Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil drei

Sieben Filme – für jeden Tag einen; Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am fünfzehnten… Kommen wir jetzt zu den nächsten sieben Werken, diesmal sind nicht alle so alt wie die in den vergangenen Wochen und auch nicht unbedingt das, was Kenner unter „Noir“ verstehen würden. Und ich verabschiede mich an dieser Stelle von dem, welche Merkmale man solchen Filmen allgemein zuschreibt. Gemeinsam haben sie alle jedoch eins: Die Lage ist ernst und teilweise hoffnungslos.

Und sollte es doch irgendwo einen Anflug von Heiterkeit geben, ist auch die bloß aufgesetzt – mit dem Ergebnis, dass ich mich frage, was der Regisseur damit sagen wollte.

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++ Elf Uhr nachts + ’71 – Hinter feindlichen Linien +++ Berüchtigt +++ Sorry We missed you +++ Shutter Island +++ Ein Kind war Zeuge +++ The Good German – In den Ruinen von Berlin ++

(Fortsetzung folgt)

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Elf Uhr nachts (1965): Vom Leben gelangweilt, brennt Ferdinand (Jean-Paul Belmondo) mit der undurchsichtigen und gar nicht so harmlosen Marianne (Anna Karina) durch und flieht mit ihr quer durchs ganze Land nach Südfrankreich, nachdem sie einen Mord begangen hat. Zunächst noch wie Pech und Schwefel, gegen sie sich bald schon gegenseitig auf die Nerven. Irgendwann werden sie getrennt, weil Verbrecher hinter Marianne her sind, und als sie sich in Toulon durch Zufall wieder treffen, hat Marianne einen Liebhaber, der Waffen schmuggelt. Gut geht das nicht aus, und so absurd wie mir etliche Szenen in dem Film vorkamen, wirkt der Schluss des Films, der in einem Dialog aus dem Off zwischen Ferdinand und Marianne über die wiedergefundene Ewigkeit endet.

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’71 – Hinter feindlichen Linien (2014): Wenn du statt nach Deutschland nach Belfast versetzt wirst und erkennen musst, dass deine Vorgesetzten ein falsches Spiel spielen, dann bist du in der Hölle gelandet. Für den englischen Soldaten Gary Hook wird dieser Alptraum zur Realität, als er bei einer aus dem Ruder gelaufenen Hausdurchsuchung von seiner Einheit getrennt wird und sich vor einem Lynchmob verstecken muss. Nachdem die Luft rein zu sein scheint, versucht er, zu Fuß und als Zivilist ohne Ortskenntnisse getarnt, im nächtlichen Belfast den Weg zu seiner Kaserne zurückzufinden. Die Situation eskaliert, als er durch Zufall mitbekommt, wie in dem Hinterzimmer eine Bombe zusammengebaut wird, und da einer der Personen im Hinterzimmer zu dem Kreis seiner Vorgesetzten gehört, sind nun alle hinter ihm her, um ihn auszuschalten. Ein Entkommen aus diesem Teufelskreis scheint unmöglich, weder für ihn noch für die Kinder auf allen Seiten, denen der Hass schon früh eingeimpft wird.

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Berüchtigt (1946): Ingrid Bergman als „Femme Fatale“ Alicia Huberman, eine „Dame“ mit Alkoholproblem und zweifelhaftem Ruf, die von amerikanischen Agenten in Brasilien in eine Organisation aus Nazis eingeschleust wird. Deren Kopf Alexander Sebastian (Claude Rains) hatte schon immer eine Schwäche für sie und da er vermutet, sie habe ein Verhältnis mit dem Agenten Devlin (Cary Grant), macht er ihr einen Heiratsantrag – eigentlich die ideale Methode, die Verbrecher auszuspionieren. Durch ein Missgeschick im Weinkeller Sebastians fliegt jedoch der Plan Devlins auf, und die Sebastians sinnen auf eine Methode, Alicia unauffällig verschwinden zu lassen, ohne dass die anderen Mitglieder ihrer Organisation davon Wind bekommen. Denn die würden die Schwachstellen eliminieren, ohne mit der Wimper zu zucken.

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Sorry We missed you (2019): Die Turners sind eine von vielen Familien, die seit der Finanzkrise von 2008 vor lauter Schulden kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Abby schuftet in Dreizehnstundenschichten als Altenpflegerin und wird nicht für die aufgewendete Zeit, sondern pro „Klient“ bezahlt; ihr Mann Ricky hat einen Job als sogenannter Franchisenehmer bei einem Kurierdienst angenommen. Vierzehn Stunden täglich, von Montag bis Samstag muss er Pakete fahren und steht unter enormem Zeitdruck, getriezt von einem Chef, den familiäre Probleme nicht interessieren. Du willst frei haben, weil Du bei der Polizei vorstellig werden musst oder auf Deine Röntgenbilder wartest, nachdem Dich eine Bande ausgeraubt und Deinen Scanner zerstört hat? Organisier Dir selber jemanden, der für Dich einspringt. Andernfalls werden saftige Bußgelder fällig, die ein noch tieferes Loch in die Kasse reißen. Ach ja, und den Scanner musst Du auf eigene Kosten ersetzen. Ob ein Ende dieses prekären Alptraums abzusehen ist, bleibt abzuwarten.

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Shutter Island (2010): Auf einer abgelegenen Insel in einer Nervenheilanstalt für geisteskranke Kriminelle während eines aufziehenden Hurrikans in der Sache einer verschwundenen Patientin zu ermitteln, gerät für die US-Marshals Chuck Aule (Mark Ruffalo) und Teddy Daniels (Leonardo diCaprio) zum nervenaufreibenden und lebensgefährlichen Höllentrip. Der Verdacht, dass mit Daniels etwas nicht stimmt, kann man schon am Anfang erkennen, und je länger die beiden auf der Insel verweilen, desto häufiger treten bei ihm Migräneanfälle und Visionen auf, in denen er nicht nur vom Geist seiner toten Frau heimgesucht wird, sondern auch von dem, was er bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erlebt hat. Trotz aller Schwierigkeiten ist er davon überzeugt, schon bald die schreckliche Wahrheit über Shutter Island aufzudecken. Mit 138 Minuten zwar der längste Film in dieser Sammlung, aber das Werk von Martin Scorsese hat nicht umsonst jede Menge Preise und Nominierungen abgeräumt.

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Ein Kind war Zeuge (1952): Gerade hat Maschinist Chris Lloyd (Dirk Bogarde) auf einem Trümmergrundstück aus Eifersucht den Liebhaber seiner Frau umgebracht, da läuft ihm der siebenjährige Robbie noch am Tatort über den Weg. Also nimmt Lloyd kurzerhand den Kleinen mit, der vor seinen Adoptiveltern davongelaufen ist, nachdem er in seiner Wohnung verbotenerweise gezündelt hat. Von der Polizei gesucht, versucht das ungleiche Duo, sich zu Fuß und nahezu ohne Geld nach Schottland durchzuschlagen, wo Chris‘ Bruder lebt. Ein gefährliches Unterfangen, und als schon die Freiheit winkt, wird Robbie krank…

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The Good German – In den Ruinen von Berlin (2006): Ein Thriller in Schwarz-Weiß mit George Clooney, Cate Blanchett und Tobey Maguire in den Hauptrollen – angesiedelt 1945 in Berlin während der Potsdamer Friedenskonferenz, über die der amerikanische Journalist Jake Geismar (Clooney) berichten soll. Als sein Fahrer Tully (Maguire) erschossen aufgefunden wird, versucht er, die Wahrheit herauszufinden und gerät dabei in Gefahr, zumal Tullys Freundin Lena (Blanchett), mit der er vor einiger Zeit ein Verhältnis hatte, mehr weiß, als allen lieb ist. Stellenweise erinnerte der Film mich in Stimmung, Kameraführung und Konstellation der Personen an den Klassiker „Der Dritte Mann“, und ich finde es schade, dass der Film bei Publikum und Kritikern so wenig Anklang gefunden hat – aber wenigstens hat er 2007 eine Oscarnominierung für die beste Filmmusik bekommen. Harfenklänge als Untermalung für beklemmende Szenen ist mir bisher jedenfalls noch nicht untergekommen.

Der letzte Teil meiner teilweise nicht ganz so schwarzen, aber immer noch düster angehauchten Sammlung des Novembers folgt demnächst.

Ein Kommentar zu “Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil drei

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