# Writing Friday 2021 – Februar, 7. Woche – Teil 2 : In Venice

Auf einem Maskenball war ich noch nie – dennoch lasse ich ihn nicht in Venedig, sondern auf einem englischen Landsitz stattfinden und habe mal wieder eine längere Erzählung zu dem folgenden Thema geschrieben:

Märchenhaft – schreibe eine Geschichte zu folgender Szene: Lara geht auf einen Maskenball, dort trifft sie auf Clark – es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch Clark ist nicht der, für den er sich ausgibt. Lüfte sein Geheimnis am Ende deiner Geschichte.

800 Wörter für die erste von fünf Schreibaufgaben des #Writing Friday von elizzy., die ich für mich etwas modifiziert bzw. uminterpretiert habe. Oft macht man sich ein völlig falsches Bild von jemandem, bevor er oder sie mit einem auch nur ein Wort gewechselt hat. In diesem Fall erwischt es Lara.

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In Venice

Dienst schieben am Samstagabend. Muss das sein?“, stöhnte Lara, als sie mit Betty, Mitch und Nigel den Dienstplan für den kommenden Monat durchging. Noch so eine endlose Soirée! Bis in die frühen Morgenstunden fortwährend lächelnd Häppchen servieren und Tabletts herumtragen, bis sie im Morgengrauen ins Bett kippte, mit Füßen wie Blei von den Schuhen, die Mylady als angemessen erachtete. Gut, dass sie am Tag danach frei hatte und es zwischendurch immer mal wieder Pausen gab. Sie hasste diesen Job, aber sie war auf ihn angewiesen. Freie Kost und Logie und der Umstand, dass es die Mortimer-Henleys mit Papieren nicht so genau nahmen – eigentlich ideale Voraussetzungen in ihrer Lage.

Die Aufgaben waren verteilt, nun stand dem Gelingen des Balls nichts mehr entgegen. Nigel mit dem Schlüssel zu Sir Randolphs Weinkeller war für die Versorgung mit Champagner zuständig, Betty und Mitch mit ihren Kollegen für das Servieren von Häppchen, und Lara mit ihrem ruhigeren Händchen hatten sie zusammen mit einigen anderen zum Tragen der Getränketabletts eingeteilt, schließlich durfte nichts von den edlen Tropfen verschüttet werden. Mylady war entzückt, dass sich die Gäste in ihren vom venezianischen Karneval inspirierten Kostümen amüsierten.

Für Lara verlief der Abend unspektakulär, obwohl sie und ihre Kollegen gut zu tun hatten. Den Gästen mundeten Canapés und Champagner sichtlich. Letzterer floss reichlich, bei denen mit Halbmasken, im Gegensatz zu den wenigen als Moretta muta erschienenen Damen mit vollständiger Gesichtsbedeckung ohne Mundöffnung.

Was auch immer sie dazu bewogen hatte, das Spiel der perfekten Verhüllung mitzuspielen und den ganzen Abend über die Maske durch einen Knopf an deren Innenseite mit den Zähnen festzuhalten, angenehm war das für die Trägerinnen mit Sicherheit nicht, aber einen Vorteil hatten diese Masken: Plaudertaschen waren gezwungen, endlich einmal den Schnabel zu halten. First World Problems – die Probleme der Reichen und Schönen. Dagegen sind meine Füße das kleinere Übel, dachte Lara, und sie wusste, es würde nicht mehr lange dauern, und sie sehnte sich das Ende des rauschenden Festes herbei, was nicht zuletzt auch an den aufgeschnappten Gesprächsfetzen lag.

Blöd gelaufen für Clarks Schwester. Jetzt muss sie als Vogelscheuche in grün seine Ausrüstung bewachen und darf nichts essen. Gehässiges Kichern bohrte sich in Laras Gehörgang, und das Geläster ging weiter: Geht ja auch schlecht mit diesem grünen Ungetüm vom Gesicht. Ist vielleicht besser so – dann kann sie sich schon mal an die Diät gewöhnen. Das Lästerobjekt kam in Sicht, und Lara folgte der Gestalt in Grün aus sicherer Entfernung mit den Augen. Dann sah sie ihn, mit einem Glas, das ihm die Grüngewandete in die Hand gedrückt hatte. Lara erstarrte.

Passend zur schlichten Halbmaske ganz in schwarz gekleidet, wirkte er eher wie ein Rockstar als wie ein Doge aus dem 16. Jahrhundert. Das ihm in Wellen auf die Schultern fallende honigblonde Haar verlieh seiner ganz und gar nicht venezianischen Aufmachung aus nachlässig geknöpftem Hemd und Lederhose etwas verwegenes und ließ ihn aus der bunten Menge herausstechen. Graublaue Augen… Ihre Blicke trafen sich über die Köpfe der anderen hinweg und blieben für wenige Sekunden aneinander haften. Wie auf Knopfdruck verflog Laras Müdigkeit. Sie kannte jeden der Anwesenden. Ihn dagegen hatte sie noch nie gesehen, aber es war ihr egal; so egal wie ihre Devise, sich stets unauffällig zu verhalten. Es konnte gewiss nicht schaden, sich ihm zu nähern, Getränke zu servieren war schließlich ihr Job.

Kurz darauf überreichte sie dem attraktiven Fremden einen Sektkelch, und als er ihn entgegennahm, richteten sich die feinen Härchen an ihrem Unterarm auf, wo seine Finger sie berührten. Es kam ihr wie ein Wunder vor, dass von den Umstehenden niemand die Elektrizität in der Luft spürte oder ihr anmerkte, wie sehr ihre Nerven flatterten. Als sie sich von ihm löste, nahm sie aus dem Augenwinkel seinen Namen auf dem laminierten Ausweis wahr: Clark Douglas. Pressefotograf. Dass sie sich aber auch immer in die Falschen verlieben musste. Am besten vergaß sie die ganze Geschichte gleich, doch wenn sie an diese graublauen Augen dachte, bekam sie auf der Stelle weiche Knie. Sie brauchte dringend Abkühlung. Doch vorher musste sie ihre sich schier in die Länge ziehende Runde noch zu Ende bringen. Je mehr leere Gläser sich auf ihrem Tablett sammelten, desto nervöser wurde sie, und sie betete, dass es auf den letzten Metern nicht noch Scherben gab. Ein letzter Blick zurück in die Menge, doch der Mann in Schwarz war verschwunden. Vielleicht war es ja besser so.

Aber irgendwann konnte sie endlich das Tablett loswerden. „Ich geh‘ dann mal Nigel suchen“, rief sie, erhielt aber keine Antwort. Unter dem Vorwand, eine neue Lage Champagner zu holen, hastete Lara ins Freie. Die kühle Luft ließ sie erschauern, doch die frostigen Temperaturen waren nichts gegenüber der Eiseskälte, die sich um ihr Herz legte, als sie mitansehen musste, wie sich Clark und ihr Kollege Mitch vor den Stufen zum Weinkeller engumschlungen und leidenschaftlich küssten.

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Die Schreibthemen im Februar sind: 1) Märchenhaft – schreibe eine Geschichte zu folgender Szene: Lara geht auf einen Maskenball, dort trifft sie auf Clark – es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch Clark ist nicht der, für den er sich ausgibt. Lüfte sein Geheimnis am Ende deiner Geschichte. +++ 2) Am 28. Februar ist Tag der Zahnfee! Schreibe ihr zu Ehren einen Brief. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “In einer so unbequemen Lage war er noch nie, doch…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: karamellisierte Erdnüsse, Liebesgeständnis, rosarot, dunkelblau, Kerzenlicht. +++ 5) Du bist für einen Tag Wettermoderator/in – Schreibe den Text für deine Wettervorhersage fürs Wochenende – sei dabei möglichst originell – Lügen oder Katastrophenvorhersagen sind erlaubt.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Ein Kommentar zu “# Writing Friday 2021 – Februar, 7. Woche – Teil 2 : In Venice

  1. Pingback: ABC -Etüden – Woche 6 & 7 – Etüde 2 : Der Morgen danach | Blaupause7

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