Cinema-Scope 2021 im März : wenn man sich mit den Falschen anlegt

Was passiert, wenn man sich mit den Falschen anlegt, ist ein Motto, das sich diesen Monat wie ein roter Faden durch die meisten Filme zieht, die ich mir für diesen Monat ausgesucht habe und bei denen Action im Fokus steht, weil mir weder nach herzzerreißenden Dramen noch nach überdrehten Komödien der Sinn gestanden hat.

Als kleine Flucht vom tristen Alltag sind sie also bestens geeignet – und das Raten, welcher Leftover aus dem letzten Jahr eine neue Chance bekommt, geht weiter: Aretha Franklin – Amazing Grace +++ Ballon +++ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Bombshell – das Ende des Schweigens +++ Ein leichtes Mädchen +++ Kursk +++ Snowpiercer +++ The favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Waltz with Bashir… davon sind jetzt noch neun Filme und eine Serie übrig…

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Brügge sehen… und sterben? +++ Ca$h +++ True Grit +++ The Circle +++ Lonely Hearts Killers +++ Gesetz der Rache +++ Chronicle – wozu bist du fähig? +++ Fight Club +++ Teen Spirit +++ Kick it like Beckham +++ The Favourite – Intrigen und Irrsinn +++ Queen & Slim

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Brügge sehen…und sterben? (2008): Nach einem nicht ganz so glatt gelaufenen Auftrag finden sich die Auftragskiller Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) auf dem Abstellgleis bzw. im mittelalterlichen Brügge wieder, um in einem kleinen Hotel auf einen Anruf ihres Chefs Harry (Ralph Fiennes) zu warten. Während Ken von der geschichtsträchtigen Umgebung schier begeistert ist, langweilt sich Ray zu Tode. Was er nicht weiß: Ken soll seinen das Chaos anziehenden Kollegen umbringen, bringt es aber nicht übers Herz, als es soweit ist – und als es ihm schließlich gelingt, Ray in einen Zug zu setzen, kommt dann doch alles anders…

Ca$h (2010): Alles Gute kommt von oben? Nicht, wenn auf der Motorhaube ein Koffer voller Geld landet, den ein skrupelloser Verbrecher wiederhaben will und nicht lockerlässt, nachdem der „glückliche“ Finder Sam (Chris Hemsworth) und dessen Frau Leslie (Victoria Profeta) von der Beute schon einen Teil ausgegeben haben – auf das Geld zu verzichten ist für Pyke Kubic (Sean Bean) keine Option, also zieht das ungleiche Trio los, um durch eine Serie von Raubüberfällen auf diverse Läden an die fehlenden dreizehntausend Dollar zu gelangen.

True Grit (2010): Zusammen mit dem dauerbetrunkenen US-Marshal Reuben Cogburn (Jeff Bridges) und zeitweilig begleitet von dem Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) begibt sich die vierzehnjährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) auf eine ganz private Mission, um Tom Chaney (Josh Brolin), den Mörder ihres Vaters, zur Strecke zu bringen, nachdem sie von den Behörden keine Hilfe bekommen hat. Dass Mattie sich das Stellen des Übeltäters etwas zu einfach vorgestellt hat, geht ihr dann auch just in dem Moment auf, als ihr Revolver versagt und Chaney und seine Bande nun ihrerseits das Mädchen überwältigen und kidnappen – doch die Banditen haben ihre Rechnung ohne Cogburn und La Boeuf gemacht. Während der knapp zwei Stunden konnte ich mich ausgiebig an den Weiten von Texas und New Mexico erfreuen, und dramaturgisch gab’s für mich auch nichts zu meckern. Einzig bei der sich ständig wiederholenden Musik, insbesondere bei dem Kirchenlied „Leaning on the everlasting arms“, musste ich permanent an den Film „Die Nacht des Jägers“ denken – ein Eindruck, den die die am Horizont entlang reitende Silhouette in Schwarz vor einem sich rötlich färbenden Himmels noch verstärkt hat.

Die Musik zu True Grit, gefunden auf youtube- https://www.youtube.com/watch?v=VmhBUxUDPTA

The sleepless hunter, ebenfalls gefunden auf youtube – https://www.youtube.com/watch?v=9PyNL2ahKwc

The Circle (2017): Jeder weiß über jeden Bescheid, und das nicht nur bei „The Circle“, sondern überall auf der Welt: So sieht es aus, das Ziel dieser Firma (einer Mischung aus Google und Facebook), mit der man sich besser nicht anlegt. Dabei haben es die Firmengründer doch bloß gut gemeint: Alle Daten unter einem Dach und alles aus einer Hand – wer kann dazu schon nein sagen? Und überhaupt – das Zauberwort ist „sharing is caring“ oder, holprig für die deutsche Synchronfassung in „teilen ist heilen“ übersetzt; was zu der Schlussfolgerung führt, dass all jene, nicht freiwillig mitmachen, etwas zu verbergen haben. Du willst wählen? In Zukunft aber nur noch, wenn Du ein Circle-Account hast. Und natürlich geht damit auch die Verpflichtung zum Wählen einher – ein kleiner Preis, den man für die Verwirklichung der vollkommenen Demokratie doch gerne zu zahlen bereit sein wird. Demokratie pur – oder vielleicht doch eher die totale Diktatur? Denn wo die Möglichkeit zur sanktionsfreien Enthaltung fehlt, kann von Freiheit keine Rede mehr sein. In der Verfilmung des dystopischen Romans von Dave Eggers (mit Emma Watson und Tom Hanks in den Hauptrollen) steht eine erschreckende Zukunft mit vollkommener Datenkontrolle bereits vor der Tür. Auch wenn in weiten Teilen die Atmosphäre des Buchs wiedergegeben wurde, hat mich der Film mit gemischten Gefühlen zurückgelassen.

Lonely Hearts Killers (2006): Die Jagd auf das sich als Geschwisterpaar ausgebende Serienmörderpärchen Martha Beck & Raymond Fernandez, auch bekannt als Lonely Hearts Killers, ist eröffnet, und die Cops (John Travolta/James Gandolfini) geben keine Ruhe, bis sie das mörderische Paar zur Strecke gebracht haben. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte – Opfer waren stets alleinstehende, wohlhabende Frauen, die auf den Heiratsschwindler hereinfielen und dabei leider nicht nur ihr Vermögen, sondern auch ihr Leben verloren. Den schmierigen Raymond, der von der manipulativen Martha (Salma Hayek) dominiert wird, konnte Jared Leto glaubhaft verkörpern, und mindestens genauso überzeugend kam für mich John Travolta als Polizist, der seine Frau durch Suizid verloren hat, in diesem spannenden Thriller rüber.

Gesetz der Rache (2009): Dass Jura nichts mit dem Gesetz zu tun haben muss, möchte der von Rache getriebene Clyde Shelton (Gerard Butler) mit drastischen Maßnahmen allen vor Augen führen, die seiner Meinung für alles stehen, was im amerikanischen Rechtssystem verkehrt läuft. Dabei beweist sein Rachefeldzug, dem nacheinander die Mörder seiner Familie, mehrere Justizangestellte, der Strafverteidiger und die Richterin zum Opfer fallen, dass Vergeltung nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Actiongeladener Thriller, der es an einigen Stellen mit der Action und der Pyrotechnik arg übertreibt und es mir als Zuschauerin unmöglich gemacht hat, mich für eine bestimmte Seite zu entscheiden.

Chronicle – wozu bist du fähig? (2012): Wenn man durch den Kontakt mit einem rätselhaften Objekt telekinetische Fähigkeiten entwickelt und nicht weiß, wie man mit seinen gerade erst entdeckten Superkräften umgehen soll, dann hat man einen weiteren Film, dem man einem bestimmten Genre zuordnen könnte: In „Chronicle“ sind es drei Schüler, die zu Superhelden wider Willen mutieren und bald gar nichts mehr im Griff haben. Found Footage meets „Carrie“? So ähnlich habe ich mich bei dem Mix stellenweise gefühlt, fand das 83 Minuten kurze Spektakel mit interessantem Ausgang dann aber doch unterhaltsamer als zunächst befürchtet.

Fight Club (1999): Mit dem durchgeknallten Tyler Durden (Brad Pitt) sollte man sich besser nicht anlegen, wenn man von heute auf morgen nicht alles verlieren möchte. Diese Erfahrung muss der nicht näher benannte Hauptcharakter (Edward Norton) machen, nachdem er zusammen mit Durden geheime und nicht ganz legale Zweikämpfe organisiert. Doch was als regelmäßiges Ventil zum Dampfablassen am Samstagabend begonnen hat, entwickelt sich bald zum Selbstläufer mit gestellten „Hausaufgaben“ wie dem Anzetteln von Schlägereien oder Zerstörung von Läden, bis hin zur Bildung einer terroristischen Vereinigung mit Filialen überall in den USA unter dem Decknamen „Projekt Chaos“. Dass mit dem mysteriösen Tyler Durden etwas ganz und gar nicht stimmt, kann man schon zu Beginn erahnen, wenn seine Gestalt immer nur für Bruchteile von Sekunden im Bild erscheint.

Teen Spirit (2018): Elle Fanning als schüchterne, in einem kleinen Dorf auf der Isle of Wight lebende Violet, die an der Talentshow „Teen Spirit“ teilnimmt und Unterstützung durch den ehemaligen kroatischen Opernsänger Vlad erhält. Gewinnt sie oder gewinnt sie nicht – das ist in solchen Filmen die entscheidende Frage; doch nicht, dass sie als Gewinnerin aus diesem Wettbewerb hervorgeht, ist das Interessante an der im Prinzip vorhersehbaren Handlung, sondern das Wie und der Weg dort hin. Gefallen hat mir an dem Drama die Musik und dass mir von der Besetzung außer Elle Fanning kein einziger Name etwas gesagt hat, und für einen entspannten Nachmittag bei Schietwetter hat die Musik allemal etwas getaugt. Nicht die schlechteste Wahl zum Ablenken.

Kick it like Beckham (2002): Von wegen Fußball ist langweilig. Missverständnisse ziehen sich durch diese britisch-deutsche Komödie: Die einen haben Jess (Parminder Nagra) beim Knutschen mit einem Jungen an der Bushaltestelle gesehen, andere erhaschen Fetzen eines Gesprächs zwischen Jess und Jules (Keira Knightley) und schließen daraus messerscharf, die beiden wären ein Paar. Dabei möchte Jess doch nur Fußball spielen – in einer Mädchenmannschaft, und sie und Jules sind bloß beste Freundinnen und Teamkolleginnen – doch Fußballspielen schickt sich für ein indisches Mädchen nicht. Dass sich Jess trotz aller Bemühungen, es allen recht zu machen, dann auch noch in ihren Trainer Joe (Jonathan Rhys Meyers) verliebt und er sich in sie, setzt dem Drama die Krone auf, weil eine solche Beziehung nicht nur nicht erlaubt ist, sondern ausgerechnet Jules bis über beide Ohren in Joe verknallt ist… Den Film hat meine Schwester angeschleppt, und als wir ihn uns zusammen angeschaut haben, musste ich feststellen, dass der Film nicht nur durch die Besetzung, sondern auch durch die mitreißende Musik bei mir auf ganzer Linie punkten konnte.

The Favourite – Intrigen und Irrsinn (2018): Stoppt die Infektion! Nein, mit Corona hat dieser das achte Kapitel einleitende Satz in diesem bitterbösen Historiendrama, einer eigenwilligen Mischung aus Drama und Komödie, nichts zu tun. Denn die Handlung ist im England des 18. Jahrhunderts angesiedelt und dreht sich um das Intrigenspiel am Hofe von Königin Anne (Olivia Colman), und im Kampf um die Gunst der von Gicht geplagten Königin schrecken Sarah Churchill, die Duchess of Marlborough (Rachel Weisz) und ihre Kusine Abigail Masaham (Emma Stone) vor nichts zurück. Es hat nicht sehr lange gedauert, bis ich mich gefragt habe, wer hier eigentlich wen manipuliert und wer wirklich die Macht im Königreich hat…

Queen & Slim (2019): Eine aus dem Ruder gelaufene Polizeikontrolle, bei der der Polizist an einer Schussverletzung stirbt, führt dazu, dass sich ein junges afroamerikanischen Paares, das sich gerade erst über Tinder kennengelernt hat, plötzlich auf der Flucht befindet. Zum Ziel ihrer Reise, während der sie von den einen zu Ikonen der Black-Lives-Matter-Bewegung hochstilisiert und von den anderen mit Bonnie und Clyde verglichen werden, haben sie Kuba auserkoren. Wer aber weiß, wie die Geschichte von Bonnie und Clyde ausgeht, fragt sich, ob sie ihr Ziel jemals erreichen werden und ob man diesen Vergleich vielleicht nicht doch besser nicht gemacht hätte.

Damit lasse ich es für diesen Monat auch schon wieder gut sein, denn zwölf Filme reichen mir vollends, auch wenn ich hier noch welche herumliegen habe – dann kommen sie halt im April an die Reihe. Außerdem hat der Mittwochabend bei mir wieder seinen festen Sendeplatz mit zwei Serien.

„9-1-1 : Notruf LA“ ist zurück und hat einen Ableger bekommen, denn von Ryan Murphy und Brad Falchuk, den Schöpfern von „American Horror Story“ gibt es nach „9-1-1 : Notruf LA“ nun eine neue Serie mit dem klangvollen Namen „9-1-1: Lone Star“.

Klingt nach Wildwest-Abenteuer, spielt aber in Austin (Texas). Hier soll Owen Strand (Rob Lowe), der eine Feuerwache in Manhattan geleitet hat, eine komplett neue Wache aufbauen, nachdem es hier ein flammendes Inferno gegeben hat. Kein leichtes Unterfangen, denn er beißt gleich zu Beginn bei Captain Michelle Blake (Liv Tyler), die bei den Sanitätern das Sagen hat und damit eigentlich an der Spitze steht, auf Granit.

Eine Klasse für sich bzw. eine harte Nuss sind auch die Einstellungs- bzw. Rekrutierungsgespräche, mit denen eine neue Crew gefunden werden soll. Diese musikalisch mit dem Hit „Need you tonight“ von INXS in voller Länge zu untermalen, darauf muss man auch erst mal kommen, denn diesen Kontext hatten die Komponisten dieses 80er-Jahre-Klassikers garantiert nicht im Sinn gehabt. Alles in allem bin ich gespannt, wie sich dieser Spin-Off entwickelt.

Film des Monats: The favourite – Intrigen und Irrsinn / Gurke des Monats: keine.

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