ABC -Etüden – Woche 23 & 24 : Etüde 1 – Im Mondenschein

Kaum zu glauben, dass das Jahr so weit vorangeschritten ist und bald die Etüdensommerpause naht – gerade noch rechtzeitig vor meinem Sommerurlaub erscheint nun die aktuelle reguläre Etüde auf Christianes Blog mit den von nellindreams gespendeten Worten Picknickdecke, verwegen und recherchieren.

Ich bin schon sehr gespannt, welche Arten von Picknick bei dieser Ausgabe zusammenkommen – meines ist nicht ganz von dieser Welt.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Im Mondenschein

Er hatte lange recherchiert und die Hausordnung gründlich studiert. Gefunden hatte er nichts, was seinem kühnen Plan zuwiderlief. Zwölf Wochen Reha, ohne seiner Liebsten nahe sein zu können… dem Schicksal, das ihm so grausam mitzuspielen versucht hatte, musste man doch ein Schnippchen schlagen können.

Geradezu verwegen waren sie sich bei der Idee vorgekommen, die Liebste heimlich nachts in sein Klinikzimmer heimlich einzuschmuggeln und über Nacht dazubehalten. Was machte es da schon, dass sein Einzelbett für zwei Personen im Grunde viel zu schmal war – der Intimität war dieser Umstand nicht abträglich, womöglich sogar für die Romantik eher förderlich, und das Hinausschleichen am nächsten Morgen würde sogar noch den Reiz des Verbotenen erhöhen, auch wenn es womöglich nicht einmal ausdrücklich verboten war.

Außer Rotwein hatte sie nichts im Picknickkorb mitgebracht.

Nun saßen sie eng aneinandergekuschelt auf der Holzbank am Waldrand anstatt auf einer kratzigen Picknickdecke und beobachteten den aufgehenden Vollmond über den Tannenwipfeln. Der Barbera entfaltete sein schweres und verführerisches Bukett, und irgendwo in der Ferne heulte leise ein Kauz. „Auf uns“, stießen sie gemeinsam mit den Kristallgläsern an und sahen einander tief in die Augen, „und dass man uns nicht erwischen möge“.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

192 Wörter habe ich für diese neue Etüde vor der Sommerpause gebraucht.

8 Kommentare zu “ABC -Etüden – Woche 23 & 24 : Etüde 1 – Im Mondenschein

  1. Ich musste gerade sooo lachen. Einander in Klinikbetten einschmuggeln – das letzte Abenteuer des modernen Menschen („Mannes“ will ich nicht schreiben 😉). 😁
    Sehr schön! 😁
    Vergnügte Morgenkaffeegrüße 😁☁️🌼☕🍩👍

  2. Herrlich – Von abenteuerlicher Romantik zur sehnsuchtsvoll purer Realiltät – vorstellbar und nachvollziehbar – ich bin grad in REHA und es wird das ein oder andere Mal sicher vorgekommen sein, so wie ich dieStorys am Rande vernommen habe. Nicht einfach für die Nachbarn, denn gemein hin nimmt man meiner Erfahrung nach am Abzupfen des Toilettenpapiers und allen anderen Befindlichkeiten der Zimmernachbarn akustisch teil …

    LG Doro

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.21 | Wortspende von Allerlei Gedanken | Irgendwas ist immer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s