Etüden-Sommerpausen-Intermezzo #3: Die ideale Abwehr

In der Sommerpause der ABC-Etüden dürfen wir trotzdem weiter kreativ sein, denn aus den folgenden zwölf ausgelosten Wörtern sollen wir uns mindestens sieben herauspicken, um eine Etüde von beliebiger Länge zu schreiben:

Dachbegrünung – Eigentor – Fliegenklatsche – Glühwürmchen – Konzert – Lebensgeister
Regen – Similaungletscher – Sommerloch – Wasserläufer – Wetterleuchten – Willkür

Und weil aller guten Dinge drei sind, gab es diesmal gleich drei wunderschöne und inspirierende Illustrationen – außerdem habe ich nicht umsonst so eine volle Mediathek 🙂 – Sicherlich könnte ich noch mehr Bilder von Gewässern in weiteren Etüden unterbringen, aber mit diesen drei möchte ich es erst einmal belassen.

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Die ideale Abwehr

Nebel, nichts als Nebel… man hatte uns gewarnt: Nicht von ungefähr trug die größte Insel der inneren Hebriden den wunderschönen Namen „Isle of Skye“, die Andy und ich uns als vorletzte Etappe unserer vierwöchigen Reise durch Schottland ausgesucht hatten. Fünf Tage auf dieser Insel, deren Umrisse auf der Landkarte mich an den Fußabdruck eines Sauriers erinnerten, bevor es weitergehen sollte zu den weltberühmten Highlandgames von Braemar, bei denen die Queen stets einen Ehrenplatz hatte. Fünf Tage in wildromantischer Natur mit einer wahren Bandbreite an einander rasch abwechselnden Wetterphänomenen: Strahlender Sonnenschein konnte binnen kürzester Zeit in heftigen Regen umschlagen, nur um kurz darauf von dichtem Nebel abgelöst zu werden. Fehlte nur noch ein ordentliches Gewitter: Wetterleuchten über dem Meer – eine faszinierende Vorstellung.

Auf alles waren wir vorbereitet gewesen, nur nicht auf diese Horden von Midges. Midges: Stechmücken, fünfmal so klein wie unsere heimischen Plagegeister, aber zwanzigmal so fies!

Keine Fliegenklatsche der Welt konnte ihnen etwas anhaben. Glühwürmchen und Wasserläufer waren mir um einiges lieber als diese Heerscharen von durstigen Blutsaugern. Was war ich doch froh, dass wir bei der Urlaubsplanung penibel darauf geachtet hatten, dass alle Zimmer unseres Bed & Breakfast mit Moskitogittern vor den Fenstern ausgestattet waren. So gern mein Mann auch zeltete, aber hier hatte ich mich durchgesetzt. 

Mir tat die Gruppe von Motorradfahrern leid, die wir im White Lion, dem urigsten Pub von Portree kennengelernt hatte. Die drei Herren befanden sich auf einer Tour durch Europa, auf der sie sich nicht nur den Montblanc und den Similaungletscher angesehen, sondern auch ein paar Tage auf dem Glastonbury Festival zugebracht hatten. Bis ans Nordkap hatte es sie verschlagen, nun wollten sie noch ein paar Tage in Schottland dranhängen und hatten zu diesem Zweck ihr Lager an einem der malerischsten Flecken, mit Blick über die Bucht mit den Muschelbänken aufgeschlagen. Leider reklamierten dieses traumhafte Plätzchen auch die gefürchteten Midges für sich, und nun waren Harry, Jon und Lucas verzweifelt auf der Suche nach einem wirksamen Mittel gegen diese Höllenbrut.

Portree (Port Rìgh) auf der Isle of Skye – ♁ 57° 25′ N, 6° 12′ W

An Freitagabenden spielten im White Lion Amateurmusiker auf traditionellen Instrumenten zum Tanz auf, und bei ihren energiegeladenen Konzerten war es völlig egal, wenn man zwei linke Füße hatte – ihre mitreißenden Klänge allein genügten, um unsere Lebensgeister neu zu beleben. Die drei Herren waren sichtlich angetan – war das riesige Musikfestival in Somerset nur teilweise nach ihrem Geschmack gewesen, so ging bei diesem Ceilidh von Anfang an die Post ab, und in einer Spielpause mischten sich die Musikerinnen unters Volk. Mein Mann, der alte Charmeur versuchte zwar, ein Gespräch mit Amy in Gang zu bringen, doch der rothaarigen Violinistin hatte es anscheinend Harry angetan, der es plötzlich auffallend eilig hatte, mit ihr nach draußen zu verschwinden. Achselzuckend widmete sich mein Mann wieder dem Rest seines Biers, während ich an der Theke die nächste Runde für unseren Tisch holte. 

Auf dem Rückweg fiel mein Blick auf Amy und Harry, die draußen die Köpfe zusammensteckten und angeregt tuschelten. Zurück am Tisch, erklang das markerschütternde Tröten einer Drucklufthupe, und die Musiker machten sich bereit, die zweite Hälfte ihrer Session in Angriff zu nehmen: Das Zeichen für Amy, eilig und außer Atem an ihren Platz auf der winzigen Bühne zurückzukehren – nicht aber ohne dem ein wenig zerzaust wirkenden Harry ein Küßchen auf die Wange zu hauchen und ihm einen Leinensack in die Hand zu drücken. 

Ungläubig machten wir große Augen, als Harry eine große Flasche selbst angesetzten Elixiers zur Abwehr der Mücken aus dem Beutel zog und sprachlos auf den Tisch stellte. 

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Acht Begriffe (Dachbegrünung, Eigentor, Sommerloch und Willkür fehlen) stecken in dieser 576 Wörter langen Etüde. Diesmal ist es eine Widmung an Schottland geworden.

Midges: Man sollte diese winzigen Stechmücken niemals unterschätzen – ich habe noch zwei Wochen lang trotz aller Vorsicht „meine helle Freude“ an den Resultaten ihrer Attacken gehabt – und ein Ceilidh ist eine Tanzveranstaltung, auf der es recht lebhaft und bunt zugeht. Wir hatten unseren Spaß dabei in Dufftown in den Highlands.

Dienstags-Gedudel #77 : Reisefieber, Teil 31 – Ode an die ewige Stadt

Doppelt genäht hält besser, und deshalb gibt es an diesem Dienstag im Rahmen des Dienstags-Gedudels gleich zwei Liebeserklärungen an Jerusalem, die ewige Stadt (ich weiß, auch Rom wird so bezeichnet).

Zum einen „Yerushalayim Shel Zahav“ von Ofra Haza (1957-2000), die wie so viele andere leider viel zu früh verstorben ist:

Ofra Haza – https://youtu.be/L8Co7IzOyhw

Und zum andern „Yerushalaim“ von Charles Aznavour (1924-2018):

Einer der ganz großen Chansonniers, gefunden auf youtube –
https://www.youtube.com/watch?v=UuBO1zgFDv8

Mögen sie in Frieden ruhen.