Cinema-Scope 2021 im September : „Alles mit S“

Finden Sie ein Thema mit S: Nach „Musik“ für den Mai und „Action“ für den August wollte ich für den September nicht schon wieder mit Science Fiction ankommen. Wie wäre es denn zum Beispiel mit „Starkino“? Ich glaube, an den „Stars“ scheiden sich die Geister – deshalb widme ich mich lieber Zufallsfunden oder Werken, die ich schon lange mal (wieder) sehen wollte und mit (zumindest mir) bekannten Darstellern punkten können – ihre einzige Gemeinsamkeit: Diesmal fangen alle Themen mit einem S an.

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So sind die Tage… und der Mond++ Bombshell – das Ende des Schweigens ++ Fisherman’s Friends – vom Kutter in die Charts ++ Into the wild ++ Crazy Rich ++ Frankenstein Unbound ++ Deine Juliet ++ Der Buchladen der Florence Green ++ Brexit: Chronik eines Abschieds ++ Letztendlich sind wir dem Universum egal ++ The Shape of Water – das Flüstern des Wassers ++ Dune, Part One ++ Hampstead Park – Aussicht auf Liebe ++ Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile ++ Regeln spielen keine Rolle ++ Alles eine Frage der Zeit ++ James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

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So sind die Tage… und der Mond (1990): S wie Sommerzeit. Dieser Episodenfilm, bei dem schon am Anfang bekanntgegeben wird, dass in soundsoviel Stunden eine Person aus dem Leben scheiden wird, steht schon seit Jahren auf meiner Liste von Filmen, die ich unbedingt noch einmal sehen wollte. Jetzt hat mir eine Freundin die DVD geschenkt. Welche Auswirkungen der Vollmond und die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit hat, ist noch immer nicht ganz klar – hier aber trifft es 13 Menschen, deren Schicksalsfäden in einem Megastau vor Paris zusammenlaufen, ganz besonders nachhaltig. Ich habe mich am Schluss allerdings gefragt, in welchem Universum die Uhren jemals von Freitag auf Samstag umgestellt worden sind.

Bombshell – das Ende des Schweigens (2019): S wie Sexismus. Von dem auf wahren Tatsachen basierenden Film mit Nicole Kidman, Charlize Theron und Margot Robbie in den Hauptrollen hatte ich mir tatsächlich doch etwas mehr versprochen. Das Thema „wir verklagen den Chef wegen sexueller Belästigung und decken frauenfeindliche Strukturen des einflussreichsten Fernsehsenders der USA auf“ hätte mich 2020 glatt ins Kino gezogen, doch dann kam Corona, und ich griff zur DVD. Über weite Strecken hatte ich trotz der Brisanz das Gefühl, dass die Handlung nur so dahinplätschert. Woran es lag? An der Besetzung vermutlich nicht – vielleicht gebe ich dem Werk in ein paar Monaten noch einmal eine zweite Chance.

Fisherman’s Friends – vom Kutter in die Charts (2019): S wie Shantys. Ein echter Geheimtip von meinem jetzigen Chef – als vier Freunde aus dem Londoner Musikbusiness zum Junggesellenabschied nach Cornwall fahren, können die dort ansässigen Fischer, die in ihrer Freizeit Shantys singen, nicht ahnen, dass ihnen eine unglaubliche Musikkarriere blühen wird. Eigentlich war der Vorschlag Troys (Noel Clarke – Dr.Who), den zehn Männern einen Vertrag anzubieten, als Scherz gemeint, doch sein Kumpel Danny nimmt die Sache ernst und nimmt mit der immerhin „653 Jahre alten Boygroup“ ein Demo auf, um für das Album eine Plattenfirma zu finden. Auftauchende Schwierigkeiten und eine sich anbahnende Romanze sind bei dieser romantischen Komödie zum Wohlfühlen ungeschriebenes Gesetz und machen die Story zwar ziemlich vorhersehbar – aber die schöne Landschaft haben mich über gewisse Schwächen in der Story hinwegsehen lassen. PS: Die Fisherman’s Friends gibt’s übrigens immer noch, wenn man dem Abspann glauben darf.

Into the wild (2007): S wie Scheitern. Vom beschaulichen Cornwall schalte ich um ins frostige Alaska. Denn dort hin zieht es Chris, einen jungen Aussteiger, der sich nach Abschluss seines Studiums von Geld und Besitz trennt, um sich nach erfolgreichem Verwischen seiner Spuren nach Alaska aufzumachen, allerdings nicht auf direktem Weg. In Rückblenden offenbart sich jedoch nicht nur, wie es Chris auf seiner Odyssee quer durch Amerika ergeht und welche Menschen er unterwegs trifft (Kristen Stewart, Hal Holbrook), sondern es sind vor allem die Zurückgelassenen, die an der Ungewissheit über seinen Verbleib zerbrechen. Am Ende steht dann eben nicht nur die grenzenlose Freiheit in einer grandiosen Landschaft, eindrucksvoll untermalt durch die Musik von Eddie Vedder (Pearl Jam), sondern auch das Scheitern des Überlebens in der Wildnis sowie die Erkenntnis, dass Glück nur dann wirklich echt ist, wenn man es mit jemandem teilen kann. Eine Erkenntnis, die in Sean Penns 148 Minuten langem Drama an dieser Stelle einhergeht mit dem langen, qualvollen Sterben Chris‘, nachdem er dank einer Verwechslung giftige Pflanzen zu sich genommen hat. Das war für mich schmerzhaft und schwer zu ertragen, und doch bereue ich nicht, mich für diesen Film entschieden zu haben.

Einsamkeit ist das, was du dort findest – https://www.youtube.com/watch?v=sfMZ29P5MHE

Crazy Rich (2018): S wie Singapur. Schauplatzwechsel und absolutes Kontrastprogramm zur bisherigen Kargheit und der Ablehnung weltlicher Güter… Wir befinden uns nun im Singapur der Reichen und Schönen, der Crazy Rich Asians (so der Originaltitel). Diese RomCom habe ich 2019 auf meinem Rückflug von Toronto nach Frankfurt im Bordprogramm genießen dürfen, weil ich wissen wollte, wie der gleichnamige Bestseller von Kevin Kwan umgesetzt wurde. Bis auf zwei britische Snobs zu Beginn des Films sind hier nicht nur sämtliche Darsteller (u.a. Michelle Yeoh, Henry Golding) asiatischer Herkunft, sondern auch der Soundtrack, der u.a. eine Coverversion von Madonnas Hit „Material Girl“ enthält… sagte ich etwas von Snobs? Die gibt es hier zuhauf – und gegen sie anzukommen, fällt der New Yorker Ökonomieprofessorin Rachel, die von ihrem Lebensgefährten Nick in dessen Heimat zur Hochzeit seines besten Freundes Colin eingeladen wird, zunehmend schwerer. Rachel, die nicht ahnen kann, dass Nicks Familie nicht nur äußerst vermögend und traditionsbewusst ist (die Familie geht über das persönliche Glück des Einzelnen), sondern auch sehr einflussreich, muss erkennen dass die Youngs die amerikanische „Goldgräberin“ wegen ihrer Herkunft als Nobody hinter einer zur Schau gestellten Höflichkeit von vornherein ablehnt. Doch aufgeben ist keine Option, und da sie nicht umsonst Spieltheorie unterrichtet, erweist sie sich für die Youngs bald als harte Nuss, an der sich vor allem Frau Mama und Großmutter die Zähne ausbeißen… Den Film fand ich äußerst erfrischend, auch wenn er längst nicht alle Facetten des komplexen und aufschlussreichen Romans einfangen konnte – doch warum man seinen Titel für den deutschen Markt verstümmeln musste, bleibt für mich genauso rätselhaft wie die in ihm dargestellte Gesellschaft.

Frankenstein Unbound (1990): S wie Schweiz, Schauergeschichte oder Sci-Fi. Auf meiner Suche nach einem Trailer für meinen Beitrag zum 532. Media Monday auf Youtube bin ich rein zufällig bei Roger Cormans Film mit Starbesetzung gelandet – in voller Länge und ganz ohne Werbung. Überraschung: Wir starten in New Los Angeles im Jahr 2031. Als Wissenschaftler Joe Buchanan (John Hurt) eine neuartige Laserwaffe entwickelt, die den Feind in Nichts auflösen, aber die Erde schonen soll, geht dieser Schuss nicht nur mächtig nach hinten los, sondern in alle Richtungen. Wie Frankenstein aus Mary Shelleys Roman, hat auch er ein Monster in Form eines Risses in Zeit und Raum erschaffen und landet im Jahr 1817 am Genfer See, wo er die Bekanntschaft mit Viktor Frankenstein (Raoul Julia) macht. Bei einem Prozess lernt er überdies Mary Shelley (Bridget Fonda) kennen, die skandalöserweise gleich mit zwei Männern zusammenlebt: mit ihrem Gatten Percy Shelley (Michael Hutchence) und ihrem Liebhaber Lord Byron (Jason Patric) und sich dann auch noch prompt mit dem sie als Schriftstellerin verehrenden Buchanan in eine Affäre stürzt: „Percy and Byron preach free love… I practice it“ – noch eindeutiger kann eine Aufforderung zum Stelldichein nicht sein, schließlich befinden wir uns im 19. Jahrhundert, so let the show begin… Dass es über kurz oder lang zur Begegnung mit Frankensteins Monster kommen muss, ist nur eine Frage der Zeit. Auf der Rechnung hatte er nicht, dass er Frankenstein bei der Erschaffung einer Gefährtin für das Monster mit Hilfe von Elektrizität helfen soll – genausowenig wie die verheerenden Folgen, die der Einsatz eines Lasers dabei nach sich zieht. Die Idee, einen schon x-mal verfilmten Gruselstoff mit einer Zeitreisegeschichte zu kombinieren, konnte 1990 nur verhältnismäßig wenige Kinobesucher begeistern und gerade mal 335.000 Dollar einspielen. Ich dagegen hatte bei dieser nicht ganz runden Zeitreise meinen Spaß. Zum einen wegen der klischeehaften Darstellungen der Labore und der teilweise echt trashigen Effekte, zum anderen wegen Bridget Fonda als Mary Shelley, der das Drehbuch mehr Raum gegeben hat als den Herren an ihrer Seite. Ihr Gesichtsausdruck, als Buchanan schon mal ihren Roman „Frankenstein“, den sie gerade erst zu schreiben begonnen hat, in voller Länge ausdrucken möchte, ist unbezahlbar.

Klingonen kommen in diesem Streifen nicht vor.

Deine Juliet (2018): S wie Schriftstellerin. In diesem Film von Mike Newell, der den Roman „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society) mit Lily James, Penelope Wilton (Dr.Who), Katherine Parkinson (The IT Crowd) u.a. verfilmt hat, erreicht die Londoner Journalistin und Schriftstellerin Juliet Ashton ein Brief von einer Insel im Ärmelkanal. Absender ist jener Club, den einige Einheimische während der Besatzung durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg aus der Not heraus spontan gegründet haben und der ihnen durch diese Zeit der Entbehrungen hindurchgeholfen hat. Fasziniert von ihrer Geschichte möchte Juliet die Menschen, denen Bücher alles bedeuten, unbedingt kennen lernen und reist umgehend nach Guernsey, wo sie schon bald dem Geheimnis der abwesenden Elizabeth, die an der Clubgründung beteiligt war, auf die Spur kommt – eine Spur, die im deutschen Konzentrationslager Ravensbrück endet… Mir hat diese stimmungsvolle Literaturverfilmung sehr gefallen und ein Stück Geschichte, das mir bislang unbekannt war, auf eine unaufgeregte und sehr berührende Weise nähergebracht. Bücher können Leben retten? Manchmal reicht auch eine einzelne Kerze, um Licht in die Finsternis zu bringen und einen in eine andere Welt zu versetzen.

Der Buchladen der Florence Green (2017): S wie Snobs. Die setzen alles daran, um die lesebegeisterte Mrs Green aus dem Old House zu vertreiben, in dem sie einen Buchladen eingerichtet hat – allen voran Violet Gamart, Ehefrau eines Generals (Patricia Clarkson) und der schleimige Milo North, ein Mitarbeiter der BBC (James Lance) – denn sie möchten hier ein Kulturzentrum etablieren, aber dabei ist Lesen doch auch Kultur. Leider greifen sie zu hinterhältigen Mitteln. So hoffen sie beispielsweise, dass der ins Sortiment des Ladens lancierte Roman „Lolita“ von Vladimir Nabokov, strategisch günstig in der Auslage des Ladens präsentiert, einen Skandal auslöst, doch der gewünschte Erfolg lässt auf sich warten. Den Film, in dem der von mir sehr geschätzte Bill Nighy einen liebenswerten Eigenbrödler und Büchernarren spielt, der sich ganz besonders für die Mars-Chroniken und „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury begeistert, hat mich in der ersten Hälfte eher dahindösen als mitfiebern lassen, auch wenn er jede Menge Lob und Auszeichnungen einheimsen konnte. Die feinen Zwischentöne kamen dann eher spät zum Tragen, so dass ich mich für das hochgelobte Meisterwerk schließlich doch noch erwärmen konnte. Hätte Bill Nighy nicht den feinfühligen Mr. Brundish gespielt, hätte mir der Film nur halb so gut gefallen.

Brexit: Chronik eines Abschieds (2019): S wie Spaltung. Wie es zu dem Referendum und dem allseits bekannten Ergebnis kam, zeigt dieser 92minütige Fernsehfilm mit dem im Original besser passenden Titel „Brexit: The Uncivil War“ mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle des Leiters der Exit-Kampagne Dominic Cummings. Veränderung um des Veränderns willen… Als Leiter der Exit-Kampagne sieht sich Cummings als Visionär, dem eine komplette Neuausrichtung vorschwebt – auf den erfolgversprechenden Slogan „Kontrolle zurückgewinnen“ kommt er durch einen Ratgeber für werdende Eltern – und greift zu mehr als fragwürdigen Methoden, um potentielle Wähler auszuloten. Im Gegensatz zu Politikern mit langjähriger Erfahrung, sieht er die Zukunft in der Zusammenführung persönlicher Daten, derer man mit Hilfe von AggregateIQ und Cambridge Analytica beim Durchkämmen sämtlicher Social-Media-Kanäle habhaft werden kann. Anders als es der vergleichsweise harmlos wirkende deutsche Titel vermuten lässt, läuft das Spektakel tatsächlich auf einen Krieg hinaus – das wird den Beteiligten spätestens dann klar, als bei einem Anschlag die Abgeordnete Jo Cox ums Leben kommt. Der Tip, sich an unserem gemeinsamen Filmabend damit zu beschäftigen, kam diesmal von meiner Schwester, die mir auch schon „Black Sails“ ans Herz gelegt hat. Ich glaube, ich lasse sie öfters mal die Auswahl treffen.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018): S wie Seelenwanderung. Jeden  Morgen im Körper einer fremden Person aufzuwachen und deren Bewusstsein für einen Tag zu übernehmen, ist für keinen der Beteiligten ein Spaziergang: weder für A, der auf die Erinnerungen der in Besitz genommenen Person zurückgreifen kann, noch für die „besessene“ Person, die sich am nächsten Tag nur bruchstückhaft an diesen einen, bestimmten Tag erinnert. Unter diesen Bedingungen eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen, erscheint unmöglich – und dennoch sucht A immer wieder den Kontakt zu Schülerin Rhiannon. Irgendwann stellt sich unweigerlich die Frage, ob A in das Leben der „besessenen“ Person eingreifen darf, wenn es sich bei einer solchen um ein Mädchen mit Selbstmordabsichten handelt oder er sogar in Rhiannons Körper schlüpft. Andere waren von dieser Literaturverfilmung unterschiedlich begeistert, ich war davon ziemlich angetan, auch wenn ich von den Darstellern keinen einzigen kannte.

The Shape of Water – das Flüstern des Wassers (2017)S wie Sixties. Eigentlich steckt das S schon im Originaltitel, der für mein Gefühl etwas seltsam ins Deutsche übersetzt wurde. Aber ob seltsam oder nicht – bei so viel Lob, das es auf diversen Blogs für diesen Film von Guillermo del Toro (Pans Labyrinth) schon gegeben hat, war ich zunächst skeptisch, doch als er mir in der Bibilothek unter die Finger kam, wurde ich neugierig, und mit Fortschreiten der Handlung um ein Wesen aus dem Amazonasgebiet, an dem amerikanische Wissenschaftler Versuche durchzuführen planen, wurde ich immer stärker in deren Bann gezogen. Ob es an Bühnenbild, Farbgestaltung und Kostümen lag? Oder allein von dem Plot? Der allein konnte bei mir schon punkten – wir befinden uns nämlich in den Sechziger Jahren und im Wettlauf gegen die Russen im Kampf um die Vorherrschaft im Weltall. Dumm, dass die Russen bisher nur den Raumfahrthund Laika vorzuweisen haben – und da kommt ihnen das Mischwesen – teils Mensch, teils Fisch – wie gerufen, und wenn es die Versuche nicht überlebt – who cares (nebenbei gesagt, sind die Russen auch nicht besser)… Die Lage für den zum „Ding“ degradierten Versuchskandidaten wäre hoffnungslos, gäbe es da nicht die stumme Reinigungskraft Elisa, die aus Mitleid dessen Flucht plant, um ihm in den Docks die Freiheit zu schenken und unerwartete Schützenhilfe durch den als Amerikaner getarnten russischen Wissenschaftler Dr. Robert Hoffstetler. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich öfters den in Blogs geäußerten Lobeshymnen folgen sollte – nach LaLa Land war das schon der zweite Kandidat, der bei mir ins Schwarze getroffen hat.

Dune, Part One (2021): S wie Spice. Als es hieß, Denis Villeneuve habe eine Neuauflage der Romanverfilmung geplant, war ich äußerst gespannt, zumal sämtliche positive Kritiken hervorheben, wieviel Zeit Villeneuve sich für die Erzählung des komplexen Stoffs gelassen habe. Nun ist mir nach zweieinhalb Stunden (die mir übrigens gar nicht so lang vorkamen) klar, dass er damit richtig gelegen hat. Besser als bei David Lynchs Version von 1984 hat mir gefallen, dass Villeneuve anscheinend auf das Prinzip „Show, don’t tell“ gesetzt hat: Hier hält zu Beginn des Films keine Stimme aus dem Off erst einmal eine gefühlte halbe Stunde lang einen Monolog über Geschichte und politische Verwicklungen, sondern es geht sofort los mit dem Wechsel in der Verwaltung von Arrakis, erzählt aus der Sicht eines der Bewohner dieses Planeten. Was es sonst noch Wissenswertes zu erfahren gäbe, wird einem dann in Szenen vor Augen geführt, in denen sich Paul Atreides (Timothée Chalamet) Wissen mit Hilfe von Lehrfilmen aneignet. Und um noch kurz bei diesem Charakter, der noch viel lernen muss, zu bleiben – dessen Zerrissenheit gepaart mit einem Quentchen Naivität und Kindlichkeit nehme ich Timothée Chalamet eher ab als Kyle MacLachlan, der den Messias wider Willen in der Fassung von 1984 gespielt hat und zu diesem Zeitpunkt ebenfalls 25 war. Kostüme und Bühnenbild sind für mich eine wahre Augenweide, und das übrige Staraufgebot (Rebecca Ferguson, Charlotte Rampling, Josh Brolin, Javier Bardem, Stellan Skarsgård) beeindruckend. Wenn ich den Schlußsatz („Und das ist erst der Anfang“) richtig deute, kann ich mich auf eine Fortsetzung freuen, aber ich weiß jetzt schon, dass „Dune“ für mich ein ähnlicher Klassiker werden könnte wie die Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“, denn auch hier wartet ein ganzes Universum mit eigenen Sprachen, Sitten und Gebräuchen darauf, entdeckt zu werden. Zur Einstimmung folgt jetzt erst mal ein Trailer.

Gemacht für die große Leinwand und nicht für daheim – https://youtu.be/RYp8xMRaIMQ

Hampstead Park – Aussicht auf Liebe (2017): S wie Siebzehn. Seit so vielen Jahren nämlich lebt Donald Horner (Brendan Gleeson) bereits in einer selbstgezimmerten Hütte auf einem winzigen Fleckchen Land in besagtem Park, hinter Büschen vor neugierigen Blicken verborgen. Seine Zeit verbringt er auf dem Friedhof von Highgate, Gemüse baut er vor der einfachen Hütte an, und zum Baden springt er in den Teich, in dem er auch angelt. Doch seinem idyllischen Leben steht das Aus bevor, denn wegen eines Luxusbauprojekts soll er für immer verschwinden. Schließlich sinken die Grundstückspreises in dem noblen Stadtteil wegen des „Penners im Park. Als die verwitwete Emily (Diane Keaton) rein zufällig durch ein Fernglas sieht, wie der Eigenbrötler überfallen wird, ruft sie die Polizei – und als sie ihn kurz darauf kennenlernt und erfährt, dass die Firma des Mannes ihrer Freundin Fiona hinter dem Bauprojekt steckt, beschließt sie, die drohende Zwangsräumung zu verhindern. Die Geschichte um das ungleiche Paar basiert auf einem tatsächlichen Fall: Als der in einem Park in Highgate lebende Harry Hallowes aus seinem Idyll vertrieben werden soll, zieht der vor Gericht und kämpft um das Land, das er seit Jahren bewohnt, indem er sich auf das Recht der sogenannten „adverse possession“ beruft – in einfachen Worten: Wenn jemand nur lange genug auf einem ungenutzten Grundstück wohnt, ohne dass ihm das Grundstück gehört oder er einen irgendwie gearteten Vertrag mit dem Eigentümer hat, erwirbt er sich das Recht auf Eigentum daran – und das mit Erfolg, denn am Schluss werden ihm 650 Quadratmeter zugesprochen.

Was nun folgt, ist das absolute Kontrastprogramm.

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile (2019): S wie Serienmörder. Was dem etwas sperrigen Titel nach klingt wie ein Horrorfilm, ist eine als Thriller angelegte Filmbiografie über den Serienmörder Ted Bundy (Zac Efron), erzählt aus der Sicht seiner ehemaligen Freundin Liz (Lily Collins). Als diese sich in den charmanten, attraktiven Jurastudenten verliebt und mit ihm zusammenzieht, ahnt sie noch nicht, dass er für das Verschwinden mehrerer junger Frauen in anderen Bundesstaaten verantwortlich ist. Nachdem er jedoch bei einer Straßenkontrolle in Utah im Gefängnis landet, wird bald klar, dass auch mehrere Vergewaltigungen, Morde und Mordversuche auf sein Konto gehen. Am Schluss können alle Unschuldsbeteuerungen, zwei abenteuerliche Fluchtversuche und das Feuern des Pflichtverteidigers, um sich selbst im Prozess zu vertreten, jedoch nicht verhindern, dass der auf Frauen so anziehend wirkende Psychopath von einem Geschworenengericht nach noch nicht mal sieben Stunden zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wird. Abgesehen von den wenigen Schockmomenten, in denen der Staatsanwalt, gespielt von Jim Parsons (The Big Bang Theory), etwas näher beschreibt, was die Opfer erleiden mussten, verzichtet der 110 Minuten lange Film glücklicherweise darauf, Bundys Verbrechen detailliert zu zeigen. Statt dessen konzentriert sich das Drama darauf, ihn als hochgradig manipulativen Psychopathen zu zeichnen. Ebenfalls nicht zu kurz kommt die Darstellung dessen, was das für seine Freundin bedeutet, die immer mehr an dem Charakter ihres Liebsten und der Echtheit ihrer Beziehung zu zweifeln beginnt. Zu weiteren Darstellern zählen John Malkovich als Richter Edward Cowart, Haley Joel Osment (The sixth sense) als Liz‘ späterer Ehemann und James Hetfield (Metallica) als Officer Bob Hayward, der ihn wegen zweier missachteter Stopschilder anhält und ihn anschließend verhaftet.

Regeln spielen keine Rolle (2016): S wie Sturzflüge. Die beziehen sich auf die Bruchlandungen, die Howard Hughes (Warren Beatty) regelmäßig mit verschiedenen Flugzeugen hinlegt – eine Tatsache, die seinen Chauffeur Frank (Alden Ehrenreich) nicht gerade beruhigt, als er von seinem Arbeitgeber zu einem Mitflug nach Mexiko aufgefordert wird, zumal der schwerreiche Regisseur mit zunehmendem Alter immer exzentrischer, oder besser gesagt dementer wird. Probeaufnahmen mit der Nachwuchsschauspielerin Marla Mabry (Lily Collins) geraten zur Farce, und als Marla dann auch noch von ihm schwanger wird, zweifelt Hughes ihre Glaubwürdigkeit an. Ärgerlich an diesem Film mit Starbesetzung war für mich nicht nur die ziemlich dünne Handlung, die sich über 127 Minuten erstreckte, sondern der Fokus auf Hughes‘ Rechsttreit mit der Fluggesellschaft TWA. Trotz schöner Kulissen und Kostüme waren diese zwei Stunden für mich verschwendete Zeit.

Alles eine Frage der Zeit (2013): S wie Südengland. Zeitreisen mal anders – oder: Keine Familie ohne Geheimnis. Hier trifft es im beschaulichen Cornwall die Familie Lake. Deren männliche Angehörige können durch die Zeit reisen – allerdings weder in die Zukunft noch in die Jahre vor ihrer Geburt. Beste Voraussetzungen, sein Leben so zu leben, als wäre jeder Tag der letzte, und vor allem begangene Fehler nachträglich zu korrigieren. Doch leider muss Tim (Domhnall Gleeson), dem sein Vater (Bill Nighy) an seinem 21. Geburtstag die frohe Botschaft bringt, die Erfahrung machen, dass das Bereinigen von Fehlern andere positive Wendungen nachträglich wieder zunichte machen können.

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (2021): S wie Spion. Dass dies Daniel Craigs letzter Auftritt als James Bond sei, war schon im Vorfeld immer mal wieder zu lesen. Ohne groß spoilern zu wollen, kann ich nach diesem 165 Minuten langen Spektakel sagen, dass sich diese Ankündigung vermutlich bewahrheiten wird. Ich war so frei, mir das letzte Agentenabenteuer in 2D anzuschauen, obwohl die vielen traumhaften Kulissen (z.B. das italienische Matera) sich geradezu für einen Kinobesuch in 3D anbieten – und bin nicht enttäuscht worden. Zugegeben – die Handlung war teilweise ein wenig verwirrend für mich, nämlich immer dann, wenn ich nicht mehr wusste, um wen oder was es eigentlich geht, aber die verschiedenen Elemente (im Hintergrund agierender Erzfeind, wie auf Drogen agierender Gegenspieler, eine universelle Bedrohung durch Biowaffen) waren dann doch nicht so undurchsichtig, als dass ich gar nicht mehr mitgekommen wäre. Ob es wirklich so clever war, den Maske tragenden Gegenspieler Lyutisfer Safin mit Ramik Malek (Bohmian Rhapsody) zu besetzen, lasse ich mal dahingetellt – und meine Vermutung, dass man hier bereits klammheimlich die kommende Doppelnull eingeschmuggelt hat, beruht auf meiner rein persönlichen Einschätzung. Titelsong von Billie Eilish schön und gut, aber mein ganz persönlicher Favorit war diesmal Q (Ben Whishaw), der einem freien Abend und dem damit verbundenen romantischen Date bei sich zu Hause entgegenfiebert.

Gesehen habe ich übrigens auch noch „Todesfalle Highlands“, der in den schottischen Highlands spielt (noch ein S) – aber nach zwei Wochen kann ich mich kaum noch an das Geschehen erinnern. War vermutlich spät und ich nicht mehr aufnahmefähig. Damit lasse ich es dann mal gut sein für den September, der nun vom nächsten Motto abgelöst wird. Für mich war die Gurke des Monats übrigens diesmal kein Film, sondern das Kino selbst, in dem ich mir den neuesten Bond-Film angesehen habe. Doch dazu werde ich später noch einmal etwas an anderer Stelle schreiben. Nun freue ich mich auf den bevorstehenden Horrorctober und zwei in den nächsten Wochen anlaufenden deutschen Spielfilme.

ABC-Etüden – Woche 38 & 39 – Etüde 4: Der Zonk

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Meine Fortsetzungsgeschichte im Rahmen der ABC-Etüden (auf dem Blog von Christiane) – mit den von Werner Kastens gespendeten Wörtern Prophezeiung, anständig und verkrümeln geht in eine weitere Runde.

Nach Etüde 1 mit dem Titel „Der Ausflug“, Etüde 2 zum Stichwort Filmriss und Etüde 3 „Das Resümee“ folgt nun Etüde 4 mit dem Titel „Der Zonk“. Wer wissen möchte, was ein Zonk ist, kann sich hier (auf Wikipedia) über diesen unerfreulichen Trostpreis schlau machen.

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Der Zonk

Auf dem Zimmer bleiben? Von wegen.

Kaum war die Tüte mit den Erdnüssen leer und der knackige Sportler vom Laufband verschwunden, hatte ich auch schon den guten Vorsatz über Bord geworfen. Dazu brauchte es keine Prophezeiung – wer mich gut genug kannte, der wusste, dass mich im Urlaub nichts länger als nötig im Hotel halten würde: Der Abend war noch jung, und mit etwas Glück gab’s unten im Ristorante noch einen Platz für mich.

Gedacht – getan. Kurz darauf saß ich, strategisch günstig mit Blick auf den Eingang des Fitneßstudios, an einem Zweiertisch und genoss einen edlen Tropfen aus der Region Niagara. Diesen Punkt konnte ich nun auch von meiner Löffelliste abhaken: Fünfzig Dinge, die ich schon immer tun wollte, zu denen auch ein anständiger Urlaubsflirt gehörte. Mit meinem Partner in Crime für den vergurkten Kinonachmittag hatte ich geglaubt, den idealen Kandidaten gefunden zu haben. Leider zu früh gefreut! Da hatte ich mir vielleicht ein Herzchen angelacht. Aber mit etwas Glück würde mir die Zielperson vom Laufband über den Weg stolpern.

And the lucky winner is… Da ging die besagte Tür auf, und ich zwinkerte dem Studiobesucher zu, der prompt mein Lächeln erwiderte und sich anschickte, die Fahrbahn in meine Richtung zu überqueren. War der Tag also doch noch nicht verloren… Das hatte ich aber auch nur gedacht – wie aus dem Nichts flötete mir eine nur zu bekannte Stimme ins Ohr: „Na, wen haben wir denn da?“ Luca? Na toll. Warum konnte er sich nicht einfach verkrümeln? Aber da hatte ich leider ganz schlechte Karten. Mit einem rhetorisch gemeinten „Du hast doch nichts dagegen, oder…“ schwang er sich auf den freien Stuhl und breitete sich ungeniert aus.

Schönes Schlamassel: Innerhalb weniger Sekunden war der vermeintliche Hauptgewinn zum Zonk mutiert.

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290 Wörter für den aktuellen Teil der Geschichte, die ich wahrscheinlich mit der nächsten Etüde fortsetzen werde.