ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 2 : Hausarrest

Die Wortspende zu Christianes ABC-Etüden stammt diesmal von mir und setzt sich zusammen aus Lautsprecher, orange und erschüttern. Die eigentliche Geschichte, in die ich diese Wörter einbauen wollte, muss noch etwas warten – daraus folgt, dass es bei nur einer Etüde in diesen beiden Wochen nicht bleiben wird, denn dazu sind es dann doch zu viele Ideen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie auf einmal hergekommen sind.

Kommen wir nun zu einer Begebenheit, die sich in unserem Haushalt vor einigen Jahren tatsächlich so zugetragen hat – 258 Wörter sollten genügen, um das Absurde daran zu verdeutlichen.

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Hausarrest

Du kommst hier nicht rein. Fassungslos stand die nette Dame des Pflegedienstes, die uns allmorgendlich besuchte, vor unserem Haus und bekam die Tür nicht auf, weil über Nacht die Schließanlage kaputtgegangen war. Obwohl es mir nicht gefiel, zu Hause zu bleiben und einen Handwerker zu organisieren, versuchte ich, mich davon nicht erschüttern zu lassen.

Zu meinem Glück hatte nicht nur mein Chef Verständnis für meine Misere, sondern ich fand auch noch einen Betrieb, der mich nicht auf später vertröstete, sondern mir noch gegen Mittag jemanden vorbeischicken würde. Nach dieser guten Nachricht ließ ich mir erste einmal einen extrastarken Kaffee aus meiner orangen Lieblingstasse schmecken und beschloss, mir die Wartezeit mit einer DVD zu versüßen. In dieser Hinsicht brauchte sich unsere Stadtbücherei nicht hinter diversen Streamingdiensten zu verstecken, denn ihr Film- und Serienangebot konnte sich durchaus sehen lassen.

„The animals, the animals…“

Mittlerweile konnte ich die aus dem Lautsprecher dudelnde Erkennungsmelodie von „Orange is the new black“ auswendig, doch es brauchte noch drei weitere Folgen dieser Staffel, bis ich das Groteske meiner Lage erkannte: gefangen im eigenen Haus, über die Mattscheibe flimmert eine Serie über ein amerikanisches Frauengefängnis, und dazu schwarzer Kaffee aus einer orangen Tasse… war noch mehr Ironie möglich? Oder sollte das dicke Ende erst noch kommen?

Langer Rede kurzer Sinn: Der nette Herr mit dem Werkzeugkasten musste noch zweimal vorbeikommen, aber alles in allem kam uns dieser Besuch weniger teuer zu stehen als eine komplett neue Tür, und nun sind wir besser gesichert als Fort Knox, auch wenn es bei mir nichts zu holen gibt.

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Inzwischen ist „Orange is the new black“ bei mir Geschichte, und auch besagte Tasse gibt es nicht mehr. Was es aber noch gibt: eine oder zwei weitere Etüden, wenn es mit der Inspiration so weiterläuft.

ABC -Etüden – Woche 3 & 4 – Etüde 1 : nicht ganz korrektes Haiku (aus aktuellem Anlass)

Als mich Christiane fragte, ob ich mich als Wortspenderin an den ABC-Etüden beteiligen möchte, hatte ich nicht nur eine ganz andere Geschichte im Kopf, sondern auch nicht damit gerechnet, so bald an der Reihe zu sein mit meinen Wörtern

Lautsprecher — orange — erschüttern

die mich aus aktuellem Anlass zu einer Textform inspiriert haben, die ich nur selten verwende: ein Gedicht, in diesem Fall ein Haiku. Traditionell besteht diese japanische Lyrikform aus drei Zeilen und insgesamt 17 Silben, nach einem bestimmten Schema.

Ausufernde Beschreibungen haben da keinen Platz, also musste ich abstrahieren; nicht ganz korrekt mag so manch eine/r den Inhalt finden – tatsächlich habe ich in erster Linie dabei an die Aufteilung der Silben (5-6-6 anstatt 7-5-7) gedacht.

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nicht ganz korrektes Haiku

Schreihals in orange

hetzt auf per Lautsprecher.

Die Welt wird erschüttert.

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Mit dieser Momentaufnahme eines Ereignisses, das mich neulich fassungslos vor dem Fernseher zurückgelassen hat, konnte ich meinen bisherigen Rekord in Bezug auf die Kürze diesmal sogar noch unterbieten, und bei elf Wörtern muss ich auch keines der gespendeten Wörter extra hervorheben.