ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 2: Die lieben Kollegen

.

Push the Button! Was auch immer mir die Inspiration für meinen zweiten Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog eingegeben hat, die drei von Puzzleblume gespendeten Wörter Biedermeier – niederträchtig – flöten unterzubringen, fand ich im zweiten Durchgang bedeutend schwieriger.

Auf Knopfdruck funktioniert sowas halt meistens nicht. Diesmal ist es ein rein meiner Fantasie entsprungener Ausflug in die Arbeitswelt und Feiern, für die man sich eigentlich nur fremdschämen kann.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Die lieben Kollegen

„Lieber hochschwanger als niederträchtig“, flötete Wally angesäuselt. Wie unsensibel der armen Claudi gegenüber, die sich auf ihre Elternzeit freute und mit ihren Kollegen auf das freudige Ereignis anstoßen wollte. Vertieft ins Gespräch mit Leo, unserem Praktikanten, dem man das Digitalisieren der im Archiv lagernden Akten zugeschustert hatte, hörte sie glücklicherweise diese Gemeinheit nicht.

O Herr, lass Hirn vom Himmel regnen, flehte ich lautlos, und sie diese Tatsache unkommentiert lassen. Doch da hoffte ich vergebens, denn die Gratisdrinks lockerten nicht nur Wallys spitze Zunge, sondern brachten auch ihre unschönen Seiten zum Vorschein. Und bei Wally Neumann, die als Protegé des Personalchefs Narrenfreiheit genoss, waren sie leider nur zu ausgeprägt. Jetzt fiel ihr Blick auf das angeregt plaudernde Paar.

„Leo ist auch so ein richtiger Biedermeier!“

Obwohl sie offenließ, wen sie mit „auch“ meinte, wusste ich sofort, dass diese Spitze gegen mich gerichtet war. Einmal hätte ich sie fast erwischt, doch ich konnte ihr nichts beweisen – ihr hämisches Lachen hatte ich jetzt wieder im Ohr. Doch das war mir in diesem Moment egal, genauso wie es keine Rolle spielte, dass sie bei Leo abgeblitzt war oder nun allen klar sein musste, dass man ihre Ausfälligkeiten unmöglich ernst nehmen konnte. Das Maß war voll, denn Leo mochte zwar „der Nerd aus dem 37. Stock mit Hornbrille und Strickjacke“ sein, aber ein Langweiler war er mit Sicherheit nicht. Des Nachts der Man in Black, und am Tag wieder ganz anders.

Ach wenn sie nur wüssten, sie würden sich wundern.

Spätestens am Montag nach dieser unsäglichen Feier würden Leo und ich dafür sorgen, dass in diesem Laden Nägel mit Köpfen gemacht würden – als Neffe des Chefs hatte er mit seinen verdeckten Ermittlungen ins Schwarze getroffen und die liebe, schon länger unter Verdacht stehende Wally würde so schnell keinen unserer männlichen Auszubildenden und Praktikanten mehr belästigen.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

300 Wörter sind es auch diesmal wieder geworden.

5 Kommentare zu “ABC-Etüden – Woche 42 & 43 – Etüde 2: Die lieben Kollegen

  1. Ich glaube, Wölfe im Schafspelz, die sich als Rächer der Entnervten entpuppen, hat sich schon so ziemlich jede*r mal gewünscht. Und jetzt ist ja bald wieder Feiersaison in den Firmen … 😫
    Kann dich gut verstehen. Danke für Etüde Nummer zwei! 😁👍
    Morgenkaffeegrüße 😁🌥️🍂☕🍪👍

  2. Spitzzüngigkeiten unter Kollegen scheinen das Hauptinteresse manchen Daseins zu sein, und diejenigen die gespannt auf die nächste Bosheit warten, statt sie zu ignorieren, sind leider auch zahlreich, da wünscht man sich schon einen, der dem mal ein Ende setzt.

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 44.45.21 | Wortspende von wortverdreher | Irgendwas ist immer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s