Projekt ABC – W wie Weihnachtskleid: Das Scarlett-O’Hara-Prinzip

Vor Jahren habe ich einmal bei einem gemeinsamen Projekt von nähenden Bloggerinnen mitgemacht, dem sogenannten Weihnachtskleid-Sew-Along – mit dem Ziel, sich ein neues Gewand für Weihnachten zu schneidern und mit Dokumentation und Präsentation der einzelnen Schritte und Phasen zu festgelegten Terminen (meistens Sonntags). Ich glaube, es gibt diesen Sew-Along auch dieses Jahr wieder, aber ich habe mich nicht angemeldet. Dafür ist mir spontan etwas ganz anderes in den Sinn gekommen.

Ich weiß ja nicht, ob sich noch jemand an den Film „Vom Winde verweht“ und die Szene darin erinnert, in der Scarlett O’Hara dringend ein neues Kleid braucht und sich aus Mangel an Material an dunkelgrünen Samtvorhängen vergreift. Genau so darf man sich das Ergebnis meiner Suche nach dem passenden Stoff für dieses Modell vorstellen, das ich mir ausgerechnet als erstes nach meiner drei Jahre langen Auszeit vom Nähen ausgesucht habe:

Das Original von 1950 – Modell #121 in Burda 7/2021

Der Schwierigkeitsgrad wurde mit drei von vier Punkten und der Stoffverbrauch mit ca. 4 Meter angegeben. Da ich aber selten eine Anleitung akribisch 1:1 nacharbeite und ich gerne den einfacheren Weg gehe, war mir schon zu Beginn klar, dass ich auf einige Details verzichten würde, wie zum Beispiel die Paspel, die im Original zwischen den Rockbahnen vernäht wurde. Und wozu noch mehr Stoff kaufen, wenn im Keller mehrere Meter eines Vorhangstoffs schlummern, von denen ich in einem Anfall von Größenwahn vor Jahren 12 Meter im Internet bestellt, aber tatsächlich nur aus insgesamt vier Metern Vorhänge für mein Wochenendhäuschen genäht hatte. Woher die vielen Meter bei diesem Modell kommen, wurde mir sehr schnell klar, als ich sah, aus wie vielen Teilen das Kleid besteht.

Allein für den dreistufigen Rock kommen zwölf Teile zusammen (vier pro Stufe), die obendrein auch noch in unterschiedlichen Richtungen vor dem Zuschneiden auf den Stoff gesteckt werden sollen. Bei unifarbenen Stoffen ist das keine große Sache – aber sobald Muster dazukommen, wird es kompliziert, und in meinem Fall kann von Symmetrie (wie bei Streifen oder Karos) keine Rede sein. Aber der eigentliche Knackpunkt neben der Kopfnuss, dass das Muster keinen Versatz haben soll, waren die unterschiedlichen Konfektionsgrößen für Oberteil und Rock: Rock in Größe 40 – Oberteil zwischen 38 und 40. Da waren Millimeterarbeit und Tricksen mit unterschiedlich breiten Nahtzugaben angesagt.

Nach der langen Rede kommen jetzt endlich die Bilder…

Die Vorderseite auf der Puppe
die Rückseite auf der Puppe – an mir sitzt es besser

… bevor ich das Kleid fertigstelle. Weihnachten ist tatsächlich ein realistischer Zeitpunkt, zu dem ich es fertig haben möchte, denn muss ich nicht mehr tun, außer den Rock vor dem Bügeln in Ruhe aushängen zu lassen, danach die rein dekorativen Knöpfe ohne Funktion aufzunähen und zum Schluss die Armausschnitte und den Rocksaum so umzunähen, dass es ordentlich aussieht. Et voilà: Fertig wäre dann mein persönliches, inoffizielles Weihnachtskleid und auf den letzten Drücker mein dritter Kandidat für das fotografische ABC (eine Aktion von wortman).

Morgen ist übrigens schon das X dran. Passend zum ersten Advent.