ABC-Etüden – Woche 38 & 39 – Etüde 2: Filmriss

Auf einem Bein kann man schlecht stehen – diese Binsenweisheit ist vermutlich anders gemeint, aber ich wende sie einfach mal auf die aktuellen ABC-Etüden (auf dem Blog von Christiane) an – mit den von Werner Kastens gespendeten Wörtern: Prophezeiung – anständig – verkrümeln.

Ich hatte mal wieder Lust auf eine Fortsetzungsgeschichte. Etüde 1 mit dem Titel „Der Ausflug“ machte den Auftakt zu einem erfundenen Reiseerlebnis.

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Filmriss

„Porca miseria!“ fluchte Luca, als das Licht erneut anging. Lag es an den durch die vorsintflutliche Technik verhinderten Anäherungsversuchen oder am entgangenen Filmgenuss? So viel zu „wir verkrümeln uns ins Kino“. Luca reichte es jetzt. Er stürmte zum Kassenhäuschen, um den Eintritt  zurückzuverlangen. Was für eine peinliche Vorstellung!

Natürlich sprach nichts gegen die Rückerstattung der dreißig Dollar – aber das wäre auch freundlicher gegangen. So ließen sich keine Punkte bei mir sammeln. Doch es kam noch dicker.

Nach dem Reinfall mit dem Nachmittag im ältesten Filmpalast Ontarios rührte sich mein Magen. Anstatt die unterwegs gekauften Macarons auf einmal zu futtern, hätte ich vielleicht doch etwas anständiges essen sollen. Aber Poutine in allen Variationen hatte mich einfach nicht locken können.

Jetzt hatte ich den Salat… und immer noch Hunger, und so gab ich die Marschrichtung vor – geradewegs in den nächsten Freßtempel. „The Paradise“ – die großen Lettern über dem Eingang verhießen ganz besondere Gaumenfreuden: „Cocktails, Burger & more“.

Kaum hatten wir bestellt, stießen wir auch schon an: mit einem Martini (gerührt) für mich und einem Gin-Tonic für Luca. Und weil man auf einem Bein so schlecht steht, genehmigte ich mir gleich noch einen. Aber hallo! Da hatte es jemand mit dem Wodka aber gutgemeint. Nun denn – nicht lang schnacken, Kopp in’Nacken, und ex…Es kam, wie es kommen musste: Vor dem Essen ist es ratsam, gewisse Räumlichkeiten aufzusuchen – weniger empfehlenswert dagegen, zu forsch aufzustehen; vor allem nicht mit der Bedienung im Genick.

„I was standing – you were there – Two worlds collided.“ – Mein ungespieltes Lieblingslied untermalte diese Szene: Ein Rums, und es regnete nicht nur Burger, sondern auch den Inhalt des Kellnerportemonnaies mit dem Münzgeld.

„Heute kommt eine große Geldmenge auf Sie zu“ – das hatte die Prophezeiung in meinem Tageshoroskop heute Morgen ganz bestimmt nicht gemeint.

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Die Fortsetzung des cineastischen Erlebnisses in exakt 300 Wörtern ist eine unbeabsichtigte Punktlandung geworden.