ABC -Etüden – Woche 16 & 17 : Etüde 7 – Auge um Auge

Die Geschichte lässt mich nicht los, und deshalb nutze ich die aktuelle Wortspende (Pfanne, glücklich, trennen) von Doro für die Etüdensammlung auf Christianes Blog, um den Worten in Entdecke die Möglichkeiten Taten folgen zu lassen…

… und um das Motto „never judge a book by its cover“ aufzugreifen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Auge um Auge

„Er hat was??!!!!“

Ach, hätte Marlene beim nächsten Mädelsabend doch verschwiegen, dass Manfred sie betrogen hatte. Sich nach dieser langen Zeit von ihm zu trennen, kam für sie genauso wenig in Frage wie die nach dieser Enthüllung herumschwirrenden Vorschläge: Von Rachesex über Scheidung bis hin zur Zubereitung einer speziellen Pilzpfanne war alles dabei.

Den Vogel aber schoss Natascha ab, als sie Marlene riet, sich einen Liebhaber zuzulegen und dabei auf Delia verwies. Lass die Leute reden… Wer das war, wusste in der Siedlung jeder – mit Anfang vierzig war Nataschas ehemalige Kollegin nochmal durchgestartet, hatte sich mit ihrer Abfindung selbständig gemacht und führte nun einigermaßen erfolgreich einen Whiskyladen; weniger erfolgreich jedoch führte sie eine On-Off-Beziehung mit einem deutlich jüngeren Mann.

Auge um Auge? Wo blieb bei diesen Tips die Verhältnismäßigkeit? Sie liebte „ihre Mädels“, aber Fremdgehen lag ihr nicht, und unzählige Jahre Gefängnis zu riskieren, noch weniger. Beides widersprach ihrem Sinn für Fairplay und pragmatisches Denken. Andererseits – wo war Manfred fair gewesen, als er mit Audrey angebandelt hatte und das vermutlich schon länger?

Auch wenn er alles zunächst abgestritten hatte, war er später doch eingeknickt und hatte hoch und heilig geschworen, dass dies während ihrer meist glücklichen Ehe sein einziger Seitensprung gewesen war. Wie gerne hätte sie ihm doch geglaubt, alles wäre so viel einfacher gewesen, hätte sie ihn nicht immer noch so geliebt. Ein anderer Plan musste her.

Zahn um Zahn: Triff ihn da, wo es am meisten wehtut – im Geldbeutel, überlegte sie. Die letzten größeren Ausgaben waren Lucys Führerschein und Toms New-York-Trip gewesen, was sprach dagegen, dass zur Abwechslung einmal sie es sich so richtig gutgehen ließ, weit weg von daheim, in einem erstklassigen Hotel und bei gutem Essen? Die Copacabana oder die Oper von Sydney… Entdecke die Möglichkeiten?

Entschlossen begann Marlene mit dem Packen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Und nochmal 300 Wörter. Ich glaube, dieses Thema ist noch nicht ausgereizt.

18 Kommentare zu “ABC -Etüden – Woche 16 & 17 : Etüde 7 – Auge um Auge

  1. Okay, die Sache mit der Pilzpfanne und mit Delia amüsiert mich, aber ansonsten ist ihre Reaktion ziemlich realistisch, glaube ich. Ich hoffe, es funktioniert. 🤔😉
    Mittagskaffeegrüße 😁🌥️☕🥖🧀👍

    • ja, bei 300 Wörtern ist es gar nicht so leicht, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Da ich die Kapitel aber für ein anderes Projekt noch brauche, für das 300 Wörter zu wenig sind, bastele ich mir parallel dazu aus mehreren Etüden einzelne Kapitel zusammen, die ich in einen chronologisch sinnvollen Zeitablauf bringe. Klingt komplizierter als es ist und fühlt sich tatsächlich wie Puzzeln an.

      So lange mein bestelltes Puzzle noch nicht da ist, versuche ich mich, auf diesem Wege auszutoben.

      • Aber du machst das ja wirklich geschickt. immerhin kennst du die worte nie vorher. Mir gefällt deine Idee, wie du diese Etüden aufziehst 🙂

        Das glaube ich dir gerne 🙂

      • Dankeschön, ich hatte das so auch nie geplant – weshalb ich zwischendurch auch immer mal was anderes ausprobiere.

        Gerade habe ich nur so eine Phase, in der ich gerade sämtliche Ideen, die mir im Lauf der letzten Wochen gekommen sind, schriftlich umsetze.

        Das sieht dann so aus, dass ich erst mal das Kapitel so ausführlich wie möglich für das Projekt „nach dem Regen“ niederschreibe und dann eine Kopie davon ziehe, um die dann für die Etüden auf die maximal erlaubte Wortzahl runterbreche – deshalb die in mehrere Teile gesplitteten Etüden.

      • Umso mehr ist es irgendwo cool. 🙂

        Das würde ich auch gerne mal wieder machen aber irgendwie ist der Kopf immer leer, sobald ich einen Stift in die Hand nehme 😦

  2. Spezielle Pilzpfanne finde ich auch eine super Umschreibung. Ich mag, dass sie nicht überreagiert. In vielen solcher Szenarien nervt mich die Übertreibung, hier ist es erfrischend reduziert.

    • Ja, vielen Dank. Ich habe mich nämlich gefragt, was ich in einer solchen Sitution getan hätte und komme zu dem Schluss, dass ich vermutlich erst mal weggefahren wäre. Wenn die Kinder schon volljährig sind und ohne Mama klarkommen, dann wäre das im Bereich des Machbaren.

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.21 | Wortspende vom Bodenlosz-Archiv | Irgendwas ist immer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s