ABC-Etüden 2022 – Wochen 1&2 : Etüde 2 – Hausbesuch

Kurz und schmerzlos folgt hier nun mein zweiter Betrag zu den ABC-Etüden bei Christiane, mit den von Ludwig Zeidler gespendeten Wörtern Hoffnungsschimmer, unverzeihlich und nähen.

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Hausbesuch

Liebes Tagebuch…

Lobpreiset den Herrn! Frohlocket, denn unsere Gebete wurden erhört.

Unverzeihlich hatten wir es gefunden, dass sich unser alter Doktor zur Ruhe setzte, ohne einen Nachfolger zu bestimmen. Da sahen wir ganz schön alt aus, denn es war fast unmöglich, jemanden zu finden, der sich das Dasein eines Landarztes freiwillig antun wollte. Als sie hörten, dass sie ihre weitversprengten Schäfchen nur über serpentinenreiche, teils erbärmliche Straßen erreichen würden und erfahren mussten, wie unberechenbar das Wetter in den Bergen sein kann, haben die meisten Bewerber im letzten Augenblick das Weite gesucht. Mit jeder Absage schwand ein Stück unserer Zuversicht, bis uns kaum noch ein Hoffnungsschimmer blieb.

O diese Freude, als unser Pfarrer verkündete, dass der Vertrag mit dem neuen Doktor in trockenen Tüchern war und es bald losgehen würde. Ein Segen, dass er nähen kann und wir nicht mehr wegen jeder Platzwunde ins Krankenhaus am Ende der Welt fahren müssen, denn es braucht nur wenige Schritte vom Dorfkrug bis zu ihm. Da passiert ja gerne mal was.

Mit Brot und Salz besuchten wir ihn am Nachmittag, um ihn willkommen zu heißen. Auf gute Nachbarschaft… Wir mussten zwar mehrmals an dem altmodischen Klingelzug ziehen, bis er uns die Tür öffnete, doch nachdem er uns durch die Praxis geführt hatte, war das Eis schnell gebrochen. Ein wirklich sympathischer Mensch, dieser Doktor Frankenstein. So ein netter und kompetenter Mann. Ich glaube, mit unserem neuen Landarzt haben wir das große Los gezogen.

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238 Wörter für  diesen Tagebucheintrag.