ABC -Etüden – Woche 16 & 17 : Etüde 6 – Die Rückblende, Teil 3

Nach Teil 1 und Teil 2 kommt Marlenes Zeitreise mit dem dritten Teil zum Abschluss. Damit steuere ich zur Etüdensammlung auf Christianes Blog (WortspendePfanne, glücklich, trennen von Doro) nun die insgesamt sechste Etüde bei.

Die Parole „Wir werden nicht jünger und auch nicht unbedingt fitter“ war dabei nicht als Thema geplant.

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Die Rückblende, Teil 3

„Ich bekomm’s nicht auf die Pfanne – sich ’nen Joint reinzuziehen. Dem Typ geb ich keine zehn Jahre mehr…“

Was? Kiffen auf der Bühne? Marlene sah die Schlagzeilen schon vor sich: Management und Band trennen sich. Wenn sie allerdings darüber nachdachte, wie oft man das Ende von INXS schon herbeigeschrieben hatte… Stress mit Fotografen, Stress untereinander, aber vor allem mit der Presse. Was man sich halt so aus den Fingern sog: „Kein glückliches Leben? – Schreib Bullshit. Sie werden’s Dir aus den Händen reißen.“

Nicht mit Marlene – bloß keine Ablenkung! Doch als es endlich losging, verabschiedete sich ihre Freude bei dem katastrophalen Sound. Außerdem war der vorhin als so abfällig bezeichnete „Typ“ nicht mehr der, in den sie sich dank MTV mit drei Jahren Verspätung verliebt hatte.

War das Zufall? Auch damals hatte sie flüchten wollen, doch dann waren The Police vergessen, und grenzenlos ihre Begeisterung, als der Musiksender das alte Küchenradio verdrängt hatte, sehr zur „Freude“ ihrer Mutter, die am Telefon aus ihrem Herzen keine Mördergrube machte: „Need you tonight. Nelly, wenn ich das noch einmal hören muss, schrei ich!“

Typisch Mama – so von vorvorgestern. Schmalztollen waren out. Coole Rockstars in heißen Outfits trugen langes Haar und waren in ihren Videos katzenhaft und sexy. Kein Vergleich zum Konzert in Hamburg, bei dem sich ihr das Bild eines aknegeplagten Teenies mit den ungelenken ersten Schritten eines Fohlens aufdrängte.

„Disappear“ – ihr Lieblingssong diente ihr als Stichwort für den Rückzug zum nächsten Getränkestand. Dort hoben sie und Susi ihre Gläser auf das Wohl des Bassisten, der morgen seinen vierzigsten Geburtstag feiern würde, auch wenn Marlene sich fragte, ob es nach diesem Fiasko noch etwas zu feiern gab.

„Das tun wir uns nie wieder an“, erklärte Susi schließlich und sollte damit zu Marlenes späterem Bedauern recht behalten.

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Der letzte Teil dieser Zeitreise, meine insgesamt dreißigste Etüde in diesem Jahr, hat ebenfalls genau 300 Wörter. Dreimal dreihundert Wörter in Folge, as hatte ich auch noch nie.

ABC -Etüden – Woche 16 & 17 : Etüde 5 – Die Rückblende, Teil 2

Hier kommt der zweite Teil von Marlenes Rückblende als insgesamt fünfter Beitrag zu den gesammelten ABC-Etüden auf Christianes Blog (Wortspende – Pfanne, glücklich, trennen – von Doro).

Einmal Fangirl, immer Fangirl? Bei manchen schlägt die Stunde am vierzehnten Geburtstag.

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Die Rückblende, Teil 2

„Hamburg im Regen…“, summte Frau Meißner und küsste ihren Mann, bevor sich ihre Wege trennten: Während sie im Hotel blieb, zogen Vater und Tochter gemeinsam los. Nach Geburtstagskuchen und Kaffee an der Alster wartete noch das eigentliche Geschenk. Wohin es ging – Überraschung! Aber Marlene wusste auch so Bescheid.

Waren nicht gerade The Police auf Tournee? Glücklich, wer so einen Papa hat, dachte sie. Nicht jeder stellte sich nach einem langen Tag bei Nieselwetter in eine Schlange, um zwei Stunden „Gewimmer“ auf sich zu nehmen, doch Herr Meißner blickte gerne über den Tellerrand hinaus. Aufgeregt hibbelte sie dem Einlass in die Markthalle entgegen. Sogar der WDR war da. Donnerwetter!

„Bernd hat ja sonst nicht viel auf der Pfanne, aber das kann er“, lobte Herr Meißner seinen Kollegen, dem er die Karten zu verdanken hatte. Falls man die Show irgendwann sendete, nähme er sie auf, vorausgesetzt, sie gefiel ihm. INXS… er hatte keine Ahnung, wer diese Newcomerband war und hoffte, Lenchen wäre nicht zu enttäuscht. Die zog, wie befürchtet, einen Flunsch.

Na toll – eine unbekannte, wildfrisierte Krachmachercombo! Happy Birthday. Der Schlaks am Mikrofon machte es nicht besser – dabei hatte sie sich doch so auf Sting gefreut. Wie man sie daheim beneidet hätte! Aber das hier: sechs australische Chaoten. Just keep walking? Am liebsten wäre sie abgehauen – weit, weit weg, vielleicht nach Down Under?

Falsche Richtung, bei ihrem Glück würde sie denen dort nochmal begegnen. Aber wenn man bei Richtung vom Teufel sprach: Mit geschlossenen Augen klang das gar nicht so verkehrt. Es musste an der Stimme liegen, und nach einem weiteren Song hatten sie sie endgültig an der Angel.

„Überraschung gelungen?“ stupste Herr Meißner seine Tochter an und bekam keine Antwort. Er konnte ja nicht wissen, dass The Police für Marlene soeben Geschichte geworden waren.

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Auch diese Fortsetzung als Rückblende in der Rückblende hat exakt 300 Wörter.

Mein erstes Konzert, zu dem mich mein Papa damals mitnahm, war übrigens nicht INXS (wie manche jetzt vermuten könnten), sondern Simon & Garfunkel – bei ihrer Abschiedstournee, im Fußballstadion unserer Stadt. Diesen Tag werde ich nie vergessen.

PS: Etwas nicht auf der Pfanne zu haben, heißt übrigens, nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein. Doch manchmal ist das Glück eher mit den Dummen.

Jetzt überlege ich, weil es gerade so schön läuft und mir bei diesem Rückblick noch etwas fehlt, die Zeitreise fortzusetzen, am besten wieder zurück in die eigentliche Rückblende (zurück in die Zukunft, die ja eigentlich Vergangenheit ist). Wer weiß, was ich dabei auf Kosten der anderen Personen in „Nach dem Regen“ noch alles zu Tage fördere.

ABC -Etüden – Woche 16 & 17 : Etüde 4 – Die Rückblende, Teil 1

Noch ein gesplitteter Beitrag zur aktuellen Etüde auf Christianes Blog (Wortspende – Pfanne, glücklich, trennenvon Doro). Urlaub macht’s möglich.

Diesmal reise ich zurück ins Jahr 1997, bei dem das Erinnerungsfoto aus der Etüde „Entdecke die Möglichkeiten“ entstanden ist.

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Die Rückblende, Teil 1

O trügerische Loreley!

In Nataschas Augen war es völlig unnötig gewesen, dass Nathalie ihren riesigen Sonnenhut mitgeschleppt hatte, denn bei dem scheußlichen Wetter wäre ein Südwester angebrachter gewesen. Hatte die Sonne vor Tagen noch so unbarmherzig vom Himmel gebrannt wie auf die Salzpfannen Utahs, waren die Temperaturen über Nacht rapide gesunken. Gefühlte zehn Grad, und das am Tag vor dem „Festival“, obwohl man diesen einen Abend wohl kaum so bezeichnen konnte – aber für Kirsten war jedes Event mit mehr als vier Künstlern grundsätzlich ein Festival. Und nun drohte dieser lauschige Sommerabend ins Wasser zu fallen, obwohl sich das Line-Up mehr als sehen lassen konnte: 16 Horsepower, Jean Paul Bourelly, Levellers, Neneh Cherry, Sheryl Crow, INXS, Simple Minds…

Ob Festival oder nicht – sie hatten sich glücklich schätzen können, dass Kirsten die letzten Tickets ergattert hatte. Die Simple Minds: Kirstens Lieblingsband als Kirsche auf der Sahnehaube, zum Abschluss eines gelungenen Abends – wer hätte da nicht gejubelt? Da nahm sie doch gerne die anderen Künstler in Kauf, mit denen ihre Mädels mehr anfangen konnten – vor allem Marlene. Während Nathalie noch über Kirstens Wortspiel mit der Kirsche und Neneh Cherry lachte, hatte sich Marlene auffallend schnell bereit erklärt, ihren strategisch günstigen Platz gemeinsam mit Susi freizuhalten, während die anderen für Getränkenachschub sorgten – dazu mussten sich nicht alle fünf trennen.

„Neneh Cherry mit ’ner Kirsche zu vergleichen?“, hatte Marlene gekichert, während Susi „If it makes you happy“ geträllert und ihr den Hut auf den Kopf gedrückt hatte, um einen schmachtenden Blick in Nathalies Kamera zu werfen. Küßchen, Küßchen – Sonne macht albern… Welche Sonne? Die anderen schoben es auf den Wein, der Marlene innerlich einen Freudentanz aufführen ließ – doch sie wusste es besser.

Einmal Fangirl, immer Fangirl, denn plötzlich war sie wieder in Hamburg, an ihrem vierzehnten Geburtstag.

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Eine Fortsetzung nach dieser Punktlandung mit 300 Wörtern ist in Arbeit.

PS: Eine Salzpfanne ist laut Wikipedia eine Salzwüste. Ob es 1997 wirklich so heiß in Deutschland war, ist mir leider entfallen, aber ich kann mich an einen Juni in den 90er Jahren erinnern, in dem ich nach einem Tempratursturz mit zu dünner Urlaubsgarderobe nach Sylt gereist bin. Bibber! Ein Gefühl, dass jetzt die Clique von Marlene aus der Etüde „Mädelsabend“ erleben darf, während Marlene in der nächsten Folge ein Ereignis aus ihrer Teenagerzeit nochmal aufleben lässt.

Dienstags-Gedudel #65 : Reisefieber, Teil 19 – this is not a love song…

… und er würde auch besser in den August passen, denn das Thema ist ernst. Die Wahl fiel auf ihn allein wegen des Titels – Hiroshima

Hiroshima, das Original gefunden auf youtube –
https://www.youtube.com/watch?v=7coD3oeAve4

Mit dem Atombombenabwurf vom 6.8.45 beschäftigt sich der Song von Wishful Thinking. Und damit lasse ich es für heute gut sein.

PS: In der zur Zeit auf Pro7 laufenden Miniserie „Chernobyl“ wird die Strahlung des explodierten Atomreaktors mit den über Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Bomben verglichen – sie war x-mal so stark, ich glaube 40mal so groß wie die, auf die sich der von mir ausgewählte Song bezieht. Insofern würde es sogar thematisch passen.