ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Bonjour Tristesse

Mein heutiger Beitrag zu den ABC-Etüden auf Christianes Blog speist sich aus meinen noch immer recht frischen Eindrücken der noch bis zum 16. Januar 2022 in Mainz laufenden Ausstellung „The Mystery of Banksy“. Das Thema „Kunst“ lässt sich also bestens mit den von Erinnerungswerkstatt gespendeten Wörtern Museum, biografisch und erinnern in Einklang bringen.

Allerdings stelle ich ihr eine Warnung voran – fröhlich ist das von mir behandelte Thema nicht; das Lesen meines Textes, der sich mit den düsteren Seiten des Lebens beschäftigt, dürfte bei manchen Lesern/Leserinnen ungute Gefühle auslösen und sollte daher mit Vorsicht genossen werden.

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Bonjour Tristesse

Erinnert sich noch jemand an den Pferdefleischskandal vor ein paar Jahren? Für eine Weile war die in britischen Supermärkten verkaufte falsch deklarierte Lasagne omnipräsent, doch wie schon so oft der Fall, schien auch dieses Thema aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein. Bis 2015 im englischen Badeort Weston-super-Mare der Antifreizeitpark „Dismaland“ eröffnete, der als zeitlich begrenztes Kunstprojekt von Banksy und vielen anderen Künstlern eine bitterböse Parodie auf Disneyland darstellen sollte, symbolisiert durch eine grotesk verzerrte Ariellefigur, die im Teich vor einem zerfallenden Cinderellaschloss posiert.

Wenn man erst einmal weiß, dass das englische Wort „dismal“ für „bedrückend“ oder „trostlos“ steht, wundert man sich dann auch nicht mehr über die trübe dreinschauenden Angestellten, erkennbar an ihren Mickymausohren, oder die Tristesse des Ortes selbst, bei dem es sich um ein stillgelegtes Spaßbad handelte.

Gewinnen konnte man beim Minigolf oder Dosenwerfen selbstverständlich nichts, die Szene mit der umgestürzten Kutsche und der herausgeschleuderten Cinderella inmitten eines gnadenlosen Blitzlichtgewitters bekam in Anbetracht des Unfalls von Prinzessin Diana einen beklemmend biografischen Charakter, und zwischen den bunten Holzpferdchen eines nostalgischen Pferdekarussells thronte ein Pferdemetzger mit Lasagneschachteln an seiner Seite. Womit wir wieder beim Ausgangsthema wären.  Der für Kinder ungeeignete Famiilien-Freizeitpark (Zitat Banksy) löste einen Besucheransturm sondergleichen aus, schloss aber bereits nach 36 Tagen wieder seine Pforten.

Wer jetzt etwas in Weston-super-Mare besichtigen möchte, muss nun mit dem Hubschrauber-Museum Vorlieb nehmen, was aber für Filmfreunde nicht uninteressant sein dürfte, denn auf seiner Webseite werben die Betreiber mit dem Mi8-Helikopter, aus dem Nathasha Romanoff im Marvel-Film „Black Widow“ gesprungen ist.

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Die 250 Wörter dieser Etüde beschreiben zur Abwechslung mal wieder Tatsachen und nichts, was ich mir von A bis Z ausgedacht habe. An diesen bedrückenden „bemusement park“ (bemusement = Irritation/Verwirrung) wurde in der Banksy-Ausstellung mit einem kurzen Film erinnert. Bei mir hinterließ das befremdliche Treiben ein schales Gefühl, ähnlich dem, das ich nach exzessivem Genuss von Fast Food habe oder nach dem ausgiebigen Besuch eines echten „amusement parks“.

4 Kommentare zu “ABC-Etüden – Woche 46 & 47 – Bonjour Tristesse

  1. Ach, spannend. Aber du hast recht: Kann schwer auszuhalten sein.
    Jetzt, wo du drin warst: Empfiehlst du die Ausstellung weiter, und/oder ist das nur was für Fans? 🤔😉
    Und oh: Gab es Banksy-Ratten dort – ich frage (wirklich) für eine Freundin 😁?
    Danke und Abendgrüße 😁🌧️🍵🥖🧀👍

  2. Pingback: Fazit Textwochen 46.47.21, willkommen Adventüden 2021! | Irgendwas ist immer

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