werden.

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272 Wörter – nicht immer muss es ein ganzer Roman sein. Ein Prequel tut es manchmal auch, und jetzt habe ich endlich einen Namen für meine weibliche Hauptperson.

ABC -Etüden – Wochen 47 & 48 : Der Schockmoment

In letzter Zeit habe ich für den #writing friday und die ABC-Etüden einen Tagebucheintrag nach dem anderen verfasst. Nun schreibe ich, weil es gerade zum Datum (22. November) passt, meinen eigenen – für die letzte Etüde im November auf Christianes Blog.

Für die aktuelle und letzte vor den Adventüden stammt die Wortspende (Quelle – griesgrämig – stöbern) von Ulli Gaus und dem Blog „Café Weltenall“.

Da sich der Beitrag mit meiner eigenen Reaktion auf eine verstörende Nachricht beschäftigt, hinterlasse ich an dieser Stelle eine Triggerwarnung zu den Themen #Tod, #schlechte Nachrichten, #Pietätlosigkeit und #Trauer.

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Der Schockmoment

Als ob es erst gestern gewesen wäre, sehe ich mich wieder an diesem 22. November vor 23 Jahren in der Küche meiner kleinen Singlewohnung stehen und Zwiebeln für mein Leibgericht feinhacken.

An diesem schönen Tag konnte nicht einmal die griesgrämige Stimme des Radiosprechers, der so wie jeden Samstagmorgen gerade eine Musiksendung moderierte, meine gute Laune trüben. Jedenfalls dachte ich das, aber da hatte ich die Elf-Uhr-Nachrichten noch nicht gehört.

„Sydney. In den frühen Morgenstunden wurde der Sänger Michael Hutchence tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Hutchence war der Sänger der australischen Band INXS, die 1987 mit dem Album KICK ihren weltweiten Durchbruch feierte. Die Ursache seines Todes ist noch unklar. Nicht näher benannten Quellen zufolge handelte es sich um Suizid oder einen Unfall.

Bonn. Bundesfinanzminister Theo Waigel …“

Der Rest der Sendung verhallte von mir unbeachtet. Die Nachricht (nein, nicht die mit dem Minister, sondern die davor) für einen schlechten Scherz haltend, stand ich wie gelähmt da und ließ das Messer in der Zwiebel stecken, die nicht an meinen Tränen schuld war.

Natürlich traf beides nicht zu, und dennoch musste ich die nächste Nachrichtensendung abwarten, um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht verhört hatte – schließlich hatte ich kein Internet, in dem ich hätte stöbern können, geschweige denn einen Computer. Lange musste ich nicht warten, denn mit der pietätlosen Bemerkung des Moderators der nächsten Sendung über ein voraussichtlich zu Weihnachten erscheinendes Best-of-Album stand die Endgültigkeit fest, mit der dieser Samstag für mich von einem sonnigen zu einem rabenschwarzen Tag geworden war.

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252 Wörter, mein Beitrag zum Totensonntag. Wenn ich so darüber nachdenke, konnte ich Jahre später nachempfinden, wie sich eine meiner Bekannten bei der Nachricht vom Tod Michael Jacksons gefühlt hat oder wie es wie es meiner Mutter beim Tod von John F. Kennedy ging, der am 22.11.1963 einem Attentat zum Opfer fiel, obwohl man keinen dieser Tage miteinander vergleichen kann.

Aber die nächste Etüde zu diesen Wörtern ist schon in Planung, und sie wird garantiert nicht so traurig wie diese hier.

Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil drei

Sieben Filme – für jeden Tag einen; Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am fünfzehnten… Kommen wir jetzt zu den nächsten sieben Werken, diesmal sind nicht alle so alt wie die in den vergangenen Wochen und auch nicht unbedingt das, was Kenner unter „Noir“ verstehen würden. Und ich verabschiede mich an dieser Stelle von dem, welche Merkmale man solchen Filmen allgemein zuschreibt. Gemeinsam haben sie alle jedoch eins: Die Lage ist ernst und teilweise hoffnungslos.

Und sollte es doch irgendwo einen Anflug von Heiterkeit geben, ist auch die bloß aufgesetzt – mit dem Ergebnis, dass ich mich frage, was der Regisseur damit sagen wollte.

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++ Elf Uhr nachts + ’71 – Hinter feindlichen Linien +++ Berüchtigt +++ Sorry We missed you +++ Shutter Island +++ Ein Kind war Zeuge +++ The Good German – In den Ruinen von Berlin ++

(Fortsetzung folgt)

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Elf Uhr nachts (1965): Vom Leben gelangweilt, brennt Ferdinand (Jean-Paul Belmondo) mit der undurchsichtigen und gar nicht so harmlosen Marianne (Anna Karina) durch und flieht mit ihr quer durchs ganze Land nach Südfrankreich, nachdem sie einen Mord begangen hat. Zunächst noch wie Pech und Schwefel, gegen sie sich bald schon gegenseitig auf die Nerven. Irgendwann werden sie getrennt, weil Verbrecher hinter Marianne her sind, und als sie sich in Toulon durch Zufall wieder treffen, hat Marianne einen Liebhaber, der Waffen schmuggelt. Gut geht das nicht aus, und so absurd wie mir etliche Szenen in dem Film vorkamen, wirkt der Schluss des Films, der in einem Dialog aus dem Off zwischen Ferdinand und Marianne über die wiedergefundene Ewigkeit endet.

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’71 – Hinter feindlichen Linien (2014): Wenn du statt nach Deutschland nach Belfast versetzt wirst und erkennen musst, dass deine Vorgesetzten ein falsches Spiel spielen, dann bist du in der Hölle gelandet. Für den englischen Soldaten Gary Hook wird dieser Alptraum zur Realität, als er bei einer aus dem Ruder gelaufenen Hausdurchsuchung von seiner Einheit getrennt wird und sich vor einem Lynchmob verstecken muss. Nachdem die Luft rein zu sein scheint, versucht er, zu Fuß und als Zivilist ohne Ortskenntnisse getarnt, im nächtlichen Belfast den Weg zu seiner Kaserne zurückzufinden. Die Situation eskaliert, als er durch Zufall mitbekommt, wie in dem Hinterzimmer eine Bombe zusammengebaut wird, und da einer der Personen im Hinterzimmer zu dem Kreis seiner Vorgesetzten gehört, sind nun alle hinter ihm her, um ihn auszuschalten. Ein Entkommen aus diesem Teufelskreis scheint unmöglich, weder für ihn noch für die Kinder auf allen Seiten, denen der Hass schon früh eingeimpft wird.

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Berüchtigt (1946): Ingrid Bergman als „Femme Fatale“ Alicia Huberman, eine „Dame“ mit Alkoholproblem und zweifelhaftem Ruf, die von amerikanischen Agenten in Brasilien in eine Organisation aus Nazis eingeschleust wird. Deren Kopf Alexander Sebastian (Claude Rains) hatte schon immer eine Schwäche für sie und da er vermutet, sie habe ein Verhältnis mit dem Agenten Devlin (Cary Grant), macht er ihr einen Heiratsantrag – eigentlich die ideale Methode, die Verbrecher auszuspionieren. Durch ein Missgeschick im Weinkeller Sebastians fliegt jedoch der Plan Devlins auf, und die Sebastians sinnen auf eine Methode, Alicia unauffällig verschwinden zu lassen, ohne dass die anderen Mitglieder ihrer Organisation davon Wind bekommen. Denn die würden die Schwachstellen eliminieren, ohne mit der Wimper zu zucken.

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Sorry We missed you (2019): Die Turners sind eine von vielen Familien, die seit der Finanzkrise von 2008 vor lauter Schulden kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Abby schuftet in Dreizehnstundenschichten als Altenpflegerin und wird nicht für die aufgewendete Zeit, sondern pro „Klient“ bezahlt; ihr Mann Ricky hat einen Job als sogenannter Franchisenehmer bei einem Kurierdienst angenommen. Vierzehn Stunden täglich, von Montag bis Samstag muss er Pakete fahren und steht unter enormem Zeitdruck, getriezt von einem Chef, den familiäre Probleme nicht interessieren. Du willst frei haben, weil Du bei der Polizei vorstellig werden musst oder auf Deine Röntgenbilder wartest, nachdem Dich eine Bande ausgeraubt und Deinen Scanner zerstört hat? Organisier Dir selber jemanden, der für Dich einspringt. Andernfalls werden saftige Bußgelder fällig, die ein noch tieferes Loch in die Kasse reißen. Ach ja, und den Scanner musst Du auf eigene Kosten ersetzen. Ob ein Ende dieses prekären Alptraums abzusehen ist, bleibt abzuwarten.

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Shutter Island (2010): Auf einer abgelegenen Insel in einer Nervenheilanstalt für geisteskranke Kriminelle während eines aufziehenden Hurrikans in der Sache einer verschwundenen Patientin zu ermitteln, gerät für die US-Marshals Chuck Aule (Mark Ruffalo) und Teddy Daniels (Leonardo diCaprio) zum nervenaufreibenden und lebensgefährlichen Höllentrip. Der Verdacht, dass mit Daniels etwas nicht stimmt, kann man schon am Anfang erkennen, und je länger die beiden auf der Insel verweilen, desto häufiger treten bei ihm Migräneanfälle und Visionen auf, in denen er nicht nur vom Geist seiner toten Frau heimgesucht wird, sondern auch von dem, was er bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erlebt hat. Trotz aller Schwierigkeiten ist er davon überzeugt, schon bald die schreckliche Wahrheit über Shutter Island aufzudecken. Mit 138 Minuten zwar der längste Film in dieser Sammlung, aber das Werk von Martin Scorsese hat nicht umsonst jede Menge Preise und Nominierungen abgeräumt.

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Ein Kind war Zeuge (1952): Gerade hat Maschinist Chris Lloyd (Dirk Bogarde) auf einem Trümmergrundstück aus Eifersucht den Liebhaber seiner Frau umgebracht, da läuft ihm der siebenjährige Robbie noch am Tatort über den Weg. Also nimmt Lloyd kurzerhand den Kleinen mit, der vor seinen Adoptiveltern davongelaufen ist, nachdem er in seiner Wohnung verbotenerweise gezündelt hat. Von der Polizei gesucht, versucht das ungleiche Duo, sich zu Fuß und nahezu ohne Geld nach Schottland durchzuschlagen, wo Chris‘ Bruder lebt. Ein gefährliches Unterfangen, und als schon die Freiheit winkt, wird Robbie krank…

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The Good German – In den Ruinen von Berlin (2006): Ein Thriller in Schwarz-Weiß mit George Clooney, Cate Blanchett und Tobey Maguire in den Hauptrollen – angesiedelt 1945 in Berlin während der Potsdamer Friedenskonferenz, über die der amerikanische Journalist Jake Geismar (Clooney) berichten soll. Als sein Fahrer Tully (Maguire) erschossen aufgefunden wird, versucht er, die Wahrheit herauszufinden und gerät dabei in Gefahr, zumal Tullys Freundin Lena (Blanchett), mit der er vor einiger Zeit ein Verhältnis hatte, mehr weiß, als allen lieb ist. Stellenweise erinnerte der Film mich in Stimmung, Kameraführung und Konstellation der Personen an den Klassiker „Der Dritte Mann“, und ich finde es schade, dass der Film bei Publikum und Kritikern so wenig Anklang gefunden hat – aber wenigstens hat er 2007 eine Oscarnominierung für die beste Filmmusik bekommen. Harfenklänge als Untermalung für beklemmende Szenen ist mir bisher jedenfalls noch nicht untergekommen.

Der letzte Teil meiner teilweise nicht ganz so schwarzen, aber immer noch düster angehauchten Sammlung des Novembers folgt demnächst.

30-Days TV Series Challenge: Tag 22

Heute bin ich gespalten.

Nicht ich persönlich, aber da ich davon ausgehe, dass unsere männlichen bzw. weiblichen Lieblingsfiguren nicht zwangsläufig aus derselben Serie kommen müssen, habe ich mich heute in der Serienchallenge von aequitasetveritas auf zwei britische Serien aufgeteilt.

Ladys First. Als Call the Midwife auf BBC in Serie ging, ist mir die betagte Sister Monica Joan (Judy Parfitt) mit ihren Lebensweisheiten und ihrer teilweise recht unorthodoxen Sicht auf viele Dinge ans Herz gewachsen. „You are no better than Plato, who believed that a woman’s womb would roam her body provoking psychological disease. I have put Plato here, next to Freud, so they can be companions in their ignorance.“ Sie unter ihrer immer häufiger auftretenden Demenz leiden zu sehen, hat mir in der Seele weh getan, und was passiert, wenn sie einst den Serientod sterben sollte, möchte ich mir lieber nicht vorstellen – ihre Sprüche würden mir doch sehr fehlen.




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Und da dieser Herr bisher noch nicht zum Zug kam, oute ich mich dahingehend, dass ich in modernen Filmen und Serien dargestellte Vampire jetzt doch nicht so schrecklich finde: In Being Human hadert der mit einem Werwolf befreundete und mit ihm in einer WG lebende John Mitchell (Aidan Turner) immer öfter mit seinem Schicksal und hat die Selbsthilfegruppe der Anonymen Bluttrinker gegründet – hilft halt nur nicht viel, wenn dann ausgerechnet in der voll besetzten U-Bahn der Blutdurst durchschlägt, ein kompletter Wagon diesem zum Opfer fällt und dieses Desaster als „Box Tunnel 20 Massaker“ in die Schlagzeilen gerät. Dann wird es mit dem unauffälligen Leben schwierig. „HUMAN? Then it’s our mistake wanting to be like them!“

In Bristol war es kalt, drum habe ich die Handschuhe anbehalten, auch wenn es nicht im Drehbuch stand. Bildquelle – https://i.pinimg.com/originals/1b/3f/e0/1b3fe0440597d781526496d9da2d0247.jpg

Bisher konnte ich meinen Vorsatz, Doppelnennungen zu vermeiden, tatsächlich ausführen, aber das wird gegen Ende der Challenge zunehmend schwieriger – was alles gefragt wird, kann man hier nachlesen.