ABC -Etüden – Woche 18 & 19 : Etüde 1 – Erwischt

Ein neuer Monat und damit neue Beiträge für die Etüdensammlung auf Christianes Blog – die aktuelle Wortspende (Korsett – rechtsdrehend – dampfen) stammt von Nina mit ihrem Blog – und die hübsche Grafik von Christiane.

Hoffentlich ist das Substantiv in dieser Ausgabe kein Omen, denn für mich stellt besonders das Adjektiv eine harte Nuss dar, denn Raum für Interpretationen lässt es nicht viel zu. Aber weil Probieren über Studieren geht, übe ich mich in etwas neuem und bemühe längst verschollen geglaubtes Schulwissen aus dem Chemieunterricht.

Falls der „Held“ in dieser Etüde jemandem bekannt vorkommt – ich hatte ihm schon einmal einen Beitrag für den #writing friday gewidmet: Aus Rache (als ob ich damals schon geahnt hatte, dass dieses Jahr bei den Etüden ein Begiff aus der Chemie drankommen würde).

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Erwischt

Eigentlich ließ das Korsett aus unzähligen Regeln und Vorschriften in diesem Internat nur eine Alternative zu, nachdem ein Eindringling im verschlossenen Büro des Direktorats einen in der Zentrale von Secur-i-Net eingehenden Alarm ausgelöst hatte: den sofortigen Rauswurf.

Sie hätten es sich ja gleich denken können, dass es ausgerechnet der Schüler war, dessen Leistungen in Chemie auf den Nullpunkt zusteuerten und der deshalb zu dem ältesten Trick der Welt gegriffen hatte: Sich ins Büro schleichen, um dort die Fragen der nächsten Klausur abzufotografieren und sich dann besonders den Teil über links- und rechtsdrehende Milchsäuren einzuprägen.

Dummerweise war Julians Plan gründlich schiefgegangen, denn als er das Zimmer verlassen wollte, musste er feststellen, dass sich die Tür anscheinend von selbst verriegelt hatte und sich kurz darauf auch noch zu allem Überfluss Schritte näherten, die er leider nur zu gut kannte: Der Direx war im Anmarsch – jetzt war für Julian wirklich die Kacke am Dampfen, und er ohrfeigte sich innerlich, so blöd gewesen zu sein und das Highschooldrama für bare Münze genommen zu haben.

Eigentlich hätten sie ihn sofort hinauswerfen müssen, doch Herr Morgenstern, der Vertrauenslehrer, war ein Verfechter des Prinzips, dass jeder eine zweite Chance verdient hatte, auch Missetäter wie Julian Meister, der sich bisher noch nichts hatte zuschulden kommen lassen – jedenfalls nicht hier.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

In 213 Wörtern zum Erfolg – der diesmal nicht ganz so üppig ausfallen wird wie in der letzten Runde. Acht Etüden werde ich nicht toppen können. Und wie ich diesen kurzen Text in mein parallel laufendes Projekt einflechte, weiß ich auch noch nicht.

Cinema-Scope 2021 im April : Aus jedem Dorf ein Köter

So skurril wie die auf der DVD-Fassung von „Fight Club“ entdeckte Warnung Tyler Durdens ist die Zusammenstellung von Filmen für den April.

Nicht jede Warnung sollte man ernst oder gar wörtlich nehmen.

Das Raten, welcher „Leftover“ aus dem letzten Jahr im April eine neue Chance bekommen hat, ist vertagt – neun übriggebliebenen Filmen und der zweiten Staffel der Serie „Big Little Lies“ habe ich nichts gesehen. Dafür aber wieder jede Menge Leihgaben, wenn auch nicht ganz so viele wie früher. Schreiben und Puzzeln hat mich mehr fasziniert.

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Die Freibadclique + The Lobster + This is us (Staffel 1) + Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor + Wächter des Tages – Dnevoi Dozor + Nashville (Staffel 5) + Chernobyl

⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥⪥

Die Freibadclique (2017): Bisher konnten sie ihrem Schicksal, von der Wehrmacht eingezogen zu werden, erfolgreich entgehen und die Sommernachmittage im Freibad vertrödeln, doch dann wird auf den „Führer“ ein Attentat verübt, und mit der „Freiwilligkeit“ ist es vorbei – ab an die Westfront. Und als sich die Überlebenden nach dem Krieg wiedersehen, erkennen sie nicht nur einander kaum wieder, sondern finden sich auf unterschiedlichen Seiten wieder.

The Lobster (2015): Stell Dir vor, Du bist plötzlich wieder Single und hast nur 45 Tage Zeit einen Partner zu finden, der auch noch genau wie Du gestrickt sein muss, andernfalls verwandelt man sich in ein Tier Deiner Wahl. Reizende Aussichten, wenn sich in dieser Dystopie mit Colin Farrell, Rachel Weisz, Olivia Colman und anderen Stars herausstellt, dass man auch als Einzelgänger in der Wildnis leben kann – dieses Leben dort aber auch besonderen Regeln unterworfen ist. Was sich beim Vorabdurchlesen bei Wikipedia ziemlich kurios und verwirrend anhörte, entpuppte sich im Nachhinein als gar nicht so übel. Von dem Regisseur, der auch „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ grandios auf die Leinwand gebracht hat.

This is us – Das ist Leben (Staffel 1): Ein filmisches Puzzle über eine besondere Patchworkfamilie – von dem ich bisher nur die zweite Staffel kannte. Jetzt habe ich die erste entdeckt und verstehe endlich die Zusammenhänge (wer mit wem und warum) – Drillinge sollten es werden, doch dann stirbt das Jüngste bei der Geburt. Rein zufällig wurde am selben Tag ein Baby vor einer Feuerwache abgelegt, und so adoptieren Jack und Rebecca den Kleinen, den sie Randall nennen, nach dem Dichter Dudley Randall. Diese Staffel kannte ich noch nicht, denn zum ersten Mal bin ich mit dieser herausragenden Familienserie auf dem Sender sixx, irgendwo in der Mitte der zweiten Staffel.

Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor (2004): Vampire mal anders… in dieser russischen Action/Fantasy-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Sergei Lukjanenko geht es um den ewigen Kampf zwischen Licht und Finsternis und den Versuch der sogenannten Wächter, das Gleichgewicht zu wahren sowie für Menschen die Wahl, sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden – rasant geschnitten, ist der Film für mich visuell und akustisch ein Highlight. Die Idee, dass man Vampire nur anhand ihres Spiegelbilds in einem ansonsten scheinbar leeren Raum wahrnehmen kann, war für mich eine erfrischende Abwechslung.

Wächter des Tages – Dnevoi Dozor (2006): Der Nachfolger zu „Wächter der Nacht“. Klar, wenn wir schon vom Gleichgewicht reden, dann sollte auch die andere Seite beleuchtet werden. Denn während die Wächter der Nacht dem Licht bzw. der hellen Seite angehören, stehen die Wächter des Tages für die Finsternis bzw. Nacht. Macht Sinn. Leider hatte der 140 Minuten dauernde Film stellenweise ziemliche Längen, doch der grandiose Showdown im nächtlichen Moskau war das Ausharren wert.

Nashville (Staffel 5): Im Gegensatz zur letzten Staffel gab es hier diesmal keinen fiesen Cliffhanger, dafür aber mal wieder jede Menge Konflikte, deren Auflösung sich schwieriger als gedacht gestaltete.

Chernobyl: Nicht unerwähnt lassen wollte ich die preisgekrönte HBO-Miniserie, die viele bereits per Streaming gesehen haben, ich aber erst jetzt auf Pro7 – passend zum 35. Jahrestag des Reaktordesasters in Tschernobyl (26. April 1986). Zugunsten jener drei Abende auf dem Fernsehsender habe ich auf noch mehr DVD-Leihgaben verzichtet und habe es nicht bereut.

Projekt ABC – I wie Inuksuk

Inuk – was? Und warum nicht INXS?

Wer bei Inuksuk an die Inuit (Eskimos) denkt, liegt nahe dran. Laut wikipedia verstehen die Inuit darunter „einen Gegenstand, der anstelle eines Menschen Aufgaben übernehmen kann“.

Diesen Inuksuk, der heute das I beimProjekt ABC“ *) von Wortman symbolisiert, habe ich im August 2019 bei Schietwetter in dem Park gegenüber unseres Hotels in Québec City entdeckt. Kaum zu glauben, dass zum Zeitpunkt der Aufnahme Hochsommer war und in Ostkanada beinahe Tropenklima geherrscht hat.

Einen Gegenstand, der für meinen Mann und mich Aufgaben übernommen hätte… so einen hätten wir oft gebrauchen können, aber nun weiß ich auch, warum wir in der Schweiz und in Schottland so gerne herumliegende Steine aufeinander getürmt haben.

Eine Tafel zu Füßen des Inuksuk erklärt übrigens, weshalb man ihn dort errichtet hat …

… links auf französisch, das ich nur rudimentär beherrsche – rechts in der Schriftsprache der Inuit, die auf Außenstehende wie mich wie Hieroglyphen wirken.

Im selben Eintrag bei Wikipedia steht übrigens auch, dass ein Inuksuk nicht nur die Flagge des Nunavut-Territoriums ziert, sondern auch den Olympischen Winterspielen von 2010 in Vancouver als Logo gedient hat.

Eine sehr nette Mitreisende, die ich während meiner Busrundreise durch den Osten Kanadas kennenlernen durfte, hatte übrigens für die Medaillenverleihung bei eben jenen Olympischen Spielen Karten gewonnen und durfte sich an der Show erfreuen, bei der u.a. auch die (2012 aufgelöste) Band aufgetreten ist, die ich verehre und die ebenfalls mit einem I anfängt.

Und somit schließt sich der Kreis.

*) Wortman und aequitasetveritas teilen in diesem Jahr die Mitmachaktionen im 14tägigen Wechsel unter sich auf: „Momentaufnahmen“ und „Projekt ABC“ – hier symbolisiert ein Foto jeden Buchstaben des Alphabets (ohne Ä, Ö und Ü).