Cinema-Scope 2021 im Februar : Die feine Gesellschaft …

… steht teilweise im Fokus oder auch am Pranger in den zehn im Februar von mir ausgewählten Produktionen. In diesem kurzen Monat geht die Auslosung weiter. Von allen aus dem letzten Jahr Übriggebliebenen bekommen jetzt die folgenden DVDs als sogenannte „Leftovers“ eine neue Chance:

Aretha Franklin – Amazing Grace +++ Ballon +++ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Bombshell – das Ende des Schweigens +++ Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere +++ Die perfekte Kandidatin +++ Ein leichtes Mädchen +++ Kursk +++Snowpiercer +++ The favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Waltz with Bashir

Nachdem ich mir im Januar „Love Story“ gegönnt habe, sind nun noch zehn Filme und eine Serie aus völlig unterschiedlichen Genres übrig, die ich auf die restlichen elf Monate verteilen möchte.

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La Boum 2 – die Fete geht weiter + A United Kingdom + Picnic at Hanging Rock + Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere + Systemfehler – Wenn Inge tanzt + Notting Hill + Juliet, Naked + Agatha und die Wahrheit des Verbrechens + Die Farbe des Horizonts + Nicht auflegen!

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La Boum 2 – die Fete geht weiter (1982): Zwei Jahre nach „La Boum – die Fete – Eltern unerwünscht“: Durch ein Missgeschick lernt Vic (Sophie Marceau) Philippe (Pierre Cosso) kennen und verliebt sich in ihn. Doch außer ein paar harmlosen Knutschereien hat Vic keinerlei Erfahrung in der Liebe, und hinzu kommt noch, dass die Ehe ihrer Eltern noch lange nicht im Lot ist; jetzt entbrennen sich Streits nicht mehr an Seitensprüngen, sondern an der beruflichen Laufbahn des jeweils anderen. Und dann ist da noch die Urgroßmutter, die jetzt eigentlich ihren langjährigen Freund heiraten könnte, nachdem dessen Ehefrau überraschend das Zeitliche gesegnet hat, aber nicht weiß, was sie machen soll. Mag der Film an den Kinokassen nicht ganz so erfolgreich gewesen sein wie sein Vorgänger, so habe ich mich doch blendend amüsiert, als mir nach leichter Unterhaltung war.

A United Kingdom (2016): Eine Liebe gegen alle Widerstände; als sich die Sekretärin Ruth Williams (Rosamund Pike) und Seretse Khama (David Oyelowo) sich im London der Vierziger Jahre ineinander verlieben und heiraten möchten, ahnen sie nicht, dass sie damit auf Ablehnung von allen Seiten stoßen. Seretse ist nämlich nicht irgendwer, sondern Thronfolger des britischen Protektorats Betschuanaland (das spätere Botswana). Und so sind nicht nur die Familien beider gegen die Beziehung, sondern vor allem Südafrika, unterstützt von Großbritannien, das einen Konflikt mit dem wichtigen Partner nicht riskieren möchte und vor allem an Bodenschätzen interessiert ist. Neben Südwestafrika und Rhodesien versucht Südafrika als direkter Nachbar Betschuanalands, die geplante Eheschließung zu verhindern, da diese einen Affront gegen Südafrikas Apartheitspolitik darstellen würde. Was als Liebesdrama beginnt, entwickelt sich schnell zum spannenden Politthriller, in dem Sir Winston Churchill eine unrühmliche Rolle spielt. Weitere Darsteller in diesem mitreißenden Drama: Laura Carmichael (Downton Abbey) als Ruths Schwester Muriel und Tom Felton (Harry Potter) als District Commissioner Rufus Lancaster – letzteren hat es trotz allem nicht gegeben, sondern wurde für die Geschichte frei erfunden, obwohl die Filmbiografie auf der Biografie „Colour Bar: The Triumph of Seretse Khama and His Nation“ der Historikerin Susan Williams basiert.

Picnic at Hanging Rock (2018): Neuauflage des Filmklassikers von Peter Weir, nun als Miniserie mit Natalie Dormer, Yael Stone und Samara Weaving in den Hauptrollen. Anders als der Film aus den Siebziger Jahren, konzentriert sich der australische Sechsteiler auf die Auswirkungen, die das Verschwinden dreier Schülerinnen und einer Lehrerin am Valentinstag des Jahres 1900 auf Mitschülerinnen, Lehrerinnen und Personen aus dem direkten Umfeld der Vermissten hat. In Rückblenden erfährt man mehr über die Geschichten der einzelnen Charaktere, insbesondere über die undurchsichtige Schulleiterin Hester Appleyard, sowie die Beziehungen untereinander. Besonderen Eindruck auf mich haben aber nicht die Kostüme gemacht, sondern die Musik, mit der das teilweise sehr düster wirkende Drama aus der viktorianischen Ära unterlegt ist – beklemmend und hypnotisch, und völlig anders als die Panflötenmusik, die den Soundtrack von Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“ bestimmt.

Der Hobbit – die Schlacht der fünf Heere (2014): Was für ein Filmabend. Es ist schon eine Weile her, dass ich sowohl die Bücher gelesen als auch die Verfilmung vom Herrn der Ringe gesehen habe. Dass man nun unbedingt das verhältnismäßig sehr dünne Büchlein über den Hobbit als Trilogie in die Kinos bringen musste und Erzählstränge in der Verfilmung auftauchten, an die ich mich so gar nicht erinnern konnte, hat mich das ein oder andere Fragezeichen in die Luft starren lassen. Aber die Krönung für mich (aber nicht im positiven Sinne) war jene kurze Sequenz, in der ich mich plötzlich im falschen Film wähnte – als nämlich die Sandwümer, Höhlenbohrer oder wie man sie auch immer in Mittelerde nannte, ans Tageslich kamen und eine fatale Ähnlichkeit mit den Sandwürmern aus „Dune – der Wüstenplanet“ aufwiesen. Waren das wirklich fünf Heere? Oder vielleicht doch nur drei oder vier? Egal – der große Wurf war’s nicht, aber ganz okay für einen unterhaltsamen Filmabend mit meiner Schwester, die den Streifen mitgebracht hatte (die temporären Crushs haben wir an diesem Abend sauber unter uns aufgeteilt – für sie war’s Richard Armitage, für mich Aidan Turner).

Systemfehler – Wenn Inge tanzt (2013): Mit „Wenn Inge tanzt“ hat die Punkrock-Band Systemfehler einen ersten kleinen Hit im Radio landen können, und nun winkt der ersehnte Plattenvertrag. Doch die Sache hat einen Haken: Der Song ist ein Schmählied über die „Öko-Tussi“ Inge, die ihren vier Mitschülern verständlicherweise nicht gerade freundlich gesonnen ist, und dann fällt der Gitarrist auch noch durch einen Unall durch eigenes Verschulden bei einem Gig für Wochen aus. Also muss Ersatz her, und da sich niemand vernünftiges findet, muss nun ausgerechnet Inge den an den Handgelenken geschienten Joscha bei einem Konzert als Vorband von Madsen ersetzen… Die Komödie lavierte stellenweise doch arg am Rande des guten Geschmacks vorbei, war für einen gemütlichen Nachmittag, an dem ich Aufheiterung gebrauchen konnte, für mich genau das Richtige. Dass sich die zwei völlig gegensätzlichen Hauptcharaktere Inge (Paula Kalenberg) und Sänger Max (Tim Oliver Schulz) ineinander verlieben – geschenkt. Die wahre Überraschung in dem Film, in dem die Band Systemfehler sich selbst und Jürgen Tarrach den unausstehlichen Hausmeister spielt, war für mich jedoch Peter Kraus. In den 50er Jahren war der Rock’n’Roll-Sänger neben Ted Herold ein Teenageridol – in „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ nimmt er sich selbst auf die Schippe, indem er Max‘ Onkel Herb spielt, der in Erinnerungen an seine große Schlagerkarriere in den 70er Jahren und seine Auftritte in der ZDF-Hitparade schwelgt und jeden Tag so lebt, als sei dieser sein letzter.

Notting Hill (1999): Als es Hollwoodstar Anna Scott (Julia Roberts) nach Notting Hill verschlägt, kann Buchhändler William Thacker (Hugh Grant) sein Glück kaum fassen – zwischen ihm und der Schauspielerin bahnt sich eine Romanze an, doch diese ist leider nicht von langer Dauer, denn es scheint, dass er für sie wohl nicht mehr als nur ein flüchtiger Bekannter ist – gar heftig ist der Liebeskummer, unter dem der arme William daraufhin leidet; und leider ist dann auch diese eine Szene, in der der zu Tode betrübte William in einer einzigen Einstellung durch drei Jahreszeiten über den Straßenmarkt von Notting Hill schlurft, das einzige, was ich an dem Film, den andere für den Inbegriff der romantischen Komödie halten, bemerkenswert fand.

Juliet, Naked (2018): Oder auch „wenn hartgesottene Fans nerven“… In dieser romantischen Komödie reicht es der in einem britischen Küstenstädtchen lebenden Annie (Rose Byrne), nachdem ihr Lebensgefährte Duncan (Chris O’Dowd) ihr nach fünfzehn gemeinsamen Jahren einen Seitensprung beichtet. Eigentlich war die Beziehung vorher schon nicht das Wahre, denn an der Seite des Hardcore-Fans spielt sie im Prinzip nur die zweite Geige, weil ihr Duncan den Independent-Musiker Tucker Crowe (Ethan Hawke) vergöttert. Dieser ist vor Jahren während eines Gigs spurlos verschwunden, und so ranken sich die wildesten Gerüchte um seinen Verbleib. Ausgerechnet mit diesem gerät sie durch Zufall in Kontakt und korrespondiert mit ihm per E-Mail, ohne zu ahnen, dass dieser schon bald in London auftauchen wird. Mit der Verfilmung eines weiteren Romans von Nick Hornby hatte ich viel Vergnügen und mir vorgenommen, bloß nie so zu werden wie Duncan, der ein Zimmer im Keller zu einem Schrein für sein Idol ausgebaut hat und sich das Objekt seiner Fanbegeisterung zum Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen erklärt hat, und dann den Ärmsten noch nicht mal erkennt, als er persönlich vor ihm steht.

Agatha und die Wahrheit des Verbrechens (2018): „Dieser Film wurde nicht von den Erben (der Erbgemeinschaft) Agatha Christies oder Agatha Christie Limited gebilligt, lizenziert oder autorisiert“, heißt es im Abspann zu diesem Film, der allein auf Spekulationen um das elftägige Verschwinden der Queen of Crime im Jahr 1926 beschäftigt. In dieser Variante versteckt sich Agatha Christie jedoch nicht in einem Kurhotel wie in dem Filmdrama von 1979 mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle, sondern betätigt sich als Privatermittlerin in einem sechs Jahre zurückliegenden und nie gelösten Mordfall, wobei recht schnell ein weiterer Mord geschieht. Doch was sich für mich zunächst noch spannend angehört hat, entwickelt sich recht schnell als Schlaftablette mit Logiklöchern, bei der ich mich am Ende fragte, wieso sich plötzlich alle auf die überführten Täter eingeschossen haben.

Die Farbe des Horizonts (2018): Open Water mit Schiffbruch. Nachdem Hurrikan Raymond 1983 den Segler Richard (Sam Claflin) über Bord gefegt hat, muss seine Verlobte Tami (Shailene Woodley) alleine klarkommen und 41 Tage lang um ihr Überleben kämpfen. „Nach einer wahren Geschichte“ heißt es zu Beginn des Films, und schon bald wurde mir klar, dass nach dem Krimispektakel um Agatha Christie auch dieses Drama meinen Geschmack nicht treffen würde – doch im Gegensatz zu der Hauptdarstellerin wusste ich, dass der Alptraum nach 97 Minuten vorbei sein würde.

Nicht auflegen! (2002): In der Kürze liegt die Würze: Phone Booth – so kurz und knackig, wie der Titel, der sich auf den Schauplatz bezieht, so ist mit 78 Minuten auch die Laufzeit des spannenden und in Echtzeit gedrehten Thrillers mit Colin Farrell in der Hauptrolle des PR-Beraters Stu geraten. Wenn es klingelt, muss man doch abheben, oder nicht? Ach, wie gerne hätte ich diesem Typen im schicken italienischen Anzug und der gefälschten 2000-Dollar-Uhr am Handgelenk jenen Spruch mit auf den Weg gegeben, den ich jahrelang an meinem Festnetzapparat im Büro befestigt hatte: „Kein Telefon hat einen verfassungsmäßigen Anspruch darauf, abgenommen zu werden.“ Normalerweise ist sich der mit allen Wassern gewaschene Stu für keine Lüge zu schade, um durch Manipulation anderer seine Ziele zu erreichen, und wenn er seine Geliebte von einer Telefonzelle aus anruft, nimmt er den Ehering ab. Nun aber steht er in eben dieser Telefonzelle im Fadenkreuz eines psychopathischen Serienkillers (Kiefer Sutherland), der so ähnlich tickt wie „Jigsaw“ in SAW, und muss vor aller Öffentlichkeit nicht nur einen Seelenstriptease vom Allerfeinsten hinlegen, sondern auch um das Leben seiner Frau und seiner Geliebten fürchten, die beide am von Scharfschützen umstellten Tatort aufkreuzen. Interessantes Detail am Rande: Das Drehbuch zu dem filmischen Kammerspiel, das in chronologisch richtiger Reihenfolge gedreht wurde, geht auf eine Idee von Alfred Hitchcock zurück – vielleicht fand ich den Film deshalb so spannend.

Mein Film des Monats war „A United Kingdom“ – die Gurke des Monats dagegen „Agatha und die Wahrheit des Verbrechens“ – allerdings war mir am Ende des Monats nicht mehr nach irgendwelchen Filmen, nachdem Corona auch in meiner Familie mit fatalem Ausgang zugeschlagen hat.