ABC-Etüden – Woche 44 & 45 – Spectaculum nocturnum

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Hach ja, nun ist mir doch noch eine Etüde eingefallen: Ein nicht ganz ernstzunehmendes Spektakel, das teils der Wirklichkeit und teils meiner Fantasie entsprungen ist – aus den von Wortverdreher gespendeten Wörtern Kürbis, kitzlig und krakeln – als Nachschlag und damit fünften Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog.

Viel Spaß beim Rätseln, was davon gelogen ist…

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Spectaculum nocturnum

Kehrt aus, kehrt aus, räumt leer das Haus… Legt weg die Sense und die Maus… Räumt leer die Truhen und den Keller… Sonst gibt es nichts mehr auf dem Teller.

Ratlos grübelten mein Schatz und ich über den kunstvoll angekokelten und auf antik getrimmten Fetzen Papier, auf den unsere Freunde die diesjährige Einladung zu ihrer Halloweenparty gekrakelt hatten. Was hatte sich Andrea wohl diesmal spektakuläres ausgedacht? In der Vergangenheit war so einiges dabei gewesen: das großflächige Fenstergemälde vor drei Jahren, den unter großem Getöse aus einer Kürbistorte gestiegenen Klabautermann vom letzten Jahr, und nicht zuletzt die über dem mit Spinnenweben dekorierten Garten schwebenden Himmelslaternen. Bei diesem Anblick gruselte es mich noch heute.

Hoffentlich sprang nicht wieder so eine Sensenfrau aus dem Gebüsch, um mich mit ihren spitzen Fingern zu traktieren, wo ich doch so kitzlig war. Mein Schatz hatte wahre Überzeugungsarbeit und einen Wegezoll in Form von drei Litern selbstgebrauten Met leisten müssen, um mich aus ihren Fängen zu befreien und ich hatte mich noch drei Tage später an einem exquisiten Muskelkater „erfreuen“ dürfen.

Groß und voll hing der Blutmond über dem an den Kirchhof angrenzenden Garten, in dessen vorderen Teil das schwarzgewandete Partyvolk in kleinen Grüppchen zu den mittelalterlichen Klängen irgendeiner Rockband beisammenstand. Weiter hinten, nahe bei der Friedhofsmauer, hatte man schon eine Grube ausgehoben und die Erde fein säuberlich verteilt.

Sanft wehte das Absperrband im Wind.

Plötzlich setzte die Musik aus, und mitten in die Stille hinein dröhnte Bachs Toccata in ohrenbetäubender Lautstärke. Wie das Rote Meer im Alten Testament teilte sich die Menge, als Andrea mit ihrem Gefolge nahte, um den Topf mit Kürbissuppe, der jahrelang im Keller geschlummert hatte, in einer feierlichen Prozession durch den Garten zu tragen und ihm so die letzte Ehre zu erweisen, bevor sie ihn in der feuchten Erde für immer versenkten.

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300 Wörter sind es, um genau zu sein.

Dienstags-Gedudel #94 : Reisefieber, Teil 48 – vergiss nicht, wo Du herkommst.

Not such a nice day. Es wird langsam kälter hier, und nach den drei Himmelsrichtungen Süden, Norden und Westen ist heute mal der Osten an der Reihe, aber eine Lobeshymne wird das nicht, eher beschaulich, melancholisch und sehr nachdenklich:

Silbermond liefern (auf youtube – https://www.youtube.com/watch?v=fTwHFo9I72U) mit diesem Stück die passende Hintergrundmusik zu diesem Tag, der dank Ideen von 1933 (vielleicht auch schon von früher) in die unrühmliche Geschichte eingegangen ist.