Mein Kinojahr 2020 : November Noir – Teil vier.

Advent, Advent, die erste Kerze brennt – und es ist Zeit für den vierten und letzten Teil meines „November Noir“. Sieben Filme – für jeden Tag einen, das war der Plan. Zu den von mir ausgewählten Filmen führt die Übersicht aller bisherigen Teile am Ende dieses Monatsrückblicks.

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+ The Boy next Door + Der Mann, der zuviel wusste + The Gambler + Die Taschendiebin + The Number 23 + 10×10 + Insomnia – Schlaflos +

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The Boy next door (2015): Für sie ist es nur eine einmalige Sache – für ihn aber ist sie die Frau fürs Leben. Für die im Trennungsjahr lebende Highschool-Lehrerin Claire (Jennifer Lopez) entwickelt sich der One-Night-Stand mit dem 19jährigen Noah (Ryan Guzman) zum Alptraum ihres Lebens, denn der Neffe ihres Nachbarn entpuppt sich als gewalttätiger und psychopathischer Stalker, der auch vor Erpressung und versuchtem Mord an Claires Noch-Ehemann Garrett (John Corbett) nicht zurückschreckt. Warum der Film als Mix aus Horror und Thriller angepriesen wurde und an den Kinokassen so erfolgreich war, ist mir ein Rätsel. Ob es an der Besetzung Jennifer Lopez (als Produzentin und Gewinnerin der Goldenen Himbeere als schlechteste weibliche Hauptdarstellerin) und Ryan Guzman (Eddie Diaz in „9-1-1 Notruf LA) lag? Dank der nur spärlich eingestreuten Horrorelemente konnte der insgesamt ziemlich unrund wirkende Film nicht so richtig bei mir zünden.

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Der Mann, der zuviel wusste (1956): Die meisten kennen Hitchcocks zweite Version mit James Stewart und Doris Day, weshalb ich mich auf das schwarz-weiße Original von 1934 mit Peter Lorre gefreut habe, doch dann – Überraschung! – durfte ich mich an der „Storm Clouds Cantata“ in Farbe erfreuen. Irgendwas ist schiefgegangen, und man hat in der Bücherei die DVD falsch beschriftet, oder die DVD vertauscht – und wer sich auf den Klassiker von 1956 gefreut hat, musste nun mit der Originalfassung vorlieb nehmen. Viel geschwätzt, aber nichts gesagt – hier kommt die Kurzfassung. Die McKennas gönnen sich nach einem Ärztekongress ein paar Tage in Marokko und geraten mitten in ein Komplott. Und damit die McKennas ihren Mund über das in London geplante Attentat auf einen ausländischen Staatsmann halten, entführen die Verschwörer den Sohn der McKennas. In dem spannenden Thriller konnte Doris Day zeigen, was in ihr steckt. Sie in einer anderen Rolle als in den leichten Komödien als die, mit denen sie bekannt geworden ist, zu erleben – nämlich als um das Leben ihres Kindes fürchtende Mutter – hat mich zutiefst berührt.

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The Gambler (2014): „The only way out is all in“ – Literaturdozent Jim Bennett (Mark Wahlberg) hat eine Viertelmillion Dollar Spielschulden und leiht sich 50.000 Dollar „Spielgeld“ bei der Konkurrenz, weil er hofft, mit dem Gewinn all seine Schulden begleichen zu können Weil das nicht klappt, muss Jims Mutter (Jessica Lange) helfen. Doch anders als sie erwartet hat, verspielt er auch dieses Geld und sieht nur noch einen Ausweg: Sich von dem skrupellosen Frank (John Goodman) Ersatz für das verspielte Geld seiner Mutter zu beschaffen und einen riskanten Plan durchzuziehen, in den zwei seiner Studenten involviert sind, den talentierten Basketballer Lamar Allen und Dexter, ein Ass im Tennis, aber mäßig intelligent. Wer mich bei diesem 111 Minuten langen Selbstzerstörungstrip beeindruckt hat, ist John Goodman als eiskalter Geldgeber, der vor nichts zurückschreckt und am Schluss feststellen muss, dass seine F***-You-Attitüde von seinem neuesten Schuldner höchst eigenwillig ausgelegt wird.

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Taschendiebin (2016): Die Taschendiebin Sook-hee soll Hideko, die Nichte eines Goldminenbesitzers und Buchsammlers, ausspionieren und diese dazu bringen, sich in einen als japanischen Grafen auftretenden Hochstapler zu verlieben. Doch der Plan des „Grafen“, Hideko zu ehelichen, deren Vermögen in die Finger zu bekommen und sie anschließend in eine Nervenheilanstalt zu stecken, nimmt eine unerwartete Wendung, als sich Sook-Hee und Hideko ineinander verlieben und dann auch noch Sook-Hee statt Hideko in der Anstalt landet. Doch da nichts so ist, wie es zunächst scheint, wartet die in den Dreißiger Jahren angesiedelte Handlung mit einem abrupten Perspektivwechsel und damit verbundenen weiteren überraschenden Wendungen auf. Neben der ungeplanten Version von „Der Mann, der zuviel wusste“, stellt in diesem Monat dieser knapp zweieihalbstündige Film aus Südkorea die größte Überraschung dar. Ich glaube, im neuen Jahr nehme ich koreanische und japanische Filme mal etwas genauer unter die Lupe.

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The Number 23 (2007): Jim Carrey in der Rolle des Hundefängers Walter Sparrow, der von seiner Frau Agatha (Virginia Madsen) ein mysteriöses, im Selbstverlag erschienenes Buch mit dem Titel „The Number 23“ geschenkt bekommt. Die Warnung „Wer Ähnlichkeiten zu lebenden oder verstorbenen Persönlichkeiten entdeckt, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen“ ignorierend, entdeckt er mit jedem gelesenen Kapitel immer mehr Ähnlichkeiten mit seinem eigenen Leben und entwickelt eine Besessenheit für die Zahl 23. Die Frage, wer der unbekannte Autor Topsy Kretts (was schnell gesprochen, sich wie „Top Secret“ anhört) ist und woher er so viel über Walters Leben weiß, wird zu seiner persönlichen Mission, in die er seine Frau und seinen Sohn mit hineinzieht, und am Ende sehen sie überall Verbindungen zu der unheilvollen Zahl. Filmkritiker waren von dem düsteren Mysterythriller eher weniger begeistert (8% auf Rotten Tomatoes und eine Goldene Himbeere für Jim Carrey sind ja nicht unbedingt der Hit), im Gegensatz zu mir. Ich habe mich nämlich dabei ertappt, wie ich versucht habe, alle möglichen Zahlen- und Buchstabenkombinationen, die 23 (vorwärts und rückwärts) ergeben, zu finden. Sogar die Nummernschilder 906 8TC und 023 5HJ wurden von mir genauestens unter die Lupe genommen. Die Auflösung zu diesem Rätsel *) gibt es am Ende dieses Wochenrückblicks.

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10×10 (2018): Zunächst sieht es nach einer von langer Hand geplanten Entführung eines Psychopathen aus, der die Blumenhändlerin Cathy Newland (Kelly Reilly) am hellichten Tag zum Opfer gefallen ist. Irgendwann wird jedoch klar, dass Cathy nicht die ist, die sie zu sein vorgibt, denn ihr Entführer Lewis (Luke Evans) scheint genauestens über sie Bescheid zu wissen und beabsichtigt, sie so lange festzuhalten und immer wieder zu verhören, bis sie endlich ihre Schuld an dem Versterben mehrerer Patienten eingesteht. Doch dass Cathy in ihrer nahezu schalldicht isolierten Zelle ungeahnte Kräfte entwickelt, hat er nicht bedacht, und bald schon ist es Lewis, der um sein Leben fürchten muss. Andere mögen das kammerspielartig inszenierte Katz-und-Maus-Spiel so spannend wie eingeschlafene Füße finden, für mich war der noch nicht mal anderthalbstündige britische Thriller eine echte Überraschung; und den Abspann durch einfache weiße Linien dargestellte Elemente des Films habe ich mir bis zum Schluss (inklusive Danksagung der Regie) angeschaut.

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Insomnia – Schlaflos (2002): In Alaska sind Sommertage feucht und kühl und vor allem sehr lang. Dass es hier niemals dunkel wird, setzt dem Polizisten Will Dormer (Al Pacino) genauso zu wie die Untersuchungskommission, die ihn wegen einer Unregelmäßigkeit bei einem alten Fall im Visier hat. Zusammen mit seinem Partner Hap soll er in einer Kleinstadt bei den Ermittlungen in einem Mordfall helfen. Als Hap ankündigt, dass er sich auf einen Deal mit der Kommission eingelassen hat, gerät Will in Panik und erschießt ihn während eines Einsatzes. Ob absichtlich oder aus Versehen, bleibt dahingestellt, und die Erleichterung über die vermeintlich glückliche Wendung des Schicksals währt nicht lange, denn der Schriftsteller Finch (Robin Williams), für Dormer einer der Verdächtigen im aktuellen Mordfall, hat ihn beobachtet und beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem angeschlagenen Dormer, mit dem es im weiteren Verlauf immer mehr bergab geht. Für mich war es eine Überraschung, den Schauspieler Jonathan Jackson, den ich aus der Serie „Nashville“ (als Singer/Songwriter Avery Barkley) kenne, in der Rolle des unter Hauptverdacht stehenden Freundes der ermordeten Schülerin Kay zu sehen. In „Insomnia“ wird der arme Kerl zur Zielscheibe von Dormer und Finch, in deren Fadenkreuz er gerät und fingierte „Beweise“ untergejubelt bekommt.

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Das waren die letzten sieben düsteren Filme; der Dezember aussieht kommt mit Dramen um die Ecke, die aus diesem Jahr übrig geblieben sind und mit zwei Serien, die ich in unserer Bücherei entdeckt habe. Aber wie ich den letzten Cinema-Scope-Monat nenne, weiß ich noch nicht zu hundert Prozent. Entweder „Drama Dezember“ oder „The leftovers“. Zu den drei Teilen gelangt man durch Klicken auf das jeweilige Datum: Teil eins gab es am 8. November, Teil zwei am 15. November und Teil drei am 22. November.

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*) Wie angekündigt, folgt zum Schluss die Auflösung des Zahlenpuzzles: „906 8TC“: 9+6+8 = 23 / T (20. Buchstabe des Alphabets + C (3. Buchstabe des Alphabets ) = 23. — „023 5HJ“: 23 / 5 + H (8. Buchstabe des Alphabets) + J (10. Buchstabe des Alphabets) = 23.

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