Horrorctober 2021 : „Meilensteine des Horrorfilms“, Teil 2 

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Neun Filme sind von den dreizehn Ausgelosten noch übrig – verteilt auf drei Wochen, macht das drei pro Woche. Niete, Trostpreis oder Hauptgewinn – das ist auch hier die Frage. Zur Auswahl standen in der vergangenen Woche:

Die Kammer des Schreckens (1940) + Tanz der toten Seelen + Dan Curtis‘ Dr. Jekyll & Mr. Hyde + Genie des Bösen + Willard (1971) + Folter + Die Nacht der lebenden Toten (1968) + Der Hund von Baskerville + Totentanz der Vampire (1970)

Und diese Schweinderln durften es diesmal sein:

Die Nacht der lebenden Toten: Zombiefilm zum Dritten… Diesmal hat meine Schwester den Hauptgewinn gezogen, denn in George A Romeros Kultfilm aus dem Jahr 1968 sind die Zombies keine willenlosen Sklaven mehr, die von einem bösen Meister beherrscht werden, sondern kommen von selbst aus ihren Gräbern gestiegen, um über die Lebenden herzufallen. Da hilft dann nur noch ein Schuss ins Gehirn und das Verbrennen der gerade erst erneut ins Jenseits beförderten Zombies, die nur deshalb zu Untoten geworden sind, weil sie durch eine zur Erde zurückkehrende Raumsonde verstrahlt worden sind. Ein Klassiker des Horrorfilms – so viel zu dem Vorurteil, in einer Box mit so vielen Filmen könne nix dolles enthalten sein. Nach diesem gar nicht mal so üblen Auftakt hoffe ich auf weitere Sternstunden des gepflegten Gruselns.

Bei Willard handelt es sich nicht um die Kleinstadt aus „Die Nacht der lebenden Toten“, sondern um einen jungen, introvertierten Mann (Bruce Davison), der mit der Pflege seiner kranken Mutter (Elsa Lanchster) und der Instandhaltung der viel zu großen Familienvilla überfordert ist und von Al Martin, seinem Chef (Ernest Borgnine) schikaniert und ausgenutzt wird. Ratten sind seine einzigen Freunde – und nachdem Willard die intelligenten und putzigen Tierchen, denen er Namen gibt, dressiert hat, nehmen diese in seinem Leben immer größeren Raum ein, und zwar nicht nur sinnbildlich: Ratten haben nämlich die unwillkommene Eigenschaft, sich unkontrolliert zu vermehren). Mal lässt er sie auf die Gäste von Martins Gartenparty los, zu der er nicht eingeladen wurde – ein anderes Mal dienen sie als Ablenkungsmanöver, um bei reichen Leuten Geld zu entwenden, das er zur Begleichung der Steuerschulden benötigt, um das mit Hypotheken belastete Haus nicht zu verlieren; und besonders gern nimmt er Ben und Sokrates mit ins Büro. Als die unsympathische Sekretärin seines Chefs die beiden Lieblinge Willards eines Tages im Archiv entdeckt und Martin darauf hin ausgerechnet Sokrates tötet, nimmt Willard mit Hilfe von Ben und dem ihm über den Kopf gewachsenen Rudel blutige Rache, doch das ist erst der Anfang… Überraschung: In diesem 95 Minuten langen Vertreter des Subgenres „Tierhorror“ gibt es keinerlei Spezialeffekte – dafür benötigte man für die Szenen mit den in immer größerer Zahl auftretenden Nagern einen Tiertrainer, der im Abspann zusammen mit Ben und Sokrates genannt wird. Von den bisher gesehenen Horrorkandidaten hat mir übrigens dieser hier am besten gefallen, zumal die vierbeinigen Hauptdarsteller in keinem Moment verwahrlost oder räudig wirken, sondern sogar richtig niedlich, obwohl es ein Fehler ist, sie zu unterschätzen – schon allein in dieser schieren Masse.

Nur wo Edgar Wallace draufsteht, ist auch Edgar Wallace drin. Wer allerdings nur die späteren Verfilmungen aus dem deutschsprachigen Raum kennt, dürfte bei dem britischen Schwarz-Weiß-Film „The door with seven locks“ eine Überraschung erleben. Nachdem das British Board of Film Censors Mitte der dreißiger Jahre Filme mit übernatürlichen Themen und Vertreter des Horrorgenres freigab, kam am 12. Oktober 1940 Die Kammer des Schreckens in die Kinos. In dieser Romanverfilmung spielt Lilli Palmer die junge June Lansdowne, die in den Besitz eines der sieben Schlüssel für die Tür zur Grabkammer von Lord Selford gelangt und trotz Unterstützung durch Scotland Yard in Gefahr gerät. Die Synchronisation, die vermutlich neueren Datums sein dürfte, sorgte an manchen Stellen für unfreiwillige Komik – wenn z.B. der die Untersuchungen leitende Beamte der nervigen Freundin Junes mit den Worten „Sagte ich, dass ich an Ihrer Meinung interessiert bin?“ oder diverse unzensierte Flüche seinem Mund entfleuchen. Lustiger Zufall am Rande: Das unterhaltsame Spektakel mit 89 Minuten Lauflänge habe ich mir am 12. Oktober angeschaut – 81 Jahre auf den Tag genau nach dessen Veröffentlichung. 

Zum Abschluss dieser Woche habe ich mir einen Film aus dem Hause „Amicus“, dem Konkurrenzunternehmen zur „Hammer“-Filmschmiede gegönnt: Totentanz der Vampire, einen Episodenfilm mit Christopher Lee und Peter Cushing, bei dem vier kurze Horrorfilme in eine Rahmenhandlung um ein eigenartig veranlagtes Haus eingebunden wurden. Die Themen reichen von um sich greifendem Wahnsinn (Method for Murder) über Wachspuppen mit entsetzlicher Hintergrundgeschichte (Waxworks) und Hexerei mit Voodoopuppen (Sweets to the Sweet) bis hin zu Vampiren und ihrer ganz speziellen Kleidung (The Cloak). Meine Überraschung war groß, als im Abspann für die letzte Episode die Namen Geoffrey Bayldon (Catweazle) und Jon Pertwee (Dr. Who) genannt wurden, denn beide hätte ich nun überhaupt nicht erkannt – und tatsächlich hat mir dieser 102 Minuten lange Film bisher am meisten Spaß gemacht, schon wegen des Vampirthemas in der letzten Episode, in der sich ein Klischee an das andere reiht. Besonders gegruselt habe ich mich dabei nicht – dafür aber blendend amüsiert.

Die Woche ist jetzt zwar noch nicht vorbei, aber ich glaube kaum, dass ich heute und morgen dazu komme, mir einen der restlichen fünf Filme anzusehen – aber der Oktober ist ja erst zur Hälfte vorbei, und das Fantasy-Filmfest steht ja auch noch an, mit zwei Kandidaten, von denen einer auf jeden Fall zum Motto dieses Monats passt.

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