# Writing Friday 2020 – Dezember, 51. Woche : Pretty Vegas

Willkommen zur nächsten winterlichen Runde beim #Writing Friday von elizzy – heute habe ich mir die vierte Schreibaufgabe ausgesucht:

„Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Sie fuhren mit dem Schlitten rasend schnell den Hügel hinab, ohne zu merken, dass…” beginnt.“

Da Schnee mittlerweile bei uns selten geworden ist und es für mich mit dem Rodeln zappenduster aussieht, geht meine Reise in eine andere Richtung:

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Pretty Vegas

Sie fuhren mit dem Schlitten rasend schnell den Hügel hinab, ohne zu merken, dass sich nicht weit von ihnen ein gewaltiger Sturm zusammenbraute. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis Millionen von Sandkörnern mit Wucht auch über die letzte trennende Düne hinwegfegen würde, und damit auch über sie. Die Kufen berührten kaum den Sand, als die Rakete in Steves Rücken die nächste Stufe zündete und die Fahrt so beschleunigte, dass ihm und seiner vor ihm sitzenden Liebsten Hören und Sehen verging.

Viva Las Vegas, hatte Steve gejubelt, als Gina ihn mit der Reise in die USA überrascht hatte. Ein Ausflug in die Wüste Nevada, abends dann ordentlich Dollars verzocken im Casino und als besondere Krönung ihrer Hochzeitsreise eine Show – jetzt war von der anfänglichen Begeisterung kaum noch etwas zu spüren. Als ob das mörderische Tempo ihres fahrbaren Untersatzes nicht schon gereicht hätte, kam nun noch ein Dröhnen aus der Luft hinzu, das den Boden in Schwingung versetzte. Weiß um die Nase, wandte sich Gina entgegen besseren Wissens um und erstarrte angesichts des Grauens.

Über der nur wenige Meter entfernten Kuppe bauten sich bleigraue Wolken zu kilometerhohen Türmen vor dem Himmel auf, der die Färbung von Lakritz angenommen hatte. In der Ferne schimmerten die Felsen in einer Melange aus Silber und Anthrazit. Gina flehte innerlich um Beistand, dass sie es schaffen würden, dem Sandsturm zu entfliehen und diesen Höllentrip heil zu überstehen.

Dabei hatte ihr Wochenende in Las Vegas so traumhaft begonnen.

Mit dem Kleingeld, das Gina an den Einarmigen Banditen gewonnen hatte, waren sie zu den Roulettetischen gewechselt, wo sie ihren Einsatz verdoppeln konnten, und hatten sich zur Feier des Tages die Show „Lord of the Dance“ angeschaut. Zwei Piña Coladas in einer Cocktailbar später waren sie an einer kitschigen Wedding Chapel vorbei gekommen und hatten spontan den Entschluss gefasst, hier den Bund fürs Leben einzugehen. Ab da war nichts mehr wie vorher, denn mit dem Satz „Zu einer richtigen Hochzeit gehört auch ein richtiges Geschenk“ hatte das Unheil seinen Lauf genommen.

Der Ring mit einem rosa Steinchen aus gepresstem Diamantstaub als Ersatz für den billigen Trauring an ihrer Hand hatte Gina vor Rührung beinahe dahinschmelzen lassen, und schon wenig später hatte sie sich ihrerseits den Kopf über ein passendes Geschenk für Steve zerbrochen, und zwar eines, das er so schnell nicht vergessen würde. In einer auf einer Bank achtlos zurückgelassenen Zeitung hatte sie schließlich die Annonce entdeckt: Need for Speed? Wir machen es möglich.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es nichts, was es nicht gab – auch von einem anscheinend Verrückten angebotene Schlittenfahrten mit Raketenantrieb; verrückt genug, um ihren frischgebackenen Ehemann, der für jeden Blödsinn zu haben war, damit zu beglücken. Pretty Vegas! Wie zu erwarten, hatte ihn die Überraschung dann auch prompt aus den Socken gehauen. Und nun klammerten sie sich mit einem mulmigen Gefühl in ihren Mägen an den Schlitten.

Sie hörten ihr letztes Stündlein schon schlagen, begleitet von den Namen Death Valley und Desert Rock, die wie böse Omen über ihren Köpfen hingen. Hinter ihnen den tobenden Sandsturm, vor ihnen die Wand aus stahlgrauen Felsen, Quarz und Eisen, beteten sie um ein Wunder, denn wenn das nicht sofort geschah, würden sie bereits nach einem Tag im Guinness-Buch der Rekorde landen, im Kapitel über die kürzesten Ehen. Ein Husten, ein Poltern, ein Röcheln – dann erstarb das Monstrum und kam mit einem Ruck, der durch Mark und Bein ging, jäh zum Stehen. Gerade noch rechtzeitig zwischen zwei Felsen, bevor der Tag in tintenschwarzer Nacht versank und das junge Paar das Bewusstsein verlor.

Sie kamen erst wieder zu sich, als der Jeep auf der Sandpiste entlang rumpelte und sie sich einem Zaun näherten. Der Wachposten am Tor kontrollierte die Papiere und die Dienstmarken, dann schloss sich das Tor hinter ihnen.

Das Licht der untergehenden Sonne tauchte die gelben Schilder mit den Aufschriften „Area 51 : restricted access“ und „Authorized personnel only – all trespassers will be prosecuted“ in gespenstisches Orange.

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Area 51 in der 51. Woche? Wie das mal wieder passt… diesen Zufall hatte ich nicht geplant, im Gegensatz zu dem Recycling zweier Charaktere aus den ABC-Etüden. Diesmal hat es Steve und Gina aus Woche 17 & 18 (Room Service) „erwischt“.

Die Schreibthemen im Dezember sind: 1) Der Weihnachtsmann hat doch tatsächlich Corona! Jetzt muss Rudolf das Rentier die Geschenke ausliefern. Berichte von dieser Nacht – wie macht sich Rudolf? +++ 2) Wofür bist du in diesem Jahr besonders dankbar? Zähle mindestens drei Dinge auf und gehe näher darauf ein. +++ 3) Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Weihnachtskerzen, Schneesturm, grosse Freude, Zuckerguss, rote Stiefel +++ 4) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Sie fuhren mit dem Schlitten rasend schnell den Hügel hinab, ohne zu merken, dass…” beginnt. +++ 5) Welche Bücher möchtest du im Dezember noch lesen? Stelle uns deine Leseliste kurz vor.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.