ABC -Etüden – Woche 6 & 7 – Etüde 4 : vor dem Brexit

Etüde Nummer vier mit den von wortman gespendeten Wörtern blockieren, Affe und neu beschäftigt sich zur Abwechslung mal mit wirklichen Affen und nicht nur mit sprichwörtlichen…

… eingebaut in eine für sich alleine stehende Kurzgeschichte mit einer Punktlandung von exakt 300 Wörter (ohne die Überschrift) – die hübsche Illustration stammt wie immer von Christiane.

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Vor dem Brexit

Die ganze Nacht waren sie durchgefahren, nun standen sie am Strand und kamen gerade noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang. „Der Felsen von Gibraltar – Heimat unzähliger Affen“ las Marc vom Display seines neuen Smartphones ab, während Suzanne ihr Badetuch im Sand ausrollte. Kurz darauf stießen sie mit einem Glas Rioja auf den vor ihnen liegenden Tag in der britischen Exklave auf spanischem Boden an.

„Besuchen Sie Gibraltar, so lange es für EU-Bürger ohne Pass oder Visum noch geht“ – damit kamen sie den Spekulationen im Freundes- und Familienkreis darüber, was nach dem Brexit noch ging, geschickt zuvor. Weniger geschickt war das zweite Glas Rioja gewesen – mit ihrer beider Fahrtüchtigkeit war es nicht mehr weit her, aber wenigstens hatte der Alkohol ihr Urteilsvermögen noch nicht vollständig blockiert. Ein Spaziergang zur Seilbahn und dann damit hinauf auf den berühmten Affenfelsen war jetzt genau das Richtige.

Hui, wie das schaukelte. Kam’s von der schwankenden Kabine oder vom Rioja? Egal – froh, endlich oben angekommen zu sein, war Suzanne von dem Ausblick überwältigt. Freie Sicht bis nach Afrika – der Gedanke, ein Foto davon zu schießen, war zwar verlockend, trotzdem ließ sie das besser bleiben; denn so drollig die Berberäffchen auch sein mochten, fand sie doch, dass die Smartphones besser bei ihr und Marc aufgehoben waren als im Warenlager der diebischen Tierchen.

Schon bald waren sie umringt von den pelzigen Gesellen. Nicht füttern, hatte Marc seiner Freundin eingeschärft, und so hatten sie darauf verzichtet, irgendwelche Snacks mit nach oben zu nehmen. Gut, dass sie ihre Telefone sicher verstaut hatten, atmete Suzanne angesichts der Belagerung hörbar auf, als sie plötzlich wie durch einen Nebel ein verräterisches Klimpern wahrnahm. „Die Schlüssel! Verdammter Mist!“ Marcs entsetzter Schrei ließ sie mit einem Schlag nüchtern werden.

Noch nie war ihnen der Weg zurück zum Auto so lang vorgekommen.

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Den Tipp, Smartphone oder Kamera nicht zu benutzen, wenn mir beide wichtig sind, und den darin auftauchenden Satz vom Warenlager mit gestohlenen Handys habe ich irgendwo im Internet gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Aus diesem Grund habe ich selbst darauf auch verzichtet, Bilder von meiner Schiffsfahrten entlang der Niagarafälle oder auf dem Sankt-Lorenz-Strom zu schießen: Wäre mein Smartphone nass geworden oder gar über Bord gegangen, hätte ich nicht mehr weiter gewusst.

5 Kommentare zu “ABC -Etüden – Woche 6 & 7 – Etüde 4 : vor dem Brexit

  1. Lieber Himmel. Dinge, die die Welt nicht braucht. Aber klar, Affen klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist.
    Was deine Sorge um das Smartphone angeht: Kann ich gut verstehen, das Ding ist ja inzwischen quasi die Schaltzentrale des Lebens … 😉
    Sonntagnachmittagkaffeegrüße 😁⛅☕🍪👍

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.21 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram | Irgendwas ist immer

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