ABC -Etüden – Woche 14 & 15 : Etüde 1 – Entdecke die Möglichkeiten

Die für die aktuelle, an Ostern ausgerufene Etüde auf Christianes Blog gespendeten Wörter stammen von Ludwig Zeidler (der nicht bloggt) und Christiane selbst. Sie lauten Sonnenhut – haltlos – massieren, und diesmal stehen sogar drei Illustrationen zur Auswahl. Das ruft förmlich nach dem Schreiben mehrerer Etüden. Vielleicht schaffe ich ja doch drei…

Spieglein, Spieglein in meinem Heim – wer mag die Frau mit Hut wohl sein?

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Entdecke die Möglichkeiten

Dieses Treffen hätte Marlene am liebsten aus der Erinnerung gestrichen.

„An Deiner Stelle würde ich ja bei Deinem Herzblatt mal genauer hinsehen.“

Was hatte Nathalie da gerade gesagt? Wie konnte sie nur andeuten, Manfred ginge fremd? Er war auf einer Fortbildung – wie konnte sie ihn da mit einer anderen gesehen haben?

„Bist Du wirklich so naiv? Aber glaub doch, was Du willst – es ist ja auch nicht meine Ehe!“

In Marlenes Ohren rauschte es. Haltlose Unterstellungen? Leider aber nicht: Vor ihr lagen Aufnahmen von Manfred in inniger Umarmung mit einer Rothaarigen vorm Hotel Amethyst: ein wahrhaft schlechter Film, ihre Stimme kommentierte jede seiner Szenen aus dem Off. Überstunden und Fortbildungen… wer’s glaubt! Die roten Flecken auf dem zerknüllten Tempo… Lippenstift! Das kupferrote Haar auf seinem Anzug… nicht von mir, schließlich bin ich blond.

Erschöpft massierte Marlene ihre pochenden Schläfen. Wie hatte es nur so weit kommen können? Seit damals hatte sie sich nicht allzu sehr verändert, war mit Anfang Fünfzig immer noch attraktiv. Sie musste sich bloß die Bilder von der letzten gemeinsamen Tour mit ihren Freundinnen ansehen. Vom Wein berauscht, hatte sie sich vor der Bühne auf der Loreley herumalbernd in Modelpose geworfen und ein Küßchen in Susis Kamera gehaucht.

Trotz des Schattens, den ihr riesiger Sonnenhut warf, konnte man auch heute noch erkennen, wieviel Spaß sie damals gehabt hatte. Aber mit dem Spaß war es nun vorbei. Jetzt, da die Beweise klar auf der Hand lagen, musste sie Manfred mit ihnen konfrontieren. Oder aber…

Natürlich stritt er alles ab, empörte sich über ihr mangelndes Vertrauen und verließ höhnisch lachend das Wohnzimmer. Typisch blond? Das schlug dem übergelaufenen Fass den Boden aus. Marlene war zwar blond, aber nicht so blond. Manfred würde sich noch wünschen, sie nicht unterschätzt zu haben.

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Die Etüde kurz zu halten und die Handlung so dicht wie möglich zu komprimieren, ist mir heute unglaublich schwer gefallen, und am Ende sind es 295 Wörter geworden.

Projekt ABC – G wie Gitarren

Wortman und aequitasetveritas teilen in diesem Jahr die Mitmachaktionen im 14tägigen Wechsel unter sich auf: „Momentaufnahmen“ und „Projekt ABC“ – hier symbolisiert ein Foto jeden Buchstaben des Alphabets (ohne Ä, Ö und Ü). Für das G habe ich auf Urlaubsfotos vom Sommer 2019 zurückgegriffen – zum Beispiel dieses Logo (bzw. Leuchtreklame):

Da sind mir nämlich jede Menge musikalische Themen vor die Linse gekommen, und die sind allemal schöner als das, was mir ursprünglich vorgeschwebt hatte (schottische Grabsteine aus der Vergangenheit waren dann selbst auch mir zu morbide) – und deshalb darf hier eine Ansammlung von Gitarren aus dem Hard Rock Café, Niagara Falls, und dem Royal Ontario Museum, Toronto, glänzen. Zum Beispiel eine Vitrine, die Elvis gewidmet ist:

Und dass nicht nur Solokünstler oder Bands eine Leidenschaft für Gitarren haben, sondern auch Tennisspieler, zeigt diese kleine Kollektion aus dem Hard Rock Café:

Im Royal Ontario Museum (Toronto) garnierten Leihgaben von Kirk Hammett (Metallica) eine Wand:

Passend zu dem gruseligen Thema, um die sich die Ausstellung gedreht hat, sind auch die Instrumente besonders schön gestaltet – Ouija, Nosferatu und Dracula zieren die einzelnen Resonanzkörper:

Schade, dass ich kein einziges Instrument beherrsche.