ABC -Etüden – Woche 36 & 37 – Etüde 1: Wasser marsch!

Die ABC-Etüden gehen nach der Sommerpause in eine neue Runde, um erneut am 1. Advent zu enden – dann folgen die Adventüden. Kaum zu glauben, dass wir uns schon in der 36. Woche befinden – so schnell ist das Jahr vorangeschritten…

… dennoch – die von Ludwig Zeidler für die ABC-Etüden auf Christianes Blog gespendeten Wörter (Schlick – ominös – putzen) machen mir wieder richtig Lust auf neue Schreibübungen (irgendwie habe ich das Gefühl, diesen Sommer nicht sehr produktiv gewesen zu sein). Deshalb geht das Charakterrecycling an dieser Stelle weiter.

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Wasser marsch!

Frühstück in der Heidekate – wie sich Schrödinger darauf freute: Extrastarker Kaffee, wachsweiche Frühstückseier, knusprige Brötchen und Erdbeermarmelade, Morgenzeitung inbegriffen – und auf den Spaziergang am Timmendorfer Strand, bei dem er trotz der Kälte seine Zehen in den Schlick bohren konnte. Aber ein Blick auf die zugefrorene Ostsee sagte ihm, dass er diese Wette mit den Kollegen schon bei seiner Anreise verloren hatte.

Ächzend schlurfte er ins Bad. Die heiße Dusche tat seinen Muskeln, die nach der zwölfstündigen Anreise des Grauens rebellierten, sicher gut. Ihnen nachzugeben, war jedoch keine Option. Dazu schrie der verlockend funkelnde Schnee unter einem veilchenblauen Himmel viel zu sehr nach einem ausgiebigen Spaziergang. Gähnend legte Schrödinger den Schalter um und tapste unter dem Summen der funzeligen Beleuchtung durch den rosé gefliesten Raum. Halbverschlafen zog er den Duschvorhang zur Seite. O Graus! Rostfleckige Armaturen und das ominöse Quietschen der Metallringe ließen ihn nichts Gutes erahnen. Dennoch beschloss er, den Start in den Morgen wie geplant fortzusetzen. Nach einer schönen Dusche und einer Tasse Kaffee würde er sich wie neugeboren fühlen. Auch wenn die Eigentümer der Pension wohl schon länger nichts mehr gemacht hatten – von einer altmodischen Einrichtung wie dieser ließ er sich nicht abschrecken. Ha, das wäre ja noch schöner!

Schwungvoll drehte er beide Wasserhähne gleichzeitig auf. Zuerst geschah nichts, dann ging ein Ruckeln durch die Leitung, und wie in Zeitlupe macht sich der Duschschlauch selbständig. Entgeistert musste er mitansehen, wie das Ungetüm geradezu explodierte und die eruptionsartige Wasserfontäne das Badezimmer unter Wasser setzte. Wasser marsch!

Egal, wie schnell er dieses Pandämonium abstellte – er würde erst einmal putzen müssen, um zu verhindern, dass das ganze Haus geflutet wurde. Doch dazu musste er erst einmal an dem peitschenden Schlauch vorbei kommen. Ein schier aussichtsloses Unterfangen. Übernachtung mit Frühstück waren ihm unschlagbar günstig vorgekommen? Jetzt wusste er warum.

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Die Freuden des Reisens, verpackt in 300 Wörter – hier erwarten sie Schrödinger, der seinen ersten Auftritt im Etüdensommerpausenintermezzo hatte. Bei dem Wort ominös handelt es sich übrigens um ein von dem Substantiv „Omen“ abgeleitetes Verb – und darunter versteht man ein Vorzeichen (meist unheilvoller Art) auf ein kommendes Ereignis.

6 Kommentare zu “ABC -Etüden – Woche 36 & 37 – Etüde 1: Wasser marsch!

  1. Ein ominöses Quietschen verheißt wirklich nichts Gutes – aber doch lieber an der Armatur als am Auto!
    Ansonsten ist mir Schrödinger erst mal sympathisch, ich hoffe, ihm passiert noch viel, worüber du schreiben möchtest 😁
    Abendgrüße 😁🌅🍷🍪👍

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.21 | Wortspende von Werner Kastens | Irgendwas ist immer

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