ABC -Etüden – Extra-Etüde 1 für die 22. Textwoche : Pink Flamingo

Fünf Sonntage hat der Mai, und deswegen gibt es als Spezialität auf Christianes Blog die sogenannte Extra-Etüde, bei denen es darum geht, fünf aus den bisherigen sechs Wörter einen Text von maximal 500 Wörtern zu zaubern. Diese lauten diesmal:

Korsett – rechtsdrehend – dampfen – Baracke – lau – widerfahren

Da musste ich nicht lange überlegen, worüber ich schreibe, und alle Wörter (in zartflamingorosa Schrift) konnte ich ebenfalls einbauen.

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Pink Flamingo

„Zurück in die Zukunft“ – für dieses Ballmotto hatte sich die Mehrheit der Anwesenden auf dem Elternabend ausgeprochen, nun wurden Freiwillige für das Festkomitee gesucht, die sich unter anderen um die geeigneten Räumlichkeiten kümmern sollten. Für lau würde es wohl kaum eine Location geben, aber man konnte schon im Vorfeld solch überkandidelten Vorschlägen wie dem der Schrödingers Einhalt gebieten, dachte sich Manfred – Marlene hätte sich um diesen Job bestimmt gerissen – und simsalabim, ehe er sich’s versah, fand er sich in dem Team wieder, das sich der Planung des glanzvollen Festes widmen sollte.

Dass aber auch immer ihm so ein „Glück“ widerfuhr, seufzte Manfred in sich hinein, denn eigentlich hatte er auf so einen Killefitz keine Lust, aber nun konnte er nicht mehr zurück, und außerdem war das Team so groß, dass er die auf ihn zukommende Aufgabe sicher in einem zeitlich vernünftigen Rahmen halten konnte. Neben den Eltern von zwei weiteren Mitschülern Lucys gehörten auch Gerald Reuter, der Vater von Marc und die Mutter von Suzanne dazu – Audrey Cartier.

Reuter verlor keine Zeit – jetzt, wo die Elternversammlung sich früh genug aufgelöst hatte und der Abend noch jung war, ging es geschlossen zum Weinlokal. Entgegen ihres abschreckenden Namens, war die Baracke durchaus gemütlich und für eine erste Lagebesprechung geradezu ideal. Die Weinkarte glänzte durch ausgesuchte italienische und französische Tropfen, und auch die Ofengerichte waren nicht zu verachten. Bald schon ging man zum Du über.

O lala, als der bestellte Flammkuchen vor seiner Tischnachbarin dampfte, beobachtete er fasziniert, wie elegant sie den knusprigen Boden zerteilte und beim ersten Bissen genießerisch die Augen schloss. Warum war Marlene nicht mit demselben Appetit gesegnet wie Suzannes Mutter und aß statt dessen wie ein Spatz? Ja, Audrey, die war eine Frau nach seinem Geschmack. Eine Vorliebe für Bordeaux hatte sie auch und war ausgesprochen hübsch noch dazu. Und hatte er nicht schon immer eine Schwäche für rothaarige Frauen gehabt?

Ach was soll’s – einmal ist keinmal, änderte er seine Meinung und bestellte sich ebenfalls einen Bordeaux, das Auto konnte er ruhig stehenlassen. Nur ein winziges Schlückchen – und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Bald war der Abend nicht mehr ganz so jung, und die Baracke leerte sich zusehends, bis nur noch Gerald, Marianne und er übrig waren. Und Audrey. Ihr zartes, nach Maiglöckchen duftendes Parfüm umschmeichelte seine Sinne. Eigentlich hatte er sich von ihr verabschieden und ein Taxi nach Hause nehmen wollen.

In den frühen Morgenstunden schlich er sich ins Haus. Den Mantel hatte er im Flur fallenlassen und er sich selbst auf die Couch – sein Kopf war schwer vom Bordeaux, die Gedanken machten sich selbständig, trudelten rechtsdrehend ins Nichts und verdrängten die letzten Bruchstücke seiner Erinnerung an Audrey im flamingoroten Korsett, nachdem sie gemeinsam im Hotel gelandet waren. Unterlagen holen – der älteste Trick der Welt…

Schon in ein paar Stunden würde er sich an das Ende dieses Elternabends nur noch schwach erinnern, so schwach wie der Duft von Maiglöckchen an seinem Mantel, überlagert von dem Geruch abgestandenen Nikotins.

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Zufälle gibt’s. Ich weiß ja auch nicht, wie ich es schaffe, auf genau 500 Wörter zu kommen – aber schön, dass ich mit der Extra-Etüde eine Gelegenheit hatte, mal Manfreds Affäre etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, die später auffliegen wird.

6 Kommentare zu “ABC -Etüden – Extra-Etüde 1 für die 22. Textwoche : Pink Flamingo

  1. Ha! So war das also?! Und dann muss es doch eigentlich weitergegangen sein, oder? Oder ist dieses Foto vor dem Hotel wirklich zufällig entstanden? Spätnachts? 🤔😉
    Toll, immer mal ein neues Fitzelchen aus deinem Kosmos … Vielen Dank! 😁👍
    Mittagskaffeegrüße 😁🌞🌼☕🍩👍

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 23.24.21 | Wortspende von nellindreams | Irgendwas ist immer

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