ABC -Etüden – Woche 25 & 26 – Etüde 2: Grüße aus Usingen

Aus aktuellem Anlass gibt es von mir eine Erinnerungs-Etüde mit den von Allerlei Gedanken gespendeten Wörtern Pralineherzhaft und wandern für die letzte Runde vor der Sommerpause auf Christianes Blog,

weil man schöne Momente doch gerne mit anderen teilt.

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Grüße aus Usingen

Drei Wochen habe ich ganz unbeschwert gelebt – denn wie schon vor drei Jahren, nahm ich meinen Urlaub wieder einmal  im Juni. 

Besser konnte es nicht laufen:  Lange Abende auf meiner Terrasse am Rande des Naturschutzgebietes, Ausstellungen besuchen, spontan auf den Feldberg hinauf fahren, auf den Spuren der Römer und Kelten wandeln… Nur nach herzhaftem Essen stand mir nicht der Sinn. Leichte oder sogar ganz ausgefallene Mahlzeiten waren angesagt – ganz zu schweigen von den allerseltsamsten Tageszeiten, zu denen mich Gelüste überkamen. 

Trotz fehlender Möglichkeit zur Kühlung bei dieser Affenhitze verschlang ich zum Mittagessen ganze acht, mit Schokolade umhüllte Pralinen auf einmal – deren Schachtel „süße Grüße aus Usingen“ verkündete… Süßes, und sonst nichts. Dafür gab’s dann die gebratenen Tomaten mit geschmolzenem Mozzarella und die Lammlachse um vier Uhr nachmittags. 

Faulheit war Trumpf! Statt zu wandern, ging ich lieber gemächlich spazieren – belohnt wurde ich mit Glühwürmchen, die sich um mich scharten. 

Drei Wochen habe ich unbeschwert gelebt und zum krönenden Abschluss eine Radtour mit dem frisch überholten Drahtesel unternommen – doch dann hatte mich die Realität wieder. Der Frust, der mich eiskalt aus dem Hinterhalt überkam, wurde mir von meinem streikenden Laptop beschert – es weigerte sich standhaft, sich in Gang zu setzen und drehte mir dreist eine lange Nase: es fühlte sich genauso falsch an wie der mit Senf gefüllte Kreppel oder die während der Sommerpause eingetrocknete, einst mit Kirschlikör gefüllte Praline.. ein kleiner GAU. 

Aber trotzdem habe ich mich köstlich amüsiert.

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So, nach diesen 244 Wörtern ist die Luft raus, und ich nutze die Sommerpause für andere kreative Schandtaten.

Cinema-Scope 2021 im Juni : der Monat mit dem Sommerloch

Hurra, hurra – ab 1.7. sollen die Kinos wieder geöffnet haben.

Und da ich jetzt nun auch seit dem 18. Juni geimpft bin, sollte einem Kinobesuch nichts mehr im Wege stehen. Ob’s die Vorfreude war oder mein Urlaub, ohne die Möglichkeit mir so viele DVDs wie in den Vormonaten anzusehen? Vielleicht waren aber auch die vielen Recherchen über das Leben im Alten Ägypten schuld, die mich dazu gebracht haben, mir Filme aus dem sogenannten Bildungsfernsehen zu gönnen, anstatt die Flucht in leichte Unterhaltung anzutreten. Daher gab’s diesen Monat für mich keine Spielfilme, aber dafür zwei Serien.

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+ Big Little Lies, Staffel 2 +++ Black Sails, Staffel 1 +++ Schwarze Adler +

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Big Little Lies, Staffel 2: Wohin das Verschweigen einer Straftat führt, zeigt die Fortsetzung von Big Little Lies, in der fünf Freundinnen Madeline (Reese Witherspoon), Celeste (Nicole Kidman), Bonnie (Zoë Kravitz), Jane (Shailene Woodley) und Renata (Laura Dern) zusammen- und anschließend dicht halten, als eine von ihnen Celestes Mann Perry (Alexander Skarsgård) die Treppe hinunterstößt und dieser dabei ums Leben kommt. Eine Tat, die das Leben der fünf Frauen und die Beziehungen untereinander nachhaltig verändert – und als ob es nicht schon reicht, dass sich die Freundinnen zunehmend von den polizeilichen Ermittlungen unter Druck gesetzt fühlen, sorgt die Mutter von Perry (Meryl Streep) für zusätzlichen Zündstoff, als diese sich berufen fühlt, um das Sorgerecht für ihre Enkel zu kämpfen. Für mich ist es bis heute ein Rätsel, warum der Sender „vox“ diese nicht so leicht konsumierbare Miniserie ohne Vorankündigung nach zwei Folgen sang- und klanglos aus dem Programm genommen hat.

Black Sails, Staffel 1: Was hat mir meine Schwester in den Ohren gelegen, mir die Vorgeschichte zu Robert Louis Stevensons „Schatzinsel“ anzusehen – ich muss sagen, der Tip war nicht der schlechteste. Spannende Piratengeschichten schaue ich mir doch immer gerne an. Leider hat es im Juni nur zu den ersten beiden Folgen gereicht.

Schwarze Adler: Die Dokumentation, die noch bis zum 17. Juli in der ZDF-Mediathek verfügbar ist, behandelt das Thema Rassismus im deutschen Fußball und die Anfeindungen, denen schwarze Fußballspieler wie Jimmy Hartwig (ein echter „Offenbacher Bub“), Erwin Kostedde (nach dem das Fanmagazin der Offenbacher Kickers benannt ist), Steffi Jones, Gerald Asamoah oder Patrick Owomoyela täglich ausgesetzt sind.

Das war es in dem vergangenen Monat. Mehr gibt es diesmal nicht – außer der Überraschung, die ich erlebt habe, als ich feststellen musste, dass ich den Film „Ballon“ seltsamerweise doppelt habe. Von den noch nicht gesehenen DVDs, die sich hier stapeln, sind jetzt noch „Ballon“, „Bombshell – das Ende des Schweigens“, „Kursk“, „Snowpiercer“, „Waltz with Bashirund die Blu-Ray aus der 30-Jahre-Jubiläums-Edition des INXS-Albums „KICK“ übrig – sechs Kandidaten, für jeden der sechs kommenden Monate.

Dienstags-Gedudel #75 : Reisefieber, Teil 29 – theoretisch überall…

… könnte dieser Ort liegen, denn eine Kasbah ist erst einmal nichts anderes als eine Festung, vorzugsweise in den Maghreb-Staaten. Mit dem Clash-Hit „Rock the Casbah“ von 1982 lege ich einen Zwischenstopp ein, bevor ich weiter nach Norden fliege.

Da bebt die Festung, und die Menge ist aus dem Häuschen, gefunden auf youtube – https://www.youtube.com/watch?v=02Sg9H2T_TQ&list=RD02Sg9H2T_TQ&index=0

Allerdings stammt diese Version, bei der ich vom Text nicht ein Wort verstehe, aber den Rhythmus und Umsetzung fast noch spannender finde als das Original, von dem algerischen Sänger Rachid Taha (18.09.1958 – 12.09.2018), den ich durch Zufall auf youtube entdeckt habe.

ABC -Etüden – Woche 25 & 26 – Etüde 1: Süße Versuchung

Bevor es auf Christianes Blog in die Sommerpause geht, kommt nun die letzte reguläre Etüde mit den von Allerlei Gedanken gespendeten Wörtern Praline, herzhaft und wandern.

Ich mache es kurz und schmerzlos und gehe ohne großes Vorgeplänkel direkt über in meine Etüde mit 187 Wörtern.

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Süße Versuchung

Für eine süße Versuchung ist doch immer noch Platz, so lautete die einhellige Meinung des Festkomitees, das sich allwöchentlich im Weinlokal „Die Baracke“ traf. 

Normalerweise war der mit einem gesunden Appetit gesegnete Manfred geneigt, den anderen zuzustimmmen, doch an diesem Abend hatte er dem herzhaften Mahl reichlich zugesprochen. Rheinischem Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl, das es hier vor Weihnachten üblicherweise als Alternative zur obligatorischen Gans gab, hatte er noch nie widerstehen können, und nun war er pappsatt. Nicht mal eine Praline ging noch rein, und so lehnte er ab, als das Tellerchen mit den belgischen Leckereien aus feinster Schokolade in seine Richtung wanderte.

„Nicht mal ein Sahne-Nougat-Trüffel“ oder eine Espressobohne?“ zwinkerte Audrey ihm neckisch zu. 

Er hatte es geahnt und sich absichtlich nicht neben sie gesetzt. Doch als sich ihm ihr Fuß unter dem Tisch, verborgen vor den Blicken der anderen, näherte und die Spitze ihrer Stiefelette seinen Knöchel berührte und diesen verführerisch umkreiste, während sie ihm tiefe Blicke zuwarf, wusste er Bescheid.  

In dieser Runde würde er an diesem Abend wohl nichts mehr zu sich nehmen, doch auf ihn wartete an diesem Abend noch ein ganz besonderes Dessert.

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Mal sehen, wie es nach dieser Momentaufnahme mit ihnen weiter geht und wie ich mich mit der Technik so schlage.

Media Monday 521 & 522 : zappenduster

Guten Tag, kaum ist der Urlaub vorbei, kommt der Schock in Form eines defekten Laptops, das sich nicht mehr hochfahren lässt… weshalb ich es heute kurz mache und auf einem Ausweichgerät schreibe. Dafür kommen die Ausgaben 521 & 522 in einem Rutsch – Media-Monday ist eine Aktion von Wulf und bietet 7 Lücketexte zum Ausfüllen…

Media Monday 521

1. In der vergangenen Woche habe ich mich impfen lassen – dank einer spontanen Sonderaktion. .

2. Faszinierend, wie sich verändert hat, wie spontane Museumsbesuche gut durchdachten Planungen mit Vorreservierungen von Zeitfenstern gewichen sind .

3. Lockdownkonzerte wie das von Michael Patrick Kelly, MoTrip und Jennifer Haben im Kölner Dom gab es ja so bislang kaum, schließlich hatten wir früher ja auch keine Lockdowns.

4. Ich kann mir vorstellen, dass der Erfolg von Escape-Room-Spielen für zu Hause wieder zurückgeht, wenn sich das Leben wieder draußen abspielt oder man echte Escape Rooms besuchen kann.

5. Ich bräuchte mal ein wenig Nachhilfe in Sachen Heimwerken.

6. Wenn es jetzt an lauschigen Sommerabenden besonders lange hell ist, ist es gut, Urlaub zu haben und die Abende draußen zu verbringen.

7. Zuletzt habe ich in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni von 2:26 bis 3:04 Uhr einem schweren Gewitter mit Blitzen im Sekundentakt zugesehen und es auch fotografiert, und das war atemberaubend schön, weil ich so etwas bislang nur selten erlebt habe.

Media Monday 522

1. Wenn ich daran zurückdenke, wie früher Jahre vergehen mussten, bevor man einen Kinofilm auch andernorts überhaupt erst hätte sehen können, finde ich es gar nicht so schlecht, dass die Zeiträume geschrumpft sind.

2. Auch die Art des Fernsehkonsums hat sich durch Streaming-Dienstleister und Online-Angebote verändert, wobei ich im Urlaub mehr auf youtube und in diversen Mediatheken unterwegs war und zu Hause trotzdem fernsehe.

3. Kommt es derweil zur Grundsatzfrage, ob gedrucktes Buch oder eBook-Fassung, halte ich gedruckten Büchern die Treue, obwohl die App einer Schreibplattform, auf der ich selbst auch veröffentliche, die Ausnahme darstellt.

4. Es hat ja schon einen gewissen Nostalgiefaktor, wenn man daran denkt, wie „damals“ telefoniert wurde, nämlich übers Festnetz mit Wählscheiben- oder Tastentelefon und unterwegs von der Telefonzelle aus.

5. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es in ein paar Jahren so sein wird, dass wir vieles nur noch über Buchungen von Zeitfenstern läuft.

6. Bis es allerdings so weit ist, dass wir wieder gefahrlos reisen können, verbringe ich meine Urlaube und Freizeit auf dem eigenen Freizeitgrundstück.

7. Zuletzt habe ich mit meiner besten Freundin eine Radtour unternommen, und das war wieder fast wie früher, weil wir eine altbewährte Strecke gefahren sind und ich mir zur Feier des Tages ein Eis gegönnt habe – nur das Erlebnis mit dem nicht startbaren Laptop war dann doch nicht so prickelnd.

Projekt ABC – M wie Muffins

Wenn der Kuchen spricht, schweigen die Krümel? In diesem Fall sind die Krümel besonders groß ausgefallen und tarnen sich als Muffins…

Muffins in Gold – frei nach dem Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, ist der von mir bereits gezeigte Kuchen in einem silbernen Gewand dahergekommen, und deshalb gibt es heute Schokoladenmuffins mit goldener Glasur. Sie stehen symbolisch für das M bei der fotografischen Aktion von wortman, bei der alle 14 Tage ein Foto den entsprechenden Buchstaben des Alphabets symbolisiert (ohne die Umlage Ä, Ö und Ü).

# Writing Friday 2021 – Juni, 26. Woche : Schall und Rauch

Wider Erwarten, habe ich doch noch einen Beitrag für elizzys #Writing Friday – und zwar für die vierte Aufgabe: Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Hund, Jagd, Kieselsteine, Wald, Gelächter.

Mit 775 Wörtern hinein ins Wochenende für mich und eine ungewisse Zukunft für die drei Hauptakteure in diesem Spiel.

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Schall und Rauch

„O’Reilly kommt nicht. Der Deal ist gestorben.“

Max‘ Worte holten Julia unsanft in die Wirklichkeit zurück. Vergessen war der schöne Moment, als sie und Chris einander in die Augen gesehen hatten. Blöder Hund, bahnte sich der Ärger in ihr seinen Weg – die beiden Brüder hatten einen Teil der fürs Geschäft so notwendigen Rücklagen in den Kauf eines Motorrads investiert, und nun machte der Besitzer des Irish Pubs, der es hatte kaufen wollen, einen Rückzieher – von der ganzen Arbeit, die sich Chris gemacht hatte und die nun für die Katz war, gar nicht erst zu reden. Schall und Rauch: Wieder ein Kandidat, der nur Reden schwang, aber dann keine Taten folgen ließ.

Zuerst Lukas Förster, der ihr das Blaue vom Himmel versprochen hatte, dann aber schnell sein wahres Gesicht gezeigt hatte… Sie konnte sich sein Gelächter, wenn er von dem Flop erfuhr, lebhaft vorstellen – dass er und seine Mischpoke Chris nicht ausstehen konnten, hatte der Typ an ihrem letzten Ausgehabend ja nun allzu deutlich gezeigt. Und jetzt Calum O’Reilly – keinen Fuß mehr würde sie ins Bogside setzen. Halali, der Schuss ins Brötchen – die Jagd ist eröffnet, dachte sie, kurz vorm Platzen.

„Ich glaub, ich steh‘ im Wald! Warum denn das?“ entfuhr es Chris entgeistert. „Der Kerl kann es sich doch nicht einfach anders überlegen.“

„Leider aber doch“, klärte Max sie auf. „Bei der letzten Inspektion wurde in seinem Laden so einiges beanstandet, und jetzt kommen nicht nur neue Brandschutztüren dazu, sondern er hat auch noch ein Problem mit der Kühlung. Wenn er weiterhin sein ‚Guinness Extra Cold‘ anbieten und nicht riskieren will, dass ihm die letzten Gäste auch noch wegbleiben, muss er eine neue Anlage einbauen – und da ist so eine Harley das letzte, was er gebrauchen kann.“

Geschäft geht vor: Wollte Max ihnen die bittere Pille so erträglicher machen?

Bei Chris wirkte die Besänftigungstour, nur bei ihr wollte sich das Resultat nicht einstellen. Der Ärger lag zwar nicht mehr wie ein Betonklotz in ihrem Magen, war aber auch noch nicht ganz verschwunden, sondern versetzte ihr Stiche – wie wenn man im Sommer barfuß über aufgeheizte Kieselsteine lief. Am besten spülte sie das Geröll wie Max hinfort mit dem Whisky, der eigentlich zum Feiern bestimmt war. Trauerfeier mit anschließender Beerdigung Deiner Träume, dachte sie finster.

Es ist, wie es ist“, kam es von Max zurück. „Ich hoffe nur, dass ich schnell einen anderen Käufer finde.“

Wie praktisch, dass sie jede Menge Fotos aufgenommen hatten – die konnten sie auch gleich für die nächste Annonce bei „Mobile24/7“ verwenden.

Ja, wie überaus praktisch, äffte Julia Max in Gedanken nach, nachdem er sich empfohlen hatte und sie und Chris ratlos zurückließ. Nach dieser Nachricht hatten sie beide keine Ahnung, wie es jetzt weitergehen sollte, falls Max keinen Käufer fand.

„Komm, lass uns mal schauen, was wir bis jetzt haben.“ war Chris‘ einziger Kommentar, bei dem sich Julia fragte, ob ihm diese scheinbare Rückkehr zur Tagesordnung nur helfen sollte, sich seine Enttäuschung über das geplatzte Geschäft nicht anmerken zu lassen und den Schock zu verdauen. Sie konnte nur vage Vermutungen darüber anstellen, was in ihm vorging; das gequälte Lächeln, das er sich abrang und das nicht einmal seine Augen erreichte, sprach für sie Bände, und sie wunderte sich, warum ihr das alles so nahe ging. Aber da Spekulationen und Grübeln ihrer Erfahrung nach zu nichts führten, musste sie zugeben, dass es vielleicht wirklich besser war, wenn sie sich mit dem Sichten der Aufnahmen ablenkten.

Sie nahm noch einen Schluck von dem rauchigen Scotch, dann schwang sie sich auf den klapprigen Bürostuhl, den sie eigentlich nach dem Verkauf der Harley hatte entsorgen wollen – ein Vorhaben, das sich genauso in Schall und Rauch auflöste wie der geplante Kauf einer neuen Kaffeemaschine. Hoppla, eine der Rollen stand kurz davor, sich zu verabschieden. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, stützte sich Julia irgendwo auf der Tischplatte ab. Ihre Hand berührte die von Chris, als dieser das Laptop startklar machte, und seine Blicke trafen sich mit ihren. Und wieder war es, als stünde die Zeit still. Wie in einem Déjà-vu, dehnten sich erneut die Sekunden zu Minuten, doch diesmal stieß niemand die Tür auf oder räusperte sich verlegen.

Da war nichts und niemand, was sie daran hinderte, nun endlich damit fortzufahren, wobei sie von Max unterbrochen worden waren. Was zwischen ihnen war, hatte nun schon lange genug vor sich hin geschwelt, und es hatte nur noch eine Fotosession gebraucht, um den nächsten Schritt zu wagen. Vergessen waren Laptop, Stuhl und Fotos, Julia und Chris hatten nur noch Augen füreinander und versanken in einem langen, hingebungsvollen Kuss.

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Auch wenn ich nicht oft dabei war, hat es doch Spaß gemacht – und die Schreibaufgaben sind doch immer wieder eine Inspiration und ein Impuls, der mich nicht nur immer wieder aufs neue zum Schreiben motiviert, sondern auch dafür sorgt, dass meine Geschichten oft einen ganz anderen Verlauf nehmen, als anfänglich geplant. Wie für mein Projekt, das ich bei Wattpad unter dem Titel „Verschlungene Pfade“ kapitelweise veröffentliche. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ich bisher zum #writing friday und den ABC-Etüden auf meinem Blog beigesteuert habe und jetzt zusammengeführt und fortgesetzt werden.

Die Schreibthemen im Juni waren: 1) Ein Pilz berichtet aus seiner Sicht über die vielen Wanderer, die seinen Weg kreuzen. +++ 2) Hendrik kommt in Südafrika an – er hat sich für eine Safari angemeldet. Er schreibt seine Erfahrungen und Gedanken über diesen 3-Wöchigen Urlaub in sein Reisetagebuch. Lass uns einen Blick hineinwerfen. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Hund, Jagd, Kieselsteine, Wald, Gelächter. +++ 5) Maja verliebt sich das erste Mal, sie schreibt dies in ihr Tagebuch. Ihr Tagebuch plaudert uns diese Gedanken fröhlich aus – schreibe aus der Sicht des Tagebuchs.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dienstags-Gedudel #74 : Reisefieber, Teil 28 – Im Land der Pharaonen

Nicht wie ein Ägypter gehen, sondern dem Nil folgen. Zur Etappe Ägypten ertönt heute weder „Walk like an Egyptian“ von den Bangles noch die deutsche Spaßversion von den Ärzten, sondern ein Song von Kate Bushs Album „Never for Ever“ – in einem TV-Special der BBC :

Drama, Drama… gefunden auf youtube –
https://www.youtube.com/watch?v=B6mTxSqo7iI

Egypt.

Dunkel, mysteriös und geheimnisvoll und so schön wie das gesamte Album, das neben „Aerial“ für mich mit zu den besten der Künstlerin zählt, die gerne zu dramatischen Auftritten neigt. A propos Extravaganz bei Kostümen – von Zola Jesus bin ich soeben hierher übergeleitet worden, und zwar zu Louise Lémon mit „Egyptian Darkness“, eine Dame mit einer angenehmen Stimmfärbung, von der ich bisher noch nichts kannte:

Louise Lémon – gefunden auf youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=EgK7QwMc_8U

Damit beenden wir den Kurztrip durch Ägypten.

# Writing Friday 2021 – Juni, 25. Woche : Rome wasn’t built in a day

Ich gebe zu, ich mache mich so langsam rar beim #Writing Friday von elizzy – schuld daran sind mehrere parallel laufende Schreibprojekte, aber auch in diesem Monat ist es wieder die dritte Aufgabe:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt.

Heute bin ich mal wieder mit einem längeren Text unterwegs.

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Rome wasn’t built in a day

Der Himmel verdunkelte sich und das innerhalb kürzester Zeit.

Mit offenem Mund blieb Angelo wie angewurzelt stehen und starrte reglos vor Entsetzen die Gasse der Balkone entlang bis hinauf zu dem Berg, an dessen Fuß die Stadt lag und auf dessen Gipfel es unheilvoll brodelte. Wieviel Pech konnte ein Mensch haben? Dabei hatte es so gut angefangen, als er mit dem Ticket in die Agentur hineinspaziert war und sich für einen Ausflug in die Antike entschieden hatte. Genauer gesagt, ins Alte Rom. Und er wusste auch schon ganz genau, was er dort als erstes tun wollte.

Eigentlich hätte sein Bruder Ricardo ja die Zeitreise antreten sollen, doch der hatte es mit dem Feiern am Vorabend übertrieben und lag mit einem mörderischen Kater im Bett. Reisen in die Vergangenheit oder in die Zukunft sollte man bei klarem Verstand und mit wachen Sinnen antreten. Dieser Kelch würde an Ricardo vorbeigehen, und wenn er die von zu viel Alkohol verursachte Apokalypse erst einmal überstanden hatte, würde er sich tierisch aufregen. Aber wie hieß es doch so schön, grinste Angelo schadenfroh vor sich hin, Strafe muss sein. Das war seine Chance – da hieß es zugreifen, denn eine solche bot sich ihm nicht jeden Tag. Er hatte schon oft genug hinter seinem älteren Bruder zurückstecken müssen – nun war er an der Reihe.

Das einzige, was seine freudige Erwartung trübte, war der ganze bürokratische Teil mit den vielen Regeln, an die er sich halten und die Verschwiegenheitserklärung, die er unterschreiben sollte. Als ob er später seine Erlebnisse ausposaunen würde! Er war doch nicht lebensmüde. Genießen und schweigen, war seine Devise, auch wenn Angelo sich nicht als Gentleman sah, sondern eher als der Sand im Getriebe oder das eine Puzzleteil, das nicht passen wollte – der Tunichtgut in der Familie.

Er kenne doch seine Schweinchen am Gang, hatte sein Vater den Monolog eingeleitet, mit dem er Angelo auf die vor ihm liegenden Tage vorbereiten wollte und hatte ihm zum Schluss eingeschärft, sich peinlich genau an sämtliche Anweisungen zu halten, die man ihm in der Agentur erteilen würde, vor allem an die zweite Regel: „Reisende Zweiter Klasse müssen sich im Hintergrund halten.“ Schließlich hatte diese Vorschrift ihren Grund. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn sich durch irgendeine unbedachte Handlung oder ein falsches Wort von ihm der Lauf der Geschichte ändern würde, bis hin zu einem Paradoxon, das die Existenz seiner Familie bedrohen würde, und damit auch seine. Aber ganz ehrlich: Was sprach gegen ein bisschen Spaß, zum Beispiel bei einem Gladiatorenkampf oder einem Wagenrennen in der Arena? Mit der Sprache sollte es keine Probleme geben. Sein Italienisch war zwar nicht ganz fehlerfrei, aber zur Not konnte er sich auch mit Händen und Füßen verständigen.

Außerdem schrien manche Regeln doch förmlich danach, gebrochen zu werden. Etwas gebrochen schien auch bei dieser vermaledeiten Zeitkapsel einiges zu sein, mit deren Hilfe er nach dem Drücken des Knopfs das Tor zur Vergangenheit öffnete. Dass etwas überhaupt nicht stimmte, wurde ihm in dem Moment klar, als er sich im hellen Sonnenlicht dieses Novembermorgens mitten in einer belebten Gasse vor einer Taverne wiederfand. Um nicht von wie aus dem Nichts auftauchenden Handwerkern, umgerannt zu werden, zog er sich hastig in den Eingang eines erstbesten Hauses zurück und ließ sich auf einem Mäuerchen nieder. „XVII Nov 79“ hatte jemand mit Holzkohle an eine der Säulen geschmiert. Lange konnte das da noch nicht gestanden haben – solche Inschriften waren nichts für die Ewigkeit.

Ewig hatte Angelo im sommerlichen Rom auch nicht bleiben wollen, aber Sommer war das hier nicht, und auch nicht das Jahr, das ihm vorgeschwebt war. Ihn beschlich eine ganz seltsame Vorahnung: Wenn schon der Zeitpunkt nicht stimmte, dann vermutlich auch nicht der Ort. Zögernd schob er sich wieder in die belebte Gasse, und folgte den zur Taverne strömenden Bauarbeitern und Gladiatoren mit den Augen. Sein Blick fiel auf die Unzahl von blutroten Inschriften an den Hauswänden in den Seitengassen, angebracht in den Nachtstunden, damit man von ihrem Treiben nichts mitbekam – ein Treiben, für das der jeweilige Auftraggeber, in diesem Fall ein gewisser Lucian, so manchen großzügigen Obolus springen ließ. Natürlich so diskret wie möglich. Aber ihn zog noch etwas anderes in seinen Bann. Hoch und bedrohlich ragte am Ende der Gasse der Vesuv über ihm auf. Das Zeitportal hatte ihn nach Pompeji verschlagen.

Wie er den Nachmittag herumbrachte, entzog sich seiner Erinnerung. Er wusste nur noch, dass er gerne den Schock mit einem ordentlichen Schoppen Wein hinuntergespült hätte. Aber mit welchem Geld? Mit den römischen Münzen, die er bei sich trug, konnte er hier und jetzt nichts anfangen. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn unverhofft hatte das Glück ihm mit einem Farbeimer und einem Satz Pinsel in die Hände gespielt. Wahlwerbung für Lucian zu betreiben und für das Geschmiere am nächsten Morgen fürstlich entlohnt zu werden – was für ein genial einfacher Plan. Einen Teil der Münzen gab es jetzt schon. „Aber denk dran, wir haben den Einundzwanzigsten, und uns bleiben nur noch wenige Tage, bis…“

Klar, ich bin ja nicht von gestern, ging es Angelo durch den Kopf. Nur noch wenige Tage – und er war der einzige, dem die Ironie in den Worten seines Instruktors auffiel. Beschwingt vom Wein machte er sich ans Werk und freute sich schon auf die kräftige Mahlzeit, die er sich am nächsten Morgen gönnen würde, und vielleicht blieb noch genug Geld für den Besuch der Arena übrig. Soweit er mitbekommen hatte, feierte man morgen den zehnten Jahrestag der Wiedereröffnung. Nachdem man das Verbot zur Aufführung von Gladiatorenkämpfen endlich aufgehoben hatte, war die Freude grenzenlos gewesen. Aber so richtig bergauf gegangen war es erst mit dem Bauboom, der mit dem Pflastern der Straßen seinen Lauf genommen hatte.

Die Nacht neigte sich ihrem Ende zu, schon färbte sich der Himmel rot, doch der zu erwartende Gesang der Vögel wollte sich nicht einstellen. Angelo schenkte dem keine Beachtung, viel wichtiger waren ihm die pompejanischen Münzen, die nun in seinem Beutelchen klimperten. Müde, aber guten Mutes, zog es ihn zurück in die Taverne, die er jetzt schon zu seinem Stammlokal erklärt hatte. Wie der Eintopf mundete – gierig schaufelte Angelo die dampfende Mischung aus Lammfleisch und ihm unbekanntem Gemüse und Getreide in sich hinein, gönnte sich noch einen Becher Wein und zahlte die Rechnung, bevor er sich auf den Weg zur Arena machte. Wenn er sich ranhielt, konnte er vielleicht noch einen der begehrten Plätze zur Jubiläumsdarbietung ergattern. Ein markerschütterndes Grollen und Beben ließ ihn mitten in der Bewegung innehalten. Der Vesuv war erwacht. Früher als gedacht. Fassungslos beobachtete er die immer höher aufsteigende schwarze Säule aus Rauch und Asche. Gleich würde es Bimsstein regnen…

Porca Miseria! Er musste schleunigst weg, doch seine Füße gehorchten ihm nicht. Wie in Zeitlupe drehte sich Angelo in die entgegengesetzte Richtung und stolperte die Gasse der Balkone entlang. Nicht lange, dann prasselten auch schon die ersten heißen Steinchen von oben auf die Stadt und die sich entweder fliehende oder in den Häusern verschanzende Bevölkerung herab. Wie es endete, kannte Angelo aus dem Geschichtsunterricht – begraben unter einer meterhohen Schicht porösen Gesteins, um dann von der pyroklastischen Flut das Lebenslicht ausgelöscht zu bekommen, so durfte es für ihn nicht enden. Doch war eine Flucht überhaupt möglich? Jetzt, wo es drauf ankam, wollte ihm das Codewort einfach nicht einfallen. Statt dessen erinnerte er sich leider nur zu genau an die dritte Regel für Zeitreisende: „Verlieren Sie Ihr Leben am Zielort, haben Sie hier nie existiert. Die Auflösung Ihrer Existenz wird nicht dokumentiert.“

Er lief und lief… lief, bis er nicht mehr konnte… Lief, bis es zu spät war. Asche und Fetzen giftigen Gases hefteten sich an ihn, nebelten ihn ein und erschwerten seine Sicht auf den Weg vor ihm. Seine Augen wurden trübe, immer dichter werdende Schwärze breitete sich vor ihm aus – Schwärze, so bitter wie dunkle Schokolade.

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1300 Wörter, um genau zu sein – für eine Zeitreisegeschichte, die nicht nach Plan verlaufen ist.

Die Schreibthemen im Juni sind: 1) Ein Pilz berichtet aus seiner Sicht über die vielen Wanderer, die seinen Weg kreuzen. +++ 2) Hendrik kommt in Südafrika an – er hat sich für eine Safari angemeldet. Er schreibt seine Erfahrungen und Gedanken über diesen 3-Wöchigen Urlaub in sein Reisetagebuch. Lass uns einen Blick hineinwerfen. +++ 3) Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Der Himmel verdunkelte sich und…” beginnt. +++ 4) Schreibe eine Geschichte und lasse folgende Wörter mit einfliessen: Hund, Jagd, Kieselsteine, Wald, Gelächter +++ 5) Maja verliebt sich das erste Mal, sie schreibt dies in ihr Tagebuch. Ihr Tagebuch plaudert uns diese Gedanken fröhlich aus – schreibe aus der Sicht des Tagebuchs.

Und hier sind die Regeln dazu: Jeden Freitag wird veröffentlicht. +++ Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen. +++ Schreibt eine Geschichte/ein Gedicht/ein paar Zeilen – egal, Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben. +++ Vergesst nicht, den Hashtag #Writing Friday und den Header zu verwenden, schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch. +++ Habt Spaß und versucht, voneinander zu lernen.

Dienstags-Gedudel #73 : Reisefieber, Teil 27 – im Herzen Afrikas

Ein Land, das seit 1997 nicht mehr so heißt, liegt beinahe zentral auf dem afrikanischen Kontinent – aus dieser Zeit, nämlich aus dem Jahr 1976, stammt auch der Song für diesen Dienstag:

Ein legendäres Sportereignis, gefunden auf youtube –
https://www.youtube.com/watch?v=ww2zibr5gr0

Das schnellgeschnittene Tribute-Video zu „In Zaire“ von Johnny Wakelin thematisiert, was mit „Rumble in the Jungle“ tatsächlich gemeint ist: Der Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman, im Jahr 1974 – damit wäre dieses Lied auch ein Kandidat für meine Rubrik „Willkommen in der Welt des Sports“ gewesen, doch diese Serie ist komplett vorbei.