ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 2: Die lieben Kollegen

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Push the Button! Was auch immer mir die Inspiration für meinen zweiten Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog eingegeben hat, die drei von Puzzleblume gespendeten Wörter Biedermeier – niederträchtig – flöten unterzubringen, fand ich im zweiten Durchgang bedeutend schwieriger.

Auf Knopfdruck funktioniert sowas halt meistens nicht. Diesmal ist es ein rein meiner Fantasie entsprungener Ausflug in die Arbeitswelt und Feiern, für die man sich eigentlich nur fremdschämen kann.

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Die lieben Kollegen

„Lieber hochschwanger als niederträchtig“, flötete Wally angesäuselt. Wie unsensibel der armen Claudi gegenüber, die sich auf ihre Elternzeit freute und mit ihren Kollegen auf das freudige Ereignis anstoßen wollte. Vertieft ins Gespräch mit Leo, unserem Praktikanten, dem man das Digitalisieren der im Archiv lagernden Akten zugeschustert hatte, hörte sie glücklicherweise diese Gemeinheit nicht.

O Herr, lass Hirn vom Himmel regnen, flehte ich lautlos, und sie diese Tatsache unkommentiert lassen. Doch da hoffte ich vergebens, denn die Gratisdrinks lockerten nicht nur Wallys spitze Zunge, sondern brachten auch ihre unschönen Seiten zum Vorschein. Und bei Wally Neumann, die als Protegé des Personalchefs Narrenfreiheit genoss, waren sie leider nur zu ausgeprägt. Jetzt fiel ihr Blick auf das angeregt plaudernde Paar.

„Leo ist auch so ein richtiger Biedermeier!“

Obwohl sie offenließ, wen sie mit „auch“ meinte, wusste ich sofort, dass diese Spitze gegen mich gerichtet war. Einmal hätte ich sie fast erwischt, doch ich konnte ihr nichts beweisen – ihr hämisches Lachen hatte ich jetzt wieder im Ohr. Doch das war mir in diesem Moment egal, genauso wie es keine Rolle spielte, dass sie bei Leo abgeblitzt war oder nun allen klar sein musste, dass man ihre Ausfälligkeiten unmöglich ernst nehmen konnte. Das Maß war voll, denn Leo mochte zwar „der Nerd aus dem 37. Stock mit Hornbrille und Strickjacke“ sein, aber ein Langweiler war er mit Sicherheit nicht. Des Nachts der Man in Black, und am Tag wieder ganz anders.

Ach wenn sie nur wüssten, sie würden sich wundern.

Spätestens am Montag nach dieser unsäglichen Feier würden Leo und ich dafür sorgen, dass in diesem Laden Nägel mit Köpfen gemacht würden – als Neffe des Chefs hatte er mit seinen verdeckten Ermittlungen ins Schwarze getroffen und die liebe, schon länger unter Verdacht stehende Wally würde so schnell keinen unserer männlichen Auszubildenden und Praktikanten mehr belästigen.

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300 Wörter sind es auch diesmal wieder geworden.

ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 1: Schöner Wohnen

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Der Herbst geht in die Vollen – nicht mehr lange, und wir dürfen uns an den Adventüden erfreuen. Doch noch läuft alles wie gewohnt auf Christianes Blog und ihren ABC-Etüden, zu denen die aktuelle Wörter (Biedermeier – niederträchtig – flöten) von Puzzleblume gespendet wurden.

Dass ich die Adventüden erwähnt habe, kommt nicht von ungefähr; Christianes hübsche Illustration erinnert mich an Springerle und daran, dass ich so langsam mit der Weihnachtsbäckerei anfangen sollte. Die Reifröcke waren an der Inspiration für diese Etüde nicht ganz unschuldig.

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Schöner Wohnen

„Im Biedermeier (1815 bis 1848) stand der Rückzug ins Private hoch im Kurs“, leitete der Begleittext zu den Bildern im neuesten Katalog zu den unter den Hammer kommenden Objekten über. Obwohl sie fast nie zu solchen Auktionen ging, ließ sich meine Freundin Christa den Katalog immer noch regelmäßig schicken.

Förmlich hingerissen hielt ich den Atem an. Was für schöne Möbelstücke!

Allgemein als hausbacken oder konservativ verschrien, war mir dieses Einsortieren in Schubladen schon immer geradezu niederträchtig vorgekommen, denn besonders die Stühle mit ihren in ansprechenden Farben gestreiften Polstern und sanft geschwungenen Beinen hatten es mir angetan. Schlicht, elegant und gleichzeitig gemütlich… kein Wunder, wenn sich wegen eines Vulkanausbruchs das Klima weltweit so veränderte, dass einem nur die Flucht nach drinnen blieb.

Trotz der schönsten Sonnenuntergänge hielten sich die meisten in jenen Jahren lieber drinnen auf, also sollte es gemütlich sein. Besonders bei Soiréen mit Hausmusik, bei denen aber anscheinend niemand flötete, sondern Klavier spielte… ein solcher Abend musste wunderbar sein, doch Christa holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

„Ich weiß selbst, dass bei Dir finanziell nichts geht“, unterbrach sie meine Träumerei – sie hatte beruflich mit Antiquitäten zu tun und kannte die Preise, aber sie wollte auf etwas anderes hinaus. „und ich kenne Deine nostalgische Ader, aber gemütlich waren damals wohl nur die Sitzmöbel.“

Verstohlen rieb ich mir das Hinterteil, das mir schon bei der Vorstellung von abendfüllenden Hauskonzerten in Korsett und Reifrock wehtat. Da konnte man nicht bequem genug sitzen, und dennoch schielte ich im Geiste nach meinen Neuerwerbungen aus der aktuellen Kollektion einer bekannten österreichischen Modedesignerin, die ich zu so einer Auktion tragen würde: eine Bluse mit den für die zu versteigernden Möbel aus jener Epoche so typischen Streifen und eine sündteure Jeans – bequem und trotzdem stilvoll, und als Teile aus der sogenannten Biedermeier-Kollektion zudem noch passend.

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300 Wörter für den Ausflug in die Welt des guten Geschmacks. Obwohl Geschmack und guter Stil ja Ansichtssache sind – denn nichts ist so vergänglich wie die Mode, und wenn ich allein schon an die Damenhüte aus dieser Zeit denke… die Trägerinnen solcher Schuten dürften kein größeres Gesichtsfeld gehabt haben als Pferde mit Scheuklappen.

PS: Die Modekollektion dieses Namens gibt es übrigens wirklich, und die Teile sind wirklich sehr kostspielig, aber eine gestreifte Bluse kommt in ihr nicht vor (dafür aber so ein Kleid).

PPS: Manchmal braucht es keinen Vulkanausbruch wie den des Tambora 1815, der für ein Jahr ohne Sommer sorgte – bei der Pandemie, die wir seit letztem Jahr haben, spielte sich über Monate das Leben doch ebenfalls drinnen ab.

Projekt ABC – U wie Unterwasserfotografie

Nur noch wenige Buchstaben trennen uns vom Ende des Alphabets – heute ist beim fotografischen Projekt von wortman das U an der Reihe. 

Wer bei diesem Motiv denkt, ich wolle euch allen ein X für ein U vormachen, kann ja nicht wissen, dass nicht Quallen mein Thema sind, sondern …

… Unterwasserfotografie. Außerdem steht mein X schon lange fest.